Das iPhone Xs ist furchtbar teuer. Ich bleibe jetzt beim 6S – weil das Teil völlig reicht und Apples Preispolitik nervt. Ein Rant.

Grüß Gott. Ich bin ein alter Mann, denn ich habe entschieden, mich der Zukunft zu verweigern. Ich will keine neuen tollen Features. Ich will kein Riesendisplay. Ich will vor allem keine 1200 Euro aufwärts für ein iPhone Xs ausgeben, weil die Neuerungen, naja: Unerheblich sind. Und ich will einen verdammten Klinkenanschluss! Abgesehen davon scheint Apple nur noch auf Milliardäre als Kunden zu setzen. Genug Gründe, mein iPhone 6S noch eine Weile behalten – schon aus Protest.

Altes iPhone ist eine lahme Ente – oder?

Apple hat mir diese Entscheidung diesmal ziemlich leicht gemacht. Das iPhone 6S ist zwar von tausend Schlüsseln zerkratzt, von tausend Stürzen verbeult, aber nicht defekt. Das Display wirkt dunkler als früher, ist aber OK. Das iPhone kleppert rundum, und lahm ist es auch. Und das, obwohl es erst 2015, also vor drei Jahren, vorgestellt wurde. Drei Jahre waren einst eine lange Zeit in der IT-Technik: Hersteller stiegen auf und fielen, einst brandneue Computer wurden zu lahmen Enten. Heute ist das bei Smartphones ähnlich: Das neue iPhone Xs ist mehr als doppelt so schnell wie das drei Jahre alte iPhone 6S. Oder anders gesagt: Das 6S ist immer noch halb so schnell wie das aktuelle Spitzenmodell – also im Grunde mehr als flott genug für die meisten Anwendungen. Nur meins nicht. Dabei hat der alte Haudegen mich um die halbe Welt begleitet.

iPhone 6S: Reicht doch?

iPhone 6S: Reicht doch?

Der Grund für die miese Performance: Der Akku!

Die Ursache war der Akku: Der war laut iOS-Batteriestandsanzeige noch bei 89 Prozent, zeigte sich aber allen Stromspartricks für das iPhone zum Trotz als echter Spielverderber: Mal machte das Gerät bei 30 Prozent die Grätsche, mal sprang die Akkuanzeige zwischen mehreren Werten umher. Mal ging es einfach aus. Kurzum: Der Stromspeicher war fritze – was auch gleich die Performance-Probleme erklärte. Denn wie wir inzwischen wissen, regelt das iPhone seine Leistung runter, wenn es einen schwachen Akku hat. Und das dauerhaft, was extrem ärgerlich ist. Immerhin: Seit iOS 10.4 lässt sich der verkaufsfördernde Quatsch über Einstellungen -> Batterie -> Batteriezustand -> Höchstleistungsfähigkeit deaktivieren – das bringt allerdings nur Probleme mit einem ausfallenden iPhone.

Neuer Akku: Das iPhone 6S gibt wieder Vollgas!

Neuer Akku: Das iPhone 6S gibt wieder Vollgas!

Akkutausch für längere Verwendung

Es musste also ein neuer Akku her. Da kam es mir zupass, dass Apple derzeit den Akkuwechsel – auch aufgrund der Aufdeckung der streng geheimen Batterieleistungs-Verlangsamungsfunktion alter Geräte – für 29 Euro anbietet. „Buuuuh… “ werden jetzt manche (Mirco?) hier meckern, „früher konnte man Akkus noch selber wechseln!“, und das stimmt ja auch. Früher konnte man allerdings seine Wohnung auch mit Steinkohle heizen, sechs Wochen mit dem Segelschiff nach Mallorca fahren und an einem faulen Zahn sterben. Oder halt selber Akkus wechseln. Insofern war damals auch nicht alles besser.

Hört auf zu meckern!

