Hardware

Transferpresse für T-Shirts: Wie geht’s? Was braucht man? Und lohnt es sich?

Eine kleine Übersicht über Transferpressen, Plotter, Folien, Verfahren, Kosten und Aufwand

Textilien selbst zu gestalten geht wohl am einfachsten über die vielen Online-Dienste – warum dann eine Transferpresse? Fürs kleine Nebengeschäft? Den Verein? Oder einfach nur privat? Es hat schon seinen Reiz, selbst basteln zu können. Ihr müsst aber schon ein paar Hunderter investieren. Wenn Ihr erstmal eine Übersicht haben wollt, was Ihr alles braucht, wie genau man denn Motive gestaltet und aufbringt und wie es mit den Kosten steht, seid Ihr hier richtig. Kleiner Spoiler: Mindestens einen großen Vorteil hat DIY hier gegenüber Online-Druckern ;)

Überblick

Transferpressen transferieren Motive mittels Druck und Wärme auf Textilien und auch speziell beschichtete Gegenstände wie Tassen. Es gibt sie ab rund 300 Euro, häufig als X-in-1-Geräte, die dann auch Kappen, Tassen und andere Dinge bedrucken können. Im Grunde sind es große fixe Bügeleisen … Es gibt allerdings immense Unterschiede, zumal die meisten Geräte No-Name-Massenware sind.

Die Motive werden aus Transferfolien hergestellt. In der Regel handelt es sich dabei entweder um einfarbige Vinylfolien oder um Folien zum Bedrucken mit einem handelsüblichen Drucker. Als Verbrauchsmaterialien habt Ihr also Tinte, Folien und Textilien.

Etwas tricky bei den Motiven: Freistellen. In der Regel werdet Ihr keine DIN-A4-Folien im Ganzen als Motiv haben wollen, sondern eher freigestellte Motive oder komplexere Formen, und sei es nur ein Oval. Mit der Schere wäre das mühselig bis hin zu unmöglich. Um einen Plotter werdet Ihr kaum herumkommen.

Im Folgenden solltet Ihr alles finden, was Ihr für eine Kaufentscheidung benötigt:

  • Der ganze Workflow
  • Transferpressen (Preise, Bauarten, Daten)
  • Plotter
  • Folien
  • T-Shirts
  • Zubehör
  • Kostenrechnung

Die Arbeitsschritte

Hier alle relevanten Arbeitsschritte für Folien zum Bedrucken, sofern möglich mit ungefähr mindestens benötigter Zeit.

  • Motiv am Rechner gestalten, inklusive freistellen
  • Motiv über die Plotter-Software (!) auf die Folie drucken – 5 Minuten
  • Motiv mit dem Plotter ausschneiden – 5 Minuten
  • Ausgeschnittene Folie entgittern, also überflüssige Teile von der Trägerfolie abziehen – 2 – 15 Minuten
  • T-Shirt in Presse legen, Folie ausrichten, Transfer durchführen, abkühlen lassen, Trägerfolie entfernen – 2 Minuten

Der einzig wirklich lästige Part liegt beim Freistellen der Folie. Wenn es sich um ein filigranes Motiv handelt oder schlicht um viele Buchstaben mit Löchern drin (b,d,g,o etc.), ist das eine ganz schöne Frickelei mit Pinzetten und Stochern. Das eigentliche Pressen dauert dann nur rund 20 Sekunden. Bei dunklen Textilien wird es sogar noch frickeliger – mehr dazu unten bei den Folien.

Transferpressen

Auf folgende Aspekte könnt Ihr beim Kauf achten:

  • Preisklasse/Hersteller
  • Bauart
  • Technische Daten

Erstmal etwas zu den Preisklassen: Eine 8-in-1-Presse mit einer Arbeitsfläche von 38x38cm für 200 Euro ist natürlich verlockend – ich persönlich habe mich dagegen entschieden, weil hier Strom, Druck und Wärme zusammenkommen. Bei solchen Geräten handelt es sich fast ausnahmslos um No-Name-Massenware mit unterschiedlichen Marken-Aufklebern darauf. Das sorgt sicherheitsmäßig für kein gutes Gefühl und es gibt durchaus recht viele Nutzerrenzensionen, die von Stromproblemen berichten.

