Apple hat diese Woche genutzt, um eine Reihe von Updates vorzunehmen. Der Star ist aber definitiv das Macbook Neo: Ein vollwertiges Net.. äh, Notebook, also Macbook, für kleines Geld. Sonst blogge ich hier ja selten über Apple-Neuvorstellungen – aber das gab's noch nie – und es kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, wenn auch 18 Jahre zu spät.
Erinnert Ihr Euch noch an die Netbooks? Das waren so kleine Intel-Notebooks, die seinerzeit, es war das Jahr 2007, sehr schnell sehr populär wurden. Das lag auch am Preis: Ein Basis-eeePC ging damals für unter 400 Euro über den Tresen. Die zweite Welle war besser, die dritte sogar so gut, dass man Mac OS X darauf installieren konnte. Und tatsächlich war ein Dell Mini 10v Hackintosh mit Mac OS X 10.6 anno 2010 mein "To-Go"-Notebook für Reisen.
Macbook Neo: Der perfekte Reise-Laptop
Das Macbook Pro, das ich seinerzeit besaß, war mir zu dick und zu teuer. Was ich mir wünschte: Einen echten Apple-Laptop zum kleinen Preis. Was ich bekam? 15 Jahre iPads in allen Farben, Formen und Varianten – aber niemals mit einem brauchbaren Betriebssystem. "Post-PC" sagte man damals, der Computer hätte ausgedient, das Zeitalter des Touch-Gedöns sei angebrochen und... nun ja: Nein. Stattdessen hat Apple mitten in einer historischen Speicherkrise das Macbook Neo vorgestellt. Und das ist das Zweit- und Reisegerät der Träume: Günstig, flott, ein vollständiger Mac.
Der Clou an dem Teil: Anders als seinerzeit die Netbooks ist es kein schneckenlahmer Heizlüfter: Es hat nicht einmal einen Lüfter, und der A18 Pro-Prozessor aus dem Vorjahres iPhone-Pro reicht dicke, um unter macOS zu arbeiten. Und der Preis von 699,- Euro (UVP) ist natürlich noch nicht das Ende der Fahnenstange: Bei Drittanbietern wird es sicher bald für einen deutlich geringeren Tarif auftauchen.
Apple 13" MacBook Neo Laptop mit A18 Pro Chip: Entwickelt für KI und Apple Intelligence, Liquid...
Apple 13" MacBook Neo Laptop mit A18 Pro Chip: Entwickelt für KI und Apple Intelligence, Liquid...
Übrigens: Heutige 699 Euro entsprechen ziemlich genau 481 Euro 2008 – und das ist immer noch deutlich teurer als seinerzeit die Netbooks, die damals mit 299,- Euro (Asus eeePC 700, 2008) bzw. 279,- Euro (Dell Inspiron Mini 10v, 2009) eingepreist waren. Aber: Mein erster und einziger eeePC damals, der eeePC 901, war mit einer UVP von 379 Euro nicht signifikant günstiger. Heutige Chromebooks – die Apple mit dem Neo angreift – liegen ebenfalls im Bereich 350 bis 600 Euro.
Im Anbetracht des Qualitätsniveau und der Ausstattung des Macbook Neo könnte man seitens Apple also schon fast von "Verramschen" der Hardware sprechen. Auf jeden Fall zeigt das Macbook Neo die enormen Margen, die Apple auf seinen Hardwareprodukten hat, denn der Hersteller wird wohl kaum draufzahlen. Stattdessen dürfte sich das Macbook Neo über die schieren Verkaufszahlen amortisieren, die laut Apples Planung wohl enorm ausfallen.
Sind 8 GB RAM im Macbook Neo zu wenig?
