Die neue Fotos-App von Apple ist schnell eingerichtet – doch leistet sie auch, was sie verspricht?

Apple hat Mac OS X 10.10.3 veröffentlicht und damit die nicht immer friedliche Koexistenz des Consumer-Tools iPhoto und der Profi-Software Aperture beendet: Die neue „Fotos“-App übernimmt an sofort die Fotoverwaltung, iPhoto und Aperture werden damit obsolet. Wir zeigen Euch, wie Ihr Eure Fotos in die neue App umzieht, ob es sich lohnt – und was Ihr damit machen könnt.

1. Fotos-App starten und Mediathek umziehen
Nach dem Update auf OS X 10.10.3 werdet Ihr feststellen, dass iPhoto und Aperture aus dem Dock verschwunden sind. Dafür habt Ihr an dieser Stelle jetzt die neue Fotos-App. Startet das Programm und klickt Euch durch den weitestgehend selbsterklärenden Umzugsassistenten: Der fragt Euch zunächst, ob Ihr Fotos migrieren wollt und bietet Euch dann Eure Mediatheken an. Wählt aus, was Ihr migrieren wollt und beantwortet anschließend die Frage nach der iCloud-Foto-Funktion, die allerdings bei Mediatheken über fünf Gigabyte bezahlt werden will, weshalb ich diese Funktion erstmal nicht nutzen werde. Danach dauert es eine Weile, bis Eure Mediathek umgezogen ist und klickt dann auf „Verwendung von Fotos starten“. So weit, so einfach.

Der Umstieg von iPhoto und Aperture ist ein Kinderspiel.

2. iPhoto/Aperture-Look wiederherstellen
Oh Schreck! Ich war natürlich auch von der Optik der neuen Fotos-App erschrocken. Wo sind meine Alben, meine Ereignisse, meine… fast hätte ich mich wieder Richtung iPhoto begeben. Allerdings lässt sich der klassische iPhoto-Look schnell wieder herstellen: Wählt in der Menüzeile „Darstellung -> Seitenleiste einblenden“, schon ist das alles wieder viel übersichtlicher. Das Infofenster blendet Ihr mit dem Tastenbefehl (CMD)+(I) ein. Und auch die alten Ereignisse aus iPhoto sind dort wieder eingeblendet, was die Sache deutlich vereinfacht. Nichtsdestotrotz ist die neue Oberfläche sehr gewöhnungsbedürftig.

Allerdings ist die Oberfläche sehr gewöhnungsbedürftig.

3. Bilder bearbeiten
Um Bilder zu bearbeiten, müsst Ihr ein Bild per Doppelklich auswählen. In der großen Ansicht erscheint der Knopf „Bearbeiten“: Hier findet Ihr alle bisher in iPhoto vorhandenen, aber deutlich überarbeiteten Bearbeitungsoptionen. Ihr könnt die Bilder in Fotos beschneiden, begradigen, mit Filtern versehen, rote Augen korrigieren und die Farben korrigieren. Anwender, die bislang Aperture genutzt haben, dürften enttäuscht sein: Die Bearbeitungsfunktionen sind lange nicht so umfangreich, wie sie es bei der Profi-App waren. Damit ist klar: Wer mehr will, muss auf Adobe Lightroom umsteigen – schade.

Fotos besitzt eine Vielzahl von Bearbeitungsfunktionen und Filtern, die sich aber eher an iPhoto anlehnen und Profi-Optionen vermissen lassen.

4. Bilder posten
Nach der Bearbeitung könnt Ihr die Bilder posten oder per Airdrop freigeben: Genau wie unter iOS hilft dabei das Freigabe-Icon. Wählt hier den Dienst, bei dem Ihr das Bild veröffentlichen oder weitergeben wollt und schon wird das Bild gepostet.

Das Teilen von Bildern in sozialen Netzen ist kein Problem.

