Anzeige
AndroidMultimediaWindows

Anleitung: Greenscreen-Hintergrund einfügen

Der künstliche Hintergrund ist wohl der beliebteste Effekt überhaupt - und ziemlich einfach zu nutzen.

Per Greenscreen- oder Chromakey-Effekt lassen sich Motive im Video freistellen und vor einem bewegten Hintergrund platzieren – Tausende Stunden Autofahrten in Film und Fernsehen wurde so erstellt. Und heute sind es häufig zum Beispiel per Webcam aufgenommene Köpfe, die frei schwebend bei Videos oder Streams für das gewisse Extra sorgen. Und so funktioniert’s auf dem Desktop, dem Smartphone, live oder nachträglich:

Anzeige

Greenscreen – oder blau

Chromakey-Effekt heißt im Grunde ganz einfach, dass alles im Bild, was eine bestimmte Farbe hat, transparent gemacht wird. Meist ist das die Farbe Grün, daher Greenscreen. Das funktioniert aber genau so gut mit Blau oder Rot, allerdings muss man bedenken, welche Farben im Vordergrund, also dem eigentlichen Motiv vorkommen. Wer vor der Kamera einen roten Kopf bekommt, würde im Redscreen-Studio transparent …

Das heißt in der Praxis: Ihr nehmt ein Motiv vor einem grünen Hintergrund auf, spielt dann eine zweite Videoquelle ein, die alles Grüne im Bild ersetzt. Das können, müssen aber nicht zwei unterschiedliche Tools erledigen. Entweder Ihr macht zunächst die Aufnahme vor dem grünen Hintergrund und verschmelzt diese dann mit einer zweiten Aufnahme für den gewünschten Hintergrund in einer Videobearbeitung. Oder Ihr filmt direkt mit aktiviertem Greenscreen-Effekt und überlagertem Hintergrund in einer Studiosoftware, wie es zum Beispiel auch Nachrichtensendungen im TV handhaben.

Greenscreen 1: Desktop, nachträglich

Bei der professionellen Variante nehmt Ihr erst auf und fügt anschließend den Greenscreen-Effekt hinzu. Das hat zwei Vorteile: Zum einen könnt Ihr aufnehmen wie Ihr wollt – mit einer Videokamera, dem Smartphone, einer DSLR, der Webcam und bei Bedarf mit beliebiger Aufnahmesoftware. Zum anderen lässt sich der Effekt später in guter Videobearbeitungssoftware am besten konfigurieren.

Anzeige

So ziemlich jede bessere Videobearbeitung beherrscht den Effekt, beispielsweise das Open-Source-Programm OpenShot. Wie man damit Arbeitet und Effekte nutzt, zeigen wir ausführlich hier – wenn auch ohne explizit auf den Greenscreen einzugehen. Da dieser aber immer gleich funktioniert, könnt Ihr Euch einfach unsere Anleitung zum Greenscreen in Lightworks Free anschauen. Die Gratis-Version von Lightworks ist nicht ganz trivial zu bedienen, viel viel komplizierter als OpenShot, genügt dafür aber auch, um ganze Hollywood-Blockbuster zu editieren.

lightworks
Greenscreen-Effekt in Lightworks – nicht ganz trivial, aber sehr professionell.

Greenscreen 2: Desktop, live/streaming

Wenn Ihr einen Stream anbietet, sei es beim Zocken, für ein Tutorial oder ein Interview, müsst Ihr den Effekt natürlich live einbauen. Der große Nachteil dabei: Ihr müsst deutlich mehr auf einen wirklich sauberen grünen Hintergrund, eine klare Beleuchtung und das Fehlen von Grün beim Motiv achten – schließlich könnt Ihr den exakten Grünton nicht ständig anpassen.

Das Vorgehen ist aber identisch mit der Nachher-Variante: Hintergrundbild oder -video wählen, Motiv vor grünem Hintergrund aufnehmen, Grün auf transparent setzen – zum Beispiel mit dem Streamer-Liebling OBS Studio. Auch dafür haben wir eine detaillierte Anleitung.

obs studio screenshot
Greenscreen-Effekt in OBS Studio – super einfach, live oder nachträglich.

Greenscreen 3: Smartphone, live/nachträglich

Größere Projekte machen sich am Rechner eindeutig besser, aber natürlich funktioniert der Greenscreen-Effekt auch auf dem Smartphone. Es gibt etliche Apps dafür, beispielsweise Tiny Green – kostenlos, werbebasiert, funktioniert nur mittelmäßig, ist aber einfach und gut zur Demonstration. (Nun, vielleicht heißt sie auch „Magic Green Screen Effects Video Creator“ – da Google Play scheinbar eigenständig an Namen herumwurschtelt weiß man das nie so genau … Auf dem Smartphone wird sie jedenfalls als Tiny Green angezeigt.)

