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Windows 11: Ist Linux inzwischen eine Alternative?

Kann Linux inzwischen eine Alternative zu Windows 11 sein? Wir denken: Auf jeden Fall!

Windows 10 sollte eigentlich das „letzte“ Windows werden, ähnlich wie Mac OS X („10“). Dummerweise hat Apple vergangenes Jahr die Zählweise geändert, jede Major-Version erhöht den Zähler um eins – da will Microsoft wahrscheinlich nicht nachstehen. Heraus kam Windows 11, ein rundumerneuertes Windows 10. Und direkt hagelte es, viel Lobes zum Trotz, Kritik: Für den Betrieb wird Windows 11 nämlich ein Trusted Platform Module (TPM) voraussetzen – das hat allerdings nur ein Bruchteil aller PCs an Bord. Vielleicht ist das ein Grund, doch noch einmal einen Blick auf die Linux-Welt zu werfen, denn Alternativen zu Windows 11 gibt es reichlich.

Linux auf dem Desktop: Läuft!

Vor einigen Jahren stänkerte ich noch gegen Linux auf dem Desktop, und das damals völlig zurecht. Doch die Zeiten ändern sich, und je mehr die Restriktionen und Hardware-Müll-Produktion moderner „Markenbetriebssysteme“ wie Windows, MacOS, iOS und Android zunehmen, um so interessanter wird das freie Betriebssystem als Alternative. Vor allem für Anwender, die eben nicht bei jedem größeren Update neue Hardware kaufen wollen und sie aufgrund eher banaler Tätigkeiten wie Surfen und Office nicht brauchen, ist Linux längst eine Alternative. Doch auch Gamer können dank Diensten wie Google Stadia oder Steam inzwischen weitestgehend bedenkenlos zu Linux wechseln.

Bekannte Distributionen sind für Umsteiger sinnvoll

Eines der größten Probleme von Linux war und ist die Menge an Varianten, sogenannten Distributionen. Da Linux selbst nur der Betriebssystem-Kernel ist und alles Weitere von der Distribution abhängt, gibt es in dem Sinne kein „Linux-Betriebssystem“, sondern eine ganze Reihe von Software-Zusammenstellungen auf Basis des Linux-Kernels, die dank der Arbeit der Linux Standard Base größtenteils kompatibel sind. Trotzdem spricht man eben von Linuxen, manche schöner und moderner mit viel Flausch, manche eher basal und Minimalistisch. Für Anwender, die den Sprung von Windows wagen möchten, empfehlen sich allerdings „Standard-Linux“-Systeme, die bereits heute breite Verwendung auf Desktop-Rechnern finden, etwa:

Aufgeräumt und modern: elementary OS
Aufgeräumt und modern: elementary OS

Ein Blick auf Elementary OS: Ideales Linux für Windows-Umsteiger

Das aus meiner Sicht interessanteste Linux aus dieser Liste ist derzeit ElementaryOS: Ursprünglich als MacOS-Theme-Paket für Ubuntu-Linux entwickelt, handelt es sich inzwischen um eine eigene Distribution, deren Ziel es ist, das Linux-Erlebnis möglichst Kommandozeilen-frei zu gestaltetn. Das gelingt bei Elementary OS sehr gut, wodurch Anwender sich wirklich wenig mit der Kommandozeile herumschlagen müssen. Software kann ganz einfach wie bei Windows oder MacOS per „AppCenter“ installiert oder auch wieder gelöscht werden. Praktisch ist dabei, dass es „betreute Apps“ gibt, also Programme, die optimal an Elementary OS angepasst sind. Natürlich können aber normale Linux-Anwendungen wie Libre Office oder Gimp über das App-Center installiert werden. Und falls es hier doch einmal etwas nicht gibt, bleibt ja nach wie vor die Kommandozeile…

Bedienästhetik nur noch bedingt gewöhnungsbedürftig

Alle genannten Linuxe greifen auf gewohnte Bedienelemente zurück, die Nutzer von Windows, MacOS oder Mobilsystemen wie Android kennen. Dadurch fällt der eigentliche Umstieg leicht, auch wenn sich konzeptbedingt natürlich die ein oder andere Lösung leicht unterscheidet. Wichtig ist, dass Standard-Software wie LibreOffice, Gimp oder OpenShot auf allen Linuxen verfügbar ist und neben dem Gratis-Preisschild im Grunde alles bieten, was Windows-Nutzer im Home-Office benötigen.

