Meinung

Telekom MagentaTV – Wie mies ist machbar?

Zwangsbeschäftigung mit der Telekom und siehe da: Alles so schlimm wie früher

Es ist schon erstaunlich: Seit vielen vielen Jahren habe ich mit der Telekom nichts mehr zu tun. Diesem deutschen Möchtegern-IT-Dickschiff, der teutonischen Streaming-Konkurrenz zu Netflix & Co. Aber nun kam die Glasfaser ins heimische Sauerland und Elternhaus. Und schon war es vorbei mit der jahrzehntelangen gesunden Abstinenz. Besonders enttäuschend: MagentaTV.

Es fing schon unrühmlich an: November. Wir kommen abends von einer Beerdigung und da steht ein junger Typ an der Einfahrt, meint er sei von der Telekom, bald käme der Glasfaser-Techniker und es müssten neue Verträge gemacht werden. Und er wollte schauen, ob das mit dem Anschluss soweit passt. Vorherige Ankündigung? Fehlanzeige. Da steht also ein fremder Mensch, der sich mit einer Plastikkarte um den Hals “ausweist” und mal eben ins Haus “muss”.

Wäre ich nicht dabei gewesen, hätte meine Mutter ihn völlig richtigerweise gar nicht erst reingelassen. Liebe Telekom, das geht so nicht. Weder schickt man Leute ohne Ankündigung vorbei, noch macht man Vertragskram an der Haustür. Allein schon für diese Aktion sollten die Verantwortlichen mindestens eine Abmahnung bekommen. Ich persönlich würde ihnen jegliche Entscheidungskompetenzen entziehen, das ist kein kleines Fehlerchen, sondern Unfähigkeit. Da hilft es auch nicht, dass der Typ, der da war, durchaus nett, freundlich und kompetent rüberkam.

MagentaTV?

Eine nützliche Info des unangebrachten Besuchers: Im aktuellen Tarif sei ja auch MagentaTV enthalten – wusste niemand. Wurde auch nicht gewünscht oder jemals genutzt, nur gezahlt. Wo ist wohl der Vertrag gemacht worden? Klar, ganz klassisch in einem Telekom-Laden. Wer geht dahin? Klar, viele ältere Menschen, die mit Technik und Online-Kram nicht so selbstverständlich umgehen wie Zwanzigjährige.

magentatv im browser.
Auf den ersten Blick ein Streaming-Dienst wie jeder andere

Mit anderen Worten: Trotz bezahltem MagentaTV-Sat-Kontos lief das TV-Programm einfach regulär über die Schüssel, sprich mit Privatsendern in SD. Auch der unabhängige TV-Techniker, der seinerzeit Schüssel und Fernseher eingerichtet hat, hatte wohl nicht allzu viel Interesse, sich mit dem Anschluss zu beschäftigen.

Was aber gut klang: MagentaTV könne man ja auch in der Familie teilen. Und da ich da eh Support leisten werde, wollte ich daheim doch mal testen. Gar nicht so einfach, wenn gar nichts funktioniert ;)

Ich konnte mich bei MagentaTV anmelden. Nun, hat einen Moment gedauert, weil das Passwort gerade nicht verfügbar war. Also: Nutzername + Sicherheitsfrage + SMS-Code. Interessant beim Login ist folgende Entscheidung: Unter Nutzername/Passwort gibt es die anderen Anmeldeoptionen. Und dort das persönliche Kennwort. Als persönliches Kennwort versteht man meist so eine Art Low-Level-Passwort, um zum Beispiel mit dem Support am Telefon zu sprechen. Aber natürlich weiß die Telekom alles besser: Das persönliche Kennwort und das Passwort sind ein und dasselbe. Ein und dasselbe hinter einem Link andere Anmeldeoptionen.

Naja, jedenfalls war ich irgendwann im Browser in MagentaTV angemeldet, mit einem Irgendwas-Sat-Premium-Tarif inklusive RTL+, Disney+, Live-TV und so weiter. Also mal fix Live TV austesten: Mööp. Es hieß, es müsse das TV-Paket hinzugebucht werden. Blödsinn, weil im Tarif enthalten. Noch viel blödsinniger: Nach Klick auf den Hinzubuchen-Link gab es gar kein TV-Paket, das man hätte hinzubuchen können …

Inhalte anschauen? Fehlanzeige. Weder Live-TV noch irgendwelche Serien oder Filme waren abrufbar, auch nicht von dem ÖRR. Nach 20, 30 Versuchen ließ sich dann doch mal ein Stream starten – keine Ahnung warum. Offensichtlich lag es am Sat-Tarif, dass MagentaTV im Browser nicht funktionierte. Muss ich erwähnen, dass das Bullshit ist? Man zahlt für die Lizenzen, nicht für die Übertragungswege. Und warum liefen dann bitte überhaupt Streams? Warum konnte ich mich überhaupt einloggen?

