Die Elgato Eve-Serie bietet im Zusammenspiel mit Apples HomeKit umfangreiche Möglichkeiten. Unser Gastautor Benjamin Mewes hat sich das System angeschaut.

Apples Heimautomatisierungs-System HomeKit kommt langsam aber sicher in Schwung. Unser Gastautor Benjamin Mewes schaut sich derzeit diverses Zubehör für HomeKit an. Im ersten Teil der losen Serie geht es um die Raumsensoren aus der Elgato Eve-Reihe.

Neben Alexa Skills für Amazons Echo-Reihe und Googles Heimambitionen versucht auch Apple sein Glück mit einem vereinfachenden Automatisierungsstandard für die Heimvernetzung mit Sensorik und Akteuren. Nachdem HomeKit aufgrund Apples Beschränkungen lange nicht so recht auf Trab kam, lockerten die Damen und Herren aus Cupertino auf der letzten WWDC die Zügel und vereinfachte die Zertifizierung von Geräten. Grund genug, sich kompatible Geräte noch einmal genauer anzuschauen. Pünktlich zur Sommerbastelzeit zeigen wir euch einige HomeKit kompatible Geräte, die ihr schon heute einbinden könnt und die die Wartezeit auf Apples HomePod verkürzen.

Elgato Eve Serie

Der deutsche Hersteller Elgato hat mit Eve eine Reihe Sensoren für HomeKit im Angebot, die über Bluetooth LE mit iOS kommunizieren. Sie benötigen allesamt keine Bridge und können über HomeKit andere Geräte triggern. Neu im Sortiment ist mit eve degree (ca. 70 Euro) ein Thermometer und Luftfeuchtigkeitsmessung mit integriertem Display in einem eloxierten Aluminium-Gehäuse. Dazu gibt es die größeren Brüder eve room und eve weather (je zwischen 70-90 Euro). Ersterer versteht sich auf Raumklimamessungen, indem beispielsweise neben der Temperatur auch die Luftfeuchte und der CO2-Gehalt in der Raumluft gemessen wird. Letzterer kann zusätzlich den barometrischen Druck messen und kommt in einem Spritzwasser-geschützten Gehäuse auf den Balkon oder in den Garten. Nicht in diesem Test, aber ebenfalls im Handel verfügbar, ist ein Fenster-Sensor zur Erfassung von offenen Fenstern und Türen, ein Thermostat zum Anschrauben an den Heizkörper, eve motion ein Bewegungssensor und zu guter Letzt eve energy, die schaltbare Steckdose.

Elgato Eve

Mit der Eve-Serie liefert Elgato eine Reihe von Sensoren für Apples HomeKit

Elgato Eve: Inbetriebnahme

Die Sensoren kommen in einer schönen Verpackung mit der passenden Menge an AAA-Batterien und können innerhalb von 30s mit der Elgato Eve App oder Apples HomeKit App durch ein einfaches Foto der HomeKit-Seriennummer zum System hinzugefügt werden. Danach muss der Sensor nur noch platziert werden und können direkt eingesetzt werden. Zwar verzichtet Elgato auf eine Bridge, jedoch ist dies nicht nur von Vorteil, da die Reichweite von Bluetooth LE beschränkt ist -zumindest, bis irgendwann der Elgato Bluetooth Range-Extender verfügbar ist. Bis dahin bedarf es Apple TV der vierten Generation, ein iPad oder den bald erscheinenden HomePod als HomeKit-Hub für die Elgato-Sensoren. Ohne Apples Hublösungen ist zudem kein Fernzugriff von unterwegs möglich.

Elgato Eve draussen

Ohne eigene Bridge müssen die Eve-Sensoren in der Nähe eines Homekit-Hubs agieren

Die Sensoren, besonders der CO2-Messer, brauchen etwas Zeit um sich einzugewöhnen. In dieser Zeit kann es zu einigen Schwankungen kommen. Nach ca. 1,5  Wochen haben sich die Messwerte eingependelt und machen nicht mehr allzu große Sprünge. Die Temperatursensoren benötigen keine Eingewöhnungszeit und liefern direkt ab Werk nachvollziehbare Werte.

