HardwareLinux & Co.

Thinkpad X13 Yoga: Ubuntu neben Windows – ob und wie

Mit Windows 11 naht der nächste Horror - wie gut läuft Ubuntu auf dem Yoga?

Lenovo liefert mittlerweile auch X13-Yoga-Thinkpads mit vorinstalliertem Linux, das X13 ist Ubuntu-18-zertifiziert, Kooperationen mit Fedora … Gut und schön, aber was ist mit Geräten mit vorinstalliertem Windows? Wie kommt Ubuntu aufs Gerät? Und wie gut läuft ein aktuelles Ubuntu 20.04? Wir zeigen Euch, wie Ihr Ubuntu neben Windows installiert und wie gut oder schlecht das X13 Yoga gen 1 damit läuft.

Weg mit Windows

Mein Lenovo Thinkpad X13 Yoga gen 1 kam natürlich noch mit Windows 10. Und es blieb auch bei Windows 10, da insbesondere der Yoga-Aspekt einfach runder lief. Zudem hatte Lenovo bereits offizielle Linux-Unterstützung angekündigt. Mittlerweile gibt Ubuntu das Modell als zertifiziert für 18.04 LTS an.

Offiziell oder nicht spielt aber keine Rolle, denn das X13 Yoga hat mit Windows ein massives Problem, wie auch andere Nutzer berichteten: Der Power-Button blinkt, aber weder kurzes noch langes Drücken weckt es wieder auf – nur ein Reset per Nadel hilft! Und mein X13 wurde schon sehr häufig gestochen … Das Ganze liegt irgendwo an der Kombination aus dem Schließen der Klappe und einer Stromsparfunktion. Vielleicht ließe sich das irgendwie lösen, aber das war mir ehrlich gesagt einfach zu dumm, um mich damit zu beschäftigen. Insofern muss sowieso ein Linux drauf. Und Spoiler: Seither keine Resets.

Her mit Linux

Bei Reddit finden sich Berichte, dass Fedora einwandfrei läuft, aber ob der Update-Politik der Distribution ist das nicht unbedingt ein System für den alltag normaler Nutzer. Auch Debian soll laufen, aber ob einiger spezieller Hardware-Features (Stift, Yoga) und offizieller Ubuntu-18-Unterstützung, spricht alles für Canonicals Debian-Derivat. Und da Ubuntu 20.04 LTS noch bis 2030 unterstützt wird, kann man sich getrost darauf einlassen.

Persönlich bin ich kein großer Gnome-Freund, aber es soll hier zunächst beim Standard-Desktop bleiben, um nicht noch mehr Baustellen zu eröffnen. Aber natürlich müsst Ihr Euch auf das Experiment nicht blind einlassen, sondern könnt zunächst ausprobieren: Ubuntu lässt sich wunderbar von einem externen USB-Speicher betreiben – mit einem Mini-Stick könnte man sich die interne Installation fast sparen.

Ubuntu installieren

Erstellt zunächst ein Boot-Medium mit Ubuntu. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, die wir auch schon vorgestellt haben, etwa per Unetbootin oder per Etcher. Wenn es sich um einen Stick handelt, der als externer Speicher von Windows erkannt wird, funktionieren alle Tools. Wenn es sich um eine USB-Festplatte handelt, die von Windows als interner Speicher erkannt wird, funktioniert zum Beispiel Unetbootin nicht – Etcher aber sehr wohl! Also:

  1. Ubuntu-ISO herunterladen
  2. Etcher installieren
  3. In Etcher ISO und USB-Medium wählen
  4. Flash-Vorgang durchführen
Etcher: Image und USB-Gerät wählen – Flash!

Wichtig: Wenn Ihr BitLocker nutzt, müsst Ihr die Laufwerksverschlüsselung zunächst deaktivieren, da Ubuntu ansonsten nicht auf den Speicher zugreifen kann. Das erledigt Ihr über die Einstellungen beziehungsweise Systemsteuerung\Alle Systemsteuerungselemente\BitLocker-Laufwerkverschlüsselung.

