Was nutzt es, den iPhone-Home-Button zu kalibrieren? Wir haben uns dem beliebten iPhone-Voodoo angenommen – mit erstaunlichem Ergebnis.

Der Home-Button des iPhones und iPads ist ein Quell ewigen Ärgers. Gerade bei alten Geräten neigt er dazu, nicht mehr zuverlässig zu funktionieren. Die Ursache ist zumeist Schmutz in Form von Staub und Fingerabrieb, der sich mit der Zeit an den Rändern und im Schalter selbst sammelt. Nun kursieren im Netz Tipps, mit denen sich der Home-Button kalibrieren lässt und die angeblich Probleme lösen – doch was ist dran? Nutzt das was?

So funktioniert die Home-Button-Kalibrierung

Apple sorgt durch sein esoterisches Marketing („Magic!“) und seine verschlossene Software immer wieder dafür, dass Apple-Voodoo-Tricks das Internet erobern. Wie jeder Aberglaube entsteht auch dieser aus Unwissenheit, im Fall von Apple-Produkten nämlich der Nicht-Überprüfbarkeit, ob es eine entsprechende Funktion gibt oder nicht. So auch die Kalibrierung des Home-Buttons, die Ihr folgendermaßen bewerkstelligen könnt:

  1. Öffnet eine Standard-App, zum Beispiel den Taschenrechner oder „Wetter“.
  2. Haltet den Ein/Aus-Schalter gedrückt, bis der Abschalt-Dialog erscheint.
  3. Lasst den Ein/Aus-Schalter jetzt los und drückt den Home-Button.
  4. Haltet den Home-Button gedrückt, bis wieder der normale Home-Bildschirm erscheint.
  5. Der Home-Button sollte jetzt deutlich besser reagieren.

Was ist dran am Home-Button-Voodoo?

Voodoo oder nicht: Der Trick funktioniert, ich habe es ausprobiert. Mein zuvor träge reagierender Home-Button funktioniert plötzlich wieder wie am ersten Tag – wir haben es im Lauf der Zeit an mehreren Geräten ausprobiert. Einzig: Es ist seltsam, dass dieser Trick funktioniert, denn hardwareseitig ist der Home-Button nichts anderes als ein Folienschalter, wie man ihn zum Beispiel auch in Tastaturen findet. Kalibrierung findet normalerweise auch nur bei analoger Datenerhebung (etwa: Bildschirm, Lenkrad für den PC) statt, nicht bei Digitaler, die nur die Werte AN und AUS kennt. So wie es eben bei Apples Home-Button der Fall sein sollte. Denn dieser ist rein digital: An und Aus, 1 und 0, eine Kalibrierung ist demzufolge eigentlich Quatsch.

Warum funktioniert es trotzdem?

Warum die Kalibrierung scheinbar trotzdem funktioniert, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Normalerweise würde ich das Ganze als Placeboeffekt abtun, zumal der Trick (fast) identisch mit dem RAM-Leeren des iPhones ist. Steckt da Apple-Magie dahinter? Sind gar Geister aus Cupertino am Werk, die man auf diese Weise beschwört?

Da ist schlichte Physik am Werk

Höchstwahrscheinlich nicht: Das Funktionieren des Tricks hat eine andere Ursache: Durch das lange Drücken des Home-Buttons wird der fettige Dreck durch die Wärme Eures Daumens schlicht aufgeweicht. Der Druck an sich verschiebt ihn dann ein wenig, wodurch ein besseres Funktionieren im Nachgang der „Kalibrierung“ ausgelöst wird. Der Effekt ist daher auch nicht von langer Dauer und funktioniert auch nicht immer. Richtig defekte Buttons lassen sich auf diese Weise ohnehin nicht reparieren.

Übrigens: Falls der Home-Button wirklich schlecht funktioniert und auch der Kalibrierungs-Trick keine Wirkung zeigt, könnt Ihr immer noch zu einem Reinigungsmittel greifen: Hochprozentiger Isopropanol-Alkohol ermöglicht eine effektive Reinigung elektronischer Bauteile und dürfte den Dreck im Home-Button deutlich effektiver beseitigen.

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Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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