MagentaTV, nu’ aber

Naja, dann wurde der Anschluss gelegt. Der Techniker war pünktlich, hat ordentlich gearbeitet und war auch der Meinung, dass ein Typ im Dunkeln vorm Haus ohne Ankündigung nicht so toll gewesen sei …

Und mit dem neuen Anschluss war auch direkt der neue Tarif aktiv, sprich ich konnte auch hier in Köln endlich auf MagentaTV zugreifen und testen, bevor ich es dann auch im Sauerland einrichte/erkläre. Juchuu? Nee. Die Telekom kann es einfach nicht lassen, Dinge anders zu machen als alle anderen, wie schon oben beim persönlichen Kennwort. Es mag nach Kleinigkeiten klingen – aber es nervt und verwirrt. Was zum Beispiel ist eine Megathek? Ich konnte mir das denken, aber natürlich kam die Frage, was denn der Unterschied zur Mediathek sei. Warum müssen solche Fragen überhaupt erst aufgeworfen werden? Nur um einen eigenen Namen zu haben? Bestimmt habt Ihr eine ganz tolle Begründung dafür, bestimmt unterscheidet sich die Megathek in irgendeinem völlig unwichtigen Detail von einer Mediathek …, aber am Ende des Tages ist da kein Mehrwert, nur Mehrnerv.

Egal, nur eine Kleinigkeit. Keine Kleinigkeit: Der MagentaTV-Tab stürzt beim Testen des öfteren ab – Prime, PlutoTV, YouTube und alle anderen tun das nicht. Nach dem Absturz: Erneute Anmeldung – was übrigens immer nur mit Nutzername, Passwort und zweitem Faktor funktioniert. Nichts mit anmelden, Geräte vefifizieren und gut ist, nein, immer muss sich mit samt zweitem Faktor angemeldet werden. Und nicht nur nach Abstürzen … Auch nach Browser-Neustarts oder in China umgekippten Reissäcken will MagentaTV eine neue Anmeldung.

Ist man einmal angemeldet, ist die Webanwendung immer noch Mist. Besonders nervig: Ändert man die Lautstärke, muss man die Lautstärkeregelung explizit wieder verlassen, ansonsten bleibt ein Overlay über dem ganzen Bild stehen. Alle andern machen das anders, überall genügt es, den Mauszeiger wieder vom Bild zu nehmen.

magenta-werbung.
Ein Overlay sie alle zu knechten …

Nächste Nerverei: Kein HD wegen angeblich fehlender HDCP-Fähigkeiten. Damit ist die Telekom wenigstens nicht allein, ich meckerte diesbezüglich schon über Amazon.

Oder wie wäre es mit der fehlenden Möglichkeit, Kaufprodukte auszuschließen? Bei Amazon Prime Video gibt es einen eigenen Tab für “für mich kostenlos”, bei MagentaTV werde ich mit Werbung für Kauffilme zugekleistert.

Jetzt gerade beim Schreiben: Ich will etwas Testen und starte dazu die MagentaTV-exklusive Serie “Herr Raue reist” – und werde darauf hingewiesen, dass ich das hinzubuchen müsse. Ich habe gestern noch eine Folge davon geguckt. Ich habe just den Fernseher angeworfen und die App-Version geöffnet: In der App kann ich die Serie gucken, im Browser wird mir gesagt, ich müsse sie hinzubuchen. Nein, es sind nicht zu viele Geräte aktiv, nein, es werden keine Cookies geblockt oder sonst was. Bei der Telekom arbeitet offenbar nur ein Haufen Irrer. Also ausgeloggt, wieder eingeloggt – und schon reist Herr Raue wieder. Völlig gaga.