Ab rund 300 Euro gibt es Pressen ohne 8-in-1-Zubehör von deutschen Anbietern. Natürlich sind die Dinger immer noch Made in China, aber wenn eine deutsche GmbH als Anbieter auftritt, kann man durchaus ein Mindestmaß an Sicherheit und tendenziell auch an Qualität erwarten. Häufig handelt es sich dabei um reine Handelsunternehmen, die generische Produkte einkaufen und ebenfalls nur mit einem eigenen Aufkleber versehen – beispielsweise Ricoo. Ricoo bietet auch Schuhschränke und Monitorhalterungen an, es ist kein Maschinen-Hersteller. Das Einstiegsmodell Power-Zwerg liegt bei knapp 400 Euro für einen Arbeitsbereich von 30x23cm.

Mich hat am meisten das kleine Gerät der Firma Secabo gereizt: Ein echter Maschinen-Hersteller mit eigenen Geräten, Pressen für den professionellen Bereich, eigenen Demo-Videos und auch noch zwei Dipl.-Ings als Firmenleitung – das alles schürt deutlich mehr Vertrauen. Das Einstiegsmodell TC2 liegt bei rund 300 Euro bei einem Druckbereich von 23x33cm, scheint allerdings kaum noch verfügbar. Ich habe mich aber dagegen entschieden – wegen der Bauart!

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Bezüglich der Bauart gibt es zwei große Unterschiede: Klappen oder schwingen. Die Secabo TC2 ist beispielsweise eine Klapppresse und eine Amazon-Rezension gab den nützlichen Hinweis, dass der Rahmen direkt hinter dem Arbeitsbereich liegt – was zu wenig Platz lässt um T-Shirts richtig zu platzieren. Denn diese müssen freilich hinten über hängen, will man im Brustbereich pressen. Mit Klappe benötigen die Pressen einerseits weniger Platz, bieten andererseits aber auch weniger Platz zum Arbeiten.

Bei mir ist die Wahl letztlich auf den großen Bruder des Power-Zwergs von Ricoo gefallen, die bei 500 Euro für einen Arbeitsbereich von 38x38cm liegt. Grundsätzlich sind Schwingpressen praktischer, sofern der Platz vorhanden ist. Auch professionellere Maschinen sind eher in Schwingversion zu finden. Worauf man hier achten könnte: Bei der Ricoo gibt es zum Beispiel kein Einrasten in der Mittelstellung – man muss also manuell positionieren. Ich persönlich sehe da absolut kein Problem, aber bei einer Klappe ist das freilich noch simpler.

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Im Betrieb brauchen Schwenkpressen recht viel Platz

Wichtiger: Achtet auf den Schwerpunkt! Eine Amazon-Rezension stieß mich drauf, dass das Gerät von Ricoo zum Umfallen neigen würde. Das hatte ich zwar vorher nicht beobachten, aber dann nachstellen können: Schwenkt man das Oberteil um 180 Grad nach hinten, so gleicht es tatsächlich fast einer Wippe – und so ein Ding ist mit 26 Kilogramm ziemlich schwer und gegebenenfalls auch noch 200 Grad heiß! Das ist unschön, man muss es aber auch nicht unbedingt so weit drehen. Dennoch: Es lohnt sich, auf solche Kleinigkeiten zu achten.

Technische Daten

Bei den meisten Pressen findet Ihr Angaben zu Arbeitsfläche, Temperatur, Gewicht, Zeiteinstellungen und eventuell Druck. Wichtig sind dabei vor allem die Arbeitsfläche und das Gewicht: Die übliche größere Arbeitsfläche von 38x38cm ist für T-Shirts völlig ausreichend, bei kleineren Pressen dürfte des öfteren mehrfaches Pressen angesagt sein. Das Gewicht ist wichtig für die Standsicherheit und immer wieder ein guter Indikator für Qualität. Die 500-Euro-Ricoo-Presse beispielsweise steht auf einem ziemlich dicken Stahlgestell und besteht generell aus recht stabilen Bauteilen. Die Verarbeitung ist im Detail eher naja: Das ganze Gerät steht leicht schräg auf dem Rahmen und die Schweissnähte gewinnen keinen Schönheitspreis.

