WhatsApp ist Mist und niemand sollte es benutzen. Wir sagen Euch, warum. Zumal es deutlich bessere Alternativen gibt. Schaut nicht nach dem Schwarm, nutzt Eure eigene Lösung!

WhatsApp, alle lieben WhatsApp. Die BILD-Zeitung beschreibt virale Youtube-Videos inzwischen als „WhatsApp-Trend“ und spätestens das sollte für jeden klar denkenden Zeitgenossen das finale Signal sein: Schaltet den Mist ab, löscht ihn von Eurem Smartphone! Denn WhatsApp ist unter allen aktuell verfügbaren Messengern der Allerschlechteste – mit Abstand! Warum? Das lest Ihr nach dem Sprung.

WhatsApp war der erste Erfolgreiche seiner Art: Schon 2009 erkannten die WhatsApp-Macher das Potential der neuen Smartphone-Technik und brachten einen Messenger heraus, der sich als Mischung bereits vorhandener Techniken – einfach benutzbar und an Telefonnummern gekoppelt wie SMS, multimedial-funktional und mit Smiley-Unterstützung wie Instant-Messenger – anschickte, das Kommunikationsverhalten zu revolutionieren. Und das hat er, in der Tat: Über 600 Millionen User weltweit nutzen den Dienst. Und statt nach „Handynummern“ fragen die jungen Leute heute nach „WhatsApp-Nummern“, der Service hat die SMS weitestgehend ersetzt.

Clients für PC, Mac und Tablet? Fehlanzeige!

Unverschlüsselt und altbacken

So weit die Fakten. Und nun zum Problem: WhatsApp ist kein Standard, sondern eine einzelne App, vor einiger Zeit von Facebook aufgekauft. Das Datenkraken-Argument ist mir dabei völlig egal, was mich stört, ist die Tatsache, dass auch das milliardenschwere Social Network bis heute nicht hinbekommen hat, nützliche Techniken wie Verschlüsselung oder Clients für andere Endgeräte zu integrieren. WhatsApp verharrt stur auf dem Stand, den es schon 2010 hatte – und wird dafür von den Nutzern geliebt. Genutzt wird es auch, weil, so argumentieren die WhatsApp-Fans, 600 Millionen Menschen nicht irren können. Dabei muss man nur einen Blick in die Nachrichten oder auf Facebook werfen, um zu verstehen: Doch, 600 Millionen können irren – und wie! Denn WhatsApp legt die gesamte Kommunikation mangels Nutzer-zu-Nutzer-Verschlüsselung offen, all Eure Nacktbilder und anderen Sauereien können theoretisch von Marc Zuckerberg höchstpersönlich gelesen werden – keine all zu hübsche Vorstellung.

Die Sache mit den blauen Haken

Immer, wenn ich selbst per WhatsApp Nachrichten erhalte – leider habe ich den Messenger noch wegen zweier unverbesserlicher Freunde installiert –, muss ich daran denken, wie viel im Facebook-Hauptquartier, Sparte „Messenger“ – denn auch der Facebook-Messenger macht sich WhatsApp-Technik zu eigen – gelacht wird, wenn mal wieder jemand die Datensätze durchforstet. Und glaubt mir, Leute: Das machen die, das sind harte Nerds. Dank Preisgabe von Rufnummern und ähnlichen Informationen kann auch jeder halbbegabte Techniker mit Zugang zu Facebook- und WhatsApp-Datensätzen herausfinden, wer wem welche Nachricht wann und warum geschrieben hat. Und weil auch Facebook als US-amerikanisches Unternehmen dank des Patriot Act die NSA ständig vor der Haustür stehen hat, wissen im Zweifel auch Geheimdienste, was Ihr so treibt. Kurzum: WhatsApp ist eine sicherheitstechnische Katastrophe – und 600 Millionen Deppen, viele davon auch solche, die gerne bei Twitter gegen die USA, NSA und alle noch so lächerlichen Datenschutzskandälchen und Überwachungsmaßnahmen krähen, interessiert das offenbar überhaupt nicht. Da sind die vergangene Woche aufgetauchte und gleich wieder verschwundene blauen „Gelesen“-Haken noch das geringste Übel, obwohl diese unter dem Hashtag „Bluetick“ bereits auf Twitter Karriere machten. Im deutschen Twitter-Sprachraum bekommen Skandale nur durch ein angehängtes „-gate“, bezogen auf den Watergate-Skandal, die nötige Brisanz. Und so twitterte das deutsche Internet vom „Häkchengate“ oder auch „Häckchengate“, weil das Internet eben voller Deppen ist.