Aus der PC-Ecke kam nach der Vorstellung das Gemecker, dass 8 Gigabyte RAM ja wirklich nicht mehr zeitgemäß seien. Nach fünf Jahren Macbook Air M1 als Zweitrechner, das in Sachen Leistung vergleichbar ist, kann ich sagen: Mehr braucht man eigentlich bei den Apple-Silicon-Macs nicht für den Alltag: Office, Browsen, Mailen, Social Media, Youtube oder Streaming? Alles kein Problem. Übrigens genauso wenig wie einfachere Spiele.
Denn was viele vergessen: Die M1-Macs haben seinerzeit die schnellsten Intel-PCs in die Tasche gesteckt. Im Vergleich zu einem Macbook Pro M5 Max ist das Macbook Neo sicher kein Geschwindigkeitswunder. Aber für sich genommen, gegen Standard-PC-Notebooks der Preisklasse gestellt, ist es brachial – und wischt den Boden mit den Plastikbombern von Dell, Lenovo und Co. auf.
Sicher: 8 Gigabyte RAM sind heutzutage das Minimum. Aber vor nicht all zu langer Zeit hat Apple auch noch das Macbook Pro mit dieser RAM-Ausstattung verkauft. Und ich kann mich nur wiederholen: Für den normalen Computer-Arbeitskram reicht das unter macOS mit Apple-Silicon völlig aus. Tipp von meiner Seite: Nutzt statt dem lästigen Google Chrome den mitgelieferten Safari-Browser, dann sollte es an der RAM-Front keine Probleme geben.

Macbook Neo: Bunt, aber noch nicht bunt genug!
Was mir am Macbook Neo auch gefällt, ist übrigens das Design. Ich habe zwar aktuell keinen Bedarf, eines zu kaufen – mein Macbook Air M1 reicht wie gesagt für die allermeisten Anwendungen noch völlig aus. Doch sollte ich in Zukunft, vielleicht bei der nächsten Generation, meinen Zweitrechner zum Macbook Neo umsatteln, dann würde ich mir mehr Farben wünschen. Deutlich mehr. So wie damals in den 1990ern beim iBook oder iMac!
Das gelbe und pinke Macbook Neo sind da aus meiner Sicht schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. So ein preiswertes, gelungenes Gerät, das auf Einsteiger, den Bildungsmarkt und die heutzutage oft nur noch mit Smartphone ausgestattete Damenwelt abzielt, gab es noch nicht. Und es spricht auch so alte Apple-Typen wie mich an, die den Verlust der verspielten Apple-Buntheit Anfang der 2000er nie richtig überwunden haben.
Also, Apple, gib uns mehr von diesem gefärbten Aluminium! Mindestens die Farbpalette des guten, alten iPod Nano wäre angebracht: Grün, rot, blau, und zwar knallig, nicht dieses blöde, mutlose Pastellgefärbe!
Fazit: Das Macbook Neo ist das Netbook, das nie kam
Das Macbook Neo ist Apples Billigheimer. Als Netbook kommt es zwar 18 Jahre zu spät, als Billig-Macbook hingegen genau zum richtigen Zeitpunkt: Krieg, KI und unkluge Politik machen Hardware teuer und Taschen leer. Da ist es nur richtig, die Kunden zu bedienen, die wenig haben – oder weniger ausgeben wollen oder müssen.
Aber auch ohne den weltpolitischen Faktor ist das Macbook Neo der perfekte Rechner für Kundengruppen, die Apple bislang aufgrund des Preisniveaus nicht ansprechen konnte: Senioren, Schüler, Studenten. Aber auch Leute, die sich bislang mit Billig-PC-Notebooks als Notfall-Arbeitstier für Smartphone-ungeeignete Aufgaben vorgehalten haben. Oder Menschen, die sich mangels Interesse an teuren Notebooks bislang mit Apples furchtbaren Windows-Versionen von iTunes und iCloud herumschlagen mussten.
Kurzum: Das Macbook Neo ist das perfekte Macbook zur richtigen Zeit und wird sich wahrscheinlich wie geschnitten Brot verkaufen.