Testlabor

Test: Hörbert, die unschlagbare Toniebox-Alternative?

Solides Holzgehäuse, einfache Bedienung und nachhaltige Konstruktion: Der Hörbert schlägt als Kinder-MP3-Player die meisten Mitbewerber. Leider nervt er mit überkomplexer Bedienung für die Eltern.

Das Kind ist musikalisch, seit es ganz klein war. Sobald das Radio an war, wurde auch schon getanzt. Kaum wurden die ersten Worte gesprochen, wurde auch gesungen. Inzwischen singt es so laut und so falsch, dass es eine wahre Freude ist. Deshalb entschieden wir, dem Kind eine Freude zu machen und ihm einen kinderfreundlichen MP3-Player zum zweiten Geburtstag zu schenken. Und was soll ich sagen? Der Hörbert war ein voller Erfolg!


Kinderfreundliche MP3-Player: Von mistig bis sauteuer

MP3-Player für Kinder haben ein ganz eigenes Anforderungsprofil: Robust müssen sie sein, möglichst einfach – und im besten Fall frei bespielbar. Wer nach entsprechenden Geräten sucht, wird schnell auf die Toniebox stoßen: Ein Kasten, auf den man (teure) Figuren stellt, um dann per WLAN fest verknotete Inhalte abzuspielen. Als ich ein Kind war – gut, das ist über drei Jahrzehnte her – gab es eine Benjamin-Blümchen-Kassette für 2,50 DM.

Die Kurze liebt ihren Hörbert.
Die Kurze liebt ihren Hörbert.

Heute kostet der Spaß als in Plastik gegossener Tonie 10 Euro oder mehr. Insofern war ich schnell weg von der Idee, dem Kind ein solches Gerät anzuschaffen. Die Alternativen waren rar: In etwas robusterem Chinaplastik hingeschlunzte 08/15-MP3-Player für sehr kleines Geld gibt es viele, doch keines machte so einen guten Eindruck wie der Hörbert, auch wenn der mit deutlich über 200 Euro zu Buche schlägt.


Hörbert: Ideal für Kinderhände

Der Hörbert ist zunächst ein massives Echtholz-Gehäuse aus Multiplex. Das Design klassischer Kofferradios ist dank bunter Tasten kinderfreundlich, ohne aufdringlich zu wirken. Er erinnert in seiner Solidität an Kindergarten-Möbel. Der Hersteller verwendet hier helle Harthölzer, die sich gut in das Gesamtbild typischer IKEA-Kinderzimmerausstattung aus Birke und Kiefer einfügen: Das Gehäuse ist so konstruiert, dass es auch einen Sturz verkraftet und wilde Kinderzimmer-Partys übersteht.

Hörbert macht sich gut im Kinderzimmer.
Hörbert macht sich gut im Kinderzimmer. (Foto: Christian Rentrop)

Gut für das Parkett: Die Kanten sind minimal abgerundet, wodurch es auch für den Boden keine Katastrophe ist, wenn der Hörbert einmal herunterfällt. Das Gerät ist äußerst solide und dementsprechend schwer: Rund 1,5 Kilo bringt der Player auf die Wage. Die Zweijährige kann ihn aber ohne Probleme durch die Gegend schleppen, da er einen soliden Henkel hat. Das Innenleben ist über ein per Schraube gesichertes Einschubbrett geschützt: Kleine Kinder bekommen das nicht auf.

Einschalter und Lautstärkeregler in einem.
Einschalter und Lautstärkeregler in einem. (Foto: Christian Rentrop)

Einfache, effiziente Technik

Die Kaufentscheidung fiel für uns hauptsächlich aufgrund der einfachen Technik: Hörbert besteht weitestgehend aus nachhaltigen Komponenten und die Software ist quelloffen. Es gibt keine proprietären Komponenten oder Batterien, womit das Gerät zukunftssicher sein dürfte. Auch Kabel gibt es nicht: Hörbert setzt auf Standard-AA-Batterien für den Betrieb. Eltern müssen vier Stück davon zur Hand haben, ein Satz ist bereits im Lieferumfang enthalten. Erstaunlich ist die Reichweite: Der Hörbert brauchte trotz täglicher Inbetriebnahme mit Simone Sommerland, Rolf Zuckowski und Kasalla fast drei Monate bis zum ersten Batteriewechsel. Mit einem Satz wiederaufladbarer AA-Akkus – etwa den hervorragenden Eneloops von Panasonic – läuft der Hörbert nunmehr seit vier Wochen und es ist kein Ende in Sicht. Natürlich hängt der Stromverbrauch stark von Nutzungszeit und Lautstärke ab.