Das Schöne an Tiny Green: Die Bedienung ist super intuitiv und Ihr könnt als Vorder- und Hintergrund jeweils Bilder, Videos oder die Kamera nutzen. Das Schlechte: Der Effekt funktioniert nicht wirklich gut, zudem nur mit der Front-Kamera. Aber als Beispiel für den Effekt ist Tiny Green super, da es wirklich nur den Effekt gibt, kein Drumherum.

Und so geht das „normale“ Setting mit Kamera für das Motiv vor grünem Hintergrund und einem Video als Ersatz-Hintergrund:

1. Quellen wählen

Startet die App und wählt dann zunächst unter Front Layer die Kamera und unter Back Layer Euer schon fertiges Hintergrundvideo.

tiny green screenshot
Die Bedienung von Tiny Green ist super.

2. Aufnahme-Setting

Setzt Euch nun vor einen grünen Hintergrund – ein Handtuch genügt zum Testen, ebenso ein T-Shirt, ein Rasen …, etwas Grünes halt. Ruft die Einstellungen über das Zahnradsymbol unten links auf und tappt anschließend auf den grünen Hintergrund, um den Effekt zu aktivieren.

tiny green screenshot
Die Stellschräubchen für den Effekt.

3. Greenscreen einstellen

Über die Slider könnt Ihr den Effekt nun so einstellen, dass der Hintergrund möglichst komplett verschwindet, das Motiv aber unversehrt bleibt – wie Ihr im Bild seht, ist das nicht immer ganz einfach. Wenn Beleuchtung und Hintergrund nicht wirklich gut sind, werdet Ihr immer Schwierigkeiten haben – jeder Schatten, der auf den grünen Hintergrund fällt, stört zum Beispiel den Transparenzeffekt.

tiny green screenshot
Tja, gut geht anders – auch bei schlechten Licht- und Farbverhältnissen.

4. Aufnehmen

Wenn Ihr zufrieden seid, könnt Ihr die Aufnahmen über den kleinen Kreis neben dem Zahnradsymbol starten und dann per Klick auf den Hintergrund wieder beenden. Die Clips werden automatisch gespeichert.

Übrigens: Die Bewertungen auf Google Play sind katastrophal – ganz so schlimm ist es aber nicht. Der Effekt funktioniert nicht so gut wie bei manch einer Desktop-Anwendung, es gibt kein weiteres Editing und sie ist werbefinanziert, okay. Aber die meisten Beschwerden sind schlicht Schwachsinn, beispielsweise darüber, dass sich Videos nicht speichern lassen würden. Oder es sind direkt echte Irre am Werk – um mal zu zitieren:

Das Spiel ich schlecht weill man kann nicht die Bildern um drehen oder klein machen und das hat lange gedauert bis ich es hate, ich habe es gelöscht

Was soll man dazu sagen? Aber wie gesagt, wirklich präzise arbeitet die App wahrlich nicht. Andererseits: So riesig scheint der Markt für Android-Greenscreen-Video-Apps nicht zu sein …

Greenscreen-Tipps

Es gibt Dutzende anderer Tools für alle Plattformen, die Funktionsweise ist aber immer dieselbe. Natürlich ist auch der einprogrammierte Algorithmus für den Effekterfolg verantwortlich, aber einige Dinge solltet Ihr selbst in die Hand nehmen, um ein gutes Ergebnis zu bekommen:

  • Glatter, satt grüner Hintergrund.
  • Beleuchtung, bei der das Motiv keine Schatten auf den Hintergrund wirft.
  • Anpassungen der Effekteinstellungen auf der Timeline, um veränderte Lichtverhältnisse auszugleichen.
  • Motiv sollte tatsächlich nichts Grünes an sich haben – auch keine grünen Augen.
  • Starke Bewegungen vermeiden, um Artefakten an den Motivrändern vorzubeugen.
  • Proben und Geduld: Erst wenn das Setting perfekt ist anfangen zu filmen!

Und wenn Ihr nicht alles selbst machen wollt: Das Internet liefert – natürlich – auch fertigen Greenscreen-Content zum Weiterverarbeiten.

Für wirklich gute Ergebnisse solltet Ihr Euch freilich mit entsprechendem Greenscreen-Equipment versorgen:

(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm) *2 Details
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help

Ein Kommentar

  1. oder: In iMovie auf dem iPhone, iPad, iPod touch oder Mac kannst du den Greenscreen-Effekt verwenden, um den Hintergrund deines Videos zu ändern :-) ist schon eingebaut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!