Auf der Suche nach dem perfekten Ersatz für Apples sauteures Thunderbolt-Display? Der Thunderbolt-Monitor LG 29UC97-S konnte im Test überzeugen, hat jedoch einige kleine Designmängel.

Nach Jahren mit einem iMac bin ich im Frühjahr auf ein Macbook Pro 15″ umgestiegen. Das Display ist brillant, die Performance dank Quadcore-i7, 16 Gigabyte RAM und einer 512 GB-SSD hervorragend. Dummerweise bekam ich Nackenschmerzen beim Arbeiten an dem Gerät: Notebooks sind nicht für dauerhaftes Arbeiten geeignet. Und so entschloss ich mich – nach einem Intermezzo mit einem preisgünstigen Full-HD-Monitor von AOC (AOC I2269VWM), endlich mal ein wenig Geld zur Steigerung der Ergonomie in die Hand zu nehmen und beschloss, mir den Thunderbolt-Monitor LG 29UC97-S anzuschaffen und ausgiebig zu testen.

Macht sich gut auf dem Schreibtisch.

Elegantes Design und Thunderbolt-Anschluss

Nach dem wie bei allen Monitoren ausgesprochen fummeligen Auspacken des LG 29UC97-S (das „S“ ist wichtig, die wenig günstigere Variante 29UC97 ohne „S“ besitzt nämlich kein Thunderbolt) muss der Monitor zunächst aufgebaut werden. Dazu wird zunächst der Standfuß zusammengeschraubt, anschließend wird der Bildschirm daran befestigt. Das ist nicht ganz einfach: Wer kann, sollte eine zweite Person zur Seite haben. Ist der Monitor jedoch einmal aufgebaut, besticht er mit seinem eleganten Design: Der Rahmen ist auf ein absolutes Minimum reduziert, der Alu-Standfuß macht auf Schreibtisch eine gute Figur und die weiße Rückseite mit den verschiedenen Anschlüssen sieht ebenfalls elegant aus und kann sich durchaus mit dem iMac messen lassen. Ein wenig störend: Das Netzteil ist extern. Angeschlossen wird der LG-Bildschirm per Thunderbolt, HDMI oder Display-Port, VGA und DVI gibt es nicht. Außerdem ist ein vollfunktionaler 2-Port-USB-3.0-Hub verbaut, mehr Ports wären allerdings wünschenswert. Am Mac ist vor allem die Thunderbolt-Schnittstelle interessant: Diese gibt nicht nur den Bildschirm selbst, auch der USB-Hub ist nutzbar, außerdem wird der Ton an die integrierten Boxen übertragen. Ein zweiter Thunderbolt-Anschluss, an den weiteres Thunderbolt-Zubehör – Docks, Festplatten oder Audio- und Videogeräte oder Display-Port/Thunderbolt-Monitore – angeschlossen werden kann, ist ebenfalls dabei.

… bleiben diese dank Thunderbolt am Mac frei.

Während der Bildschirm eine Reihe von Anschlüssen inklusive USB-3.0-Hub bietet…

2560 x 1080 Pixel? Reicht!

Ich komme vom iMac 21,5″, Full-HD-Bildschirme reichen für meine typischen Arbeitsaufgaben normalerweise voll und ganz aus, schon weil ich auf dem Mac eher Exposé/Mission Control mit aktiven Ecken nutze, als Programme nebeneinander anzuordnen. Das ist vermutlich einfach eine Angewohnheit, weil ich viele Jahre an kleinen Notebookbildschirmen und altbackenen Displays mit niedriger Auflösung gearbeitet habe. Trotzdem mag ich bis heute nicht auf die Funktion verzichten, zumal ich große Bildschirme als sperrig empfinde. Der LG 29UC97-S ist für einen 29-Zöller durch das Ultrawide-Format relativ klein: Er löst mit 2560 x 1080 Pixeln auf 21:9-Ultrabreitbild auf, ist dabei aber nur minimal breiter als ein 27″-iMac und deutlich niedriger, weil ihm nach unten gegenüber iMac 27″ und dem Cinema-Display 360 Pixel fehlen. Das breite Format des gebogenen Curved-Displays wirkt anfangs, wenn man 16:9-Bildschirme gewohnt ist, etwas kurios, man gewöhnt sich jedoch schnell an die zusätzlichen 640 Pixel Breite und stellt fest: Browserfenster, Pages-Dokument und Telegram-Chat können plötzlich gleichzeitig auf dem Bildschirm erscheinen – ich muss die Exposé-Funktion seltener nutzen. Übrigens halte ich Retina-Pixeldirchten auf dem Desktop ziemlicher Blödsinn: Der Betrachtungsabstand von rund 60 Zentimetern lässt keine der auf dem LG durch die niedrige Auflösung im Riesenformat relativ groben Pixel erkennen; der Monitor spart gegenüber einem 4K-Monitor nicht nur Geld, sondern auch ordentlich Rechenleistung der Grafikkarte, was weniger Hitzeentwicklung beim übrigens in einem handlichen BookArc (Amazon-Link) geparkten Macbook Pro bedeutet. Das schont die teure Hardware.

