Der Mac Mini und der Mac Studio (oder auch ein Macbook im Clamshell-Modus) sind nahezu perfekter Desktop-PC. Allerdings gibt es ein Problem: Zwar hat der Kleine einen Lautsprecher, aber der ist höchstens für Systemtöne geeignet. Und die wenigsten Monitore – von teuren Ausnahmen wie Apples Studio-Display* haben brauchbare Lautsprecher eingebaut. Für jemanden wie mich, der vom iMac Pro mit seinem relativ satten Sound kommt, ein herber Rückschritt. Zum Glück gibt es genug Auswahl von Drittanbietern. Wir zeigen Euch, worauf Ihr achten müsst.
Kriterien für einen brauchbaren Desktop-Lautsprecher für den Mac
Doch zunächst stellt sich natürlich die Frage, was überhaupt "gute" Desktop-Lautsprecher für den Mac (oder auch PC) sind. Zunächst solltet Ihr überlegen, ob Euer Schreibtisch (wie bei mir) im Raum oder an der Wand steht: Das hat Einfluss auf gleich drei Faktoren: Baugröße, Klangqualität – und natürlich Design.
Denn Wände hinter dem Speaker reflektieren den Sound, das ist bei einigen Speakern sogar konstruktiv so gewollt. Doch wenn der Schreibtisch im Raum steht, sind natürlich kleine und hübsche Speaker besser.
Soundqualität vorab einschätzen
Das nächste Kriterium ist natürlich die Soundqualität. Die Physik lässt sich nicht austricksen: Mehr Volumen – also Größe des Lautsprechers – und größere Durchmesser der Mittel- und Tieftöner bringen in der Regel auch besseren Klang.
Das Gehäusematerial kann ebenfalls eine Rolle spielen: Holz oder MDF ist oft, aber nicht immer besser als Plastik, da das Material dicker ist und dadurch souveräner reagiert. Wobei das auch stark davon abhängen kann, wie viel Liebe der Hersteller hier in das Design gesteckt hat.
Ein hochwertiges Kunststoff-Produkt wie die legendären Harman-Kardon Soundsticks, inzwischen in fünfter Auflage schlagen in Sachen Klangqualität vermutlich die meisten günstigeren China-Blöker im Holzgewand, auch wenn diese natürlich durchaus auch ihre Berechtigung haben.
Was aber eigentlich immer gilt: Mehr Volumen und mehr Lautsprecher-Durchmesser, um so besser der Bass und die Mitten. Wenn Ihr ordentlichen Gaming-Sound braucht oder eine Party beschallen wollt, sollten die Boxen also größer sein, als wenn Ihr nur in Zimmerlautstärke Youtube-Videos oder Filme am Rechner schauen wollt.
Und wer richtig ordentlich Bass möchte, muss aber eigentlich immer zum Subwoofer greifen, dem dritten Bass-Lautsprecher zusätzlich zu den zwei Stereo-Speakern. Also zu einem sogenannten 2.1-System. Dazu später.
Wir brauchen WATT, WATT!
Die Wattzahl spielt vor allem bei höheren Lautstärken eine Rolle: Wie viel Leistung kann der Lautsprecher ziehen, um Kraft für die Schwingungen der Membrane aufzuwenden? Je dicker die Membrane und je stärker die Lautsprecher magnetisch sind, desto mehr Leistung wird für den Betrieb benötigt. Der Watt-Wert gibt die maximale Leistungsaufnahme wieder.
Der oft genannte RMS-Wert – etwa "10W RMS" – ist ein Standard-Messwert zur Vergleichbarkeit von Lautsprechern: 10W RMS sind deutlich schwächer als 50W RMS – ganz einfach eigentlich. Für Laien wichtig ist vor allem, dass der RMS-Wert ist eine gute Möglichkeit darstellt, die Leistungsfähigkeit von Lautsprechern einzuschätzen und abzuwägen.
