Der Griff von Fenster oder Balkontür streikt und greift nicht richtig? Ob’s am Getriebeschloss liegt und wie Ihr es austauscht, seht Ihr hier.

Griffe von Fenstern und Balkontüren neigen dazu, irgendwann durchzudrehen – irgendetwas greift offenbar nicht mehr richtig. Der Griff selbst ist dabei aber eher nicht der Schuldige, sondern das Schloss vom Getriebe, also dem Mechanismus, der das Fenster auf Zu, Auf oder Kippe stellt. Der Tausch ist nicht ganz trivial, aber auch für Nicht-Handwerker machbar. Das Ganze wird Euch etwa 15 bis 35 Euro kosten.

Achtung: Die folgende Anleitung verzichtet weitestgehend auf Fachbegriffe – Ihr wollt sie nicht hören, ich kenne sie nicht. Die Anleitung gilt im Wortlaut für „Siegenia Trial“-Getriebeschlösser, dürfte aber bei den verbreiteten Herstellern ebenso funktionieren, nur dass es im Detail etwas anders ausieht als auf den Bildern.

Was ist defekt?

Wenn Ihr ein Fenster mal öffnet und auf die Innenseite schaut, seht Ihr ein Metallgestänge, das rund um das Fenster läuft. Genau genommen sind es drei einzelne Stangen an allen drei Fensterseiten. Darauf sind einige längliche Öffnungen, aus denen kleine Pinöppel herausragen. Unter der glatten Oberseite befinden sich bewegliche Zahnstangen, die die drei Gestänge miteinander verbinden. Darauf befinden auch die Pinöppel, die sich je nach Stellung im Fensterrahmen einhaken. Der Griff macht nun nichts weiter, als die Zahnstange auf der Griffseite zu bewegen und somit auch die verzahnten Zahnstangen von Ober- und Unterseite des Fensterrahmens. Und dadurch rasten die Pinöppel im Rahmen ein (= schließen) oder eben nicht (= öffnen).

Der Griff ist nichts weiter als das Handstück und im Innern ein Vierkantbolzen, der in das Getriebeschloss gesteckt wird. Das Schloss wiederum ist im Grunde nichts weiter als ein halbes Zahnrad, das in das Gestänge greift und es bewegt. Und wo Kraft und Bewegliche Teile aufeinander treffen, geht eben mal was kaputt. Tipp: Fenster(-rahmen) sauber halten und Getriebe ölen erhöht die Haltbarkeit. Wenn Ihr schon feste gegen das Fenster drücken müsst, damit es sauber schließt, wäre das ein guter Zeitpunkt ;)

fenstergetriebe reparieren

Das Getriebeschloss: Der Griff wird in das Loch gesteckt und dreht über das halbe Zahnrad Pinöppel rund um das Fenster.

Aber nun zur Reparatur, angefangen mit Fehlerdiagnose und Einkaufhilfe.

1. Griff entfernen

Zunächst müsst Ihr schauen, ob denn überhaupt das Getriebeschloss der defekte Part ist. Die Fenstergriffe sind in der Regel lediglich angeschraubt, die Schrauben unter einer Plastikkappe versteckt. Die Klappt könnt Ihr einfach mit dem Fingernagel oder einem Schraubendreher leicht anheben und dann zu Seite drehen. Löst die Schrauben und zieht den Griff samt Vierkantbolzen heraus.

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Fenstergriffe lassen sich in der Regel ganz einfach abschrauben.

2. Getriebeschloss prüfen

Wenn das Schloss hinüber ist, sehr Ihr jetzt tendenziell schon lockere Teile von dem halben Zahnrad, in dem der Vierkant gesteckt hat. Das sollte alles bombenfest sein – wenn Ihr etwas bewegen könnt, kann es weg.

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Das eingebaute Getriebeschloss – hier sollte nichts locker sein.

3. Richtiges Schloss finden

Auf dem Gestänge werdet Ihr irgendwo eine Bezeichnung des Herstellers finden – und mit der geht Ihr dann auf die Suche. Getriebeschlösser gibt es bei Amazon, bei eBay oder auch im Fachhandel, zum Beispiel Tonitec. Wichtig: Bei Tonitec ist ständig von Tonitec-Upgrade die Rede – ebenso bei anderen Anbietern. Die Schlösser bestehen aus zwei Hälften, die normalerweise genietet werden. Bei den Upgrade-Varianten sind die Nietenlöcher mit einem Gewinde versehen und so kann geschraubt werden. Das macht es deutlich einfacher.

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Hinweise auf Hersteller und Modell findet Ihr auf dem Gestänge.

4. Getriebe demontieren

Schraubt nun die Stange des Fensters los – bei einer Balkontür sind das rund zehn Schrauben. Ganz oben und unten gibt es vermutlich noch kleine, ein paar Zentimeter lange Metallplättchen, die die Enden der Stange absichern; dort, wo die Zahnstangen ineinandergreifen. Diese müsst Ihr auch lösen und dann nach oben/unten schieben – ganz abmontieren müsst Ihr sie in der Regel nicht. Das Schloss selbst wird noch einigermaßen fest im Rahmen sitzen. Drückt einfach mit dem Finger durch das Loch des abgeschraubten Fenstergriffs ein wenig nach, dann könnt Ihr die ganze Stange samt Schloss abnehmen.

