Hardware

Keycaps-Upgrade: Material, Passform, Layouts, Installation

Bessere Haptik, bessere Beleuchtung und wertigeres Tippgefühl - selbst bei teuren Tastaturen.

Gute Keycaps sind nicht nur Fetisch für Tastatur-Nerds, sondern können auch für Otto Normalverbraucher ein echter Gewinn sein. Mit rund 30 Euro könnt Ihr selbst teure Keyboards aufwerten – müsst aber wahrscheinlich Abstriche machen! Was es zu beachten gibt, Tipps für die Installation und was es mit PBT, O-Rings, Double Shot, ABS, Pudding etc. auf sich hat, lest Ihr hier.

Keycaps != Keycaps

Eines gleich vorweg, bevor Ihr später frustriert seid: Das ganze Thema Tastatur-Tuning ist eigentlich nur für mechanische Tastaturen mit MX-kompatiblen Schaltern interessant. MX steht für die verbreitetsten Schalter überhaupt, die Cherry-MX-Switches, die es in diversen Varianten gibt. Für Keycaps relevant sind die Stems: Die Stämme sind die Teile, die oben aus den Schaltern gucken und auf die die Kappen gesetzt werden. Bei MX ist das ein schlichtes Kreuz – und das Gute: So ziemlich alle Switches auf dem Markt folgen dieser Cherry-Bauform.

Keycaps von innen
Wenn es ein Kreuz ist, sollte es auf MX-kompatible Switches passen.

Standard-Keycaps sind meist aus ABS gefertigt, einem eher dünnen, glatten Material, das sich mit der Zeit meist recht deutlich abnutzt.

razer blackwidow foto mit abs Keycaps
Vorher: Eine Razer BlackWidow mit schwarzen ABS- und pinken Erasatztasten aus PBT.

Die besseren Kappen sind aus PBT gefertigt, dickerem, haltbarerem Kunststoff, meist mit leicht rauher Oberfläche, der sich angeblich nicht abnutzt, glatt werden die Tastenkappen mit der Zeit aber dennoch. Dadurch, dass sie dicker sind, sind sie auch häufig minimal höher als viele Standardkappen – von daher sind sie als Ersatzteile nicht wirklich geeignet, sondern nur zum kompletten Austausch. Zudem sind die PBT-Kappen in der Regel nach dem Double-Shot-Verfahren gefertigt. Heißt einfach nur, dass hier keine Beschriftung auf die Kappen gedruckt wird, sondern zwei Ebenen Kunststoff gespritzt werden, wodurch sich die Beschriftung dann tatsächlich nicht abnutzt!

Der nächste Punkt ist Pudding: Das heißt, dass der obere Teil der Kappe gefärbt ist, der untere Teil jedoch milchig weiß bleibt, was Beleuchtungseffekte wirklich enorm verbessert!

Keycaps foto
Pudding-Kappen verbessern die Beleuchtung ungemein.

Und was Ihr vielleicht gar nicht so auf dem Schirm habt: O-Rings sind kleine runde Gummiringe, die auf die Keycaps gestülpt werden und als Dämpfer dienen. Das macht es zum einen leiser, zum anderen fühlt sich das Tippen nochmal eine Runde wertiger an. Lustigerweise sind O-Rings gerade auch für Clicky-Schalter (MX-Blue, GX-Blue, Razer Green), die ja eigentlich laut sein sollen, interessant: Das gewollte Klicken bleibt nämlich bestehen und ist viel klarer zu hören, weil eben das ungewollte Geräusch von Kappe-prallt-gegen-Schaltergehäuse leiser wird. Ja, klingt nach typischem Brauch-ich-nicht-Kram, aber es lohnt sich.

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Kurz gesagt: PBT-Pudding-Keycaps mit O-Rings sind ein echter Gewinn – selbst für teure Tastaturen wie meine etwas betagte Razer BlackWidow, für damals stattliche 180 Euro. Dazu haben wir hier auch einen Artikel über ein Zwangs-Keycap-Upgrade vom letzten Jahr, der auch das elende Thema Layout beleuchtet. Apropos:

Layout != Layout

Es kommt immer wieder die Frage: Passen diese und jene Keycaps auf dieses und jenes Keyboard? Wie oben beschrieben: Die Kappen passen fast immer auf die Schalter. Aber: Zum einen gibt es ISO- und ANSI-Layout, zum anderen dämliche Hersteller mit Eigenarten …

In der Regel habt Ihr eine ISO-DE-Tastatur: DE erkennt Ihr an Umlauten, ISO am einfachsten an der ENTER-Taste, die über zwei Zeilen geht. Außerdem ist die linke UMSCHALT-TASTE breiter als normale Tasten, aber schmaler als die CAPS-LOCK-Taste direkt darüber.