Und es geht weiter. Wegen der nicht hinnehmbaren ständigen Auto-Ausloggerei fange ich an zu suchen und lande im Telekom-Forum, wo jemand dasselbe Problem hat. Am Ende des Threats heißt es: Wir melden uns, wenn Feedback (von der Technik) da ist. Das war der letzte Eintrag, ein halbes Jahr her. Aber gut, hilfreichen Support habe ich auch nicht erwartet. Aber durchaus, dass ich das Forum nochmal betreten darf! Ich Idiot habe aber auf “Antworten” geklickt, worauf hin ich mein Profil vervollständigen sollte. Hatte ich keine Lust zu. Nächster Google-Treffer, wieder das Forum. Aber jetzt kommt direkt wieder das Profil-Formular – nicht weggklickbar. Sprich: Ich kann das Forum auch lesend nicht mehr betreten, wenn ich angemeldet bin, aber kein vollständiges Profil habe. Im zweiten Browser geht es dann. Das ist so scheiss dämlich, das kann eigentlich nur absichtliche Trollerei sein.

Und noch einer: Hin und wieder taucht am unteren Rand eine 401-Fehlermeldung auf – ohne, dass ich irgendwas gemacht hätte, ohne, dass auch nur etwas laufen würde und auch ohne jegliche Konsequenzen … Keine Ahnung was die Meldung mir sagen will.

401 fehler.
Hallo Freund ;) Keine Ahnung was Du willst, aber pop ruhig ab und an mal auf

Mir ist keine andere Webseite bekannt, die dermaßen viele Probleme bereitet. Glückwunsch Telekom, das bringt noch viel mehr Eigenständigkeit als der bekloppte Name Megathek (die im übrigen ganz und gar nicht mega ist …).

Und jetzt noch die App

Alles nicht so wild, meist läuft doch die MagentaTV-App und nicht -Website? Mag stimmen, aber auch die App nervt. Die Ausloggerei ist nämlich auch hier zu beobachten, ebenso wie Abstürze. Und Passwörter auf Fernbedienungen einzugeben, plus Nutzernamen, plus zweiten Faktor, ja, das macht natürlich Spaß. Aber hey, man kann sich auch am Rechner in die Website einloggen und dort einen Code aus der App eingeben – das geht schneller als die Tipperei auf der Soft-Tastatur, ist aber nicht weniger lästig.

Wenn die App einmal läuft ist es fast erträglich. Nun, zumindest auf meinem Fernseher nur fast. Denn Die Telekom-Genies haben etwas gemacht, was mir wieder mal noch nie untergekommen ist. Etwas Eigenständiges! Etwas Kreatives! Etwas – Dummes! Sie haben es doch tatsächlich geschafft, dass einige Tasten zum Aufrufen von TV-Einstellungen nicht mehr funktionieren. Bravo.

Will ich bei meinem Philips-TV also zum Beispiel im laufenden MagentaTV-Betrieb so etwas Spektakuläres machen wie die Bildeinstellungen ändern oder das Ambilight einzuschalten – Fehlanzeige. Die Clown-Entwickler bei der Telekom greifen doch allen Ernstes die Signale solcher Standardtasten ab und verwerten sie in der App. Auch hier kann ich wieder getrost sagen: Habe ich noch nie erlebt. Niemand ist so dumm, so etwas zu tun. Außer den Erfindern der Megathek.

Ganz ehrlich: Bugs passieren, Abstürze passieren, Probleme mit Logins passieren. Aber alles zusammen und so konsistent ist das alles schon einzigartig schlecht. Und das Umbelegen von Standardtasten der Fernbedienung hat eindeutig die Ausmaße eines sadistischen Aprilscherzes.

Auch was Gutes?

Nicht wirklich. Nun, der Cloud-Speicher im Hintergrund funktioniert super. Man kann in Live-Sendungen jederzeit zurückspringen oder pausieren, ohne dafür irgendeine Funktion aktivieren zu müssen. Auch läuft das Skippen und Umschalten in und von laufenden Streams ziemlich flott, deutlich besser als zum Beispiel in der Amazon-Prime-App.

Und die App ist relativ simpel gehalten. Zwar ist das bei dem eher überschaubaren Angebot auch kaum eine Kunst und es gibt überall Doppelungen des angezeigten Contents, aber das machen zumindest auch alle anderen ähnlich.

Content?

