Das Arch-Derivat Manjaro hat schon Spaß gemacht – aber Antergos kann das sogar noch toppen. Das liegt auch am tollen Desktop deepin. Kennt Ihr den schon?

Mit Antergos wartet nach Manjaro noch ein zweiter Arch-Abkömmling auf seinen Einsatz. Und da Manjaro einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat, bin ich mal gespannt. Antergos will ein Linux für jeden sein – und macht den Anfang schon mal sehr richtig: Nur ein Download-Image, kein langes Gesuche. Da freut sich der Einsteiger. Was Auswahlmöglichkeiten angeht, wird Antergos das aber noch als Stärke verbuchen können!

Über Linux-Distri-Impressionen

Ausführliche Infos: Quartett-Artikel und Distri-Impressionen-Übersicht. Hier nur ganz kurz zur Einordnung: Die Distri-Impressionen sind für das Quartett quasi „nebenher“ entstanden und sind keine tiefschürfen oder technischen Analysen. Es geht hier um das, was mir bei Installation, Einrichtung und Herumspielerei mit Desktop, Einstellungen und Tools aufgefallen ist. Was mich langweilt, was mich begeistert.

antergos

Nur eine Download-Version, aber etliche Desktops zur Auswahl – besser geht’s nicht.

Antergos mit deepin

Nach dem einfachen Download wartet der vielleicht beste Installationsassistent auf Interaktion. Zwei Dinge machen diesen so interessant: Zum einen könnt Ihr über eine simple Liste Programme auswählen, die zusätzlich zur Grundausstattung installiert werden sollen. Zum anderen gibt es eine ähnliche Auswahl für sechs verschiedene Desktops, allesamt kurz beschrieben. Darunter finden sich auch unübliche Optionen wie i5, budgie oder deepin, der auch hier werkeln darf. Einfach, weil ich ihn noch nicht kenne. Schaut man sich diesen Assistenten an, fragt man sich, warum das nicht alle so machen. Ist doch viel angenehmer, als den Desktop beispielsweise schon direkt beim Download auszuwählen. Insbesondere für Computer-Laien ist es so deutlich nutzerfreundlicher. Man kann unter anderem Wine und Play on Linux einfach per Häkchen einrichten und schon laufen auch viele Windows-Programme, die Umsteiger ansonsten vielleicht vermissen würden. Noch bevor das System fertig installiert ist, kann ich es schon leiden ;)

Und noch ein Wow vor dem Login: Antergos erkennt, dass es in einer virtuellen Maschine läuft und bietet daraufhin einen „Effektmodus“ und einen einfachen Modus für schwächere Hardware an. Habe ich noch nie geseheh und find’s super. Vielleicht liegt’s an deepin, muss ich später mal testen.

deepin antergos

deepin vereint Startmenü, Dock und Seitenleiste – ich prophezeie eine große Zukunft.

Das erste was ich auf jedem Desktop mache, ist ein Rechtsklick, um einen Blick ins Kontextmenü zu werfen. Und endlich, endlich, endlich finde ich etwas, das ich bei Linuxen beziehungsweise Desktop-Umgebungen immer vermisst habe: Einen Eintrag für die Anzeigeeinstellungen – wie man es unter Windows kennt. Man mag jetzt argumentieren, dass der Desktop-Hintergrund herzlich wenig mit den Einstellungen der Grafikkarte zu tun hat und hier höchstens die Desktop-Hintergrund-Einstellungen hin gehören. Aber aus Menschensicht steckt da schon eine gewisse Logik hinter.

Die Navigation ist ebenfalls außergewöhnlich gut: Es gibt einen Dock, eine Vollbildschirm-Darstellung mit Seitenleiste wie bei Gnome und ein klassisches Startmenü. Mit anderen Worten: Hier sind alle drei typischen Bedienvarianten wunderbar miteinander verwoben. Schon wieder vorbildlich. Nun, Puristen wird es zu viel des Guten sein.

antergos desktops

So geht gute Desktop-Auswahl – reichhaltig und während der Installation.

Dann wird es aber doch noch suboptimal. Das gesamte Kontrollzentrum ist in einer Seitenleiste untergebracht, was zu einer elenden Scrollorgie führt. Und die Druckersteuerung führt zu einem eher komplizierten und hier nicht funktionierenden CUPS-Web-Frontend. Zwar wird der Drucker in den Druckdialogen, in einigen zumindest, erkannt, der Druck klappt aber nicht. Und finden tut CUPS auch nicht. Wenn Druckereinrichtung nicht (semi-)automatisch funktioniert, ist das kein gutes Zeichen für eine Jedermann-Distribution. Zumal das CUPS-Frontend bei anderen durchaus klappt.

Wie bei den anderen Arches im Quartett werkelt als Paketmanager pacman. Das ist im Terminal insofern nicht optimal für Einsteiger, weil apt/apt-get Quasi-Standard in vielen allgemein gehaltenen Linux-Anleitungen ist. Aber es ist nun mal so in der Arch-Welt und auch nicht komplizierter. Als grafisches Software-Frontend gibt es das von Gnome bekannte „Software“. Das dann auch nicht ganz ins UI-Konzept passt.

Wer weiß, wie sich Antergos im Alltag in Details schlagen würde. Aber in einem Testlauf kann Antergos voll und ganz überzeugen, vor allem aber deepin!

antergos

Linuxe laufen nun mal häufig in VMs – warum macht das nicht jede Distri so? Wieso, wieso?

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

Wenn ich Dir helfen konnte und/oder Du hier mehr über Open Source, Linux, Bastelkram oder auch Windows-Basics lesen möchtest:
Spendier mir einen Kaffee via Paypal.

Kommentieren:

Wir benutzen Cookies, um die Webseite zu verbessern. Wenn Du die Seite weiter benutzt, bist Du damit einverstanden.