Netzkultur

Facebook: Digitalen Nachlass regeln

Wer sein Digitales Erbe nicht regelt, wird für alle (Meta-)Ewigkeit als digitales Gespenst bei Facebook herumgeistern. Wer will das schon?

Der Tod ist ein umtriebiger Gesell: Eben war man noch das blühende Leben – und wenige Momente später steht da ein Busfahrer kopfkratzend neben einem zerbeulten Leichnam und fragt sich, wie das jetzt wieder passieren konnte. Was ich damit sagen will: Es ist nie zu früh, den digitalen Nachlass zu regeln – denn schon morgen könnte es zu spät sein. Facebook hat zum Glück eine passende Funktion parat.

Warum das Digitale Erbe wichtig ist

Vor einigen Jahren schrieb ich über einen Bekannten, der verstarb. Sein Facebook-Profil blieb aber, wie so viele andere, online: Ein digitaler Geist in einem kommenden Metaverse. Das könnte jedem passieren, der sein Digitales Erbe bei Facebook nicht rechtzeitig regelt.

Zwar gibt es eine Hilfefunktion, die es Dritten erlaubt, das Konto in einen „Gedenkzustand“ zu versetzen. Allerdings ist das nur die halbe Miete, denn das Konto samt enthaltener Daten bleibt dadurch ein Untoter. Und so erfreut sich auch mein verstorbener Bekannter jährlich zu seinem Geburts- und Todestag als digitaler Wiedergänger, an dessen Pinnwand allerlei Kommentare gepostet werden. Niemand möchte so etwas.

Das Ende kommt bestimmt – nicht nur für Blätter im Herbst, sondern auch für Facebook-Nutzer. (Foto: Christian Rentrop)
Das Ende kommt bestimmt – nicht nur für Blätter im Herbst, sondern auch für Facebook-Nutzer. (Foto: Christian Rentrop)

Wie viel Digitales Erbe bleibt bei Facebook zurück?

Zum Glück gibt es inzwischen eine Funktion bei Facebook, um den Digitalen Nachlass bei Facebook zu regeln. Hier ist immerhin viel persönlicher Kram gespeichert, von Bildern und Videos über Kommentare bis hin zu politischen Meinungen. Und natürlich möchte wohl niemand, dass nach dem eigenen Tod noch fröhlich an der eigenen Pinnwand gepostet wird, oder?

Digitalen Nachlass bei Facebook einrichten: So geht’s

Der Schlüssel zur Verwaltung des Digitalen Nachlasses bei Facebook ist der sogenannte Nachlasskontakt. Dabei handelt es sich um eine Person, der Ihr so sehr vertraut, dass Ihr ihr den Schlüssel zur Verwaltung Eures Kontos gebt, sobald Ihr nicht mehr seid. Das können Geschwister, Eltern, Kinder, der Lebens- und Ehepartner oder sogar ein Notar oder Rechtsanwalt sein.

Ein Nachlasskontakt ist schnell hinzugefügt.
Ein Nachlasskontakt ist schnell hinzugefügt.

Der Nachlasskontakt kann einige essentielle Dinge mit Eurem Konto unternehmen, es etwa löschen, Inhalte herunterladen oder Posts und Kommentare moderieren. Er kann sich aber zum Beispiel nicht in Eurem Konto einloggen. Kurzum: Es ist ausgesprochen sinnvoll, einen Nachlasskontakt für ein Facebook-Konto anzugeben! Und so geht’s:

  1. Öffnet die Facebook-Hilfeseite für die Benennung eines Nachlasskontakts.
  2. Ihr habt hier jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder, Ihr benennt einen Nachlasskontakt, oder Ihr beantragt die Löschung Eures Kontos nach Eurem Tod.
  3. Facebook-typisch muss der Nachlasskontakt natürlich ebenfalls bei Facebook und dort mit Euch befreundet sein: Gebt den Namen im Eingabefeld ein. Prüft genau, ob es sich um die richtige Person handelt.
  4. Klickt jetzt auf „Hinzufügen“.
  5. Ihr habt jetzt die Möglichkeit, Eurem Nachlasskontakt eine Nachricht zu schicken. Achtung: Falls Ihr das nicht möchtet und auf „Abbrechen“ klickt, wird die Person trotzdem zu Eurem Nachlasskontakt!
  6. Das war es auch schon: Die Person wird von Facebook darüber informiert, dass sie jetzt Euer Nachlasskontakt ist. Außerdem könnt Ihr ihr das ja persönlich sagen, schließlich solltet Ihr Euch nahe stehen.

Nachlasskontakt bei Facebook: Weitere Optionen

Zusätzlich habt Ihr noch einige Optionen. Ihr könnt zum Beispiel einen Haken setzen, um Eurem Nachlasskontakt die Möglichkeit zu geben, das Facebook-Datenarchiv herunterzuladen. Dabei handelt es sich um sämtliche Inhalte Eures Profils, inklusive der Bilder und Videos. Wenn Ihr denkt, dass das Eurem Andenken dient, ist der Haken sinnvoll. Könnte es im Nachgang eher peinlich werden, lasst den Haken lieber weg.

Gewährt nur Zugriff, wenn Ihr sicher seid, dass Ihr die Daten nach Eurem Tod übergeben wollt.
Gewährt nur Zugriff, wenn Ihr sicher seid, dass Ihr die Daten nach Eurem Tod übergeben wollt.

Wichtig: Der Verwalter Eures digitalen Nachlasses bekommt auf diese Weise Zugriff auf alle Daten, auch solche, die sie vorher nicht sehen konnte!
Zusätzlich solltet Ihr die jährliche Erinnerung aktivieren. Auf diese Weise könnt Ihr sicherstellen, dass Ihr nicht jemandem, mit dem Ihr inzwischen nichts mehr zu tun habt oder der seinerseits verstorben ist, das Digitale Erbe gewährt.

Facebook-Konto nach dem Tod löschen lassen

Alternativ habt Ihr in der Einstellung für den digitalen Nachlassverwalter auch die Möglichkeit, die Option „Konto nach meinem Tod löschen“ auszuwählen. Dann müsst Ihr keinen Nachlasskontakt benennen. Klickt dafür auf den Link „Beantrage die Löschung meines Kontos nach meinem Tod.“

Das Formular muss erst einmal jemand finden und ausfüllen!
Das Formular muss erst einmal jemand finden und ausfüllen!

Der Haken an der Sache: Facebook muss natürlich davon erfahren, dass Ihr verstorben seid. Also muss irgendjemand entweder den „Antrag auf Herstellung des Gedenkzustandes“ oder die „“. Wenn Ihr das nicht sicherstellen könnt, ist es wichtig, das Ihr einen Nachlasskontakt bestimmt.

Digitaler Nachlass bei Facebook: Besser als nichts

Wir werden das Themenfeld „Digitales Erbe“ in nächster Zeit häufiger beackern. Auch, wenn niemand sich damit befassen will, es todsicher (sic!) dass der Tag früher oder später kommen wird. Wir wünschen Euch natürlich, dass dieser Tag so spät wie möglich und so früh wie nötig kommt. Doch gerade, wenn er früher kommt, habt Ihr eben meistens vorher keine Zeit mehr, Euren Nachlass zu regeln, ganz egal ob analog oder digital.
Also regelt Euer Digitales Erbe bei Facebook am besten gleich: Andernfalls spukt Ihr möglicherweise für alle Ewigkeit – oder zumindest, solange es Facebook gibt – als digitales Gespenst durch’s Internet.

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs. Neuerdings Tochtervater. Spendier‘ mir einen Kaffee.

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