Fette Mail Clients wie Thunderbird oder gar Outlook haben zweifelsohne ihre Berechtigung, aber auf schlanken Rechnern wie dem Raspberry Pi oder alten Netbooks fressen sie nur ungehemmt Ressourcen. Es geht aber auch passend schlank und schön übersichtlich auf der Kommandozeile – mit Mutt.

Fette Mail Clients wie Thunderbird oder gar Outlook haben zweifelsohne ihre Berechtigung, aber auf schlanken Rechnern wie dem Raspberry Pi oder alten Netbooks fressen sie nur ungehemmt Ressourcen. Es geht aber auch passend schlank und schön übersichtlich auf der Kommandozeile – mit Mutt.

Mutt ist ein übersichtlicher und einfacher Mail Client, der wunderbar einfach mit beliebig vielen Accounts betrieben werden kann und in vielen Linuxen vorinstalliert ist. Für unser Beispiel nutzen wir „normale“ Accounts, wie sie von Google, AOL oder Euren eigenen Webspace-Anbietern kommen. Das Gute: Die Darstellung ist sehr übersichtlich, per Pfeiltasten und Leertaste lässt sich bequem navigieren und der Ressourcenverbrauch ist minimal. Zudem bietet Mutt massig optionale Funktionen, die allesamt über Tastenkürzel erreicht werden können. Auch der Versand direkt vom Terminal, ohne Mutt-„Fenster“, ist möglich – quasi die Textversion von 1-Klick-Mail basteln wir ganz am Ende mit einer Zeile. Das nicht ganz so Gute: Ihr müsst ein paar Konfigurationsdateien anpassen – was aber auch nicht viel länger dauert als bei Thunderbird. Die Anleitung ist unter Debian Wheezy entstanden, sollte aber überall funktionieren, da auschließlich Mutt betroffen ist.

1. Dateien anlegen
Standardmäßig ließt Mutt die Konfiguraiton aus der Datei .muttrc im Nutzerverzeichnis – wird nur ein Account genutzt, genügt diese Datei. Wir wollen aber mehrere Accounts nutzen. In diesem Fall stehen in der .muttrc lediglich die Verweise auf die einzelnen Konfigurationsdateien sowie allgmeine Einstellungen. Benötigt werden also für das Beispiel drei Dateien – für unser Beispiel liegen alle im Nutzerverzeichnis:

.muttrc
.mutt_konto1
.mutt_konto2

2. .muttrc konfigurieren
Zunächst müssen Mutt die Accounts mitgeteilt werden:

macro index 'source ~/.mutt_konto1!'
macro index 'source ~/.mutt_konto2!'

In Mutt könnt Ihr später mit F2 und F3 zwischen den Konten wechseln, der Standard wird festgelegt mit:

source ~/.mutt_konto2

Optional dürft Ihr hier Shortcuts festlegen, etwa

bind index G imap-fetch-mail
bind index A next-unread-mailbox

um mit Shift+A die nächste Mailbox mit neuen Nachrichten zu öffnen beziehungsweise mit Shift+G die Mailbox abzufragen.

3. Accounts einrichten
Hier also zunächst eine sicher funktionierende, kommentierte Beispielkonfiguration in der Datei .mutt_konto1 – leider nur als Bild, weil sich WordPress weigert, den Code korrekt auszugeben, Ihr könnt es aber hier die Beispiel-Config herunterladen:

Beispiel-Config für eine .mutt_konto2

Die IMAP- und SMTP-Zeilen müsst Ihr entsprechend Eurer Anbieterdaten ändern – ob Web.de, Google oder eigener Dienst spielt keine große Rolle, aber mal heißt es imap.meine-domain, mal mail.meine-domain oder der Port ist ein anderer, aber funktionieren sollte es mit allen Anabietern. Die Sicherheitsoptionen zu SSL und TLS solltet und müsst Ihr teils auch setzen. Die weniger wichtigen Optionen steuern hier vor allem den Abruf – auf der Mutt-Homepage findet Ihr alle Optionen.

4. Mutt nutzen
Sind beide Dateien angelegt, startet Mutt einfach per mutt-Eingabe. Beim ersten Start fragt Mutt gegebenenfalls, ob der Server/das Zertifikat in Ordnung ist und zeigt anschließend den Posteingang des festgelegten Standard-Accounts. Navigiert in der Liste mit Pfeil-Rauf/-Runter, ruft einzelne Mail per Enter auf und blättert mit Space – die wichtigsten Kommandos sind aber auch direkt eingeblendet.
Beim Antworten drückt Ihr zum Beispiel erst r, besätigt dann den Empfänger und den Betreff und anschließend öffnet sich der Texteditor nano für die eigenliche Mail. Beendet nano mit Strg+x, bestätigt das Speichern der temporären Datei mit y, den Namen mit Enter und dann den Versand – sofern alles passt – mit y. Kurz: r – Enter – Enter – Texteingabe in nano – Strg+x – y – Enter – y. Das geht letztlich schneller als es sich vielleicht anhört. Noch schneller:

OK, kein Eyecandy – aber übersichtlich und fix.

Und da sich hier Passwörter im Klartext in den Dateien befinden, solltet Ihr zumindest Fremden die Leserechte entziehen:
sudo chmod o-r .mutt_konto1
erledigt genau das (o-r steht für Others minus Read-Rechte).

5. 1-Word-Mail einrichten
Mutt kann wie versprochen auch von der Kommandozeile direkt mailen. Mit einem Alias könnte Ihr etwas eine Art Blitzmail realisieren, eine fixe Adresse, an die Ihr mit möglichst wenig Aufwand Mails schickt. Fügt dafür eine Zeile in der Art
alias mailmir='mutt -f mutt_konto1 ichselbst@meine-domain.de -s MeinBetreff'
in die Datei .bashrc ein. Nach einer Neuanmeldung im Terminal oder am ganzen System könnt Ihr dann zum Beispiel eine Datei test.txt mit dem Befehl
mailmir -a test.txt
an Euch selbst schicken – eine schlanke Möglichkeit, Euch Notizen, Dateien oder sonstwas zu schicken. Natürlich bieten sich hier auch andere Aliase der Art „mail-thomas“ oder „mail-oma“ an.

Schneller mailen per Alias.

Und noch ein paar Bilder, weil’s so schön ist:

Bilder? Braucht kein Mensch in Mail, nun, in vielen Mailboxen nicht – Links sind aber natürlich dennoch anklick… – äh, verfolgbar.

Konversation

Empfänger und Betreff werden kurz und bündig in einer Zeile abgehandelt.

Ein echter Texteditor, wenn auch ein schlanker.

Dateien für mehrere Konten und die .muttrc als zentrale Konfig-Datei.

Die Hilfe ist nah – einfach ? in Mutt eingeben.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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