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Die Materialien sind super, die Verarbeitung teils teils

Bei den Temperaturen genügen für die gängigen Folien schon Temperaturen unter 200 Grad, da habt Iht eigentlich nirgends Probleme. Wichtiger ist da eher die Frage, wie gleichmäßig die Temperatur verteilt wird – und das wird sich an den eingesetzten Materialien und der Verarbeitungsqualität ablesen lassen. Die Zeiteinstellungen sind auch ziemlich unerheblich, da man hier von vielleicht 20 Sekunden redet!

Professionelle Maschinen bieten freilich weitere Features, von Voreinstellungen, über App-Steuerungen, bis hin zum automatischen Öffnen der Presse nach der Vorgabezeit. Da müsst Ihr dann deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Abschließend zur Kaufberatung: Am Ende des Tages sind die Dinger kein High-Tech. Es ist nur eine heiße Platte, die auf eine andere Platte gepresst wird. Und ja, Ihr könnt all die Folien auch mit einem Bügeleisen auftragen! Es gibt auch spezielle Transferbügeleisen, die für gelegentliche Kleinigkeiten vermutlich die deutlich pragmatischere Lösung sind. Pressen machen das eigentlich nur ein wenig einfacher, schneller und zuverlässiger.

Wenn Euch das Teil 500 Euro wert ist, kann ich die Ricoo-Presse durchaus empfehlen, sofern Ihr mit dem kleinen Umkipp-Faktor leben könnt! Die Ergebnisse sind bislang durchweg gut, das Teil ist recht massiv aufgebaut und einfach zu handhaben.

Plotter

Ihr werdet nicht um einen Plotter herumkommen, wenn Ihr wirklich Spaß haben wollt – Punkt. Wir haben einen sehr ausführlichen Artikel über Plotter, diesem Artikel hier nicht ganz unähnlich. Daher hier nur in aller Kürze: Eigentlich sind Plotter nur hochpräzise automatische Scheren ;)

Plotter sehen aus wie breite Drucker und funktionieren eigentlich ähnlich, haben aber statt einer Tintenpatrone ein Messer und sie können eingelegte Medien hin und her bewegen. Über die Plotter-eigene Software lassen sich Motive laden und ausdrucken – und zwar mit Kalibrierungsmarkierungen! Diese werden mit ausgedruckt und erlauben es dem Plotter, genau zu wissen, wo sich Euer Motiv auf der Folie denn überhaupt befindet.

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Einer der gängigsten Plotter, der auch hier tätig ist, ist die Silhouette Cameo 4, für knapp 300 Euro. Plotter sind im Grunde ziemlich einfach zu bedienen, mit zwei Abers: Zum einen ist schon ein wenig Übung erforderlich, um für alle zu schneidenden Materialien die richtigen Einstellungen zu finden. So eine Vinylfolie ist zum Beispiel extrem dünn und auf einer Trägerfolie aufgebracht und der Schnitt geht freilich nur durch die Vinylschicht. Zum anderen müssen Reste weggeknibbelt werden, zum Beispiel das Innere von Buchstaben – wie bereits erwähnt: lästig.

Das Pressen ist super simpel, das Plotten recht einfach, aber teils aufwändig – die eigentliche Arbeit liegt beim Design. Hier mal die Arbeitsschritte vom Druck mit Passmarken bis zum fertigen Shirt:

Folien

Typischerweise kommen Euch hier drei Arten von Folien in die Quere: Flexfolie, Flockfolie, Transferdruckfolie. Eigentlich sind das alles schlicht Vinylfolien: Flexfolie meint die normalen einfarbigen Folien. In Flockfolie sind zusätzlich Fasern verarbeitet, die dann etwas plastischer sind und eine angenehmere Haptik haben. Und die Druckerfolie ist einfach Blanko-Vinylfolie für normale Tintenstrahldrucker – daher auch Digital-Transferdruck genannt. Auf den Textilien habt Ihr letztlich immer Vinyl, gegebenenfalls mit Tinte oder Fasern drauf.

