Den Start in das Smart Home schafft heute jeder: Die Technik ist simpel und funktioniert zuverlässig. Die Kosten halten sich in Grenzen. Also los!

Ein kleines Plädoyer für das Smart Home – für Jedermann! Heimautomation dürfte für viele immer noch nach etwas Kompliziertem klingen. Der Markt ist noch relativ jung, aber mittlerweile gibt es einfache und universelle Lösungen, um Lichter, Heizungen, Rolläden, Steckdosen und mehr zu steuern. Wahlweise mit Apps oder automatisch oder sogar mit Schaltern – und so ist das smarte Daheim auch für Menschen interessant, die wenig Ahnung von Technik haben. Ein guter Start ist zum Beispiel Philips Hue.

Philips Hue

Philips hat es mit den smarten Hue-Leuchten tatsächlich geschafft, sich nochmal ein frisches Image zu verpassen – Respekt! Auch wir haben mittlerweile einige Artikel zu Hue-Leuchten, beispielsweise zum Koppeln mit Philips-Ambilight-Fernsehern. Drei Dinge sprechen, trotz aller Konkurrenz, massiv für Hue: Zum einen ist die Kombination mit Ambilight-TVs ein Highlight, bei den TVs ist Philips diesbezüglich konkurrenzlos. Zum anderen sind die Hue-Leuchten wirklich gut: Hell, übergangslose Farb-, Helligkeits- und Temperaturwechsel, gut verarbeitet und in allen Möglichen Formen, vom Outdoor-Lichtband bis zur Deckenleuchte, zu haben. Und drittens ist der Umgang mit der Technik ziemlich narrensicher – viel einfacher geht es nicht. (Nun, die Grundfunktionen … – die Funktionen aus dem Labor sind grausig in die App integriert.) Und im Alltag läuft es einfach erfreulich zuverlässig.

Und noch ein Bonus: Philips ist mit Hue einfach sehr breitflächig vertreten, so dass es auch ein riesiges Universum an zusätzlichen Produkten von Drittherstellern gibt. Das gilt sowohl für Soft- als auch für Hardware. Dass Hue kompatibel mit Alexa ist, ist fast schon selbstverständlich. Nur wirklich günstig, das ist das Hue-System nicht.

Und: Hue kann eben nicht nur Leuchten!

philips hue

Auf der Hue-Homepage könnt Ihr Hue-Installationen virtuell ausprobieren.

ZigBee

ZigBee ist ein Protokoll für die Heimautomation. Es ermöglicht Geräten, miteinander zu kommunizieren – und zwar unabhängig vom Hersteller. ZigBee-Produkte gibt es von etlichen Firmen, beispielsweise smarte Steckdosen von Osram, Glühbirnen von Trust, Fenstersensoren von Bosch oder Unterputz-Relais-Schalter von Busch-Jaeger. Da nun aber auch die Hue-Zentrale ZigBee kann, könnt Ihr alle ZigBee-Geräte genauso steuern wie Hue-Geräte.

Das Einrichten ist bei Hue- wie anderen ZigBee-Produkten immer der gleiche, triviale Vorgang: Gerät in die Steckdose, in der Hue-App neue Geräte suchen lassen, manchmal Knopf an Gerät drücken – und schon ist das Teil über die Hue-App steuerbar. Hue-Schalter kann man auch direkt ohne Hue-Zentrale für Leuchten benutzen: Einfach neben der Leuchte soundsoviele Sekunden gedrückt halten, Lampe koppelt sich an den Knopf, fertig.

Natürlich könnt Ihr all das auch mit anderen ZigBee-fähigen Smart-Home-Lösungen veranstalten, es muss nicht das recht teure Philips Hue sein.

osram plug

Osrams smarte Steckdose funktioniert über ZigBee.
Quelle: Osram

Was geht damit denn?

Stufe 1: Philips Hue mit einem LED-Lichtstreifen ist vermutlich die Einstiegsdroge: Binnen vielleicht 5 Minuten steht ein erstes Smart-Home-Element, das zum Beispiel an gehen kann, sobald Ihr nach Hause kommt. Oder die Farbe dem Sonnenstand anpassen. Das ist nicht viel, macht aber Spaß. Wirklich nützlich: Man kann Anwesenheit simulieren, indem zum Beispiel die Lampen zu gewissen Zeiten – plus/minus einer zufälligen Zeitangabe – an- und aus gehen. Oder sie erzeugen das typische Flimmern eines Fernsehers. Mit mehreren Leuchten geht schon etwas mehr, beispielsweise könnt Ihr so genannte Szenen einschalten, die dann zum Beispiel im Wohnzimmer den Farbverlauf eines Sonnenuntergangs simulieren.

hue leuchte

Hier die Outdoor-Variante eines Lightstrips.
Quelle: Philips

Stufe 2: Hue-Sensoren und -Schalter werden sich schnell hinzugesellen. Mit den Schaltern lassen sich Elemente schlicht auch ohne Smartphone oder Tablet steuern. Das ist zum einen immer wieder nützlich, zum anderen werden so auch nicht so technikaffine Menschen abgeholt – vom Kleinkind bis hin zu älteren Semestern, die vielleicht keine Lust haben, 80 Jahre alte Gewohnheiten aufzugeben. Das gilt natürlich nur für die Bedienung, für die Einrichtung sollte man zumindest sein Smartphone halbwegs im Griff haben.

philips schalter

Wer traditionelle Lichtschalter bevorzugt, kann auf das Smartphone verzichten.
Quelle: Philips

Über Sensoren könnte Ihr dann richtig anfangen, zu automatisieren: Der Bewegungsmelder registriert nachts eine Bewegung im Garten, daraufhin schaltet sich ein paar Sekunden später eine Lampe im Schlafzimmer ein, ein paar Sekunden später im Flur, dann im Wohnzimmer und so weiter. Einem Einbrecher soll so suggeriert werden, dass jemand durch’s Haus läuft. Schon smarter als einfach nur Licht an, gell?! Einbrecher sind ja vermutlich auch nicht immer nur dumm.

