Ein altes Netbook müsst Ihr nicht entsorgen: Mit einigen einfachen Schritten wird es zum Raspberry-Pi-Notebook.

Neuer Wein in alten Schläuchen: Beim Ausmisten fiel mir ein altes LG X110-Netbook in die Hände. Das Gerät von 2008 ist noch voll funktionsfähig, auch wenn es schon 10 Jahre alt ist. Aber nachdem das iPad auf den Markt kam, war bei mir für Windows-Netbooks kein Platz mehr, weshalb es seit über 6 Jahren im Schrank ruhte. Der Akku ist sogar noch in Ordnung. Doch was tun mit so einem alten Teil? Windows XP ist Geschichte, neuere Windows-Versionen kosten Geld und sind eine Qual. Ich habe mich daher entschieden, das Gerät mit dem schlanken Raspberry Pi Desktop in ein Raspberry-Pi-Notebook zu verwandeln.

1. Raspberry Pi Desktop herunterladen

Zunächst muss man Raspberry Pi Desktop (oder ein anderes Linux-System, etwa Mint herunterladen. Ich entschied mich für Raspberry Pi Desktop, weil das System schön schlank ist – schließlich muss es ja sonst auf dem Raspberry Pi laufen. Der Download der ISO per Torrent ist im Handumdrehen erledigt.

Raspberry Pi Desktop ist die richtige Wahl für alte Systeme.

Raspberry Pi Desktop ist die richtige Wahl für alte Systeme.

2. ISO-Datei auf USB-Stick kopieren

Um das Netbook jetzt mit dem Linux-System aufzusetzen, setze ich Etcher ein: Das Tool erlaubt es, startfähige Linux-Bootsticks mit wenigen Klicks zu erstellen. ISO einlegen, Ziellaufwerk wählen, USB-Stick fertigstellen – das war es auch schon.

Mit Etcher erstellt Ihr im Handumdrehen einen bootfähigen Linux-USB-Stick.

Mit Etcher erstellt Ihr im Handumdrehen einen bootfähigen Linux-USB-Stick.

3. Netbook auf USB-Boot umstellen

Jetzt folgt die eigentliche Installationsarbeit: Ihr müsst das Netbook auf USB-Boot einstellen. Die meisten neueren Netbooks haben eine entsprechende Funktion, Geräte der ersten Generation, etwa Asus eeePC, sind nicht unbedingt so ausgestattet. In diesem Fall müsst Ihr eine CD/DVD brennen und benötigt ein externes CD/DVD-Laufwerk. Wie das geht, zeigen wir hier für Windows-Systeme. Anschließend müsst Ihr Euer Netbook starten und ins BIOS wechseln: Beim LG X110 geht das mit der F2-Taste. Wählt hier unter „Boot“ bei „Set Boot Priority“ als erstes Boot-Medium „USB Hard Drive“ bzw. „USB CD/DVD ROM“, wenn Ihr ein optisches USB-Medium einsetzt. Bei anderen PCs heißt der Punkt möglicherweise „Boot Sequence“ oder ähnlich. Anschließend könnt Ihr den USB-Stick mit Linux anschließen. Erst jetzt beendet Ihr das BIOS mit „Speichern und Beenden“ bzw. „Save & Exit“ (F10-Taste beim LG).

Bevor Ihr loslegt, müsst Ihr im BIOS die Boot-Sequenz einstellen.

Bevor Ihr loslegt, müsst Ihr im BIOS die Boot-Sequenz einstellen.

4. Linux auf dem Netbook installieren

Hat alles geklappt, solltet Ihr jetzt den Installations-Dialog Eures Linux-Systems sehen. Bei Raspberry Pi Desktop ist das ein Menü mit mehreren Einträgen. Wählt mit den Pfeiltasten „Install“ und drückt die Eingabetaste. Falls Euch der Installer jetzt nach dem Video-Mode fragt, müsst Ihr die Leertaste drücken und Mode 9 auswählen, den höchstauflösendsten auf der Liste.

Wählt nun Install (Graphical Install endete bei mir in einer Boot-Schleife).

Wählt nun Install (Graphical Install endete bei mir in einer Boot-Schleife).

5. Tastatur-Sprache auswählen und Linux installieren

Nun sollte der Installer laufen. Wählt aus der Liste die richtige Sprache (German) aus und drückt die Eingabetaste. Anschließend rödelt das Netbook eine Weile herum und lädt zusätzliche Komponenten. Außerdem führt Linux eine Hardwareerkennung durch. Das kann je nach Leistung des USB-Sticks und des Netbooks eine Weile dauern.

Ganz wichtig: Das richtige Keyboard-Layout setzen!

Ganz wichtig: Das richtige Keyboard-Layout setzen!

6. Festplatte partitionieren und Raspberry Pi Desktop installieren

Jetzt folgt der Partitionieren-Dialog. Hier könnt Ihr die Voreinstellung (Guided – use entire disk) übernehmen. Dadurch wird die ganze Festplatte für das Linux-System vorbereitet. Wenn Ihr mehr Erfahrung habt, könnt Ihr Euch an dieser Stelle natürlich mit den Feinheiten der Linux-Partitionierung herumschlagen, aber ich will einfach Linux auf dem Netbook nutzen. Deshalb drücke ich die Eingabetaste.
Als nächstes fragt der Installer, welche Festplatte Ihr nehmen wollt. Wenn Ihr richtig mutig seid, könnt Ihr zum Beispiel eine SD-Karte verwenden, ansonsten soll es die interne Festplatte sein und nicht der Boot-Stick. Wählt sie aus und drückt die Eingabetaste.
Anschließend wählt Ihr „All files in one partition“ und drückt erneut die Eingabetaste.
Nun wählt Ihr „Finish partitioning and write changes to disk“ (Eingabetaste).
Zuguterletzt müsst Ihr noch einmal die Partitionierung bestätigen. Wählt „Yes“ und drückt die Eingabetaste. Die Festplatte wird jetzt für Linux partitioniert.