Vollbild-Check: So viel Platz ist bei 2560×1080 Pixeln vorhanden.

Hervorragendes Bild – nach Kalibrierung

Da ich bislang entweder am Retina-Display des Macbooks oder am kalibrierten AOC-Monitor gearbeitet hatte, erschien mir der LG zunächst als Enttäuschung. Die Farben waren schwach, alles wirkte wie durch die Gamma-Korrektur gezogen. Auch das manuelle Einstellen der Bildschirmoptionen brachte keine Abhilfe, weshalb ich meinen Spyder5 ausgepackt habe. Das Gerät kalibriert Monitore zuverlässig, anschließend war das Bild perfekt und Fotos erstrahlen im altbekannten Glanz. Die Helligkeit des Monitors ist übrigens enorm: Selbst bei Tageslicht reichen mir 50% Helligkeit völlig aus, bei Nacht ist auch weniger in Ordnung. Der Bildschirm besitzt im Onscreen-Menü eine Reihe praktischer Einstellmöglichkeiten, von denen man nach der Kalibrierung aber am besten die Finger lässt. Wie unter Mac OS X üblich ist die Regelung der Bildschirmhelligkeit an externen Monitoren nicht wie beim iMac mit der F1/F2-Taste möglich.

Eine Kalibrierung ist dringend empfohlen, damit der Bildschirm Farben optimal wiedergibt.

Menü schlüssig, Bedienung gewöhnungsbedürftig

Der LG 29UC97-S besitzt ein umfangreiches Bildschirmmenü, mit dem sich alle Monitoreinstellungen regeln lassen. Das Menü ist schlüssig und deutschsprachig, allerdings ist die Bedienung mit dem an der Unterseite angebrachten Mini-Joystick arg gewöhnungsbedürftig. Zu schnell landet man im falschen Menü, zudem wirkt der Joystick nicht wirklich robust und könnte bei längerem Einsatz Probleme bereiten, gegen die LG aber immerhin drei Jahre Garantie anbietet. Auch die Steuerung der Lautstärke erfolgt über diesen Joystick, ist allerdings schnell durch Druck nach links oder rechts möglich. Zieht man den Joystick nach vorne, wird der Ton abgedreht.

Kleine, blinkende Nervensäge: Die Steuerung der Einstellungen über den leuchtenden Joystick an der Unterseite ist suboptimal.

Ton? Naja…

Apropos Ton: LG bewirbt sein Thunderbolt-Display mit „MaxxAudio“, doch ein cooler Name macht noch keinen coolen Sound. Trotz zweier 7-Watt-Boxen ist der Ton im Vergleich zum Beispiel zu den iMac-Boxen oder den Lautsprechern des Apple Thunderbolt-Monitors relativ blechern, für Musik in Zimmerlautstärke und das Anschauen von Filmen nach ein wenig Herumspielen mit dem internen Equalizer des Bildschirms und der Wiedergabesoftware auf dem Mac aber ausreichend und auf einem ähnlichen Niveau wie preiswerte Bluetooth-Boxen dieser Leistungsklasse. Audiophile und Soundworker sollten also noch in einen Satz ordentliche Speaker investieren, denn das, was da aus dem LG krächzt, ist sicher nichts für’s Tonstudio. Das ist bei der flachen Bauweise aber auch kein Wunder. Immerhin: Der LG besitzt einen Line-Out, Boxen lassen sich hier also ohne Weiteres anschließen.
Wie schon die Helligkeit lässt sich leider auch die Lautstärke des LG-Geräts nicht mit den F-Tasten der Mac-Tastatur regeln – ein entsprechender Treiber wäre wünschenswert.

Zum Glück gibt es einen Line-Out-Anschluss, denn die eingebauten Boxen sind eher schwachbrüstig.