Und höre ich da noch ein „Buuuuh“? Stimmt: Ich werfe dem bösen Konzern Apple auch noch Geld in den Rachen für den Mist, den er verbockt hat. Aber wisst Ihr was? Ich werfe auch meiner Autowerkstatt Geld in den Rachen, damit sie die Bremsen bei meinem Auto wechseln. Ist doch gut, wenn so etwas mal eine Weile weniger kostet, bei Apple derzeit 29 Euro bis Jahresende. Das ist definitiv günstiger als ein iPhone Xs. Und wer voll anti Konzern und voll risikobereit ist, kann den Akkuwechsel freilich auch beim Alles-was-gibt-Hehler mit angeschlossenem Handyshop („I-FONE-REPERATUR, 24 H SCHLÜSELDINST & KAUFE ALLE AUTO-PKW-LKW!“) machen lassen. Allerdings dürfte das kaum günstiger werden.

Der Akkuwechsel hat’s gebracht

Nach dem Akkuwechsel ist das iPhone 6S nun wieder wie neu. Beziehungsweise optisch so neu, wie der zerbeulte Sperrmüll, den sie in Hipstergeschäften als „Möbel“ verkaufen. Aber technisch, also von innen, ist es wie neu. Es ist schier rasant, der Akku hält gefühlt eine Ewigkeit im Vergleich zu früher und dank iOS 12, das wirklich gut ist, flitzt die alte Beule wieder wie am ersten Tag.

Das Beste am 6S: Es ist das letzte iPhone mit Klinkenanschluss.

Das Beste am 6S: Es ist das letzte iPhone mit Klinkenanschluss.

Antennagate 2.0

Das Schöne daran ist: Mit der Keynote am 12.09.2018 hätte Apple mich fast soweit gehabt. Die Kamera-Spielereien, das OLED-Display, Stahlgehäuse, Wasserdichtheit oder das Bedienkonzept der iPhones ohne Homebutton sind so Dinge, die ich grandios finde. Aber sind wir ehrlich, ehrlich, Apple: Das sind Status-Sachen, denn es geht immer noch um ein verdammtes TELEFON. Und genau hier hast Apple wieder geschludert. Wie übrigens damals beim iPhone-4-Antennagate – und ja: Ich war dabei. Kein iPhone habe ich im Rahmen der Garantie so oft getauscht wie das iPhone 4.

Steve rotiert im Grab

Gut: Die Kamera des Xs mag besser sein, das Display auch, doch der Grad der Verbesserung gegenüber dem iPhone 6S hält sich meiner Meinung nach in Grenzen. Kein Grund, so viel Geld auszugeben. Wenn das Ding, sagen wir, in der Maximalausstattung 999 Euro kosten würde, mit einem Einstiegspreis von vielleicht… 599 Euro? – ich hätte nicht eine Minute an den Wechsel des Akkus beim 6S gedacht, sondern ein Xs bestellt und das alte iPhone bei Ebay vertickt. Ihr wärt preislich immer noch im Premium-Segment und viel, viel mehr potentielle Kunden würden das Ding kaufen. Und der gute Steve würde nicht im Grab rotieren, denn selbst der hätte sich solche Preisgestaltung wie in Eurem aktuellen Lineup vermutlich nicht getraut.

Ist klar, Apple.

Ist klar, Apple.

Stay hungry – weil kein Geld mehr da ist!

Ich frage mich sowieso schon seit einigen Jahren, wen Apple neben geltungsbedürftigen Business-Kaspern noch so als Zielgruppe hat. Hieß es bei Apple nicht früher mal „Think different“ und sagte Steve Jobs nicht mal „Stay hungry, stay foolish“? Das hat er im übertragenden Sinne und im Hinblick auf „Kreative“ gemeint, nicht im Sinne von: „Be silly and then stay hungry because you spent all your money on an iPhone“, wie es aktuell der Fall ist.

iPhone XI mit Strass-Steinchen?

Aber scheinbar sind derzeit russische Oligarchengattinnen die Hauptzielgruppe des iPhones. Ich hoffe deshalb, das iPhone XI kommt dann endlich direkt mit Strass-Steinen, die den geschmacklosen Auftritt mit Schlauchboot-Lippen und Silikon-Körbchen im Versace-Nichts passend untermalen. Ich will nicht so sein und nie so werden, dass ich so etwas haben will, aber Zeichen stehen auf „kommt bestimmt noch“. So weit ist es mit Apple in 5 Jahren Cook gekommen. Das einem mehrfachen Millionär mit Businesskasper-Hintergrund solche Sachen einfallen und eben keine tollen Dinge wie bunte Knubbel-iMacs, liegt irgendwie auf der Hand.