Speicherkarte und eigene Musik

Ein weiterer Punkt, der die Entscheidung für den Hörbert erleichterte, war die Möglichkeit, eigene Inhalte auf eine Speicherkarte zu spielen und diese dann im Hörbert einzulegen. Eine mit einigen Hörspielen und Songs vorbespielte SDHC-Speicherkarte mit 8 GB ist im Lieferumfang enthalten, wer mag, kann aber auch problemlos DRM-freie Musikdateien im MP3-, WAV- oder AAC-Format, etwa aus dem Apple-Music-Store oder selbst gerippt von CD – auf diese oder eine andere Speicherkarte übertragen. Allerdings nicht einfach per Drag & Drop: Um Musik oder Hörspiele auf den Hörbert zu bekommen, wird die kostenlose und quelloffene Hörbert-Software für Windows, MacOS und Linux eingesetzt: Diese hinterlegt auch gleich einzelne Songs, ganze CDs oder lange Playlists hinter den 9 bunten Tasten des Hörbert.

Kinderleicht: Das Bedienfeld des Hörbert.
Kinderleicht: Das Bedienfeld des Hörbert. (Foto: Christian Rentrop)

Superleichte Bedienung

Genau diese Tasten zeichnen den Hörbert aus: Die Kurze verstand sofort, wie sie das Gerät verwenden musste. Die Bedienung ist denkbar einfach: Oben auf den Lautstärkeregler drücken, um den Hörbert anzuwerfen und die Lautstärke zu regeln, Taste drücken für ein Lied, Taste noch einmal drücken für das nächste Lied und so weiter. Zusätzlich gibt es zwei Tasten für schnellen Vorlauf und den Zurücksprung auf den Anfang des Liedes oder Hörspiels oder, bei doppeltem Druck, auf das Lied davor. Eine Taste für den Neustart der Playlist gibt es nicht, hier müssen Kinder leider häufig auf die Rücksprungtaste drücken oder warten, bis die Playlist durchgelaufen ist. Oder zwischendurch eine andere Playlist auswählen.

Absolut kabellos

Unser Hörbert kam mit Bluetooth, WLAN und einer Mikrofon-Funktion, wobei letztere ein kostenpflichtiges Upgrade ist. Der Hörbert kann sich per WLAN Streams und Podcasts ziehen, was für ältere Kinder interessant ist. Mit dem Mikrofon können Kinder sich selbst aufnehmen. Bluetooth erlaubt wahlweise die Nutzung als Bluetooth-Lautsprecher oder die Verwendung mit bis zu zwei Bluetooth-Kopfhörern, was Nerven schont. Alle drei Funktionen habe ich noch nicht getestet, da Hörbert bei uns im Dauereinsatz ist und unserer Kleinen momenten die Vorbespielten Inhalte völlig reichen. WLAN und Bluetooth lassen sich komplett ausschalten, sodass Hörbert auch nicht wild im Kinderzimmer funkt. Konfiguriert werden sie über die Software oder die Set-Taste – womit wir bei der Kritik wären.

Das Innenleben ist ebenso robust wie zweckmäßig. Batterien und Speicherkarte sind aber sehr schwergängig.
Das Innenleben ist ebenso robust wie zweckmäßig. Batterien und Speicherkarte sind aber sehr schwergängig. (Foto: Christian Rentrop)

Kritikpunkte: Für Eltern manchmal überkomplex

Was mir am Hörbert nämlich ganz und gar nicht gefällt, ist die überkomplexe Bedienung für Eltern: So genial das Gerät für Kinderhände konzeptioniert ist, so schwierig ist die Bedienung für die Erwachsenen. Selbst technisch versierte Anwender wie ich müssen sich erst einlesen, um das Konzept zu verstehen – für Oma und Opa ist „Administration“ des Hörbert damit eigentlich unmöglich. Ein Beispiel: Um „schnell“ ein Lied oder eine CD aufzuspielen, ist es nötig, den Hörbert zu öffnen, die Speicherkarte zu entnehmen und in den PC oder Mac zu stecken. Anschließend wird der Song per Drag & Drop hinter einer Taste des Hörbert hinterlegt.

Das Betanken der Speicherkarte ist grundsätzlich einfach, allerdings ist das Drumherum lästig.
Das Betanken der Speicherkarte ist grundsätzlich einfach, allerdings ist das Drumherum lästig.

Eltern müssen die Änderungen jetzt noch in der Hörbert-Software bestätigen, anschließend geht es zurück: SD-Karte auswerfen, in den Hörbert stecken, Hörbert wieder verschließen. Das ist lästig und nichts, das man gerne macht, wenn ein Kleinkind schreiend am Bein hängt und seinen Hörbert wiederhaben möchte. Daher betanke ich Hörbert nur im großen Stil neu, indem ich eine zuvor in Ruhe zusammengestellte Speicherkarte austausche.

