Mit Synfig Studio könnt Ihr komplexe Animationen mit minimalem Aufwand erstellen – natürlich kostenlos und plattformunabhängig.

Mit dem Open-Source-Programm Synfig Studio lassen sich recht einfach Animationen erzeugen – von simplen Bewegungen hin bis zu ganzen „Zeichentrickfilmen“. Synfig läuft unter Windows, Linux und OS X. Im ersten Teil unserer kleinen Synfig-Serie seht Ihr Schritt für Schritt, wie sich eine grundlegende Animation basteln lässt. Für das Grundverständnis genügt zunächst ein Kreis, der sich von links nach rechts bewegt.

Synfig-Serie

Für unsere Synfig-Serie sind zunächst folgende Teile geplant, die in den nächsten Tagen erscheinen und dann auch hier verlinkt sind:

    Teil 1: Simple Bewegung – Objekt von links nach rechts und zurück
    Teil 2: Objekt über einen Pfad bewegen
    Teil 3: Figuren per Skelett animieren

    Synfig kann noch deutlich mehr und hat eher wenig Konkurrenz – daher muss man auch mit Marotten leben. Beispielsweise stürzt das Programm durchaus mal ab, so dass sich regelmäßiges Speichern anbietet; ach was: aufdrängt! Wenn Ihr ein ausgereifteres kostenloses Tool haben wollt: Blender. Es soll mehr können? Blender. Es soll 3D-Animationen erstellen? Blender. Mehr Performance? Blender. Ja, **Blender ist toll** – aber **Synfig ist einfach!**.

    Grundvoraussetzung ist das Verständnis von Keyframes: Animationen (oder auch Filmschnittprojekte) nutzen Keyframes, um auf einer Zeitleiste Zustände der zu animierenden Objekte darzustellen. Frame 0 könnte also zum Beispiel einen stehenden Menschen zeigen, Frame 24 einen hockenden – bei 24 Frames pro Sekunde (fps) würde sich der Mensch also innerhalb einer Sekunde hinhocken.

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    Das Ergebnis des Workshops.

    Und hier die Synfig-Studio-Projektdatei.

    ## Tweening, kostenlos
    Das Tolle am kostenlosen Synfig ist, dass Ihr für Animationen nur Anfangs- und Endpunkt eines Objekts festlegen müsst, alles dazwischen erledigt Synfig. Diese Tweening genannte Technik spart jede Menge Arbeit: Bei klassischen Zeichentrickfilmen oder auch Stop-Motion-Werken, müssen für 1 Sekunde Animation bei den üblichen 24 Bildern pro Sekunde 24 Bilder erstellt werden. Beim Tweening genügen 2 Bilder!

    Das Prinzip ist simpel: Zum Zeitpunkt 0 erzeugt man einen Ausgangspunkt, also zum Beispiel einen Kreis am linken Rand. Dann verschiebt man den Zeiger auf der Zeitleiste zum Zeitpunkt X, erstellt einen zweiten Keyframe und schiebt den Kreis nach rechts. Ohne weiteres Zutun bewegt sich das Objekt jetzt geradlinig von links nach rechts – in unserem Beispiel auch wieder zurück.

    ## 1. Objekt zeichnen
    Zeichnet zunächst ein Objekt – im Beispiel einen simplen Kreis. Wechselt danach oben links zum „Transformieren“-Werkzeug, also dem kleinen Pfeil (Alt+A), um das Objekt über seinen grünen Anfasser zu verschieben. Unten links seht Ihr das Eigenschaftenfenster, wo Ihr Farbe, Größe und dergleichen präzise festlegen könnt – für diese Anleitung braucht Ihr das nicht.

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    Ein Kreis …

    ## 2. Keyframe erstellen
    Wechselt nun die Eigenschaften- auf die Keyframe-Ansicht. Der erste Keyframe ist vorgegeben. Zieht den Zeiger auf der grauen Zeitleiste auf beispielsweise Frame 12 und erstellt über den Plus-Button ganz unten Links einen neuen Keyframe. Ihr könnt die Keyframes später über die kleinen schwarzen Dreiecke über der Zeitleiste auch noch verschieben. Die Zeitleiste könnt Ihr über den grünen Knopf (im Screenshot der obere Pfeil) auch unter dem Arbeitsbereich aktivieren.

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    Keyframes sind Zustände zu bestimmten Zeitpunkten.

    ## 3. Endpunkt festlegen
    Aktiviert zunächst den Animationsmodus über das kleine Männchen-Symbol rechts unterhalb des Arbeitsbereichs – hier im Screenshot mittlerweile rot. Es erscheint ein roter Rahmen um den Arbeitsbereich. Im Animationsmodus haben alle Änderungen Auswirkung auf die Animation. Auf der Zeitleiste solltet Ihr nach wie vor auf dem zweiten Keyframe stehen. Zieht den Kreis nun an seine finale Position.

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    Der Zwischenstand beim zweiten Keyframe.

    ## 4. Und wieder zurück
    Damit sich das Objekt nun auch wieder zurück bewegt, geht auf der Zeitleiste ein paar Frames weiter, etwa zu Frame 24, und dupliziert den ersten Keyframe mit der Ausgangsposition.

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    Wenn End- und Anfangszustand gleich sein sollen – einfach duplizieren.

    ## 5. Animationslänge bestimmen
    Standardmäßig legt Synfig Animationen mit 120 Frames an – bei den üblichen 24 fps also 5 Sekunden. Über Canvas/Properties legt Ihr die Zeit nun manuell fest; hier bietet sich als Endtime der letzte gesetzte Keyframe an.

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    Wichtig: Die Gesamtlänge und sonstige Proportionen festlegen.

    ## 6. Vorschau
    Über File/Preview solltet Ihr nun die Animation begutachten.

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    Die Vorschau.

    ## 7. Animation exportieren
    Über File/Render könnt Ihr das Projekt nun fertigstellen – und das wird Euch wohlmöglich nicht sofort erfreuen: Synfig erstellt kein Video, sondern Einzelbilder. Aber keine Sorge, **nur in der Standardeinstellung!** Über das Menü „Target“ könnt Ihr das gewünschte Format festlegen, also beispielsweise GIF oder Video.

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    Beim Rendern unbedingt auf das Ausgabeformat achten!

    Einzelbilder haben natürlich den Vorteil, dass Ihr sie separat bearbeiten könnt; um daraus nun Animation zu machen, bieten sich zwei Wege an: Video oder animiertes GIF.

    **Video:** Öffnet einfach das erste Bild im Open-Source-Programm VirtualDub. Das Tool zieht sich automatisch alle nachfolgenden Bilder. Anschließend könnt Ihr über F7 ein AVI-Video speichern. Tipp: Über das Video-Menü solltet Ihr die Frames pro Sekunde an die Synfig-Einstellungen anpassen.
    **Animiertes GIF:** Hier haben wir diverse Anleitungen – oder schaut Euch den hervorragenden kostenlosen Web-Dienst EZGIF.com an.

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Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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