Aber das ist mir egal: künftig werde ich darauf achten, ob ich wirklich ein neues Apple-Produkt brauche – oder ob ich es einfach nur haben will. Schon mit Blick auf meine Altersrücklagen. Und weil ich Apples preisgestaltung in letzter Zeit schlicht frech finde. In diesem Sinne: Ich bleibe jetzt erstmal beim 6S – und warte, dass in Cupertino wieder die Preis-Vernunft einkehrt.

Über den Autor

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und manchmal in der echten Welt unterwegs.
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Kommentare

  • Warum sollte Apple denn den Preis senken????
    Die neuen iPhones werden trotz des hohem Preises wieder wie geschnitten Brot weggehen.
    Die meisten Leute stört der Preis halt nicht. Denn das Telefon wird eh finanziert mit einem sauteurem Handyvertrag.
    Und da ist es dann doch auch egal ob sie halt 50€ oder 70€ bezahlen.
    ICH werde auch weiterhin bei meinem IP7 bleiben, denn auch für mich ist der Unterschied nicht wirklich wichtig.
    ICH würde mich ehrlich auch darüber freuen wenn die neuen Telefone nächstes Jahr 2K€ kosten werden und alle wieder stöhnen wie teuer es doch ist, aber alle eins kaufen.

  • Tja, Kollege, daran wird sich aber nichts mehr ändern. Apple hat das meiner Ansicht nach VERDAMMT clever gemacht: Mit dem iPhone X die Preise massiv angezogen und zum neuen Standard gemacht. Daran wird sich nichts mehr ändern. Wenn du es „günstig“ haben willst, kannst du dir ja immer noch ein iPhone 7 oder 8 kaufen ;) Ach ja, und dann kommt ja noch das total günstige iPhone Xr. Das ist technisch hinten dran, kostet aber trotzdem mehr als jedes andere iPhone bei der Einführung. Deine Oligarchengattinentheorie (was ein Wort) glaube ich nicht ein Stück: Das iPhone Xs Max verkauft sich besser als das Xs (https://www.theverge.com/2018/9/24/17896564/apple-iphone-xs-max-sales-estimates-analyst-report-outselling), das iPhone X war laut Apple das erfolgreichste iPhone seiner Generation. Die Lieferzeiten für das Xs Max liegen stand jetzt bei drei Wochen. Hut ab, alles richtig gemacht in Cupertino…

    Ich hatte dieses Jahr wirklich vor, mit dem iPhone endgültig und final zu Apple zu wechseln (neben iPad, MacBook, iMac), aber ich kann diese Preise für ein Smartphone einfach nicht rechtfertigen. Nicht mit allen Leasing-Steuertricks, nicht mit „voll dem langen Software-Support“ (den gab es auch schon beim halb so teuren iPhone 6) und auch sonst nicht. Ich hatte das iPhone X mehrere Monate im Test und fand es auch sehr, sehr gut. Aber für das Geld muss es einfach das ALLERbeste sein, in allen Kategorien. Wenn ich nun in Tests lese, dass die Kamera des über ein Jahr alten Pixel 2 immer noch bessere Ergebnisse liefert als die des Xs, finde ich das schon schwach. Nun bin ich natürlich auch ein Sonderfall, da mir die Kamera extrem wichtig ist (daher sind auch iPhone 7/8 keine Option für mich, zumal ich die neue Bedienung echt mag), aber dennoch: So muss meine endgültige Apple-isierung noch was warten.

    Glaube ich daran, dass die an den Preisen wieder was nach unten machen? Nö. Warum auch? Die „Frosch im Wassertopf“-Strategie ist doch bei den iPhone-Jüngern voll und ganz aufgegangen.

Rant: Warum ich mir kein iPhone Xs kaufe…

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