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Bluetooth an Stereoanlage und Autoradio nachrüsten

Ihr habt ein Autoradio oder eine ältere Stereoanlage ohne Bluetooth? Mit einem kleinen Adapter könnt Ihr bequem Musik vom Handy streamen.

Bluetooth ist eine feine Möglichkeit, Audio-Geräte mit dem Smartphone zu verbinden. Dummerweise haben die Hersteller von Auto- und Heim-Stereoanlagen sehr lange auf iPod-Docks, USB-Anschlüsse und Aux-Eingänge gesetzt und Bluetooth als Audioquelle völlig vernachlässigt. So auch bei meiner hübschen Yamaha TSX-112-Kompaktanlage. Die besitzt einen USB-Anschluss, einen Aux-In und ein iPod-Dock. Aber eben kein Bluetooth.

Bluetooth nachrüsten mit dem Tunai Firefly

Nachdem ich zunächst dachte, dass sich eine Dock-Adapter-Bluetooth-Lösung anbieten würde, probierte ich diverse Adapter aus. Leider wollte keiner davon an der Yamaha-Anlage funktionieren: Der Ton wurde schlichtweg nicht ausgegeben. Der iPod-Anschluss als Bluetooth-Quelle war dementsprechend keine Option. Zwar gibt es auch andere Bluetooth-Audio-Adapter, etwa von Logitech, aber die haben fast immer einen eine eigene Spannungsversorgung via Netzteil oder Akku, was ich persönlich nicht leiden mag: Das Gerät sollte sich mit der Anlage ein- und ausschalten und deshalb über USB angeschlossen werden. Eine separate Stromversorgung verursacht nur wieder Overhead. Dann stieß ich auf den Firefly-Bluetooth-Empfänger von Tunai, der genau diese Merkmale besitzt: Stromversorgung über USB, kein Akku, Verbindung per Klinkenstecker.

Einstecken, verbinden, fertig. (Bild: Tutonaut)
Einstecken, verbinden, fertig. (Bild: Tutonaut)

Einstecken, fertig: Der Firefly ist ein Bluetooth-Klinkenstecker

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich diesen Post aus Überzeugung schreibe. Weder habe ich von Tunai irgendwelche Goodies oder Geld erhalten, noch war ich überhaupt in Kontakt mit der Firma. Trotzdem kann ich das Gerät nur loben: Die Installation ist wirklich kinderleicht: Anlage oder Autoradio einschalten, Aux einstecken, USB einstecken, Aux-Eingang (!) wählen, ein paar Sekunden warten, schon taucht der Adapter in der Liste der Bluetooth-Geräte auf. Nach der Verbindung kann der Sound auf die Stereoanlage gelegt werden. Der Bluetooth 4.1-Adapter unterstützt die Codecs AAC, MP3 und SBC, aber leider kein APT-X, was der Verbindungsqualität aber keinen Abbruch tut. Ich habe das Gerät zunächst mit dem iPhone getestet, die Ergebnisse waren auf Anhieb hervorragend. Natürlich kann Bluetooth nie so gut sein wie eine direkte Klinkenverbindung: Die ohnehin schon komprimierten digitalen Audiodaten werden für die Verbindung noch einmal komprimiert. Leider zeigte sich dann am Mac ein Problem: Der Adapter hatte bei der Verbindung lausige Tonqualität.

Mac-Bluetooth richtig einstellen

Das Problem ist, dass der Mac-Bluetooth-Adapter möglicherweise nicht optimal für Audio-Streaming eingestellt ist. Allerdings gibt es dafür eine einfache Lösung: Ihr müsst die Bitraten ein wenig anpassen und den Mac danach neu starten. Öffnet einfach ein Terminal-Fenster und gebt hier
defaults read com.apple.BluetoothAudioAgent
ein, um die Einstellungen des Bluetooth-Adapters auszulesen. Nachdem ich die Bitraten anhand dieser Anleitung auf die Werte
defaults write com.apple.BluetoothAudioAgent "Apple Bitpool Max (editable)" 80
defaults write com.apple.BluetoothAudioAgent "Apple Bitpool Min (editable)" 53
defaults write com.apple.BluetoothAudioAgent "Apple Initial Bitpool (editable)" 40
defaults write com.apple.BluetoothAudioAgent "Negotiated Bitpool" 58
defaults write com.apple.BluetoothAudioAgent "Negotiated Bitpool Max" 58
defaults write com.apple.BluetoothAudioAgent "Negotiated Bitpool Min" 48

neu eingestellt hatte, ging es dann auch problemlos. Die Klangqualität des Tunai Firefly stimmt jetzt auch am Mac. Und nicht nur das: Die Reichweite des winzigen Adapters ist ebenfalls gut, ich habe in meiner Wohnung mit mehreren Wänden dazwischen weiterhin Musik vom iPhone spielen können, ohne dass die Verbindung abbrach. Praktisch auch: Der Adapter schaltet sich durch die USB-Spannungsversorgung mit der Stereoanlage ein und aus. Nicht so schön ist allerdings, dass ich ihn immer manuell trennen und wieder verbinden muss, wenn ich das Abspielgerät wechsele. Laut Hersteller sollte das nicht sein, kann aber natürlich auch ein Apple-Geräte-Problem sein.

