Ein Pastebin ist die einfachste aller Möglichkeiten, Texte Dritten zur Verfügung zu stellen – ohne Kosten, Konten oder Knöpfe. Wir zeigen, wie Ihr einen eigenen verschlüsselten Pastebin einrichtet, zum Beispiel auf Eurer NAS.

Ein Pastebin ist eine kleine Web-Anwendung zum Veröffentlichen und Teilen von Texten, eine Art Web-Zwischenablage. Das Besondere: Pastebins benötigen keine Anmeldung, sie haben keinerlei Administration und es genügt, Text einzufügen und auf einen Button zu klicken – sie sind supereinfach. Wir zeigen Euch, wie Ihr das mit ZeroBin einrichtet. ZeroBin ist kostenlos und Open Source, kann Texte mit Ablaufdatum, für die Ewigkeit oder auch nur zum einmaligen Lesen bereitstellen. Und das alles passiert verschlüsselt und vor allem anonym – weshalb es auch eine typische Darknet-Anwendung ist.

ZeroBin läuft auf Eurer NAS oder einem Webspace, benötigt werden PHP und die Grafikbibliothek GD (die in der Regel zur Verfügung stehen dürfte). Oder Ihr nutzt einen der vielen kostenlosen Pastebins – etwa ZeroBin im Darknet für noch mehr Weg-vom-Fenster-heit …

1. ZeroBin installieren

Die Installation ist denkbar einfach: Entpackt das ZIP in den gewünschten Ordner Eures Webservers.

ZeroBin-Homepage

2. Probleme beheben

Vermutlich bekommt Ihr beim Aufruf von www.euerserver.de/zerobin Fehlermeldungen angezeigt. Es fehlen die Rechte zum Schreiben für die Ordner data und tmp – die auch gar nicht existieren. Erstellt also diese beiden Ordner im Hauptverzeichnis und stellt die Rechte auf 777, also Vollzugriff für alle. Es ist eben ein simples System.

Typisch für Web-Anwendungen aller Art – Rechte-Problemchen, die sich unschön mit chmod 777 lösen lassen.

3. Text eingeben

Wie gesagt, Pastebins sind typische Darknet-Anwendungen und auch ZeroBin ist dort zu finden. (Wie Ihr ins Darknet kommt zeigen wir Euch hier, was es dort zu finden gibt hier.) Die folgenden beiden Screenshots stammen von ZeroBin im Darknet (http://zerobinqmdqd236y.onion/), daheim sieht es genauso aus. Gebt einfach Text ein, ändert oder deaktiviert bei Bedarf das Ablaufdatum, ein Häkchen bei Syntax Highlighting macht Programmcode schöner (und dafür werden Pastebins gerne genutzt) und Kommentare dürft Ihr auch noch erlauben. Mit Encrypt&Send beendet Ihr die Eingabe.

Kein frickeliger WYSIWYG-Editor, einfach ein weißes Feld zum einfügen, oder denglisch pasten – daher der Name.

4. Text teilen

Ihr landet auf der erstellten Seite und findet, bereits markiert, den Link zum Teilen. Ganz wichtig: Auf dieser Seite findet Ihr ganz rechts auch einen Link zum Löschen – speichert Euch diesen gegebenenfalls, denn anders lassen sich Pastes nicht löschen. Zugriff auf die Seite hat jeder, der den Link hat – aber auch nur der, der Betreiber des Pastebins sieht nur die verschlüsselten Daten. Eine interessante Option ist Burn after Reading, nicht nur ein toller Film, sondern eine gute Idee, wenn Ihr sichergehen wollt, dass nur der Empfänger diese Nachricht liest, und nur einmal. Das automatische Löschen nach dem ersten Aufruf ist freilich kein Allheilmittel, man könnte Screenshots machen oder die Nachricht gegebenenfalls abschreiben, aber im Allgemeinen ist es ein sehr guter Schutz gegen unerwünschte Zweitleser. Leider: Die hiesige Installation will diese Option partout nicht richtig nutzen und sperrt die Nachricht schon beim ersten Aufruf.

Geteilt und mit Syntax Highlighting ist’s sogar noch schöner – und hier sogar im Darknet.

Wofür das ganze? War klar, dass Ihr fragt. Der werwähnte Programmcode ist ein gutes Beispiel: Ihr wollt jemandem in einem Forum mit einem Code-Schnippsel aushelfen und werft den Code in den nächstbesten Pastebin. Die verfolgen nämlich meist die Politik: Abfeuern und vergessen – Ihr müsst Euch einfach um nichts kümmern. Ihr könnt das Ding auch als Web-Zwischenablage oder gar dauerhaften Textspeicher einsetzen: Wenn Ihr die URL durch einen URL-Verkürzer jagt, könnt Ihr auf jedem Gerät auch ohne jegliche Konten darauf zugreifen. (OK, natürlich solltet Ihr keine Links, die den Entschlüssel-Schlüssel enthalten durch URL-Verkürzer jagen – es sei denn, die Inhalte sind nicht soooo vertrauensbedürftig ;)) Naja, wirklich gut sind Pastebins einfach, um schnell anonym ein Textquäntchen zu teilen.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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