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Linux-Quartett – Distri-Impressionen 17: KaOS

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KaOS ist endlich mal kein Derivat und versteht es vor allem, sein Konzept klar rüberzubringen: Ein Desktop, Tool-Auswahl auf Qt beschränkt.

Endlich mal kein Derivat im Quartett, KaOS ist Build from Scratch wie man so schön sagt, sprich eine komplett eigene Distribution. Und was mich angeht, mit einem gewissen Symphatiebonus schon vor der Installation. Denn KaOS ist extrem klar strukturiert, so dass auch Nicht-Linux-Fachleute den Aufbau verstehen. Es gibt auch nur ein einziges ISO zum Herunterladen und als Rolling Release bleibt das System für immer aktuell, ohne neue Versionen einspielen zu müssen. Ich freu‘ mich – noch.

Über Linux-Distri-Impressionen

Ausführliche Infos: Quartett-Artikel und Distri-Impressionen-Übersicht. Hier nur ganz kurz zur Einordnung: Die Distri-Impressionen sind für das Quartett quasi „nebenher“ entstanden und sind keine tiefschürfen oder technischen Analysen. Es geht hier um das, was mir bei Installation, Einrichtung und Herumspielerei mit Desktop, Einstellungen und Tools aufgefallen ist. Was mich langweilt, was mich begeistert.

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Ein klares Konzept ist DAUs wohl egal, aber fachkundiges Publikum freut’s.

KaOS mit KDE

Puhhh, Glück gehabt: Wenn Vorfreude auf eher kleine, eigenständige Projekte trifft, wartet häufig Madame Enttäuschung auf ihren großen Auftritt. Bei KaOS funktioniert aber alles, inklusive Sofort-Vollbild ohne Gast-Erweiterungen in der virtuellen Maschine. Aber zunächst mal zu dem, was KaOS besser macht als andere: Das Projekt konzentriert sich auf einen Desktop, nämlich KDE, und Programme aus einer Entwicklungsecke, nämlich solche, die mit Qt entwickelt wurden. Einige Programme, die es nur als GTK+-Version gibt, werden dennoch bereitgestellt, beispielsweise Inkscape. Alle Pakete, die zur Verfügung stehen, stammen von KaOS selbst. Mit knapp über 2.000 Stück ist das zwar verhältnismäßig wenig (Ubuntu kommt auf über 30.000), aber dafür bleibt es eben zuverlässig, vernünftig wartbar und einheitlich.

Den Plasma-Desktop hat man schlank und in dezenten Farben hochgezogen. Einzig die Entscheidung, die Menüleiste standardmäßig an den rechten Seitenrand zu heften, scheint mir eine gewollte Eigenart zu sein – und zwar eine bekloppte. Und das über rein persönliche Präferenzen hinaus: Die Pfeile in Unterordner gehen – natürlich – nach rechts raus. Man ließt hier nunmal von links nach rechts. Aber die Untermenüs klappen nach links, gegen die Pfeilrichtung heraus und überlappen Teils die anderen Menüs. Sorry KaOTen, das ist einfach nur Schwachsinn. Platziert das Ding gefälligst links, oben oder unten – nur nicht rechts …

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Seitenleiste rechts? Falscher Kulturkreis …

Die Basisausstattung ist recht gut und vor allem fix, die Systemeinstellungen sind gut gemacht, alles wirkt rund, schönes System. Man müsste mal im Arbeitsalltag schauen, ob die geringe Paketauswahl irgendwann zu ernsthaften Problemen führt, aber auf den ersten Blick macht KaOS wirklich einen tollen Eindruck. Wer gerne ein übersichtliches System haben will, bei dem man versteht, was es warum gibt – aber kein Gefrickel in der Form von Gentoo/Linux from Scratch -, trifft mit KaOS vielleicht die beste mir bisher bekannte Wahl.

Was leider nicht funktioniert, ist das einfache Hinzufügen meines HP-Netzwerkdruckers. Die CUPS-Weboberfläche meldet beim Versuch einen Drucker hinzuzufügen schlicht: Verboten. Sehr hilfreich.

Übrigens: Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten, die überzeugen können. Beispielsweise gibt es ordentliche Hilfe bereits während der Installation und der Begrüßungs-Hilfedialog ist vorbildlich umfangreich.

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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