Ihr mochtet die Helden Eurer Kindheit wie He-Man, die Turtles oder Star Wars? Vorbei: Sie mussten für bizarre Weihnachtsspecials herhalten. Aua, mein Gehirn.

Frohe Weihnachten! Und nach der Fressorgie an Heiligabend und am ersten Feiertag ist es jetzt vielleicht an Zeit, sich ein wenig zu besinnen. Zeit, zurück zu blicken und die Vergangenheit Revue passieren zu lassen. Zeit, sich ein wenig zurückzulehnen, über seinen dicken Weihnachtsbauch zu gucken und sich endlich den wahren Geist der Weihnacht zu widmen. Und wo sonst könnte man den finden, als bei einem hübsch inszenierten Weihnachtsspecial?

Weihnachten auf Eternia

Ja, die Weihnachtsspecials… gerade in den USA wird hier zusammengeführt, was nicht zusammengehört, nur um ein Franchise zu befeuern und mehr Actionfiguren, DVDs, Plüschtiere und sonstigen Unfug zu verkaufen. Ein typischer Vertreter dieser Art ist das He-Man-Weihnachtsspecial „He-Man & She-Ra: A Christmas Special“ von 1985. Wer sich erinnert: Damals war die Muskelmännchen-Welle auf ihrem Höhepunkt und He-Man der Held aller Kinder. Die Gummiköpfe von Mattel waren der Hit und wurden natürlich auch mit der passenden Zeichentrickserie verkauft. Die bekam dann noch ein ausgesprochen bizarres Weihnachtsspecial verpasst – aber seht selbst:

Weihnachten bei den Schlümpfen

Die Schlümpfe sind auf den ersten Blick ein ganz nettes Franchise: Hundert kleine blaue Männchen, die in Pilzen wohnen und banale Abenteuer erleben. Wirft man allerdings einen tieferen Blick auf die Schlümpfe, findet man hier zahllose heidnische Motive: Ein obskurer Herrenbund voller Inselbegabungen, eine einsame Frau mit blondem Haar, schwarze Magie, Kannibalismus, obskure Totems und nicht zuletzt das antisemitische Klischee Gargamel: Der ewige Widersacher der Schlümpfe agiert im Geheimen, hat eine lange Hakennase und will die blauen Kerlchen ausgerechnet in Gold verwandeln (oder wahlweise essen, ganz klar ist das nicht). Das wurde sogar in die modernen Schlumpf-Live-Action-Filme übernommen. Insgesamt sind die Schlümpfe also nichts, was Kinder jemals sehen sollten. Das hielt die Schlumpf-Trickserien-Macher aber nicht davon ab, sich ein Weihnachtsspecial auszudenken. Wie das zum heidnischen Rest passt? Egal. Gruselig ist es trotzdem.

Weihnachten in der Kanalisation

Als ich klein war, ersetzten irgendwann die Hero-Turtles die He-Man-Figuren. Die waren nicht nur besser verarbeitet, sondern auch nicht so nah an Barbie und Co., wie es He-Man immer war. Dementsprechend gut kamen die Turtles an und dementsprechend heftig wurde das Franchise ausgeschlachtet. Um ehrlich zu sein, gab es damals alles mit Turtles-Motiv: Von der Brotdose über den Rucksack bis zu Bettwäsche und sonstigen Alltagsgegenständen konnten Kinder sich – das nötige Kleingeld vorausgesetzt – von morgens bis Abends mit ihren Helden umgeben. Diese Turtle-Manie trieb bizarre Blüten wie die drei Turtles-Filme aus den frühen 1990ern. Oder ein Musical. Oder eben das furchtbare Weihnachtsspecial „TMNT: We Wish You a Turtle Christmas“ von 1994. Ekelhaft.

I come in the spirit of christmas!

Und noch mehr Actionfiguren: In Deutschland eher unbekannt war Marshall Bravestarr, eine Art Western im Weltraum. Die Actionfiguren-Serie von Mattel wurde parallel mit einer Trickserie von Filmation vermarktet: Das He-Man-Erfolgrezept wurde hier noch einmal aufgegriffen. Ich erinnere mich, dass die Bravestarr-Figuren in Deutschland eher schwer zu bekommen waren und auch die Trickserie lief erst ab Ende der 1980er-Jahre im Kabelsender Tele5 – und den hatten wohl auch nicht viele. Dabei war die Spielzeug-Serie (und auch die Trickfilme) gar nicht so schlecht, das Weltraum-Western-Motiv bietet ja einiges an erzählerischem Potential. Leider hat auch bei Bravestarr jemand beschlossen, dass ein Weihnachtsspecial sinnvoll wäre – und die bizarre Folge „Tex’s Terrible Night“ als Charles-Dickens-Weihnachtsgeschichte im Bravestarr-Universum inszeniert. Das ist so schräg, dass es eigentlich schon wieder lustig ist.

Backende Wookies

Zuguterletzt darf natürlich das Star-Wars-Holiday-Special von 1978 nicht fehlen. Das fühlt sich wie ein Film mit unfassbarer Überlänge an, weil es so langweilig ist. Hat man es durchgestanden, schaut man auf die Uhr und wundert sich: Was, das waren nur 1,5 Stunden? Gefühlt war es ein halbes Leben voller Schmerz und Qualen. Neben der legendären 6-stündigen Wookie-Unterhaltung ohne Untertitel sind zahllose ebenso sinnlose wie bizarre Szenen zu genießen. Danach raucht garantiert die Birne – und Ihr wollt nie wieder was mit Star Wars zu tun haben.

Weitersagen:

Über den Autor

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und manchmal in der echten Welt unterwegs.
Spendier‘ mir einen Kaffee.

Kommentieren:

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.

1 Kommentar

  • Danke für deine Mail und die vielen Tipps über den Zugang in deep weeb reinzukommen leider kenne ich mich nicht aus mit den Einstellungen von Relais Brücken und proxi usw kannst du mir nicht helfen?
    Liebe Grüsse von Andrea

shares