Nun müsst Ihr vom USB-Medium booten: Ihr könnt das direkt von Windows aus tun, indem Ihr über Einstellungen/Wiederherstellungsoptionen/Erweiterter Start/Jetzt neu starten geht und dort das USB-Medium für den Neustart wählt. Oder Ihr startet den Rechner einfach neu und ruft beim Systemstart das Bootmenü auf: Sobald das Lenovo-Logo erscheint schnell auf F12 klicken (oder Enter, um ins BIOS zu gelangen).

Nach dem Ubuntu-Start habt Ihr dann die Wahl: Ausprobieren oder installieren. Ich würde empfehlen, zunächst zu testen, Ubuntu läuft von USB flott genug, um nicht zu verzweifeln. Auf dem Desktop des gebooteten Ubuntus findet Ihr dann ein Icon, um die Installationsroutine zu starten.

Die Installation an sich ist völlig unproblematisch, im Grunde müsst Ihr nur die Standardoption Ubuntu neben Windows installieren wählen und dann per Schieberegler die Partitionsgröße festlegen. Danach läuft die Routine wie üblich durch und fragt nach WLAN-Verbindung, Nutzername, Passwort, Sprache und so weiter. Tipp: Ihr könnt bei der Installation auch Treiber von Dritten und Updates zulassen, was ich allen empfehlen würde, die keine sehr guten Gründe dagegen haben. Auch die Livepatch-Funktion könnt Ihr getrost aktzeptieren, dabei werden Sicherheitsupdates schneller und mit selteneren Neustarts eingespielt.

Läuft es?

Oh ja, es läuft – und zwar hervorragend! Der Stift funktioniert, die Yoga-Funktionen (Orientierung des Displays) laufen perfekt, Touchscreen, Touchpad und Lenovo-Navigation ebenfalls, Klappe und Stromsparmodi machen keinen Ärger, die Webcam tut, was sie soll und selbst der Fingerabdrucksensor ermöglicht umgehend die Registrierung von Fingern. Bislang funktioniert schlicht weg alles!

Stift, läuft.

Den Fingerabdrucksensor könnt Ihr über Settings/User/Fingerprint Login konfigurieren. Auch im Terminal lassen sich Finger registrieren:

fprintd-enroll
Fingerabdrucksensor? Kein Problem!

Eigentlich waren für diese Stelle jetzt noch ein paar Tipps zur Einrichtung geplant – aber es gibt schlicht nichts Spezielles zum Einrichten, Ubuntu läuft standardmäßig wesentlich runder als Windows. Beispielsweise musste ich unter Windows beim Login fast immer zweimal den Fingerabdrucksensor bemühen. Und allein der Windows-Suspend-Reset-Bullshit ist Grund genug, auf Linux umzusteigen.

Ha! Da fällt mir doch noch was zum Konfigurieren ein: In den Accessability-Einstellungen könnt Ihr noch ein Onscreen-Keyboard aktivieren, um auch ohne Tastatur tippen zu können. Das war bei Windows tatsächlich standardmäßig aktiviert.

Nachtrag: Sollten sich doch noch Probleme bei irgendwelchen Features oder Geräten ergeben, werden sie nachgetragen.

(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm)
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help

3 Kommentare

  1. Toll, wenn das so zackig funktioniert. Ich arbeite mit einem Acer-Notebook mit Touchscreen … und genau den habe ich nicht zum Laufen bekommen. Auch kein Ton über die integrierten Lautsprecher. Über BT oder HDMI kommt der Ton. Habe alle aktuellen Ubuntu-Versionen (LTS und nicht), Mint usw. ausprobiert. Kommt nix. Kann ich aber mit leben. Aber out-of-the-box beim Acer Travelmate P614 keine Chance!

    1. Das entspricht ungefähr meinen Erfahrungen mit einem Dell Xps 13 von 2018 und Ubuntu Linux. Auf den Touchscreen hätte ich sogar verzichten können, allerdings war die Akkulaufzeit signifikant schlechter als bei Windows 10. Abgesehen von einem Uralt-Desktop habe ich mit Linux als Betriebssystem bislang kein Glück…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Empfohlene Beiträge

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
Tutonaut.de