Schaut man sich den Content an: Naja. Es gibt 42 Exclusives/Originals, darunter auch das 22 Jahre alte The Office. Yeah, voll mega. Dazu kommen viele mediokre Filme und Serien, viel Standardzeugs aus dem TV (Nord bei Nordwest, Hubert und Staller), ältere US-Filme und auch immerhin 513 Kino-Blockbuster, darunter Dinge wie “Der Spion und sein Bruder”, “The Domestics”, “Weihnachten in White Deer”, “Christmas Planner”, “Mein Weihnachtsglück”, “Weihnachten mit Hindernissen”, “Halloween 6” oder “Office Uprising” – so richtige echte Kassenknüller eben. Aber es sind auch tatsächliche Blockbuster dabei, “Fantomas bedroht die Welt” zum Beispiel! Nein! Doch! Ooohhh …

blockbuster bei magentatv.
“Blockbuster”

Aber gut, das fällt wohl einfach unter Marketing. Es gibt durchaus brauchbaren Content, allein die rund 600 Tatort-Folgen dürften zumindest für einige Nutzer interessant sein. RTL+ ist auch mit an Bord – konnte ich aber nicht testen, weil man sich dafür nochmal registrieren darf. Über die Vertragsverwaltung der Telekom. Dafür hat mein Nervenkostüm nicht mehr gereicht.

Fazit

Die Telekom ist im Innern immer noch die Bundespost, da hilft auch der rosa Pinsel nicht. Sorry, ist ja Magenta. Auf technischer Seite dominiert bei MagentaTV der Dilettantismus, App und Website können nicht ansatzweise mit irgendeinem Konkurrenten mithalten. Viele Dinge sind wirkliche No-Gos, von der Anmelderei, über die umbelegten Fernbedienungstasten, bis hin zu regelmäßigen Abstürzen. Andere Dinge sind nur nervig.

Wenn die App einmal läuft, ist sie durchaus brauchbar, zumindest für Live-TV. Eines ist aber ganz klar: Wenn sich das mit der Immer-wieder-Anmelderei auch im Elternhaus zeigen sollte, brauche ich das gar nicht erst zu installieren. Dann werden die Privatsender halt in SD über die Schüssel geguckt. So viel Nerverei für etwas, das weit über ein halbes Jahrhundert viel einfacher ging – da werden wohl ziemlich viele Ü70er nicht mit machen, und Recht haben sie.

Mag sein, dass MagentaTV über die hauseigenen Sticks besser läuft, mag sein, dass einige der hiesigen Probleme nicht überall auftreten, aber Fakt ist: Kein Streaming-Angebot hat mich innerhalb einer Woche häufiger zur Weißglut gebracht. Andererseits gibt es MagentaTV ja vielleicht auch nur, um Bundesliga-Pakete buchen zu können – irgendwie Pay to win.

Naja, um eine extra üblen Nachgeschmack zu hinterlassen: Natürlich hat sich die Telekom auch nicht vom Tarifdschungel verabschiedet – einfach geht anders. Aber ich belasse es mal bei einer Kleinigkeit: MagentaTV mit Netflix nennt sich MagentaTV Netflix. Keine Einwände. MagentaTV mit Disney+ nennt sich MagentaTV Disney+. Keine Ei…. HA – erwischt! Nein, es heißt MagentaTV Entertain. Warum auch nicht, einfach mal den Kunden noch eins reinwürgen, sei es auch noch so sinnlos.

magentatv-tarife.
Netflix = Netflix
Entertain = Disney
Interessant = nicht

So, sorry, dass ich mich hier jetzt 14.000 Zeichen lang ausgekotzt habe, aber es musste aus dem Kopf. Aufgebaut aus einem Monopol heraus, zu rund einem Drittel in Staatsbesitz, mit ca. 500.000 von 650.000 Glasfaser-Kilometern Quasi-Monopolist und nicht in der Lage, so etwas Etabliertes wie eine Streaming-App und ein Webseiten-Login umzusetzen. Dabei hätte man einfach vorhandene Technik nehmen können. Aber nein, man musste die Megathek erfinden … Megadanke.

(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm)

Titelbild basiert auf: Pexels from Pixabay

Nachtrag – ca. 10 Minuten nach Veröffentlichung: MagentaTV war wohl sauer über den Artikel:

tab-absturz.
MagentTV in Aktion – wow …

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.helpTestweise bei Mastodon

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