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Meinung

Logitech ConferenceCam Connect – beworbenes Feature fehlt

Logitechs mobile Konferenzkamera Connect hat viele gute Wertungen bekommen, leider fehlt heute ein Drittel der Features ...

Das ist schon eine etwas obskure Geschichte, die Logitech in keinem besonders guten Licht dastehen lĂ€sst. Die ConferenceCam Connect habe ich 2016 bereits getestet und ihr durchweg gute Noten verpasst, Konzept, Verarbeitung, Features, Bedienung, alles ziemlich gut. Nachdem ich mittlerweile selbst regelmĂ€ĂŸig in Videokonferenzen sitze, wollte ich die lĂ€stigen Kopfhörer und Mikrofone samt stĂ€ndiger Umkonfiguriererei los werden. Seit rund einem Jahr nutze ich die mobile Konferenzkamera stationĂ€r und bin fast rundum zufrieden. Allerdings wollte ich nun nochmal einen Praxistipp fĂŒr unseren Hardware-Hut daraus machen und musste feststellen: Da fehlt doch was.

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Bin ich blind?

Im Gegensatz zu persönlichen Kundenwertungen sollten sich ein journalistischer Beitrag natĂŒrlich mit allen Features eines Produkts auseinandersetzen. Nich nur mit den Funktionen, die man auch selbst nutzt. Die ConferenceCam Connect hat letztlich 3 Funktionen: Konferenzkamera via USB, Freisprecheinrichtung via Bluetooth und kabellose Bildschirmspiegelung via HDMI/Miracast. Kamera – okay. Freisprecheinrichtung – okay. HDMI – Ă€hh 


connect von hinten.
RealitÀt, Stand Oktober 22: Kein HDMI

Kein HDMI-Anschluss weit und breit und da ich mir sicher war, mich an einen solchen zu erinnern, habe ich wirklich sehr lange nach diesem ziemlich großen Anschluss auf diesem sehr ĂŒbersichtlichen GerĂ€t gesucht. Vielleicht versteckt? Hinter einer Klappe? Nope. Ein Blick auf die Produktseite bei Logitech: Kein Wort von HDMI. Also gegoogelt, erstbesten Testbericht aufgerufen: Es wird HDMI erwĂ€hnt. Ich denk noch „Was fĂŒrn Honk“, gucke dann in meinen alten Text und sehe: HDMI. Ich Honk? Ein Blick in die Online-Bedienungsanleitung: HDMI. Dann ein Blick in das Datenblatt: Yep, HDMI. Puh, kein Honk.

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Nein, natĂŒrlich war HDMI damals am GerĂ€t. Heute ist es ebenso verschwunden, wie der Miracast-Button auf der Oberseite. Leider scheint Logitech dies nicht wirklich kommuniziert zu haben und eine Anfrage bei der Presseagentur blieb unbeantwortet. Und auch eine Aktualisierung der Produkt-PDFs hat wohl niemand fĂŒr nötig gehalten. Ein anderer Name wenigstens, Connect v2 oder so? Auch nicht. Da kann man dann auch HĂ€ndlern nicht böse sein, wenn sie dieses Feature nach wie vor in ihren Produktbeschreibungen auffĂŒhren!

connect-handbuch.
Handbuch, Stand Oktober 22: HDMI

Wie wild ist das?

Naja, einerseits ist das Ganze bezĂŒglich Kommunikation und Transparenz nicht gerade glĂŒcklich. Ich zumindest kann mich in 26 Jahren IT nicht daran erinnern, dass mal ein Produkt um ein Drittel der Features befreit und dann unter derselben Bezeichnung weiter verkauft wurde. Wenigstens eine inhaltslose Namenserweiterung wie „SE“ oder eine Versionierung wie „v1.1“ hĂ€tte es doch sein dĂŒrfen.

Andererseits wird diese Intransparenz noch blödsinniger, wenn man bedenkt: Es ist völlig plausibel, dieses Feature zu streichen. Heute stehen fast ĂŒberall Smart-TVs herum, die auch ohne die Connect Bildschirminhalte von beliebigen Smartphones und Tablets empfangen können. Und nur dafĂŒr war der HDMI-Anschluss da! Es war nicht möglich, das Kamerabild auf dem TV auszugeben. Eine Kundenrenzension bei Amazon zitiert den Logitech-Support, nachdem HDMI seit 2020 nicht mehr verbaut wĂŒrde. Gut, die Connect hat es mit einem eigenen WLAN einfacher gemacht, aber es wĂ€re heute nicht mehr das Killer-Feature wie vor sechs Jahren.