Stufe 3: Und dann kommt das Zubehör von Drittherstellern. Mit einer smarten ZigBee-Steckdose könnt Ihr zum Beispiel die Kaffemaschine einschalten. Gut, wenig spektakulär. Aber wie wäre es damit: Ihr könntet auch in der Hue-App ein Szenario einrichten, bei dem bei Sonnenaufgang Eure Lampen gemäß der Helligkeit draußen heller werden – und bei 70 Prozent Helligkeit gehen die Rolläden hoch, die Lampen langsam aus sowie Kaffemaschine, Eierkocher und Toaster an. Und wenn es regnet, wird zudem noch die Markise vom Balkon ausgefahren.

Ihr könnt noch viel abgefahrenere Dinge erledigen, beispielsweise dank des Diensts IFTTT (mehr dazu hier): IFTTT kann auch auf Hue zugreifen und Wenn-Dann-Szenarien umsetzen, etwa Wenn Schalke ein Tor schießt – dann soll die Wohnung wie eine Disko blinken. Die Kaffeemaschine per Tweet oder SMS einschalten? Kein Problem.

philips hue ifttt gmail

Hue mit IFTTT: Lichtereignisse bei eingehenden Mails – warum nicht?

Stufe 4: Schweres Geschütz. Bislang war alles einfach: Gerät kaufen, einschalten, von Hue erkennen lassen, fertig. Aber es gibt natürlich noch Aktoren, die etwas mehr Arbeit machen. Dazu gehören beispielsweise Motoren für Rolläden oder Thermostate für Heizkörper – hier muss natürlich ein wenig geheimwerkert werden. Noch mehr Aufwand machen Unterputz-Relais-Schalter, die beispielsweise für motorisierte Garagentore genutzt werden können.

Nun könnte sich Euer Garagentor automatisch öffnen, sobald Euer Smartphone 100 Meter vom Haus entfernt ist – und dazu schalten sich alle Leuchten von der Garage bis in den Hausflur automatisch ein. Die Alarmanlage geht aus. Der Fernseher an. Die Außenbeleuchtung wird gedimmt. Und so weiter. Das Konzept dürfte klar sein, der Rest bleibt Eurer Fantasie überlassen.

busch jaeger schalter

Auch traditionelle Hersteller widmen sich dem Smart Home.

Das smarte Zuhause ist …

… in ein paar Jahren vermutlich eine Selbstverständlichkeit. Mit dem guten und sehr, sehr einfach zu nutzenden Hue-System als Vorturner und mehr und mehr ZigBee-Produkten, steht dem sanften Einstieg eigentlich nichts entgegen. Erste Erfolgserlebnisse bekommt man locker für unter 200 Euro, die benötigten technischen Fähigkeiten beschränken sich im Grunde auf das Bedienen einer simplen App und mit Schaltern werden auch Technik-Fremdler nicht ausgeschlossen. Es gibt keine Frickelei mehr, der Alltagsbetrieb ist ausgereift, es gibt massenhaft Hilfe und Anleitungen und Smart-Home-Geräte sind endlich auch attraktiv genug, um bei Media Markt, Saturn & Co. in den Regalen zu liegen.

Die Zeiten, da das Smart Home schon beim Hausbau geplant sein sollte, man auf Ewigkeiten an einen Hersteller gebunden war und überhaupt erst mal so einen technisch versierten, ambitionierten Bastel-Papi mit Hang zum Baumarkt daheim haben musste, sind vorbei. Riesen Investitionen? Vorbei, man kann klein anfangen und es ist trotzdem sinnvoll. Ganz ehrlich, zumindest mit dem Hue-System und ZigBee-Geräten kann jeder sein Daheim klüger machen. Oder zumindest der nächstbeste Bekannte; nebenbei beim Kaffetrinken.

Warum Hue?

Noch ganz kurz, warum immer Hue: Philips Hue ist schlicht das System, das hier bei mir zu Hause läuft. Nicht nur, aber zu großen Teilen auch, weil ich einen Ambilight-Fernseher habe. Grundsätzlich dürfte es in den Homekit- oder Google-Home-Welten auch nicht anders aussehen, auch wenn es dort keine ZigBee-Unterstützung gibt. Aber auch ZigBee ist natürlich nicht konkurrenzlos. Dafür gibt es Hue-Unterstützung ;) Und auch andere Hersteller dürften ordentliche Leuchten haben. Kann ich aber derzeit nur vermuten. Was ich aber sagen kann: Hue und ZigBee und Alexa bilden hier ein sehr gutes Team, das eben auch Technik-Laien in den Griff bekommen.

Und da Hue in diesem Artikel dann doch sehr positiv rüber kommt, gibt’s auch bislang keine Amazon-Kauf-mich-Links. Falls Ihr uns aber was Gutes tun und eh noch eine Hue-Leuchte oder einen Kaugummi bei Amazon kaufen wollt, nehmt diesen Link, dann regnet’s für uns Amazon-Kohle ;)

Einstiegsbild: Gerd Altmann/Pixabay

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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