Die Editionen unterscheiden sich nur durch die mitgelieferten Kabel (Bild: Tutonaut)
Die Editionen unterscheiden sich nur durch die mitgelieferten Kabel (Bild: Tutonaut)

Bester Kauf seit Jahren

Es ist toll, dass es inzwischen so tolle, kleine Bluetooth-Adapter gibt, die Bluetooth auch an alten Stereoanlagen und Autoradios möglich machen. Der Bluetooth-Adapter hat außer Empfang und Strom keine Funktion, weshalb er auch mit jedem USB-Netzteil funktioniert. Wichtig ist aber, dass man weiß, dass der Tunai-Adapter im Grunde nichts weiter ist, als ein 3,5-AUX-Klinke mit Bluetooth-Anschluss. Weitere Funktionen gibt es nicht. Ich kann weder mit der Fernbedienung der Stereoanlage iTunes oder das iPhone steuern, noch ist es möglich, Daten anders herum zu schicken, also zum Beispiel von einer alten Anlage ohne Bluetooth auf Bluetooth-Boxen. Das ist aber nicht schlimm: Für den gewünschten Zweck ist der rund 35 Euro teureTunai Firefly für mich ideal – der beste Kauf seit Jahren, da ich endlich meine alte TSX-112 wieder benutzen kann! Übrigens: Die verschiedenen Editionen unterscheiden sich nur durch die mitgelieferten Verlängerungskabel – ich habe deshalb die preiswerteste „Auto-Edition“ genommen.

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs. Neuerdings Girldad. Spendier‘ mir einen Kaffee.

9 Kommentare

  1. Nehmen wir einmal an, das Wiedergabegerät (in meinem Fall das Autoradio) kann am USB-Eingang mit MP3-bespielten Sticks mit Musik versorgt werden. Gibt es dann ein ähnliches Produkt, dass das Audio-Kabel garnicht mehr braucht, also die per Bluetooth empfangene Musik über die USB-Seite „weiterleitet“?

    1. Soweit ich weiß, gibt es so etwas nicht. Das Problem ist, dass der Stick ja die MP3-Infrastruktur auf einem FAT-Laufwerk simulieren müsste. Dafür bräuchte er aber so etwas wie ein Betriebssystem. Das wäre vermutlich nicht mehr in der nötigen Preisklasse machbar ;)

  2. Ich hatte so ein Ding auch mal, hätte ich dir auch geben können ;-) Für die Vernetzung der Stereoanlage bin ich persönlich kein Freund von Bluetooth, obwohl ich sonst darauf stehe ;-)

    Der Grund: Ohne Gefrickel läuft auch immer der Systemton über die verbundene Anlage, also beispielsweise Töne eingehender Mails, Anrufe etc. Außerdem bricht der Ton ab, wenn man mit dem Gerät woanders hingeht. Ajo, und dann muss man am Mac anscheinend auch noch so ein Terminal-Gefrickel machen ^^

    Wesentlich besser ist ein Google ChromeCast Audio. Der holt sich die Musik dann auch „selbstständig“, also via WLAN. Das Cast-Protokoll ist für mich das beste, was Google je in Sachen Hardware auf die Beine gebracht hat, funktioniert mit praktisch allem und ist stabil. Aber wie das so ist, wenn Google mal etwas gut macht: Der CC Audio wurde eingestellt :-(

    Es gibt aber auch Alternativen, etwa das Dingen hier. Kann dann auch AirPlay, also Apple-tauglich.

    Nur als Ergänzung, du bist ja zufrieden ;-)

    1. Naja, das Problem bei allen AirPlay-Lösungen ist, dass sie permanent am Strom bleiben müssen, weil sie Zeit zum Hochfahren brauchen. Das mag beim HomePod nicht der Fall sein, aber bei AirPort Express und der von Dir genannten Lösung oder einem Rasperry Pi ist es so. Damit entspricht das nicht der von mir gewünschten Lösung, dass der Receiver mit der Stereoanlage ein- und ausgeschaltet wird. Schließlich haben Stereos normalerweise keine nennenswerte Hochfahrzeit. Hier hing seit Jahren eine AirPort Express an der genannten Anlage. Aber weil die sich im Standby 7 Watt gönnt (und sich damit im Jahr schön 61 kWh, also gut 20 Euro Stromkosten aus der Leitung zieht), hab ich die immer ausgestöpselt, weil ich meine Anlage ja nicht so oft verwende. Was wiederum bedeutet, dass ich sie jedes Mal, wenn ich Musik hören wollte, wieder einstecken und hochfahren musste. Was schlicht in der Praxis nicht passierte. Damit ist die Bluetooth-Lösung für mich definitiv die bessere Variante, auch wenn AirPlay/DLNA sicherlich die besseren Lösungen sind. Aber durch den Adapter wird die alte Anlage mit Bluetooth nachgerüstet, das mit der Anlage an und aus geht – und genau das wollte ich. Als AirPlay-Lösung wär’s freilich noch geiler, ich bin auch kein Fan von Bluetooth-Audio ;)

      1. Das ist natürlich ein Argument. Wobei das verlinkte Dingen wohl auch nur via USB läuft, also genauso. Mein ChromeCast Audio geht (bzw. ging, nutze ihn kaum noch) ebenfalls mit der Anlage an und war sonst aus. Hat aber ein paar Sekunden gedauert, bis er sichtbar war. Das Ding ist einfach so rock solid, weiß bis heute nicht, wie Google den ohne Alternative (die normalen Casties haben keine Klinke) aus dem Programm werfen konnte.

        Andererseits weiß man bei Google produktübergreifend nie, warum sie irgendetwas tun ;-)

        1. Ich habe jetzt mal meine Airport Express mit einer FritzDECT 200 gemessen und gegengecheckt. Im reinen WLAN-Client-Betrieb für AirPlay frisst die gerade mal 2,5 Watt unter Musikstreaming-Last, womit ich die auch im Dauerbetrieb lassen kann. Hattest Recht. Trotzdem behalte ich den Firefly, denn ich hab noch andere kleine Stereoanlagen :)

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