Eve-App überzeugt

Die mitgelieferte eve App ist übersichtlich und stabil. Die Datenaufbereitung ist super und kann die letzten 21 Tage an Daten vom Sensor abrufen und zwischenspeichern. Zudem dürft Ihr Regeln und Szenen definieren. Das lohnt sich natürlich erst, sobald weitere HomeKit Geräte angeschlossen sind. Dann ist die Einrichtung ein Kinderspiel: Mein Versuch, Philips Hue-Birnen mit einer HomeKit-fähigen Bridge über die in eve definierten Regeln zu steuern, gelang im ersten Versuch! Auch die Anbindung an Siri funktioniert mittlerweile einwandfrei. Besonders gut: Elgato veröffentlicht in nicht allzu großen Abständen Firmware Updates mit neuen Funktionen für seine Sensoren, die über die iOS-App eingespielt werden können. Leider kommt man ohne ein iOS-Gerät nicht an die Daten. Eine Mac- oder Android-App wäre da noch eine schöne Ergänzung.

Elgato Eve App HomeKit

Die Elgato Eve App macht die Einbindung in Apples Homekit zum Kinderspiel

Messgenauigkeit und Einbettung ins System

Die Sensoren zeichnen alle zehn Minuten einen Messwert auf und liefern dabei eine gute Messgenauigkeit (Abweichung nach meinen Messungen ca. 0.2°C). Die Batterien halten ca. drei Monate; die Sensoren melden sich via App, wenn ihre Energie zu Neige geht. All das wirk sehr rund und wurde durch die kürzlich veröffentlichte Version der App noch einmal verbessert.  Latenzen ergeben sich vorrangig durch die Bluetooth-Verbindung. Hier wäre es noch schön, wenn Elgato für eine kommende Version auch eine ZigBee-Variante anböte. Sehr viele Smart-Home-Nutzer dürften mittlerweile eine entsprechende Basis für Ikea Tradfri, Philips Hue oder Osram Lightify im Hause hat.

Elgtao Eve Raumsensor

Die Sensorik der Eve-Geräte überzeugt im Test

Es bleibt spannend, wie es mit der Eve Reihe weitergeht. Elgato bietet den Eve Core mittlerweile für Fremdhersteller, dieser erlaubt beliebigen Akteuren Zugriff auf die Eve-App und damit eine HomeKit-Integration. Bis dato ist allerdings meines Wissen nach noch kein Gerät angekündigt, das dieses Modul nutzt. Schön wäre beispielsweise ein Motor zum Öffnen von Fenster („Schlechte Raumluft“ -> „Fenster ist geschlossen“ -> „Öffne Fenster und stelle Heizung ab“), oder ein Luftbefeuchter („Luft zu trocken“ -> „Befeuchter an“). Letztere Aktion ist immerhin bereits über Apples HomeKit-Schnittstelle möglich. So kann ein HomeKit kompatibler Luftbefeuchter bei Apple erworben werden und über Elgatos eve App konfiguriert werden.

Preis-Leistungsverhältnis und Fazit

Elgatos Sensoren sind recht teuer, dafür gut verarbeitet und bieten eine tolle Software. Das Dilemma ist dasselbe wie bei Philips Hue: Gutes System mit großartiger Software zu einem Premiumpreis. Klar, ein DHT22 kann mit Arduino oder Raspi bereits für 5 Euro zu einem passablen Sensor umgebaut werden. Jedoch macht die Software, hier die HomeKit-Einbindung und die Eve App, ein tolles Gesamtpacket aus, das auch Nicht-Bastler anspricht. Wer als billigere Alternative zu netAtmo Stationen hier sucht, wird nichts falsch machen. Schlechte Nachrichten gibt es lediglich für Android-Nutzer: Hier gibt es keine Eve-App. Ach ja, und ein Regenmesser fehlt. Wenn Ihr so etwas benötigt, müsst Ihr euch anderweitig umschauen…

Noch mehr Tests und Beiträge von Benjamin Mewes findet Ihr unter diesem Link.

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Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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