Blaue Haken bedeuten… nichts, lösen aber Datenschutz-Tweets aus. (Quelle: @FasihaFarrukh)

WhatsApp bedeutet Geschlechtsverkehr

Doch woran liegt es, dass alle WhatsApp lieben? Ich persönlich glaube ja, dass es, wie so vieles im Internet, hauptsächlich mit dem alten Rein-Raus-Spiel zu tun hat. Männer in meinem Bekanntenkreis benutzen WhatsApp primär, weil die von Natur aus kommunikationsfreudigeren Frauen es gerne verwenden. Und die wollen schließlich angesprochen werden. Sind wir ehrlich: WhatsApp – und alle anderen Messenger – wurden für die Kommunikation von Frauen mit anderen Frauen oder eben mit Männern erfunden, denn für das typischerweise aus den Binärlauten „Rülps“ und „Furz“ bestehende Zwiegespräch zwischen zwei Männern würde auch ein geworfener Stein als Kommunikationsmittel ausreichen.

Es gibt so viele Alternativen

Sicher: Manchmal müssen auch Männer wichtigere Gedanken als den Verdunstungsgrad ihrer Verdauung besprechen. Wir Tutonauten zum Beispiel, wenn wir uns Themen für die Seite überlegen oder Inhalte durchsprechen. Als es darum ging, einen Messenger zu finden, den sowohl Open Source-Enthusiast Lang, als auch Geräte-Chaot Hofferbert mit mir, dem Freund nahtloser, möglichst idiotensicherer Lösungen, benutzen wollten, kamen wir schnell auf den Telegram-Messenger. Grundsätzlich so funktional wie WhatsApp, hat er einige nicht zu verachtende Vorzüge: Die Kommunikation wird verschlüsselt, das Programm selbst ist quelloffen und cloudbasiert. Hinzu kommt, dass Telegram auf allen Endgeräten verfügbar ist und Chats auf Basis der Mobilfunknummer auf allen Geräten – ob PC, Mac, Smartphone oder Tablet – Synchron hält. Was gut ist und Telegram zu einer echten Alternative zum leidigen WhatsApp macht.

So viel besser: Telegram!

Nun soll dieser Text aber keine Werbung für einen einzelnen Messenger sein. Auch viele andere Messenger sind deutlich sicherer und funktionaler als das, was WhatsApp zu bieten hat – allein das sollte Grund genug sein, den leidigen Oldtimer endlich auf den Schrott zu werfen und zu einer vernünftigen Software zu greifen. Auch wenn es vielleicht für einige Zeit die theoretische Möglichkeit eines Dates verringert: Ihr werdet mit der anderen Lösung glücklicher! Denn eines ist klar: WhatsApp ist und bleibt Mist – benutzt was anderes!

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

Sag' Deine Meinung

Kommentare

  • Warum nicht Threema nutzen? Ist ein Schweizer Produkt, hält sich an die strengeren Schweizer Datenschutzgesetze und ist voll verschlüsselt.

  • Hmm, der Artikel ist laut den Kommentaren Anfang November 2014 erschienen? Oder wo finde ich das Datum, wann der Artikel erstellt/eingestellt wurde?

    Denn gerade mich näher für Telegram interessiert — und Google fand u.a. diese eher kritischere Beschreibung, ein paar Monate zuvor erschienen: http://www.zeit.de/digital/mobil/2014-02/threema-telegram-surespot-chatsecure-vergleich/seite-4

    Bisschen in die FAQ von Telegram reingeschaut — liest sich dort natürlich alles prima…

    … darum Fragen an @Christian Rentrop:
    1) nutzt Du „heute“ immer noch Telegram? Mittlerweile auch Deine beiden Spezialfreunde? 😉
    2) Und was sagst Du zu den „Vorwürfen in dem Zeit-Artikel?

