Ihr müsst oder wollt in einem Terminal arbeiten? Auf NAS oder Raspberry Pi? Oder zum Automatisieren? Hier die 15 wichtigsten Befehle für Einsteiger: Navigieren, kopieren, anzeigen, Rechte ändern und und und:

Ein paar grundlegende Linux-Terminal-Kenntnisse kann eigentlich jeder gebrauchen: Auf dem Desktop kommt man sowieso nicht drum herum, für den Raspberry Pie, für die NAS, Mac-Zeugs – und selbst unter Windows und Android können sie nützlich sein. Manche Aufgaben lassen sich in der Kommandozeile tatsächlich besser lösen, als mit Fenstern. Manchmal kommt man aber einfach nicht um den Terminal herum. Für alle Einsteiger, hier alles Wichtige für die ersten Gehversuche.

Linux-Eigenheiten

Für’s Verständnis: Genau genommen handelt es sich hier nicht einfach um „Befehle“, sondern natürlich um einzelne Tools. Und das sind streng genommen schon gar keine „Linux-Kommandos“ – es sind einfach Programmaufrufe. Zumal es all diese Tools auch für Windows gibt – mehr dazu haben wir hier. Und für Android. Und auch „Linux-Terminal“ ist wenig konkret, davon gibt es diverse – im allgemeinen ist aber die Standard-Shell Bash gemeint. Hier auch. Apropos Shell: Terminal, Bash, Kommandozeile, Shell und Eingabeaufforderung werden in der Regel synonym gebraucht, auch wenn das im Detail nicht so ist. Ist aber auch egal – viel Spaß:

Zum Aufwärmen: Zu Beginn ist es mal nett, überhaupt erst Dateien und Ordner erstellen zu können:

touch foo.txt           Erstellt die Datei foo.txt im aktuellen Verzeichnis
mkdir foolder           Erstellt Ordner foolder
echo hallo >> test.txt  Schreibt hallo in die Datei test.txt (und erstellt sie)

Als Admin ausführen würde es unter Windows heißen: Wenn für einen Befehl die Rechte fehlen, versucht es mit einem vorangestellten sudo:

sudo touch foo.txt  Erstellt foo.txt mit Adminrechten

1. Dateien auflisten – ls

ls listet schlicht und ergreifend Dateien (und Ordner) auf – ohne weitere Parameter alle im aktuellen Ordner. Alle Parameter bekommt Ihr bei fast jedem Tool über den Aufruf mit „–help“. Ein paar Beispiele:

ls -l       Ausgabe mit Details
ls -a       Ausgabe inklusive versteckter Dateien
ls -R       Unterverzeichnisse ebenfalls anzeigen
ls ..       ls für das übergeordnete Verzeichnis
ls /test    ls für den Ordner test

2. Navigieren – cd

Mit cd (change directory) wechselt Ihr in ein anderes Verzeichnis:

cd ..           Ein Verzeichnis höher
cd /            Zum Root-Verzeichnis
cd test/        Ins Verzeichnis test
cd ../../..     Drei Verzeichnisse höher

3. Befehls-Historie anschauen – history

history führt die Befehle auf, die Ihr eingetippt habt – super, wenn man sich mal an etwas nicht mehr erinnern kann oder keine Lust hat, ellenlange Befehlsketten erneut einzutippen.

history     Nummerierte Liste der Befehle
!12         Befehl mit der Nummer 12 ausführen

4. Dateien kopieren – cp

Dateien und Ordner kopiert Ihr mit cp – dafür gibt es zwar eine ganze Menge Parameter, meist kommt Ihr aber mit wenigen aus:

cp original.txt kopie.txt 1.    Datei als 2. Datei kopieren
cp 1.txt backups/1.txt          Datei 1.txt in Ordner backups kopieren
cp -u 1.txt backups/1.txt       Kopiert 1.txt wenn neuer als backups/1.txt - u für update
cp -r                           Ordner rekursiv kopieren
cp -i                           Interaktiv: Vor Überschreiben fragen

5. Dateien verschieben – mv

mv für move funktioniert im Grunde wie cp mit weniger Optionen:

mv -f   Überschreiben ohne Nachfrage
mv -i   Interaktiv: Vor Überschreiben fragen

6. Dateien löschen – rm

rm steht für remove und bringt keinerlei Überraschungen, wenn man mv schon kennt. Es kommt nur eine Option hinzu – die kann aber mächtig viel Ärger machen 😉

rm -rf      Rekursiv löschen, nicht nachfragen - Vorsicht!
rm -rf /    Mach's gut, Computer.

7. Programme suchen – whereis

Es gibt bessere Such-Tools, aber whereis ist schön einfach:

whereis cp  Gibt an, wo das Programm cp liegt

Gegebenenfalls müsst Ihr das Tool erst noch installieren – wie, steht in vier Befehle weiter hinten. Wenn Ihr detailliert nach Dateien suchen wollt, beschäftigt Euch mit dem Befehl find.