Nun wĂŒrde ich gerne mit einer Schimpftirade schließen, einfach des Spaßes halber. Aber auch wenn Logitechs Verhalten hier sicherlich nicht sonderlich kundenfreundlich ist – und schon gar nicht hĂ€ndlerfreundlich! -, so bleibt am Ende ein Feature auf der Strecke, das vermutlich nur selten in KonferenzrĂ€umen mit veralteter Technik zum Einsatz kommen dĂŒrfte. Übrig bleibt eine sehr gut durchdachte, handliche Konferenzkamera mit ordentlicher Bild- und TonqualitĂ€t. Allein schon die Fernbedienung macht immer wieder Spaß, weil sie gleichzeitig als Abdeckung fĂŒr das Objektiv dient. Immer noch eine Empfehlung.

3 Stunden Videkonferenz?

Ach, ich gönne es mir, doch ein wenig Gemecker zum Schluss. Oder ein Hilferuf, vielleicht bin ich doch blind. Die Produktseite vermeldet: VideogesprĂ€che bis zu 3 Stunden 
 und das Handbuch legt nach: Eine Akkuladung reicht fĂŒr Videokonferenzen/Bildschirmspiegelungen von bis zu 3 Stunden 


Vielleicht sehe ich den Wald vor lauter BĂ€umen nicht, habe einen blinden Fleck oder was weiß ich, aber wie fĂŒhre ich ein Akku-betriebenes VideogesprĂ€ch? Bluetooth ist nur fĂŒr die Freisprecheinrichtung. HDMI gibt es nicht mehr; und das wĂ€re auch ein obskures Konstrukt, so mit dem Miracasten der Smartphone-Kamera ĂŒber eine Konferenzkamera 
 Und die Anleitung sagt auch ganz konkret, dass fĂŒr den Videokonferenzmodus USB eingesteckt werden muss. Und da ĂŒber USB – wirklich wahr – auch Strom zur VerfĂŒgung gestellt wird, ist der Akku kaum involviert. Hier lief das Ding schon viele Stunden via USB, ohne das separate Netzteil. Vielleicht am Smartphone? Offiziell heißt es zwar Windows oder Mac, aber vielleicht ist das ja auch nur nicht dokumentiert? Nö, zumindest am Pixel 6 geht es mit OTG-Adapter nicht.

Eigentlich bleibt nur ĂŒbrig, dass die Connect, wenn sie an einem Laptop hĂ€ngt, das wiederum auf Batterie lĂ€uft, nicht lĂ€dt. Oder nur wenn der Akku ĂŒber X Prozent ist. Oder so. Das wĂ€re ja clever. Ich befĂŒrchte aber, so clever ist es nicht: Das (mittel vertrauenswĂŒrdige) Handbuch sagt Akku wiederaufladbar ĂŒber Netzteil oder USB (kein Betrieb ĂŒber USB) … Das wĂŒrde ich wieder so deuten, dass der Akku beim Dauerbetrieb per USB stĂ€ndig ent- und wieder aufgeladen wird. Wieder andererseits: Dann mĂŒsste die grĂŒne Ladelampe ja stĂ€ndig blinken im Betrieb ohne Netzteil, tut sie aber nicht. Sie blinkt, bis das Teil voll geladen ist, dann hört sie auf. Und so scheint der Betrieb ĂŒber USB praktisch eben doch zu funktionieren.

Das kann man ja alles so machen, aber auch hier: Transparenz? Fehlanzeige. Bei einer 600-Euro-Kamera erwarte ich durchaus, dass man mir erklĂ€rt, wie sie funktioniert. Und HandbĂŒcher aktualisiert. Oder ĂŒbersehe ich etwas (vielleicht ganz Offensichtliches)? Ich wĂ€re fĂŒr jede Hilfe dankbar, inklusive berechtigter HĂ€me, wenn mein Denkfehler denn allzu dĂ€mlich ist.

Und hier noch der obligatorische Partnerlink – natĂŒrlich mit einer Beschreibung, die von Bildschirmspiegelung erzĂ€hlt 
 Wie gesagt, nehmt es nicht den HĂ€ndlern ĂŒbel!

Beitragsbild unter Verwendung von: Ronald Plett from Pixabay

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-SauerlĂ€nder, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr ĂŒber Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstĂŒtzen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.helpTestweise bei Mastodon

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