Fazit: Ein dickes „Naja“…
Nach 12 Jahren iPhoto-Nutzung ist die Fotos-App für mich natürlich gewöhnungsbedürftig, besitzt aber Potential. Leider hat Apple es versäumt, Fotos auch als Aperture-Ersatz einzurichten, Profi-Optionen fehlen vollständig, was Nutzer in die Arme von Adobe treibt. Ebenfalls nicht schön ist die Übersicht: Die „Ereignisse“ waren ein fester Bestandteil von iPhoto und erlaubten das sinnvolle, datumsbasierte Sortieren zusammenhängender Fotos, eine Funktion, die nun leider augenscheinlich fehlt. Überhaupt ist das Sortieren der Fotos mit der App nicht mehr vernünftig möglich – hier sollte Apple dringend nachbessern. Ich bin jetzt umgestiegen, empfehle aber allen Umstiegswilligen dringend, zunächst eine kleine Probe-Mediathek einzurichten und diese mit der App zu testen. Immerhin: Migrierte Mediatheken lassen sich noch problemlos in iPhoto betrachten.

Fotos-Mediatheken lassen sich auch mit iPhoto und Aperture öffnen, erlauben dann aber keine Bearbeitung mehr.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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Kommentare

  • Tja, sehr schade. Mir gefällt die neue Fotoverwaltung grundsätzlich. Leider isses anscheinend nach wie vor nicht möglich, die Foto-Datenbank auf eine NAS zu legen. Mein kleines Macbook ist voll, 40 GB Fotos passen da nicht mehr drauf 😀 Schade auch, dass man nicht einfach Ordner aufnehmen kann, ohne gleich die ganzen Fotos in die Datenbank zu kopieren (mir ist klar, dass das konzeptbedingt ist, gut finde ich es aber dennoch nicht!)

    Also bleibt es bei der guten, alten Synology Photo Station, die erlaubt einerseits den Zugriff auf die Fotos über den Finder und bietet trotzdem Datenbank-Features.

    • Ich hätte mir mehr Bearbeitungsfunktionen gewünscht. Weil die Synchronisation mit iOS und sonstige Funktionen ja jetzt doch deutlich besser sind. Mir wäre Fotos als „Aperture Light“ lieber gewesen als dieses „the new magic iPhoto, amazing“.

  • Ich finde es schade das es keine Ereignisse mehr in Fotos gibt. Habe über 200 Ereignisse die ich immer wieder mit neuen Fotos bestücke. Gibt es eine Möglichkeit die Ereignisse in Fotos zu bekommen damit ich da weiterhin Fotos ablegen kann?

  • Ich kann das alte iPhoto nicht öffnen. Wenn ich unter Programme draufklicke kommt
    „Die auf diesem Mac installierte Version von iPhoto ist nicht kompatibel mit OS X Yosemite. Die neueste Version erhalten Sie gratis im Mac App Store“.
    und das iphoto Symbol ist durchgestrichen

    Das geht aber nicht, denn im App Store bekomme ich die Antwort, das das Produkt im deutschen App Store nicht erhältlich ist.
    Gibt es da eine Lösung?

  • Ich bin total verwirrt. Versuchte soeben das neue iphoto zu installieren. Nun ist mein gesamtes Fotoarchiv verschwunden (über 10’000 Bilder). Zu sehen sind lediglich 5 Fotos von gestern und ein Bild vom 2. April. Wenn ich auf „Alle Fotos“ klicke, sehe ich nur diese 6 Bilder.
    Darunter steht jetzt schon seit 2 Stunden „Aktualisieren…“ Aber weiter passiert nichts. Kann ich irgendwo etwas rückgängig machen?

  • Zuerst habe ich iPhoto verwendet, dann bin ich auf Aperture gewechselt. Nun habe ich schon sehr oft Probleme mit der Erkennung den Orte und der eingegebenen Gesichter. Es wird aus der Tochter Sabine, ein Freund der Andreas Sabini heißt. Jahre lang war es in Ordnung jetzt plötzlich einigen Namen falsch.
    Soll ich die Foto-Originale in „Foto“ hineinziehen oder doch die Mediathek „Aperture“?
    Dann sind sicher alle Namen weg! Für die Orte könnte es doch wieder besser werden?
    Es geht bei mir auch um ca. 50000 Bilder.
    Danke für eine Antwort.

    • Man kann falsche Namen über die „Gesichter“-Funktion korrigieren. Falsche Erkennungen sind normal, leider ist die Software nicht so leistungsstark, wie manche vermuten, trotzdem ist die Treffsicherheit recht hoch. Zwischen iPhoto, Aperture und Fotos.app sind hier m.W. keine großen Änderungen passiert.