Nun müsst Ihr noch die Festplatte partitionieren. Ihr könnt dabei die Voreinstellungen übernehmen.

Nun müsst Ihr noch die Festplatte partitionieren. Ihr könnt dabei die Voreinstellungen übernehmen.

7. Installation abwarten

Jetzt müsst Ihr erst einmal nichts mehr machen: Der Installer kopiert Raspberry Pi Desktop auf das Netbook. Das kann eine Weile dauern, weil Linux traditionell moppelig ist und Netbooks nicht die schnellsten Vertreter ihrer Art.

Die Installation kann eine Weile dauern.

Die Installation kann eine Weile dauern.

8. GRUB-Bootloader installieren

Linux fragt Euch jetzt, ob Ihr den GRUB-Bootloader installieren wollt. Bestätigt das mit „Yes“ und drückt die Eingabetaste. Anschließend müsst Ihr das „Device for Bootloader Installation“ auswählen. Nehmt hier die interne Festplatte (/dev/sda…) und nicht den USB-Stick. Drückt wieder die Eingabetaste.

Jetzt noch GRUB aufsetzen...

Jetzt noch GRUB aufsetzen…

9. Linux-Installation abschließen und alten Laptop als Raspberry Pi nutzen

Der Installer meldet jetzt „Installation complete“. Bestätigt das. Anschließend wird noch der Installer entfernt, was noch einige Minuten dauern kann. Zuguterletzt startet der Rechner neu – achtet darauf, den USB-Stick abzuziehen, da das Betriebssystem sonst vom Stick bootet. Das Netbook startet jetzt Raspberry Pi Desktop bzw. Pixel OS direkt in die grafische Oberfläche.

... und die Installation abschließen.

… und die Installation abschließen.

Fertig: Euer altes Netbook ist jetzt ein kleiner, feiner Linux-PC mit Raspberry-Pi-System.

Fertig: Euer altes Netbook ist jetzt ein kleiner, feiner Linux-PC mit Raspberry-Pi-System.

Updates einspielen und über Raspberry-Pi-Notebook freuen

Sobald die GUI gebootet ist, solltet Ihr das Netbook ins WLAN bringen. Bei mir wurde der WLAN-Adapter erkannt, ich musste nur noch das WLAN auswählen und das Passwort eingeben. Anschließend solltet Ihr ein Terminal-Fenster öffnen und das System mit
sudo apt-get update
und
sudo apt-get upgrade
auf den neuesten Stand bringen. Die Feinheiten – etwa der Bluetooth-Treiber – sind von Netbook zu Netbook unterschiedlich, aber ich denke, dass Ihr Euch jetzt zunächst über Euer neues Gratis-Linux-Notebook freuen könnt. Das System ist weitestgehend mit der Raspberry-Pi-Version für ARM-Prozessoren identisch – im Grunde genommen habt Ihr jetzt also ein kleines Raspberry-Pi-Notebook, mit dem Ihr allerlei spannende Bastelprojekte durchführen könnt. Logisch, dass hier auch unsere Raspberry-Pi-Tutos funktionieren. Wir wünschen viel Spaß beim Basteln!

Fertig! Bringt das System auf den neuesten Stand und freut Euch über Euer neues Raspberry-Pi-Notebook.

Fertig! Bringt das System auf den neuesten Stand und freut Euch über Euer neues Raspberry-Pi-Notebook.

(via)

Über den Autor

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und manchmal in der echten Welt unterwegs.
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Kommentare

    • Linux ist wirklich nicht schlecht, ich bin seit 2018 nun auch komplett auf Linux mint umgestiegen. Klar wenn man Spieler ist dann sollte man schon über ein dual Bootsystem nachdenken aber ich vermisse Microsoft überhaupt nicht :) zusätzlich hab ich mir noch ein raspberry pi für pi hole gekauft somit bin ich nun weitestgehend auch ohne Werbung in meinem Netzwerk unterwegs.

    • Die Vorgehensweise müsste bei anderen Geräten, die keine Netbooks sind, weitestgehend identisch sein. Ich habe jetzt mal ein wenig mit dem Gerät herumgespielt, trotz der lausigen Rechenleistung ist es mit dem Raspbian-OS nicht überfordert. Es macht richtig Spaß.

      • Was machst du damit?
        Welcher [schnelle?] Browser?
        Google Maps?
        Google World/Earth?
        Laufen auch Android Apps??
        Cloud Anbindung?
        YouTube [nur per Browser?]
        Mediatheken?
        VLC / Video Wiedergabe?
        Welche Explorer?

  • Das ist dann aber kein Raspberry Pi Notebook sondern ein Notebook, auf dem Debian (hier die Raspberry variante) läuft! Jede andere Debian Distro lässt sich genau so einfach installieren.

  • Ich finde den Beitrag gut. Autrion über mir hat zwar recht. Jedoch hat der Artikel trotzdem seine Daseinsberechtigung. Ohne ihn wäre ich z.B. gar nicht auf die Idee gekommen, Raspberry Pi Desktop auf meinem alten EEEPC zu installieren. Es funktioniert super und der Pi Desktop läuft auf der alten Kiste deutlich performanter, als bspw. Lubuntu.

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