Und jetzt etwas echt Blödes: Die meisten Sets decken ISO und ANSI ab, aber eigentlich nie im DE-Layout! Wenn Ihr also drauf angewiesen seid, dass wirklich alle Tasten korrekt beschriftet sind, könnt Ihr es eigentlich gleich vergessen. Nun, es gibt natürlich DE-ISO-Kappen-Sets, aber wenn es PBT und Pudding sein soll wird es eng. Von Ducky gibt es beispielsweise PBTs im ISO-DE-Layout, aber nicht im Pudding-Design:

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Und weil es immer noch schlimmer sein kann: Nicht nur, dass die Auswahl gering ist, Keycaps scheinen auch ein Problem mit der Verfügbarkeit zu haben. Die Ducky-Caps gibt es Stand heute zum Beispiel immerhin bei Caseking.de. Aber schaut man sich viele Läden von Tastaturspezialisten an, zum Beispiel Candykeys, sieht man fast nur leere Regale – bei Candyking sind mehrere Hundert Produkte bei den Keycaps gelistet, ganze vier scheinen verfügbar. Und ähnlich sieht bei etlichen Anbietern aus. Boom? Corona? Sueskanal-Stau? Jedenfalls ist es derzeit schwierig.
Nachtrag: Etwas Verfügbares habe ich noch gefunden:

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Und noch etwas blöder: Mindestens Razer und Logitech nutz(t)en für die unterste Reihe bisweilen kein Standard-Layout! Bei der alten BlackWidow ist zum Beispiel die Leertaste schmaler, STRG ist breiter, SUPER/WINDOWS daher wiederum schmaler … (die aktuelle BlackWidow scheint standardkonform). Bei einigen Tataturen könnt Ihr daher nicht alle Kappen ersetzen. Und die Alten sind eben unter Umständen etwas niedriger, fühlen sich anders an oder sehen – vor allem unbeleuchtet – wie Fremdkörper aus.

tastatur foto mit tastenkappen
Hier seht Ihr alle Tasten, die häufig durch Layout und gegebenenfalls Hersteller-Eigenheiten betroffen sind.

Installation der Keycaps

Hier im Beispiel seht Ihr eine ältere Razer BlackWidow mit dem folgenden Keycap-Set von HK Gaming in der Halloween-Farbgebung:

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Tipp: Probiert zu aller erst mal aus, ob die neuen Kappen auch passen, das könnte fünf Minuten später viel Frust ersparen ;) Am besten sortiert Ihr die Tasten grob vor – schließlich werden einige Beschriftungen nicht dem Gewohnten entsprechen! Oder wisst Ihr auswändig, dass die Ü-Taste mit „]}“ beschriftet ist?

Keycaps sortiert
Ein Beutel voller Kappen … das dauert.

Anschließend solltet Ihr alle alten Kappen auf einmal entfernen, damit Ihr die Tastatur bei der Gelegenheit mal ordentlich reinigen könnt ;)

tastenkappe entfernen foto
Kappenentferner bei der Arbeit.

Vorsicht: ENTER, BACKSPACE, UMSCHALT und LEERTASTE sind mit Stabilisatoren versehen – also nicht einfach herausziehen. Zieht sie vorsichtig gerade so heraus und dann leicht nach oben/unten oder zur Seite, um die Plastikhalterungen von den Metallstangen zu ziehen. Die Halterungen in den Keycaps müsst Ihr verwahren, in der Regel liegen solche nicht bei, auch, weil sie von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sind.

stabilisatoren von Keycaps
Der Metallbügel unter der Leertaste ist der Stabilisator.

Anschließend könnt Ihr die O-Ringe über die Stamm-Gegenstücke unter den Kappen stülpen. Es reicht, wenn sie sauber drüber liegen, sie drücken sich später von allein ganz nach unten.

foto: o-ring über stem
Ein installierter O-Ring.

Die Kappen selber könnt Ihr anschließend ganz einfach aufstecken – das kann bisweilen mit ein wenig Kraftaufwand verbunden sein! Insbesondere bei günstigen und generell Drittherstellerkappen kann das schon mal recht eng sein. Generell sind die Keycaps von HK Gaming denen von Razer absolut ebenbürtig.

Razer-I in Pink vs. HK Gamin in Orange – kaum ein Unterschied.

Frickelig wird es bei den Stabilisatoren. Wichtig hierbei, am Beispiel Razer – bei anderen Herstellern könnte es leicht anders aussehen: Die kleinen Halterungen müssen von dem Metallbügel weg zeigen, ansonsten springt der Bügel aus seiner Halterung auf dem Board oder die Kappe geht gar nicht erst auf den Stamm.

stabilisator detailaufnahme
Erst die schwarzen Halterungen in der Kappe auf den Bügel fädeln – dann die Kappe festdrücken.

