Ein Minimalsystem, modular erweiterbar – irgendwo im Umfeld von Puppy, Gentoo und LfS, aber mit ganz eigenem Ansatz. Für Techies only, versteht sich.

Was es hier zu erwarten gibt, sollte klar sein: Tiny spricht Bände. Zudem ist das Installationsmedium von Tiny Core Linux selbst in der Plus-Variante mit 175 Megabyte in der Tat winzig. Für schmale Hardware sind solche Systeme meist schon interessant, für normale Nutzer eher nicht – meist ist schon die Einrichtung eine Pein. Das ist hier nicht unbedingt der Fall. Aber dennoch …

Über Linux-Distri-Impressionen

Ausführliche Infos: Quartett-Artikel und Distri-Impressionen-Übersicht. Hier nur ganz kurz zur Einordnung: Die Distri-Impressionen sind für das Quartett quasi „nebenher“ entstanden und sind keine tiefschürfen oder technischen Analysen. Es geht hier um das, was mir bei Installation, Einrichtung und Herumspielerei mit Desktop, Einstellungen und Tools aufgefallen ist. Was mich langweilt, was mich begeistert.

tiny core

Die Boot-Zeit ist nicht zu toppen – Punkt.

Tiny Core mit FLWM

Die eigentlich Distribution Core ist nur 16 Megabyte groß, die im Gegensatz dazu mit 109 Megabyte geradezu riesige CorePlus hat mich zum Antesten aber mehr interessiert. Schließlich geht es in unserem Quartett vor allem um normale User und Linuxe auf Desktops. CorePlus bringt sogar sieben verschiedene Fenstermanager zur Auswahl mit – einen traditionellen Desktop gibt es natürlich nicht. Aber der Fast Light Window Manager (FLWM) ist super schnell und einfach zu bedienen. Die Installation verläuft in VirtualBox erstaunlich gut, die Einrichtung der Gast-Erweiterungen scheitert jedoch trotz installierter Kernel-Header. Apropos: Das Installieren von Erweiterungen über den Terminal funktioniert hier über das Tool tce (Tiny Core Extensions). Man kann es einfach über tce aufrufen und dann über die angezeigten Kommandos weiterarbeiten – so kann man sogar ohne jegliche Erfahrungen mit dem System sofort aus der Kommandozeile heraus installieren. Sehr schön!

Es sind einige nützliche Tools mit an Bord, beispielsweise zum Mounten/Einhängen von Datenträgern, was auch problemlos funktioniert. Weitere können über das Programm Apps aus dem Dock installiert werden, derzeit stehen 3543 Pakete zur Auswahl, darunter Bekanntes wie Firefox oder LibreOffice.

tiny core linux

Der Window Manager genügt, Vollbild in der VM gibt’s leider nicht – ist aber verständlich.

Für ein so winziges System funktioniert alles erstaunlich flott und einfach, auch wenn die Optik – selbstverständlich – in Teilen eher nach Windows 3.11 denn nach 2019 aussieht. Aber wen stört’s, wenn man doch nur arbeiten will? Die Stärke des Zwergs liegt auch woanders: Die gesamte Installation benötigt nur 145 Megabyte auf der Festplatte und die Startzeit von 10 Sekunden in eine grafische Oberfläche ist beeindruckend. Das nächstschnellste System der Quartett-Auswahl ist das Live-OS Slax, ebenfalls mit Fenstermanager statt Desktop-Umgebung, mit 17 Sekunden. Nun, Linux from Scratch kommt noch, aber mit GUI wird das vermutlich kaum schneller sein.

Vergleicht man Tiny Core mit Puppy muss man sagen, dass Puppy für Otto Normalverbraucher mit ein wenig mehr Technikerfahrung durchaus nützlich sein kann, Tiny Core ist nur für Techies von Interesse. Ein kurzer Blick auf CorePlus wird dem Projekt natürlich nicht wirklich gerecht, Fakt ist, mit Tiny Core dürften sich viele viele Uraltgeräte perfekt nutzen lassen, ohne sich nur im Terminal zu tummeln. Mir hat es jedenfalls erstaunlich gut gefallen – jetzt bräuchte ich nur noch einen Anwendungszweck …

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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