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Unter diesen Metallplättchen verzahnen sich die Zahnstangen von Ober- und Griffseite.

Nun könnte eine kleine Besonderheit warten: Vor dem Schloss, dort wo bei normalen Zimmertüren der Riegel heraus kommt, sitzt vielleicht noch ein kleiner beweglicher Metallkasten wie unten auf dem Bild. Das ist lediglich eine Sicherung: Drückt Ihr drauf, könnt Ihr den Fenstergriff bewegen, wenn nicht nicht. Das sorgt dafür, dass sich der Hebel nur umstellen lässt, wenn das Fenster in den Rahmen gedrückt wird. Das verhindert dann wiederum eine versehentliche Stellung auf Kippe. Der Kasten ist optional, Ihr könnt ihn zur Not auch mit Gewalt entfernen – aber verbiegt nicht das Gestänge!

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Mit diesem Teil kann der Griff nur bewegt werden, wenn die Tür im Rahmen ist.

Auch das Schloss selbst dürfte ziemlich fest auf der Stange sitzen – wie gesagt, die Dinger werden vernietet. Hier hilft nur rohe Gewalt. Ihr könnt die Nieten aufbohren oder einfach ein wenig mit einem dicken Schraubendreher hebeln. Hier hat es sogar gereicht, mit einer Kombizange „ein wenig“ zu zerren und zu drehen … Abermals: Gestänge nicht verbiegen!

5. Schloss montieren

Nun kommt das neue Schloss auf die Stange. Wichtig: Die Pinöppel müssen in der Mittelposition verbleiben, so wie sie bei geöffnetem Fenster auch ausgebaut wurden (wenn das Fenster kein Auf-Kippe kann, gibt es natürlich nur oben und unten, keine Mitte).

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Wichtig: Diese Pinöppel müssen in der Mittelstellung (= Fenster geöffnet) sein.

Setzt zunächst die Hälfte mit dem halben Zahnrad auf die Stange, so dass dieses einrastet. Wichtig: Ihr seht auf dem Bild oben einen kleinen Pin, auf den das halbe Zahnrad gesteckt ist. Wer sich nun fragt: Wie dreht sich das denn dann? Gar nicht! Das ist eine Sicherung, die beim ersten Gebrauch abbricht. So ist sichergestellt, dass Ihr das Schloss korrekt in Mittelstellung (Fenster auf) installiert.

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Das halbe neue Schloss auf der alten Schiene.

Schraubt anschließend die zweite Seite fest.

6. Schloss testen

Nun könnt Ihr Griff samt Vierkantbolzen in das Schloss stecken und solltet auf die normalen Griffstellungen oben, unten und mittig drehen können.

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Das fertig montierte Schloss, lose auf dem Vierkant.

7. Getriebe montieren

Montage heißt hier im Grunde nur: Metallgestänge wieder anschrauben, Griff anschrauben, fertig. Aaaaber: Ihr müsst hier wirklich drauf achten, dass die Zahnstangen sauber und an der richtigen Stelle einrasten. Und bevor Ihr testet, zieht zumindest die Schrauben der Metallplättchen zur Sicherung oben und unten sowie ein paar Schrauben der Metallstange selbst an – vor allem direkt vor den Metallplättchen. Andernfalls könnte eine Zahnstange entbüchsen und Euch eine Anektdote einbringen …

Anekdote: Bei der Demontage hat sich hier der unterste Pinöppel offenbar irgendwo gelöst. Leider ließen sich dennoch alle Teile sauber montieren – leider, denn sobald die olle Tür einmal zu war, wollte sie unten nicht mehr aufgehen. Der Pinöppel war im Rahmen eingerastet und der Griff blockierte. Und weg war der Zugang zum Balkon … Also ab durch’s Schlafzimmerfenster und von außen versucht, ging aber auch nicht. Letztlich habe ich es gemacht wie die Einbrecher: Mit einem Schraubendreher aufgehebelt – dauert drei Sekunden und macht nur kleine Kratzer.

Soll einfach nur heißen: Achtet sorgfältig auf die Position der Pinöppel, zieht die Schrauben sauber an und testet die komplette Funktion von Griff und Schloss bevor Ihr sie wirklich im Rahmen testet. Wenn Ihr so ein Sicherungskästchen von oben wieder zurückmontiert, müsst Ihr halt mit dem Finger drauf drücken.

getriebe fenster

Das fertig eingebaute Getriebeschloss, hier ohne das Sicherungskästchen davor.

Und da dieses Thema für uns nun wirklich sowas von Off-Topic ist: Wir haben noch einen Off-Topic-Heimwerkerei-Artikel – da geht’s ums Bier.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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