Der Kopierschutz HDCP kann bei HDMI-Verbindungen gewaltig Nerven kosten. Doch es gibt Mittel und Wege, diese auf ein Minimum zu reduzieren.

Der Kopierschutz HDCP sorgte bei mir in den letzten Wochen diverse Male für Kopfschmerzen: So wollte ich Screenshots von Systemmenüs der PlayStation 4 sowie den Benutzeroberflächen von diversen Streaming-Lösungen (z.B. ChromeCast und dem Mediaplayer des Amazon Fire TV Sticks 4K) anfertigen. Ergebnis: Nope, nicht machbar – selbst mit einer HDMI-Capture-Card wie der Elgato GameCapture HD 60S. Als Tutorial-Schreiberling war das für mich Grund genug, nach Lösungen Ausschau zu halten. Spoiler: Ich wurde fündig ;) 

Kopierschutz HDCP: Verständlich, aber ultranervig

Mit HDCP, Kurzform für High-bandwidth digital Content Protection,sollen digitale Inhalte vor der Vervielfältigung geschützt werden. Bedeutet im Klartext: Ihr könnt entsprechend geschütztes Material über HDMI oder DisplayPort weder aufnehmen noch streamen. Da ist meiner Meinung nach auch absolut nichts Verwerfliches dran. Nervig wird es aber, wenn durch den Kopierschutz plötzlich der Bildschirm schwarz bleibt. Nutzt Ihr beispielsweise eine Konsole oder einen Fire-TV-Stick mit HDCP-Voraussetzung an einem älteren Monitor oder TV, der nicht zum Kopierschutz-Standard kompatibel ist, könnt Ihr die Wiedergabe knicken. Auch können HDCP-Fehler beim Zusammenspiel verschiedener Komponenten entstehen, beispielsweise AV-Receivern, ältere Beamer oder auch den falschen Eingängen am TV oder Monitor. Kurzum: Wie jeder Kopierschutz hat auch HDCP das Potenzial dazu, das Leben selbst bei völlig legaler Nutzung ein Stück komplizierter zu machen.

Elgato Game Capture HD HDCP

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Der digitale Kopierschutz HDCP sorgt in diesem Fall dafür, dass ich mit der Elgato GameCapture HD 60S keine Screenshots oder Videos aufnehmen darf.

Doch es gibt Hoffnung: Mit den richtigen Einstellungen oder auch der Nutzung von Zusatzhardware kommt Ihr um die Beschränkungen des Systems herum. So könnt Ihr mit etwas Glück geschützte Geräte an ältere Monitore und Fernseher anschließen, ohne von den Kopierschutzmaßnahmen erdrückt zu werden. Natürlich bleibt auch dann die Netflix-Aufnahme oder das Rippen von 4K-Blu-rays illegal. Daher auch der extrem wichtige Hinweis: Die unten gezeigten Lösungen zum Umgehen von HDCP dienen explizit und ausdrücklich nicht als Aufforderung, kopiergeschütztes Material zu vervielfältigen. Wenn Ihr illegalen Kram machen wollt, ist das freilich Euer Bier, sagt aber bitte nachher nicht, wir hätten Euch nicht gewarnt ;)

HDCP-Kopierschutz deaktivieren

Vor allem für Streamer auf Twitch und Co. von Bedeutung ist die mögliche Deaktivierung von HDCP auf den diversen Konsolen. Zwar liefern PS4 und Xbox One eingebaute Streaming-Lösungen, wenn Ihr aber eine Spezialsoftware wie OBS oder auch Elgato Game Capture nutzt, kann Euch der Kopierschutz im Weg stehen. Zumindest für Gameplay-Videos könnt Ihr HDCP aber deaktivieren. Auf der PS4 (Pro) öffnet Ihr dazu die Einstellungen und navigiert zum Punkt System. Hier entfernt Ihr einfach den Haken bei HDCP aktivieren. Ab sofort könnt Ihr PS4-Gameplay via Capture-Card aufnehmen. Beachtet, dass Dienste wie Netflix erst wieder auf der PS4 laufen, wenn Ihr den Kopierschutz wieder aktiviert. Auf der Xbox One gibt es meines Wissens nach kein HDCP-Jedöhns, hier könnt Ihr also direkt entsprechende Streaming- und Capture-Lösungen verwenden.