Die Ergebnisse sind maschinenwaschbar und können sich mit professionellen T-Shirts messen – bei gleicher Transfertechnik ist da kaum ein bis kein Unterschied zu merken. Auch Online-Dienste nutzen häufig diese Technik. Aber: Gute Online-Druckereien können auch direkt auf die Textilien drucken! Dann ist die Farbe in der Kleidung, statt einer Folie auf der Kleidung. Das ist definitiv noch eine Runde schöner!

Zu Folien lässt ließe sich wohl ein ganzes Buch schreiben. Das vielleicht Wichtigste zu bedruckbaren Folien: Es gibt welche für helle und für dunkle Textilien. Erstere haben eine transparente Folie, werden spiegelverkehrt bedruckt, entgittert und dann aufgepresst. Folien für dunkle Textilien hingegen sind weiß und werden nicht spiegelverkehrt bedruckt – und hier müssen die Motive ebenfalls von der Trägerfolie gepellt werden! Bei freigestellten Motiven grenzt das an Unmöglichkeit, denn die vom Träger abgezogene Vinylfolie ist wabbelig wie hauchdünner Wackelpudding. Heißt: Die Arbeit mit freigestellten Motiven ist auf hellen Materialien wesentlich einfacher! Nun … Es gibt auch selbst entgitternde Folien, die das Freistellen auch auf dunklen Textilien beherrschen – spezielle Drucker und Toner und mehr vorausgesetzt ;) Macht einen super Eindruck, dürfte für Otto Normalverbraucher aber nicht relevant sein.

T-Shirts/Textilien

Genau an dieser Stelle kann die eigene Transferpressen Online-Dienste überflügeln: Ihr könnt vernünftige Shirts verwenden! Ich selbst habe schon einige Shirts über zum Beispiel Shirttuning.de bezogen. Shirttuning bietet als höchste Qualität das “Premium Shirt” von Promodoro. Das ist durchaus ordentlich verarbeitet, aber relativ dünn und am Kragen nicht allzu formstabil. Es ist ein allenfalls mediokres Kleidungsstück.

Und wirklich gut sieht es da bei den meisten Services nicht aus. Sofern es sich um sehr seltene Projekte handelt: Viele Vor-Ort-Druckdienstleister bieten auch Transfer auf Textilien an, da könnt Ihr eigene Shirts mitbringen. Für das typische Spaßhemd für den Jungesellenabschied oder die Babyparty oder das 40-jährige Jubiläum vom Dackelklub sind die Standard-T-Shirts in Ordnung, aber wenn Ihr die Dinger im Alltag über Jahre tragen wollt, ist ein wenig mehr Stoff angesagt.

Mal als Beispiel: Vernünftige Blanko-Shirts zu einem annehmbaren Preis gibt es seit Jahrzehnten von Gildan. Einzeln gibt es die hochwertigsten Exemplare (Ultra Cotton) für meist rund 7-9 Euro, in großen Mengen bekommt man sie ab ca. 3,50 Euro. Gut: Bei Gildan lassen sich die Labels am Kragen einfach rückstandslos abreißen, um zum Beispiel eigene Label einzuhähen. Und natürlich: 100 Prozent Baumwolle. Aber es steht Euch natürlich frei, ein 40-Euro-Hemd von Adidas, Nike, Trigema oder sonst einem Markenhersteller zu veredeln.

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Wenn es Euch nur um billig geht: Fruit-of-the-Loom-Basishemden bekommt man für rund 2,80 Euro.

Zubehör

Plotter, Presse und Folien hatten wir schon – was denn noch? Für den Plotter werdet Ihr zunächst vor allem ein Werkzeugset benötigen, um die überschüssige Folie von der klebrigen Trägerfolie zu entfernen. Im Laufe der Zeit benötigt Ihr ab und an mal neue Klingen und neue Schneidematten.