Windows-Nutzer dürften sich unter Mint sofort zurecht finden.
Windows-Nutzer dürften sich unter Mint sofort zurecht finden.

Cloud-Dienste machen Linux hoffähig

Sicher: Der Schwenk von Word und Excel zu LibreOffice Write und Calc ist sicher nicht ganz banal. Auf der anderen Seite gibt es ja alle denkbaren Office-Anwendungen inzwischen auch Cloud-basiert im Browser: Wer lieber Word und Co. benutzt, kann das mit einem Microsoft-Konto sogar gratis nutzen. Das gleiche gilt übrigens für Apples iWork-Paket mit Pages, Numbers und Keynote, die ebenfalls als Gratis-Cloud-Version vorliegen. LibreOffice bleibt aber leistungsstarke Lösung, wenn es um den Offline-Betrieb geht. Kommerzielle Standardsoftware wie Photoshop oder zuverlässige Videoschnitt-Lösungen sucht man unter Linux aber leider nach wie vor vergebens – Profis müssen also wahrscheinlich bei Windows bleiben. Für Privatanwender bietet Linux hingegen längst alles, was nötig ist, um sich von Microsoft und Windows zu lösen.

Spielen unter Linux? Na klar!

Eines der größten Hindernisse für den Umstieg von Windows auf Linux ist leider nach wie vor das Gaming: Viele Windows-PC-Nutzer spielen ausgiebig und gerne – und die meisten kommerziellen Spiele werden niemals für Linux veröffentlicht. Grund dafür ist vor allem die Tatsache, dass der Marktanteil (noch) zu klein ist und sich die Entwicklung schlicht nicht lohnt – übrigens ein Problem, von dem ich als Mac-Nutzer ebenfalls ein Lied singen kann. Aber! Es gibt inzwischen durchaus Möglichkeiten, das Problem zu umgehen, allen voran die neuen Gaming-Streaming-Services: Google Stadia etwa kann ganz einfach mit dem Chrome-Browser verwendet werden – und den gibt es für Linux! Dadurch könnt Ihr natürlich auch alle Online-Dienste nutzen, die auf Chrome angewiesen sind, etwa die Google-Office-Apps und so manchen Chromebook-Service. Google Stadia hat zahlreiche aktuelle Top-Titel im Programm, wodurch sich das Gaming-Thema unter Linux erledigt haben dürfte. Oder Ihr macht es wie wir Mac-User – und stellt Euch einfach noch eine Konsole wie die XBox oder Playstation neben den Rechner.

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Fazit: Wenn Windows nervt, ist Linux definitiv eine Alternative!

Insgesamt ist Linux inzwischen durchaus eine Alternative zu Windows. Wer wegen Windows 11 seinen Rechner nicht wegschmeißen will oder alter Hardware neues Leben einhauchen will, ist mit einem aktuellen „Mainstream-Linux“ durchaus gut beraten. Denn in Sachen Standardanwendungen ist hier dank Chrome, LibreOffice, Gimp und OpenShot eigentlich alles vorhanden, was für den Betrieb einer soliden Office-, Multimedia- und Gaming-Maschine notwendig ist. Zumal inzwischen ja viele Anwendungen und Spiele im Browser oder in der Cloud stattfinden; lokale Lösungen werden also oft gar nicht mehr benötigt. Genau das ist auch der Grund, warum sich Anwender, die von Microsoft zusehends genervt sind, entspannt zurücklehnen können: Dank der Cloud-Dienste und hochwertiger Standard-Software ist Linux längst eine hervorragende und vor allem kostenlose Alternative zu Windows.

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs. Neuerdings Tochtervater. Spendier‘ mir einen Kaffee.