Manche Hersteller geben zum Marketing allerdings gerne auch Peak-Werte in Watt an, die aber vom Lautsprecher nur für sehr kurze Zeiträume gehalten werden können und daher keinen wirklichen praktischen Wert haben. Also: Orientiert Euch am RMS-Wert, der ist sozusagen die "PS-Zahl" von Lautsprechern und sagt letztlich an, wie laut sie sein können.
Vor- und Nachteile verschiedener Lautsprecher-Anschlüsse in der Übersicht
Desktop-Lautsprecher gibt es derzeit in drei Anschluss-Varianten: Bluetooth, 3,5mm Klinke und USB-(C). Viele Lautsprecher sind auch mit mehreren oder allen dieser Anschlussarten ausgestattet. AirPlay lasse ich an dieser Stelle bewusst aus: Das ist immer sehr verzögert. Was für Musik reicht, kann bei Filmen, Videos oder auch Spielen extrem lästig sein. Aber auch drei anderen Technologien haben ihre Vor- und Nachteile:
- Bluetooth-Lautsprecher sind natürlich kabelllos, es kann aber Interferencen mit USB-Geräten, WLAN und anderen Bluetooth-Geräten geben. Zudem ist Bluetooth nicht völlig verzögerungsfrei und die Reichweite auf rund 10 Meter beschränkt. Die Audio-Qualität ist in den modernen Bluetooth-Standards über alle Audio-Codecs – von SBC über AAC und AptX bis LC3 – völlig in Ordnung. Allerdings kann es Verbindungsprobleme geben, die die Soundqualität in der Praxis deutlich reduzieren, weil Bluetooth auf eine niedrige Bitrate zurückspringt.
- USB-C oder USB-A-Anschlüsse an Lautsprechern sind immer dann sinnvoll, wenn auch der Lautsprecher direkt über den USB-Port mit Strom versorgt werden soll. Es gibt keine Verzögerung, die Datenqualität ist zuverlässig.
Allerdings sind USB-Lautsprecher, sofern sie direkt vom USB-Port mit Strom versorgt werden, keine Leistungswunder: 15 Watt schafft ein Standard-Thunderbolt-Port wie am Mac Mini-Rückseite, nur 4,5 Watt die Buchsen vorne, USB-A und USB-C im Allgemeinen liefern bestenfalls 7,5 Watt – das ist nicht viel für Lautsprecher.
Wer mehr Wumms will oder braucht, sollte also USB-Lautsprecher mit zusätzlicher Spannungsversorgung wählen, bei denen nur die Daten über USB-C übertragen werden. - Klinkenstecker 3,5mm (oder auch Cinch) ist die klassische, analoge Anschlussmethode. Das macht die Verbindung zu beliebigen Stereoanlagen, Computern, Monitoren, WiFi-Adaptern und anderen Endgeräten sehr einfach. Und flexibel: Es gibt Adapter für USB-C, USB-A und natürlich Bluetooth und AirPlay. Dadurch ist das über 120 Jahre alte Uralt-Steckerkonzept nach wie vor sehr flexibel einsetzbar und dürfte, auch wenn an immer mehr Geräten entsprechende Buchsen wegfallen, nicht totzukriegen sein.
Auf der Pro-Seite hat Klinke zudem auch, dass die Signalübermittlung immer optimal und verzögerungsfrei ist und dass sich beliebige Verstärker, Soundkarten oder Ähnliches zwischen Mac und Speaker schalten lassen. Und Audio-Klinke lässt sich problemlos auf USB-C adaptieren.
Gegen die alte Klinke spricht, dass sie in ihrer reinen Form als Stecker am Mac eher unkomfortabel ist: Was bei einem Desktop noch egal ist, ist die Stöpselei für ein Macbooks eigentlich ein No-Go. - AirPlay bietet die Möglichkeit, Sound und Musik per WLAN zu streamen. Das ist gut, um zum Beispiel mehrere größere Lautsprecher für Musikgenuss anzusteuern, die WLAN-Technik hat aber ihre Tücken und es kann zu Verzögerungen und Problemen kommen, insbesondere, wenn Ihr Repeater im Heimnetz verwendet.