Layout-Lösungen: Wie erwähnt, die untere Razer-Reihe ist leider leider proprietärer Mist. Bei der BlackWidow passen erfreulicherweise WIN- und linke ALT-Taste, auch wenn die Abstände nicht perfekt sind. Die STRG-Taste schließt links nicht bündig ab, was das Gesamtbild schon ein wenig verhunzt.

tastatur links
Nicht wirklich hübsch – aber geht.

Schlimmer wird es auf der rechten Seite: FN lässt sich gar nicht ersetzen, für die MENÜ-Taste taugt immerhin eine der übrig gebliebenen Kappen aus dem ANSI-Layout. Wirklich schrecklich ist aber vor allem die Leertaste, die in Pink nicht gerade zu den orangen Kappen passt – aber BlackWidow-Leertasten scheint man nur über 40-Euro-Razer-Kappen-Sets zu bekommen.

foto von layout-problemen
Hier ist leider alles Käse …

Fazit

Man hat es mit DE-ISO-Layout wahrlich nicht leicht und als Nutzer älterer Razer-Hardware ist man ziemlich gearscht, um es klar zu sagen. Das Angebot ist im Wesentlichen auf US-ANSI-Layout ausgelegt, schon die UK-Varianten sind nicht selbstverständlich. Wenn es gar keine ISO-Abdeckung gibt, macht das alles endgütltig keinen Spaß mehr, da dann ENTER- und benachbarte Tasten nicht getauscht werden können – zusätzlich zu ISO-/ANSI-Abweichlertasten. Achtet also in jedem Fall penibel darauf, was Euer Hersteller sich da so hat einfallen lassen.

Und dennoch: Es lohnt sich. Die rauhen Kappen fühlen sich deutlich besser an – mal schauen, wie lange … -, die O-Ringe sind eine erstaunlich effektive Tuning-Option und die Beleuchtung über die Pudding-Kappen ist eine ganz andere Liga als nur über die Beschriftung! All das ist aber obsolet, wenn Ihr nicht weitgehend blind tippt – selbst das @ müsstet Ihr erst recherchieren, denn auf der Q-Taste steht eben nur Q, die Amis haben das @ auf UMSCHALT-2 – woraufhin Ihr wiederum dort keine Anführungszeichen findet und so weiter …

tastaturfoto
Nachher: Nicht für Perfektionisten, aber das Werkzeug ist eindeutig besser geworden.

Und wenn das Bild bei Licht nicht überzeugt: Bei voller Beleuchtung fallen die unpassenden Tasten und die falsche Beschriftung doch viel weniger auf als die neue spaßige Lichtwelt!

Keycaps in aktion
Wenn es um Beleuchtung geht: Pudding, Pudding und nochmals Pudding ;)

Ein Tipp zum Schluss: Ich habe hier mehrere Switches entdeckt, deren Clicky-Klick dahin ist – und austauschbare Switches gibt es hier selbstverständlich nicht. Und auch bei Euch eher nicht. Und da stellt sich dann plötzlich die Frage, ob man nicht gleich eine neue Tastatur kauft und sich die 40 Euro und zwei Stunden Arbeit für ein Upgrade spart. Ich für meinen Teil habe mich tatsächlich für die Logitech G512 entschieden, da eh eine Logitech-Maus läuft und ich mir so den irre umfangreichen Online-Zwang-Treiber von Razer erspare. Schade eigentlich, die BlackWidow hat jetzt gut 6 Jahre gute Dienste geleistet, auch wenn ein gutes halbes Dutzend nicht mehr klickender Schalter nicht schön ist. Ich glaube kaum, dass ich 50 Millionen Zs geschrieben habe …

Nachtrag: Nein, bei Logitech arbeiten doch immer noch nur Vollhonks – die untere Reihe ist nicht standardmäßig … Die STRG-Tasten sind minimal breiter, die Leertaste ist schmaler als die typischen 6,25-Varianten (= 6,25 mal so lang wie eine Standardtaste), die rechte UMSCHALT-Taste hat die richtige Größe – aber einen unpassenend Stabilisator … Behalten werde ich sie dennoch, allein wegen des Treibers. Immer wieder schön zu sehen, wenn Hersteller ihre Kunden schlicht nicht wertschätzen. Wenn Ihr nicht gerade bestimmte Gründe für Logitech habt: Nicht kaufen! Kauft Hardware nach Standards, alles andere ist Kundenverarsche.
Nachtrag 2: Der neue Logitech-Treiber ist deutlich schlanker als Razer Synapse und hat keinen Online-Zwang – ist davon abgesehen aber ein Haufen … Eigener Artikel wird folgen.

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Mehr zu Tastaturen.

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help

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