6 Kommentare

  1. Super Artikel, den ich mehr oder weniger ähnlich auch bei mir im Blog habe. Linux kann mittlerweile eine Menge und gerade im Homeoffice kann der übliche Kram problemlos erledigt werden. Ich nutze Linux sogar viel für Musikproduktion und selbst das geht mittlerweile, ist aber leider nicht wirklich trivial.

    Was Gaming betrifft, geht dank Vulkan-Treibern für die neueren GraKa-Generationen und Steamplay so einiges. Triple-A-Titel wie zum Beispiel Red Dead Redemption II laufen kurioserweise sogar mit ein paar FPS mehr unter Linux ;) Aber auch hier gilt oft, dass man Tutorials wälzen muss, um überhaupt spielen zu können.

  2. Ja, ich habe hier auch Linux Mint 21.2 paralell zu Windows 7 auf einem älteren Laptop. Das läuft auch gut und stabil aber: Mir ist bis jetzt noch nicht gelungen, eine Verbindung zu meinem Windows 10 PC über Samba herzustellen. Allein Netzwerkverbindungen sind eine Katastrophe. Sowas sollte nicht erst über Kommandozeilen-Eingriffe möglich sein. Kannst ja mal einen Bericht machen: Linux Netzwerk mit Windows 10.

  3. Dass ich das mal von Dir lesen darf … Dinge gibt’s ;)

    Was Videoschnitt angeht muss ich allerdings sagen, dass es durchaus zuverlässige Lösungen gibt – wie zum Beispiel das erwähnte OpenShot. Für Profis gibt es zum Beispiel Lightworks, das immerhin gut genug für Pulp Fiction war. Zudem dürfte die Cloud für große Projekte ob der schieren Rechenleistung auch relevant sein.

    Bei Spielen teile ich die positive Beurteilung leider (sehr sehr leider …) nicht: Ja, es laufen immer mehr Titel, mittel-, vielleicht auch kurzfristig, wird Streaming das Thema ganz erledigen, aber derzeit läuft doch nur ein Bruchteil der Steam-Titel. Man findet massenhaft Spiele, keine Frage, aber Windows punktet hier durchaus noch ordentlich – noch! Vielleicht liefert das Steam Deck zu Weihnachten ja auch seinen Teil zum Windows-weil-Games-Ende hinzu ;)

    1. Zumindest beim Videoschnitt verweise ich darauf, dass es mit Davinci Resolve eine HOCHprofessionelle Schnittlösung für Linux gibt, die auch in unzähligen Hollywood-Produktionen zum Einsatz kommt, s. https://en.wikipedia.org/wiki/DaVinci_Resolve#Media_produced_using_DaVinci_Resolve

      Ich weiß freilich nicht, ob die unter Linux feature-identisch ist, aber am Mac bin ich vom sehr guten FCPX auf die Gratisversion von Resolve umgestiegen und absolut begeistert :)

  4. Netter Artikel. Ich gebe dir in vielen Punkten recht und gerade die von dir genannten Linux-Distributionen machen es Umsteigern sehr einfach.
    Jedoch gilt es nur für 08/15-User und Privatpersonen ohne spezielle Softwareanforderungen. Wer also „nur“ Browser, Office-Programme und Co nutzt, der ist zufrieden.. Braucht der aber überhaupt einen Rechner? Für so eine Person ist das Betriebssystem total egal.
    Wer aber mehr will, stößt noch immer auf ärgerliche Probleme, die seit Jahren bestehen.
    Ich nutze meinen PC/Laptop auch für meinen Beruf. Ich bin auf Software angewiesen, die nur unter Windows läuft (ewig alt, WINE unterstützt sogar 1/3). Hierfür könnte ich zwar eine VM aufsetzen, aber das ist wieder Arbeit und muss gepflegt werden. Dazu synct OneDrive (benötige ich für die Familie) nicht sauber. Netflix/Prime Läufen nicht in hoher Auflösung, … alles so kleine Nadelstiche die mir immer den Weg zurück zu Windows gewiesen haben, obwohl es wirklich richtig gute Distributionen gibt, wenn man den Sprung gewagt hat.

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