AirPlay bietet sich daher vor allem als Stereoanlagen-Ersatz an, nicht jedoch als Systemlautsprecher für direkten Sound aus dem Mac. Allerdings ist die Technik ein Nice-to-Have, wenn die Lautsprecher für beides verwendet werden sollen.
Lautsprechersystem: 2.0, 2.1, 5.1 oder sogar 7.1?
Ideal für den Mac Mini (und alle anderen Rechner am Desktop) sind 2.0-Systeme, also Systeme mit zwei Lautsprechern und ohne Subwoofer. Sie nehmen verhältnismäßig wenig Platz ein und bieten dennoch satten Sound. Obendrein sind sie einfach zu verkabeln. Auch die Auswahl verfügbarer Systeme ist groß, von kleinen Brüllkugeln wie der Creative Pebble-Serie bis zu richtig dicken Studio-Monitor-Trümmern wie dem Yamaha HS-8.
Als 2.1-Systeme bezeichnet man Lautsprecher-Setups mit einem zusätzlichen Subwoofer. Während die Lautsprecher für den Klang zuständig sind, liefert der Subwoofer die Bass-Note. Das kann vor allem für Filme und Spiele interessant sein, aber auch für Nutzer, die gerne laut Musik hören.
5.1- und 7.1-Systeme sind Surround-Lautsprecher: Fünf beziehungsweise sieben Lautsprecher, ergänzt durch einen Subwoofer. Wer es wirklich ernst nimmt mit dem Sound, sollte zu so einem System greifen, allerdings hat das einige handfeste Nachteile: So müssen die Lautsprecher exakt eingestellt und der Sound justiert werden. Irgendwo fliegen immer Kabel rum und höchstwahrscheinlich ist auch eine zusätzliche Soundkarte nötig, so sie nicht schon im Lautsprecher-System eingebaut ist. Was für das Wohnzimmer sicher gut ist, ist für den Mac eher Blödsinn – wir empfehlen daher am Schreibtisch immer ein 2.0- oder 2.1-System.
Was ist eigentlich ein Studio-Monitor oder "Studio-Klang"?
Wenn Ihr nach Lautsprechern, insbesondere nach 2.0-Systemen sucht, werdet Ihr bei hochwertigeren Boxen immer wieder auf den Hinweis stoßen, dass es sich um "Studio-Monitore" handelt oder die Lautsprecher "Studio-Klang" bieten. Im Grunde besagt das... nichts. Mit dieser Angabe verspricht der Hersteller bloß, dass die Lautsprecher möglichst neutral klingen, sich also nach der Soundquelle richten und keinen eigenen Optimierung-Firlefanz betreiben, wie es bei vielen günstigen Bluetooth-Boxen der Fall ist.
Grundsätzlich ist die Angabe also gut: Ihr wisst, dass Euch der Lautsprecher wiedergibt, was Ihr einspielt. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass Ihr möglicherweise mehr Zeit mit dem Feintuning verbringen müsst und dass Songs nicht immer (für Euch) optimal klingen. Denn auch, wenn bei der Produktion Studio-Monitore zum Einsatz kommen, so ist die Musik doch auf gängige Lautsprecher (ohne Studio-Neutralität) optimiert, etwa Autoradios, Bluetooth-Boxen, heimische Kompaktanlagen, Küchenradios und so weiter.
Klingt Studio-Qualität besser?
