Das Tracking durch Android-Apps ist mittlerweile mehr Regel als Ausnahme. Ein Dienst zeigt Euch, welche Eurer Apps an welche Anbieter Daten übermitteln.

Es ist kein Geheimnis, dass Android in Sachen Sicherheit und Privatsphäre eine ziemliche Katastrophe ist. Scheint die meisten Menschen angesichts von 80+ Prozent Marktanteil nicht zu interessieren (jep, auch in meiner Tasche befindet sich ein Google Pixel ;-) ), aber trotzdem lohnt sich gelegentlich ein Blick darauf, was auf Eurem Handy so abgeht. Das Projekt Exodus Privacy hat es sich zur Aufgabe gemacht, Android-Apps auf Herz und Nieren zu überprüfen. Im Ergebnis zeigt Euch der Service nicht nur, welche Berechtigungen die installierten Anwendungen haben, sondern auch, wie und in welcher Form Ihr via Benutzertracking überwacht werdet. So viel sei schon einmal verraten: Schön ist der Selbsttest nicht…

User-Tracking und Telefon-Berechtigungen im Blick

Bei Exodus Privacy handelt es sich um eine Non-Profit-Organisation aus Frankreich. Das selbstgesteckte Ziel von Exodus Privacy besteht darin, das Bewusstsein für das Benutzer-Tracking durch Android-Apps zu schaffen. Neben einer umfangreichen Datenbank auf der Homepage von Exodus Privacy stellen die Macher eine zugehörige App kostenlos im Play Store und bei F-Droid bereit. Startet Ihr (die übrigens Tracking-freie ;-) ) App, checkt das Tool alle installierten Android-Apps. Im Ergebnis seht Ihr dann, welche Tracker und welche Berechtigungen die jeweiligen Apps so benötigen. Die Ergebnisse sind… naja, es klingt polemisch, aber: Erschreckend.  Auf meinen Pixel 3 verlangt beispielsweise die Amazon-App stolze 47 Berechtigungen und setzt 5 Tracker ein. Nur ein kleiner Teil der bei mir installierten Apps kommt ohne Tracking aus, neben Google (weil Android ;) ) wissen also auch jede Menge andere Firmen eine Menge Zeug über mich. Das bedeutet nicht zwangsläufig nur Böses, schön ist aber anders.

Übrigens: Auch vermeintlich „gute“ Apps wie die Mobilversion von Firefox kommen zum Teil mit Trackern daher, im Falle von Firefox etwas Adjust und LeanPlum.

So sieht exemplarisch die App-Analyse der Bahn-App DB Navigator aus. Fünf Tracker und insgesamt 15 Berechtigungen sind hier am Werk.

Android-Überwachung: Was könnt Ihr dagegen tun…?

Nun habt Ihr also einen Überblick darüber, was auf Eurem Smartphone so abgeht. Schön, oder? Nur: Was könnt Ihr dagegen tun? Viel Geld ausgeben und ein iPhone kaufen? Nun, joa, vermutlich im direkten Vergleich die bessere Wahl. Apple gibt sich ja gerne als Retter des Datenschutzes und tut unbestritten mehr dafür, als die chaotische Google-Plattform. Ein Allheilmittel ist der Systemwechsel in Sachen Datenschutz und Privatsphäre allerdings auch nicht.Dass es auch hinter den gut bewachten Türen des App Stores nicht immer ganz sauber zugeht, hat die Vergangenheit oft genug gezeigt.

Apple iOS Datenschutz

Das iPhone ist Android in Sachen Datenschutz durchaus voraus. (Bild: Apple.de)

Doch zurück zu Android: Ein erster Schritt dürfte darin bestehen, besonders sammelfreudige Apps schlicht und ergreifend zu deinstallieren. Angenehme Nebeneffekte: Mehr freier Speicher, mehr Akkulaufzeit, bessere Performance. Natürlich könnt Ihr auch die entsprechenden App-Entwickler kontaktieren und fragen, ob es nicht auch mit etwas weniger Tracking geht – machen das genug Menschen, könnte ein Umdenken stattfinden. Dann gibt es natürlich die Möglichkeit, betroffene Dienste auf alternativen Wegen zu verwenden. Neben dem Mobil-Browser (sogar in per Lite-Apps in schön und komfortabel)  könnt Ihr beispielsweise offizielle Apps durch weniger datenhungrige Alternativen ersetzten. Alternative Apps gibt es für fast alles, etwa Facebook oder YouTube. Könnt Ihr Euch von den Apps nicht trennen? Dann schränkt zumindest Ihre Befugnisse ein – wahlweise dauerhaft oder temporär.

Und dann ist da natürlich noch F-Droid. Der alternative Play Store ist nicht nur bei Mirco beliebt, er punktet vor allem mit Tracking-freien-Apps auf Open-Source-Basis. Faustregel: Installiert Ihr Zeuch aus F-Droid, seid Ihr in Sachen Datensicherheit fast immer besser beraten als mit Dingen aus dem Play Store.

So oder so gilt für Android-Apps wie so oft: Weniger ist mehr. Entgehen könnt Ihr der Überwachung als Smartphone-Nutzer niemals so ganz, aber leicht machen müsst Ihr es den Datensammlern trotzdem nicht…

Wenn Ihr trotzdem mehr über Android wissen wollt, schaut hier vorbei. Noch mehr zum Thema Sicherheit sammeln wir hier für Euch.

Über den Autor

Boris Hofferbert

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, am Desktop Apple- und unterwegs Android-Fan, zockt unter Windows, kann nicht ohne Musik (von Classic Rock über Ska bis Punk) und Hörbücher, schießt gerne Postkarten-Fotos, hat immer mindestens zwei Handys dabei und freut sich riesig über eine Kaffeespende ;-)

Wie und womit ich tagtäglich arbeite, erfahrt Ihr hier.

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