8. Textdateien auslesen – cat

cat braucht man eigentlich ständig. Das kleine Tool gibt einfach nur Textdateien direkt im Terminal aus:

cat config.txt  Gibt den Inhalt von config.txt aus

Und da unter Linux die meiste Konfiguriererei über Textdateien läuft, oder laufen kann, ist das wirklich praktisch.

9. Textdateien bearbeiten – nano

Auch der Texteditor nano muss unter Umständen noch installiert werden – aber es lohnt sich: Der schlanke Editor listet nämlich die Tastenkombinationen für die Steuerung unter dem Inhalt der Datei auf – für alle, die nicht immer auswändig wissen, dass sich die Datei etwa mit Strg+X schließen und mit Strg+O speichern lässt. Also eigentlich für alle.

nano MeinUrlaubInDuisdorf.txt   MeinUrlaubInDuisdorf.txt im Editor öffnen
Strg+O                          In nano: Datei speichern
Strg+X                          In nano: nano schließen

10. In Texten suchen – grep

grep ist ein Tool zum Durchsuchen von Texten – im Grunde super einfach, aber man könnte ganze Bücher dazu füllen. Die Basics:

grep hund hunde-lexikon.txt     Sucht "hund" in der Datei und gibt passende Zeilen aus
grep hund* *.txt                Sucht hund, hunde, hundekopf etc. in allen txt-Dateien
grep -i hund *.txt              Ignoriert Groß- und Kleinschreibung
grep -l hund *.txt              Listet nur die zugehörigen Dateinamen auf
grep [hH][au].. *.txt           Findet H oder h gefolgt von a oder u gefolgt von ...

Grep sucht ein Muster in einem Haufen Dateien. Und eben dieses Muster, so genannte Regular Expressions, könnten ein ganzes Buch füllen. Das ist praktisch, um etwa alle URLs aus einem Haufen Texte oder einer großen Protokolldatei auszulesen. Folgende Regex würde zum Beispiel eine URL wie http://www.tutonaut.de erkennen (nun, genau genommen funktioniert die Variante zumindest mit PHP, grep ziert sich gerade …)

(\s*\[+?\s*(\!?)\s*([a-z]*)\s*\|?\s*([a-z0-9\.\-_]*)\s*\]+?)?\s*([^\s]+)\s* /g

Wie gesagt, ganze Bücher 😉

11. Software installieren – apt-get

Software habt Ihr unter Windows garantiert noch nie so schnell installiert:

apt-get install kodi    Installiert das Mediacenter Kodi
apt-get update          Paketquellen aktualisieren
apt-get remove kodi     Kodi deinstallieren
apt-get upgrade         Pakete aktualisieren

13. Rechte verändern – chmod

Linux und Zugriffsrechte – untrennbar vereint für immer. Alles Wichtige zu Linux-Rechten findet Ihr hier. Im Grunde ist es ganz einfach:

chmod 755 datei.txt     Ändert die Rechte für datei.txt auf 755

Nur der 755-Teil scheint irgendwie kryptisch …

14. Archive entpacken – tar

tar ist quasi das WinZip für Linux – ein Packprogramm. In der Praxis genügt meistens:

tar -xzf download.tar               Entpackt (x) das gezippte (z) Archiv, die Datei (f) download.tar
tar -czf mein-archiv.tar datei.txt  Erstellt (c) ein gezipptes Archiv mein-archiv.tar aus der Datei datei.txt

Kleine Merkhilfe: Die Standard-Kommandos stehen für Create beziehungsweise eXtract Zipped File. Aber tar ist nicht ganz trivial – aber da lassen wir mal xkcd sprechen:

Quelle: xkcd | Lizenz: CC-BY-NC

15. Befehle kombinieren – |

Viele der Befehle machen erst dann richtig Spaß, wenn man sie kombiniert. Das Prinzip ist ganz simpel: Die Ausgabe eines Befehls wird als Eingabe an den folgenden Befehl weitergegeben – eine so genannte Pipe:

cat liste.txt | sort            Datei liste.txt auslesen und Zeilen sortieren
echo hallo | grep h*            Schreibt hallo und sucht darin dann nach h*
history | grep tar              Zeigt alle tar-Befehle in der History an
ls | rev                        Inhaltsliste wird ausgegeben und von rev umgedreht
echo hallo|rev|tr olah halo     Gibt haalo aus ...

Mehr? more!

Es ist immer wieder lästig, wenn lange Texte per cat oder lange Listen per ls ausgegeben werden, die über mehrere Bildschirmseiten gehen – und entsprechend abgeschnitten werden. Abhilfe schafft more:

cat datei.txt | more    Gibt eine Seite von datei.txt aus - per Space geht's eine Seite weiter
ls | more               Dasselbe für die Liste der Dateien

Man könnte diese Liste wohl noch ewig weiterführen, aber von hier aus kommt Ihr auch alleine weiter – falls nicht:

man tar         Zeigt das Handbuch zu tar an
man man         Zeigt das Handbuch zu man an

Manpages, also die Manuals/Handbücher der einzelnen Programme sind super – so gesehen ist der Linux-Terminal tatsächlich komplett selbsterklärend.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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