Es ist recht schwierig, da eine allgemeingültige Aussage zu treffen. Ich bin kein großer Freund davon, wenn der Lautsprecher, Kopfhörer oder die Stereoanlage automatisch am Sound herumdaddeln. Andererseits bin ich auch nicht so audiophil, dass es mir ständig auffallen würde. Der Kompromiss sind für mich Systeme, deren Sound standardmäßig neutral ist, die ich aber gegebenenfalls per App ein wenig "pimpen" kann.
So ist das etwa bei meinen Kopfhörern, den Audio-Technica ATH-M50xBT2, die laut Hersteller wie der "legendäre ATH-M50x Studio-Kopfhörer" verfügen soll. Per App lässt sich der Frequenzgang dann anpassen. Ich finde, die Hörer klingen standardmäßig gut, viele Soundcore- oder Beats-Fans dürften aber deutlich Bass vermissen.
Bauform, Design und Marke
Natürlich sind Lautsprecher – insbesondere in einem oft stilbewussten Mac-Setup – auch was für's Auge. Immerhin stehen sie immer irgendwo in der Gegend rum, sind nicht eben klein – da guckt man dauernd drauf. Und wenn das dann hässlich ist... ohje. Also: Berücksichtigt bei der Lautprecher-Auswahl auch immer auch die Bauform und das Design, damit sich die Lautsprecher möglichst nahtlos auf Eurem Schreibtisch (oder in Eurem Regal) einfügen.
Die Marke spielt dabei ebenfalls eine Rolle, allerdings muss man hier günstige Massen-Lautsprecher von der Vielzahl teurer audiophiler Produkte trennen. Einfache Desktop-Lautsprecher, die ausreichend gut performen, gibt es für deutlich unter 50 Euro das Paar, einfache Modelle wie Creatives erstaunlich gute Pebble v3 mit 8 Watt RMS fangen schon bei rund 35 Euro pro Paar an. Weniger solltet Ihr aber auch nicht bezahlen, unterhalb wird es sehr schnell sehr grottig.
Grundsätzlich ein Wort zur Marke: Relative Newcomer wie Edifier müssen nicht schlechter sein als bewährte Marken wie Harman-Kardon oder Yamaha, das hängt stärker vom Lautsprecher-Modell, der Baugröße und Euren persönlichen Klangpräferenzen ab. Ich empfehle aber, die Finger von Chinesium-Marken zu lassen: Hierbei handelt es sich bestenfalls um ambitionierte Newcomer, schlechtestenfalls nur um Handelsmarken, die den schnellen Euro mit Kampfpreisen verdienen wollen.
Meine persönliche Empfehlung – und ein Schlusswort
Am Ende des Tages reichen manchen Nutzern Discounter-Lautsprecher, andere sind mit kleinen Bluetooth-Brüllwürfeln oder gar dem Sound aus den Lautsprechern aktueller Bildschirme zufrieden, während so mancher Audiophiler sich keine Boxen hinstellen würde, die nicht mindestens vierstellig kosten, pro Stück natürlich.
Zum Testen nehme ich übrigens immer den Song hier, weil der so eine schöne Bassline hat:
Ich würde als Mac-Nutzer am Desktop immer zu möglichst kompakten Lautsprechern greifen, die möglichst viele Verbindungsmethoden (Bluetooth, Klinke und USB) unterstützen und dabei im mittleren Watt-Bereich (±50W RMS) arbeiten. Das reicht dicke, um ein Arbeitszimmer ordentlich zu beschallen oder mal einen Film lauter zu schauen.
Denn wer wirklich perfekten Klang sucht, hat ohnehin nur eine Wahl: Hochwertige Audio-Komponenten anschaffen und per Klinke mit dem Mac verbinden – und hier nur Lossless-Audio wie etwa mit dem Streamingdienst Tidal oder Apple Music abzuspielen.
Ich bin deshalb inzwischen sehr zufrieden mit meinen Edifier M60: Die sind klein, haben ordentlich Wumms – und können überall angeschlossen werden. Für den richtigen Sound ist dann die Stereo-Anlage zuständig.