Die winzige Set-Taste ist sehr nervig. (Foto: Christian Rentrop)
Die winzige Set-Taste ist sehr nervig. (Foto: Christian Rentrop)

Richtig lästig ist allerdings das Vornehmen von Grundeinstellungen wie Bluetooth und WLAN sowie des Mikrofons oder die Lautstärkebegrenzung: Alles wird über die winzige Set-Taste auf dem Mainboard und durch Schalter in der Software aktiviert und weil das noch nicht komplex genug ist, gibt es noch die Möglichkeit, Konfigurationsdateien zu bearbeiten. Der Hörbert ist das erste technische Gerät seit Jahren, für das ich tatsächlich das (hervorragende!) Handbuch konsultieren musste, und zwar mehrfach. Es wäre wünschenswert, wenn der Hersteller hier den Bedienkomfort verbessern würde, etwa durch eine Bluetooth-Kopplung mit dem PC/Smartphone und einer App, über die diese Einstellungen inklusive Musikbetankung und Playlist-Sortierung vorgenommen werden können. Schade, denn so sehr meine Kleine ihren Hörbert liebt, so sehr hasse ich „Wartungsarbeiten“ an dem Gerät.

Software UND Set-Taste sind involviert. Für technisch weniger versierte Eltern mehr als anstrengend.
Software UND Set-Taste sind involviert. Für technisch weniger versierte Eltern mehr als anstrengend.

Fazit: Ein toller Player für Kinder, aber nicht für Eltern

Am Ende des Tages soll aber das Kind den Hörbert nutzen und bedienen – und in dieser Hinsicht ist das Gerät einfach eine wirklich hevorragende Anschaffung: Das solide Holzgehäuse, die einfache Bedienung für Kinderhände und die relativ gute Tonqualität sind Argumente, die für den Hörbert sprechen. Seine offene Konstruktion prädestiniert ihn als Toniebox-Alternative für nachhaltig veranlagte Menschen.

Zudem erlaubt sie Verbesserungen durch lötfreudige Eltern, denn der Hörbert ist auch als preiswerter Bausatz für eigene Gehäusekonstruktionen erhältlich ist. Auf der Elternseite kann Hörbert leider durch seine überkomplexe Bedienung gehörig nerven, weshalb der Hersteller dringend an der Software feilen muss. Am Ende des Tages entscheidet aber das Kind – und das liebt seinen Hörbert!

Christian Rentrop

Diplom-Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Schreiberlin in Totholzwäldern und auf digitalen Highways unterwegs. Manchmal auch auf der Vespa GTS oder mit dem Wohnwagen unterwegs. Seit 2020 Tochtervater, dementsprechend immer sehr froh über eine kleine Kaffeespende.

Empfohlene Beiträge

2 Kommentare

  1. Super, das nenn ich mal informativ und auf den punkt gebracht.
    wenn der hohe preis nicht währe, hätte ich ihn mir schon zum auseinandernehmen(reverse engeneering) geholt.

    als toniealternative gibt es für bastler den ESPuino ( https://forum.espuino.de/ )
    komplette steuerung über eine einfache weboberfläche möglich(angepasst auf desktop und mobile),
    bluetooth,internetradio,rfid-märchen(karten/figuren/[auch tonies sind möglich!]),nachtlicht,auto power off, akkubetrieb möglich.
    rfid’s werden nur gelesen, nicht geschrieben, also können auch andere rfid-key’s „zweckentfremdet“ genutzt werden.
    dateien sind direkt auf sd – keine vorbehandlung nötig – einfach direkt auf die sd karte kopieren(per kartenleser), per integriertem ftp-server oder direkt über die weboberfläche.
    p.s.: ist nicht mein Projekt, aber so cool, das ich es gleich 3 mal bauen musste, damit damit jeds meiner kinder eins hatte und es nicht streit gibt wer was hören möchte.
    Preislich liegt das ganze auch im selben rahmen wie die t…box (wobei das teuerste die gehäuse waren [sonoro und toniebox]), allerdings ohne lästige „nach-hause“-verbindung und kontrolle, wann was abgespielt wird/wurde. ohne extra software runterladen zu müssen, ohne ein pflichtaccount.
    verschiedene ESPuinos: https://forum.espuino.de/t/zeigt-her-eure-espuinos/554

Schreibe einen Kommentar zu Christian Rentrop Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
>		<script type='text/javascript'>
			!function(t){