Wenn Ihr Motive in größerer Stückzahl anfertigt und die Motive immer exakt ausrichten wollt, bietet sich zudem ein Kreuzlinienlaser an, der einfach ein Raster auf das T-Shirt projiziert.

Deutlich günstiger geht das freilich mit T-Shirt-Linealen, die meist ausreichen dürften. Da bietet sich so ein Set für Pressen an, denn Rakel und Folie schaden auch nicht:

Kosten

So, hier also eine Übersicht der Kosten für den Einstieg – mit den ungefähren Werten, die hier konkret aufgelaufen sind.

Anschaffungskosten:

  • Transferpresse: 500 Euro
  • Transferpressenzubehör: 10 Euro
  • Plotter: 300 Euro
  • Plotterzubehör: 10 Euro
  • 25er-Pack Flexfolie: 20 Euro
  • 5er-Pack Flockfolie: 17 Euro
  • 15er-Pack Transferdruckfolie: 20 Euro
  • Transferfolie, 5m: 12 Euro
  • T-Shirt in 200-Gramm-Qualität: 8 Euro
  • Gesamt: 879 Euro

Bei der Presse könnt Ihr mit +/- 200 Euro rechnen.

Was kostet nun ein gutes, einseitig “bedrucktes” T-Shirt?

  • T-Shirt: 8 Euro
  • Transferdruckfolie: 1,33 Euro
  • Tinte: 0,50 Euro
  • Strom: 0,20 Euro
  • Aufwand: 30 Minuten + X Minuten fürs Design

Wenn Ihr also wirklich nur ein einziges Hemd für Euch selbst basteln wollt, rechnet mit einer halben Stunde für die Produktion und knapp 10 Euro an Kosten. Hinzu kommt natürlich noch die Zeit für das eigentliche Design!

In der Praxis dürften häufig beide Seiten veredelt und mehrere Shirts pro Motiv produziet werden. Für Euer Business solltet Ihr daher noch weiter rechnen, jetzt mal für beidseitig, mit super simplen Motiven (ohne filigrane Freistellerei) und höherer Stückzahl, sagen wir 10 pro Motiv, und einem angedachten Stundenlohn von 30 Euro:

  • T-Shirt: 5 Euro
  • Folien: 2,66 Euro
  • Tinte: 0,50 Euro
  • Strom: 0,05 Euro
  • Aufwand pro Stück, Produktion: 5 Minuten -> 2,50 Euro
  • Aufwand pro Stück (anteilig), Design: 5 Minuten -> 2,50 Euro

Damit würdet Ihr bei 13,21 Euro pro Shirt liegen, wenn man mal rund 50 Minuten für das eigentliche Design einrechnet und es schafft, alle 5 Minuten ein Shirt zu pressen – mit zwei mal plotten wird das schon stressig. Wenn Ihr das wirklich als kleines Geschäft betreiben wollt, stellt Euch mal auf einen Verkaufspreis von mindestens 19,95 Euro ein – denn es wird nicht immer so schnell gehen, 30 Euro sind für echte Selbstständigkeit deutlich zu wenig, Fehlproduktionen müssten mit eingerechnet werden, Krankheit, Urlaub, Verwaltung, Rückläufer, Steuern, Versicherungen, Auslastung von unter 100 Prozent … 29,95 wären deutlich realistischer. Und auch dann solltet Ihr versuchen, die Kosten zu drücken, tendenziell dürftet Ihr kaum mehr als 50 Prozent der Zeit produktiv sein – Verwaltung, Website, Kommunikation, fehlende Aufträge, schwierig. Wenn Ihr also schon mal dachtet, 40 Euro für ein selbstgemachtes T-Shirt bei Etsy wären unverschämt …

Und nicht vergessen: Es müssen auch noch rund 800 Euro für Presse und Plotter verrechnet werden! Bei der ersten Rechnung für ein privates Shirt bin ich von 10 Euro ausgegangen. Bei Shirttuning.de würde ein Shirt in bester (aber leicht schlechterer) Qualität, einseitig bedruckt (per besserem Direktdruck auf den Stoff) 22,50 Euro kosten – also etwa 10 Euro gespart. Heißt: Nach 64 T-Shirts hättet Ihr die Kosten raus, erst das 65. Shirt wäre dann entsprechend günstiger.