Bild-im-Bild aus zwei Quellen

Grundsätzlich schön wäre die Bild-im-Bild-Funktion: Diese erlaubt es, gleichzeitig das Bild zweier Quellen, etwa Mac und Windows-Laptop, anzuzeigen. Dabei wird der Bildschirm in der Mitte geteilt, links erscheint das Signal von Quelle 1, rechts das von Quelle 2. Durch die Teilung bleiben für jedes Gerät 1280×1080 Pixel Auflösung. Leider klappt das nicht wirklich einwandfrei, das Macbook hatte im Test Probleme, die Auflösung umzuschalten: Das 2560-Pixel-Bild wird je nach Einstellung auf 1280 Pixel gequetscht oder proportional verkleinert, beides ist nicht wirklich hilfreich. Auch die LG-Software zum Gerät schafft hier keine Abhilfe: Diese bietet als „DualController“ nur die Option, Maus und Tastatur des einen Rechners mit dem anderen Computer zu verwenden oder als „Screen Split“ eine Funktion, die SplitView seit OS X 10.11 „El Capitan“ gleicht, allerdings flexibler ist – beide Tools haben jedoch nichts mit der Hardware-Einstellung für den Split-Screen zu tun. Insofern ist der Modus auf dem Mac nicht sinnvoll nutzbar – schade.

Zwei Geräte, ein Bildschirm – leider wird die Anzeige dadurch massiv gestaucht oder verkleinert.

Fazit: Der LG 29UC97-S ist ein guter Bildschirm mit unnötigen Designfehlern

Insgesamt hat mich der LG 29UC97-S überzeugt: Das Bild ist scharf und gleichmäßig hell, Lightbleeding tritt nur ausgesprochen minimal auf. Per Thunderbolt angeschlossen, ist er sofort einsatzbereit, die Bedienung ist intuitiv. Schön sind die USB-Ports, die das Gerät zu einer vollwertigen Macbook-Dockingstation machen. Wünschenswert wären allerdings Mac-Treiber, die die Regelung der Helligkeit und der Lautstärke direkt unter Mac OS X erlauben. Auch idealerweise frei mit Funktionen belegbare Schnellzugriffstasten wären schön, da das Menü mit dem kleinen Joystick in der Praxis eher anstrengend zu bedienen ist ist. Nicht störend, aber überflüssig ist die Tatsache, dass der Steuerhebel im Standby-Modus auch noch penetrant weiß blinkt. Und bitte, liebe Monitorhersteller, egal ob LG oder andere: Baut doch endlich mal vernünftige Lautsprecher ein! Trotz dieser Mängel, an die ich mich im Alltag schnell gewöhnt habe, ist der LG-29-Zöller aber eine hervorragende, schlanke und vor allem preiswertere Alternative zu Apples Thunderbolt Display – und damit ein guter Kauf für alle, die nicht auf 4K oder anderen hypermodernen Firlefanz angewiesen sind.

Insgesamt eine gute Wahl: Der LG 29UC97-S

Hier geht’s zu den technischen Daten.

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Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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Kommentare

  • Ein kleiner Nachtrag nach einigen Monaten Benutzung: Der Bildschirm gefällt nach wie vor von der Bildqualität, allerdings sind mir ein paar „Fehler“ aufgefallen: Wenn man den Mac in den Standby legt, wird zum Beispiel eine angeschlossene externe Festplatte nicht richtig ausgeworfen/beendet, was beim Direktanschluss an den Mac kein Problem ist. Außerdem versagen manchmal die USB-Ports, da hilft nur Aus- und Einschalten. Das schreit nach einem Firmware-Update. Hört Ihr, LG? FIRMWARE-UPDATE!!! Ansonsten gibt es aber nichts zu meckern 🙂

  • Gibt es eine preiswertere Möglichkeit der Kalibrierung als per Spyder5?
    Das gute Stück ist nicht gerade preiswert für einen einmaligen Einsatz.

    • Du kannst auch nen Spyder4 kaufen oder eine Alternative wie ColorMunki. Die Investition ist nicht einmalig: Neue Monitore müssen ja auch kalibriert werden, zudem empfiehlt es sich, LED-Displays ab und zu neu zu kalibrieren, da die LEDs mit der Zeit schwächer werden.

  • Ich habe den Monitor inzwischen durch einen DELL U2715H mit USB-Soundbar ersetzt. Das LG-Display war gut, aber mir gefiel die mangelhafte Umsetzung des Thunderbolts und die fehlende Lautstärkeregelung der Boxen über Mac-Keyboard nicht. Der Dell ist eine hervorragende Alternative zum LG-Thunderbolt-Display, ist kompakter und hat trotzdem mehr Pixel. Günstiger ist der DELL U2515H, den ich zwischenzeitlich hatte – hier ist die Pixeldichte aber vergleichbar mit einem Macbook Air und damit die Darstellung für meine Augen zu klein.