HDPC abschalten PlayStation 4

Ein kleiner Trost: Auf modernen Konsolen könnt Ihr den Medien-Kopierschutz zumindest ein Stück weit deaktivieren.

HDCP-Kopierschutz via HDMI-Splitter umgehen

Aktuelle Konsolen sind also in Sachen HDCP-Ärger einigermaßen fein raus. Doch was ist mit älteren Geräten oder auch Fire TV Stick und Co.? Nun, hier müsst Ihr bei Bedarf etwas härtere… oder sagen wir… ungewöhnlichere Geschütze auffahren: Es gibt günstige HDMI-Splitter, die sich nicht wirklich an gängige Standards halten. Angenehmer Nebeneffekt: Schaltet Ihr einen solchen Splitter zwischen TV (oder Capture-Karte, AV-Receiver, Monitor, sonstwas) und  ein HDCP-geschütztes Gerät, erscheinen Bild und Ton, als sei nichts gewesen.

HDCP ausschalten via HDMI-Splitter

Der unscheinbare HDMI-Splitter von Mondpalast (hier mit dem Amazon Fire TV Stick 4K) sorgt dafür, dass HDCP-Klippen zuverlässig umschifft werden.

Ein Beispiel dafür ist der hübsch benannte Mondpalast HDMI Splitter. Das gute Stück kostet rund 13 Euro und dient eigentlich dazu, ein HDMI-Signal auf zwei Monitore auszugeben. Tut er auch – und umgeht nebenbei den HDCP-Schutz. Tatsächlich konnte ich damit die gewünschten Screenshots von Fire TV und Konsorten aufnehmen, ohne dass mir der Nerv-Schutz einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Hand aufs Herz: Ich habe mir das Ding wirklich einzig und allein dafür geholt und bislang noch keine größeren Dauer-Tests durchgeführt. Beim Schnelltest von Netflix und Prime Video auf dem Fire TV Stick 4K schien die Wiedergabe aber verzögerungs- und fehlerfrei abzulaufen. Ich lehne mich daher aus dem Fenster und behaupte, dass das Ding gut genug zur Überbrückung von Kopierschutz-Inkompatibilitäten ist.

Fire TV UI HDCP

Na also: Screenshots der Fire-TV-GUI und anderen Oberflächen (hier in der Elgato-GameCapture-Software) sind dank Splitter endlich möglich – mehr will ich ja gar nicht ;)

Für die 4K-Ausgabe reicht der Mondpalast-Splitter allerdings nicht, mehr als FullHD kann er nicht. Hier könnte ein so genannter bidirektionaler HDCP-Konverter eine Lösung sein. Diesen habe ich aber ehrlich gesagt noch nicht getestet, daher müsst Ihr einfach ausprobieren.

So oder so: HDCP kann ein Stolperstein sein, der sich aber umgehen lässt. Ja, damit lässt sich auch Schabernack treiben, aber das ist nicht der Grund für dieses Tuto. Nicht vergessen ;) Noch mehr Hardware-Tipps findet Ihr hier, noch mehr zum Allround-Thema Multimedia sammeln wir kontinuierlich unter diesem Link für Euch.

Über den Autor

Boris Hofferbert

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, am Desktop Apple- und unterwegs Android-Fan, zockt unter Windows, kann nicht ohne Musik (von Classic Rock über Ska bis Punk) und Hörbücher, schießt gerne Postkarten-Fotos, hat immer mindestens zwei Handys dabei und freut sich riesig über eine Kaffeespende ;-)

Wie und womit ich tagtäglich arbeite, erfahrt Ihr hier.

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