    Ach, und wenn schon noch eine (3). Frage, die ich nicht (auf die Schnelle) der FAQ entnehmen konnte (und die etwas vom eigentlichen Einsatzgebiet eines Messengers abweicht): kann Telegram eigentlich einen „Thread“ auch zB als Webseite exportieren / öffentlich machen? Es quasi Blog-mäßig benutzt werden? Denn, hmm, suche eine Android’sche Entsprechung von »Day One« (muss aber noch http://www.quora.com/What-is-the-best-alternative-of-Day-One-iOS-app-for-Android abarbeiten…)

    Danke!

    • Tja, die Antwort eines Apple-Menschen … So lange alles läuft, ist alles andere scheissegal.

      Die im Zeit-Artikel verlinkte Diskussion mit Moxie Marlilnspike kann ich Dir nur ans Herz legen, sehr interessanter Schlagabtausch, bisweilen aber auch recht technisch, gelinde gesagt. Es ist zwar ewig her, dass ich das gelesen habe, aber im Grunde läuft es darauf hinaus, dass Telegram sich ein eigenes Protokoll ausgedacht hat, statt auf bewährte Standards zu setzen. Das macht es nicht zwangsläufig unsicher, aber eben unnötig schwierig bis unmöglich alles zu überprüfen. Telegram hatte damals auch einen Wettbewerb ausgerufen: Wer Telegrams Verschlüsselung knacken konnte, sollte recht viel Kohle bekommen. Allerdings wurde kritisiert, dass die Wettbewerbsregeln so aufgestellt waren, dass das Knacken gar nicht möglich sei – nicht wegen zu guter Kryptotechnik, sondern wegen Daten, die nicht zum Knacken genutzt werden durften, obwohl reale Angreifer diese durchaus nutzen würden. War also eher ein Marketing-Ding. Und dann ging die große Diskussion los …

      Reine Open Source Software mit etablierten Protokollen ist freilich besser, aber meiner Einschätzung nach kannst Du auch Telegram problemlos nutzen – wenn Du den Sturz der NSA oder den Aufbau einer neuen Weltregierung planst, nimm halt TextSecure. Ohne riesigen Aufwand kommen Angreifer so schnell nicht an Deine Daten, selbst wenn die Verschlüsselung suboptimal umgesetzt ist.

      Und was diesen typischen Verschlüsselung-ist-eine-Farce-Käse angeht: Nein, auch die NSA kann nicht alles knacken – wer ernsthaft meint Verschlüsselung sei generell unnütz, weil doch eh alles geknackt sei, hat schlicht keine Ahnung. Erstens: Die NSA kann vieles knacken, mit Aufwand (=Kosten), macht das aber nicht für Hinz und Kunz. Zweitens: Otto Normalinternetkrimineller kann fast alles NICHT knacken – und vor denen gilt es sich zu schützen, nicht vor Nachrichtendiensten (außer eben in oben angesprochenen Fällen von Welteroberungswahn). Was das Knacken von Verschlüsselung angeht, gibt es einfach eine große Lücke zwischen Theorie und Praxis – theoretisch ist vieles möglich (und damit für Krypto-Spezialisten unsicher), praktisch aber nicht oder nur mit immensem Zeit- und Kostenaufwand durchführbar (und damit für Nutzer sicher).

      Selbst mit Quantencomputern zum Knacken darf man beispielsweise AES-256-verschlüsselte Daten als sicher ansehen – weniger sicher als ohne, aber immerhin noch auf AES-128-Niveau. Und AES 128 knackt Dir mit heutigen Rechnern niemand. Anders sieht es wohl bei Schlüsselübergabeprotokollen und damit allgemein asymetrischer Verschlüsselung aus, aber da liest Du Dich besser andernorts ein …

      Zu der anderen Frage: Nö, veröffentlichen lässt sich ein Telegram-Stream so einfach nicht – über die API könntest Du Dir aber vermutlich selbst was stricken.

      Und letztlich: Das Datum des Artikels steht ganz unten unter den Tags – zu meinem persönlichen Leidwesen ziemlich versteckt …