Das Asus Tinker Board greift den Raspi an – dank besserer Hardware läuft Kodi tatsächlich flüssiger. Aber es gibt Probleme mit Software, Support und Ton …

Das Tinker Board von Asus ist der nächste Anwärter auf den Einplatinen-Rechner-Thron – auf dem sich der Raspberry Pi scheinbar festgelötet hat. Das Szenario, immer das gleiche: Etwas schnellere Hardware, vielleicht ein zwei Anschlüsse oder Features mehr, aber nicht ansatzweise die Software-Auswahl geschweige denn Dokumentation des Raspberry-Universums. Und kurz gesagt, trifft das exakt so auf das Tinker Board zu. Immerhin: Kodi läuft hier deutlich fixer als auf dem Raspi 3!

Das Asus Tinker Board im Überblick

Das Tinker Board ist noch ziemlich frisch – weder wir noch Asus sind mit dem Ding schon fertig, aber hier schon mal die ersten Eindrücke. Der ARM-basierte Minirechner hat dieselben Außmaße wie der Raspi, 40 GPIO Pins, Bluetooth, Gigabit Ethernet, zwei Kamera-/Display-Anschlüsse, WLAN, einen besseren analogen Audio-Chip und kann HD- und sogar UHD-Videos abspielen. Nun, das Kleingedruckte verrät, dass das nur mit 30 FPS geht, aber immerhin. Den 1,8-GHz-Quadcore gibt es zum Beispiel bei Reichelt für 59,90 Euro – schon ein wenig mehr als die 40-Euro-Raspi-Konkurrenz.

Was Software angeht: TinkerOS basiert auf Debian und darf eindeutig als bestenfalls Beta tituliert werden, die Treiber scheinen noch nicht ganz rund auch an grafischer Ausstattung fehlt, etwa für eine vernünftige Audiokonfiguration oder Ländereinstellungen. Die Support-Seiten sind noch komplett leer und die meisten Tinker-Suchen führen nur zu Pre- und Reviews.

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Das Tinker Board und „das Original“, der Raspberry Pi.

TinkerOS: Die Praxis

TinkerOS lässt sich einwandfrei per Win32 Disk Imager aufspielen (so wie hier in Schritt 1) und booten. Ab dann hagelte es Abstürze, sobald der Rechner etwas Last bekam. Die CPU wird irre heiß – der mitgelieferte Kühler nach Montage ebenfalls. Das Problem lag aber wohl eher am Netzteil, zumindest mit einem Huawai-2A-Ladegerät läuft das Board letztlich stabil.

Zeit, das System auf den neuesten Stand zu bringen: apt-get update und apt-get upgrade laufen sauber durch und Tinker darf endlich loslegen. Besonders reizvoll schien der analoge Audioausgang: Stecker rein, Musik an – oder auch nicht, der interne Player macht schlicht gar nichts. VLC spielt dann aber zuverlässig wie immer ab und der Pegel des Lautstärkereglers hüpft föhlich hin und her – Ton gibt es aber weder über HDMI noch über Klinke.

TinkerOS-Oberfläche.

Kodi: Ton unter TinkerOS einstellen

Die TinkerOS-eigene Lautstärkekonfiguration ist ziemlich schrecklich und brachte hier zumindest rein garnichts. Aber Kodi hat ja eigene Einstellungen, einen Versuch ist es wert. Die Installation funktioniert mit apt-get install kodi tadellos – und gleich die erste Überraschung: Kodi läuft wesentlich flüssiger als auf dem Raspi, auch Indexieren, Filmgucken und in den Einstellungen wühlen gleichzeitig geht ohne Verzögerung (der Raspi macht hier längst schlapp). Ton gibt es aber immer noch nicht.

In den Audioeinstellungen von Kodi gibt es nun allerhand Optionen. HDMI-Out gibt es über „… rockchip,miniarm …“ und Klinke-Out über „Headset-Output …“ – wie unten im Bild zu sehen. Nun zum Playback: Auch in 1080p-Filmen lässt sich geschmeidig spulen, eigentlich läuft alles rund. Leider gibt es bei allerlei Videos merkwürdige Ruckler, oder eher Stotterer in Bild und Ton. Dies scheint weniger an mangelnder Leistung denn an miesen Treibern zu liegen.

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Die Audio-Konfiguration mit Kodi klappt – aber gut ist das nicht …

Und nu?

Die meisten Medien kommen bei ihren Tinker-Reviews zu dem Schluss, das Teil sei noch nicht ausgereift und weitestgehend unnütz – bislang wohlgemerkt. Ganz so schlimm ist es aber nicht: Er läuft hier mittlerweile stabil, die Performance scheint merklich besser als beim Raspi und Anwendungen abseits von Multimedia steht eigentlich nicht viel entgegen. Bevor das Teil als essenzieller Mail-Server aufgesetzt wird, sollte man freilich beobachten, ob das Ding unter Last nicht doch wieder aus geht 😉

Der analoge Audioausgang wird wohl dafür sorgen, dass das Tinker Board hier langfristig zum Vernetzen der Stereoanlage genutzt wird – mit Kodi als dafür eigentlich viel zu fettem Musikserver, aber so klappt zumindest die Audio-Einstellerei. Um zum Thron zurück zu kommen: Der Raspi muss sich derzeit absolut keine Sorgen machen, für 80 Prozent der Nutzer gibt es keinen Grund, das Tinker Board dem König vorzuziehen. Ausnahmen: Wer so ein Teil weder als universellen Bastelrechner, noch als Mediacenter nutzen will und sein Projekt damit zum Laufen bekommt, bekommt für 20 Euro mehr auch spürbar mehr Rechenleistung und Netzwerkdurchsatz. Und natürlich gilt das auch, wenn Ihr ein bestimmtes Feature benötigt, das der Raspi nicht bietet, etwa zwei Kamera-Anschlüsse.

Das sind doch eigentlich recht viele Ausnahmen – so unnütz ist das Teil vielleicht gar nicht. Aber bedenkt: Hilfe aus Foren oder der Dokumentation sucht Ihr aber noch vergeblich!

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Kodi läuft flüssig – die Inhalte leider nicht immer.


Update:
Mittlerweile funktioniert der Ton auch außerhalb von Kodi und Kodi hat einige Aussetzer weniger – warum auch immer.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule …

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn – als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und „Hundedinger“ steht – und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, Ex-BSI’ler, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 26 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch …

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