Ein Linux für Windows- und macOS-Umsteiger: Ausgefeilter Desktop und viele gelungene Details. Wenn da nicht diese Kaufoption wäre …

Zorin OS ist auf jeden Fall schon mal ein guter Name, guter Bond-Bösewicht. Ob der gemeint ist? Egal. Zorin habe ich vorher noch nie genutzt, von daher war die Erwartungshaltung fast ausgeglichen. Fast, weil Ubuntu-Derivat explizit für Nicht-Techies etwas vom Sandkorn am Strand hat. Aber im Gegensatz zu Bond-Plots, kann die Realität ja auch schon mal überraschen.

Über Linux-Distri-Impressionen

Ausführliche Infos: Quartett-Artikel und Distri-Impressionen-Übersicht. Hier nur ganz kurz zur Einordnung: Die Distri-Impressionen sind für das Quartett quasi „nebenher“ entstanden und sind keine tiefschürfen oder technischen Analysen. Es geht hier um das, was mir bei Installation, Einrichtung und Herumspielerei mit Desktop, Einstellungen und Tools aufgefallen ist. Was mich langweilt, was mich begeistert.

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Mit dem DAU-Faktor kann Zorin punkten.

Zorin OS mit Zorin Desktop

Zorin OS spricht explizit Windows- und macOS-Nutzer an. Das tun, wenn auch nicht so deutlich, viele andere auch. Erfreulicherweise tut Zorin etwas mehr dafür. Aber von vorn: Die Installation ist einfach wie immer, es sind für Vollbild in der VM erfreulicherweise keine Gast-Erweiterungen nötig, Aktualisierung und 3rd-Party-Software werden optional durchgeführt, soweit alles gut.

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Der Zorin Desktop ist wunderbar rund und einfach zu konfigurieren.

Und wieder erfreulich: Zorin hat eine eigene Desktop-Umgebung – und die gefällt auf Anhieb. Zumindest Windows-Nutzern, denn Taskleiste und Startmenü sehen genau aus wie im klassischen Windows. Aber schicker! Doch damit ist es nicht getan: Linux- und macOS-Nutzer kommen ebenso auf ihre Kosten. Mit dem Tool Zorin Appearance kann man die Taskleiste und Startmenü gegen ein apfeliges Dock tauschen oder gegen eine linuxige Seitenleiste. Das mag nach Kleinkram klingen, aber wenn man eine Variante seit Jahren oder Jahrzehnten nutzt, fällt der Umstieg doch verdammt schwer. Und warum sollte man? Nun, man sollte. So schön das auch anmutet, in der Core-Version gibt es nur ein abgespecktes Zorin Appearance. Erst in der Ultimate-Version für 19 Dollar gibt es das volle Programm.

Auffällig ist auch, dass alles sehr gut durchübersetzt zu sein scheint. Selbst bei OpenSuse sind mir noch ein zwei englische Phrasen aufgefallen, bei Zorin OS nicht.

Toll ist auch die Wine-Integration: Vorinstalliert und laufbereit ist schon nicht so häufig der Fall, aber Spaß macht Wine hier vor allem durch Play On Linux. Im Grunde hat man hier ein extra Software-Center, nur eben mit installierbaren Windows-Programmen. Microsofts Excel-Viewer? Mit einem Klick installiert. Selten habe ich so eine gute Integration der Windows-Welt gesehen.

Es gibt noch mehr nette Details, als abschließende Beispiele: Das Tool Zorin Browser Management hilft beim Installieren/Deinstallieren der wichtigsten Browser – toll für Einsteiger. Und die App Filme (so doof so ein übersetzter Name an dieser Stelle auch sein mag … dahinter steckt Totem) ist ein wunderbarer Einstiegspunkt für Medien. Hier in der virtuellen Maschine findet und spielt es sogar Videos aus einer Kodi-Bibliothek auf einem Tinkerboard, die sich wiederum von einem NAS speist. Nebenbei: Totem findet man in vielen Distris, zum Beispiel in Ubuntu. Dort zeigt Totem standardmäßig jedoch nur ein paar fix vorgegebene Online-Quellen – keine im hiesigen Netz laufende Server. Es machen eben die Details den kleinen Unterschied.

Ich muss sagen, Zorin OS gehört definitiv zu den Top-Anwärtern für macOS- oder Windows-Umsteiger. Auf Augenhöhe mit zum Beispiel OpenSuse mit KDE-Plasma-Desktop. Man fühlt sich mit den gegebenen Anpassungsmöglichkeiten schnell zu Hause, alles ist aus einem Guss und irgendwie rund. Für mich selbst wäre Zorin definitiv nichts. Mit der kostenpflichtigen Ultimate-Version hat man bei der Core-Version immer irgendwie das Gefühl, eine Light-Version zu nutzen. Vielleicht unfair, aber da sind mir andere Projekte schlichtweg symphatischer.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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