  • Also bei mir ist es echt kompliziert! Habe die Mediathek auf einer externen Festplatte! Leider ist mein MacBoob auch zu voll um die Mediathek auf den Mac zu kopieren und es so zu probieren!!!:-/ Wie kann ich am Besten mit der Foto App anfangen? Ich würde am liebsten Foto sagen, dass er die FotoMediathek auf meine Festplatte speichern soll und nicht intern. Ich bitte um Hilfe 🙁

  • Ich habe mein Frage vom 5.5. scheinbar nicht richtig formuliert.
    Ich hatte ca. 100 Bilder meiner Tochter Sabine richtig erkannt und als diese markiert und lange Zeit unter „Sabine“ erreicht. Plötzlich sind alle nur unter „Andreas Sabini“. Nun habe ich den Ordner umbenannt und die 10 Bilder vom „Andreas Sabini“ geändert.
    Nun zur eigentlichen Frage. Soll ich „Foto“ über die Mediathek von Aperture füllen/übernehmen oder besser doch wieder von den Originalen der Bildern in der Masterdatei „importieren“.
    Ist die Zuordnung der „Namen“ und sonstigen Änderungen nur über Aperture erreichbar (in der Library versteckt) oder werden diese Daten auch in die Masterdatei geschrieben.

  • Ich teile die Kritik an FOTOS. Man kann die Nutzer nicht jahrelang auf Ereignisse trainieren und sie dann abschaffen. Das ist extremer Schrott! Aber: Ich kann jetzt nicht die in Fotos transformierten Libraries in Iphoto öffnen. Wie geht das?

  • Ich vermisse bei „Fotos“ die Möglichkeit, Einzelne Fotos oder Alben per streaming mit Apple-TV auf den TV zu betrachten. Der Ordner Fotos wird überhaupt nicht mehr auf der apple-tv angezeigt. Oder gibt’s da eine Lösung?? Wer kann helfen??

  • Ich kann nur sagen, mit dem alt System Photo sortieren und Alben erstellen bin ich bestens zurecht gekommen, jetzt kann ich nur verärgert sagen, so ein Schrott..

  • Tja, was macht man wohl in einem Fall wie meinem? Hab mehrere iphotobibliotheken aus mehreren Iphotoversionen, Fotos will schon mal keine davon importieren. Die Ordnerstruktur war schon beim alten Iphoto fraglich, aber immerhin gabs noch die Originals im Packet, kopiert und gut. Verschwand dann leider. Also Iphoto war schon reichlich proprietärer Sch…, aber mit Fotos, (so hübsch die cloud) kommt die schlecht riechende Wolke hinzu. Ich persönlich steige jetzt auf Handarbeit um, also Jahresordner etc… um auch unter Debian vernüntig drauf zugreifen zu können. Auf dem Mac versuch ichs erstmal mit Lightroom.

  • Man sollte meinen eine Neue Software bringt Verbesserungen. Foto hat gegenüber Iphoto außer einer neuen Maske nichts, keine weiteren Funktionen und für die Archivierung nur Nachteile, d. h. eine Archivierung nach Themen ist mit viel Arbeit verbunden. Was soll dieses System, der Nutzer erwartet doch zu recht Fortschritt und keine Verschlechterung.

  • Also für Alle Aperture Nutzer ist dieses Programm ein Schlag ins Gesicht. Filter, begradigen und beschneiden kann man ja wohl nicht als Fotobearbeitung bezeichnen. Ich bleibe bei Aperture bis es nicht mehr geht. Zur Bearbeitung bin ich inzwischen auf Affinity umgestiegen.

    • Ja, es ist eine Katastrophe. Affinity kostet halt eine Stange und das wäre nicht nötig gewesen. Genau wie bei iPhoto Fotos hätte man auch für die Pro-Software einen Nachfolger finden können. Aber nein, Apple macht wieder Blödsinn.

  • Affinity ist immer noch besser als mich in die Hände von Adobe zu begeben. Bleibt nur die Hoffnung, dass Final Cut Pro nicht das gleiche Schicksal ereilt und Apple ein reiner Hardwarehersteller wird!