Für Euer privates Vergnügen solltet Ihr also nicht unbedingt mit Einsparungen rechnen, Online-Dienste könnten die bessere Wahl sein, rein preislich gesehen. Auch das Druckergebnis ist besser, sofern direkt auf den Stoff gedruckt wird. Und filigran freigestellte Motive auf dunklen Textilien können sie auch besser. Dafür habt Ihr wie erwähnt die bessere Textilienauswahl. Bei 5 Kleinkindern, die ständig aus den Klamotten raus wachsen, könnte sich eine Presse aber irgendwann lohnen.

Für Business solltet Ihr aus der einfach Rechnung vor allem eine Lehre ziehen: Der Anschaffungspreis für Plotter und Presse ist nahezu völlig irrelevant – kauft lieber gleich professionelle Geräte! 65 T-Shirts für privat sind verdammt viel. Die geschäftsmäßige Rechnung bräuchte zwar sogar 86 Hemden, um die Anschaffungskosten der Maschinen zu decken, aber die müsstet Ihr eh binnen einiger Tage produzieren, wenn das wirklich laufen soll.

Mit den Zahlen solltet Ihr nun halbwegs spielen können – häufig dürfte die Nutzung irgendwo dazwischen liegen, etwa wenn auch mal privat größere Mengen für Veranstaltungen produziert werden oder Ihr das als kleines Nebengeschäft betreiben wollt.

Fazit

Die günstigen Heimpressen sind vermutlich vor allem für Basteltanten, DIY-Fetischisten, Vereinsmeier, Großfamilien und vielleicht noch Hobby-Veranstaltungsplaner interessant sein. Wer einfach ab und an sehr gute Einzelstücke haben möchte, wäre vermutlich mit einer lokalen Druckerei und selbst mitgebrachten Textilien am besten aufgehoben. Wer es geschäftlich nutzen möchte, sollte gleich höherwertige Geräte anschaffen und ordentlich durchrechnen!

Ich würde sagen, privat lohnt sich so eine Presse, wenn Ihr Spaß an der Bastelei habt, bessere oder ungewöhnliche Textilien bedrucken wollt und keinen wirklichen finanziellen Vorteil erwartet. Wenn das Ding im Dauereinsatz ist, um zum Beispiel billigste T-Shirts mit simplen Motiven zu versehen, wird sich aber auch ein finanzieller Vorteil in überschaubarer Zeit erreichen lassen – zumindest, wenn man keinen eigenen Stundenlohn einrechnet.

Mit einem kleinen Online-Shop, zum Beispiel bei Etsy oder Ebay, könntet Ihr freilich auch versuchen, schlicht Euer Hobby zu finanzieren – das dürfte sich durchaus machen lassen. Nun, vorausgesetzt Eure Designs sind auch wirklich wirklich gut! Diese Kleinigkeit sollte man nicht vergessen ;)

Am Ende des Tages dürften Transferpressen zu den Geräten gehören, die bei vielen Menschen ungenutzt im Keller versauern. Vermutlich neben dem Plotter. Aber hey, tendenziell steht einen Meter weiter ein Waffeleisen, das nur zur Weihnachten und Ostern oder so aus dem Keller geholt wird, da rechnet ja vermutlich auch keiner die Stückkosten gegen die Waffeln vom Bäcker gegen …

Ich persönlich tobe mich einfach gerne kreativ aus, sei es nun mit Code, auf dem Skateboard, beim Nähen, Kochen, Musizieren, Plotten oder eben jetzt neu der Textilienveredelung. Zudem trage ich häufig selbst gestaltete T-Shirts, war aber mit der Stoffqualität nie zufrieden. Von daher: Für mich lohnt sich das Teil definitiv.

So, das waren nun rund 20.000 Zeichen Kaufberatung – hilfreich? Vermisst Ihr etwas? Und wenn Ihr aus eigener Erfahrung auf andere Kosten oder Zeiten kommt: Lasst uns teilhaben!

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Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.helpTestweise bei Mastodon

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