Am Anfang war das World Wide Web ein sehr stiller Ort. Das beweist die Neuauflage des CERN-Browsers von 1990.

Erinnert Ihr Euch noch an das Jahr 1990? Also falls Ihr da schon auf der Welt wart? Ich war damals 10 Jahre alt, ging in die fünfte Klasse und ehrlich: Ich kann mich partout nicht erinnern, was in diesem Jahr war. Politisch, klar, war so einiges, der Ostblock ist kollabiert und Deutschland wurde wiedervereinigt. Aber sonst? Als 10-Jähriger hat man erstaunlich wenige Sorgen. Und vom World Wide Web hatte ich damals bestimmt noch nicht gehört. Schade, eigentlich, denn als „Zeitzeuge“ wäre es cool gewesen, das mal zu benutzen. Aber das lässt sich jetzt nachholen.

WorldWideWeb für’s World Wide Web

Das Internet war damals schon nicht neu, denn ursprünglich war das, was wir heute Internet nenne, 1969 erstmals als „ARPANET“ in den Dienst der US-Universitäten getreten. Neu war hingegen die für alle nutzbare Hypertext-System für benutzerfreundlichere Bedienung, das World Wide Web. Daher auch das „www“ vor Domainnamen wie www.tutonaut.de. Dieses WWW war damals eine höchst wissenschaftliche Veranstaltung, von CERN (Europäische Organisation für Kernforschung, Conseil européen pour la recherche nucléaire) entwickelt und in den Grundlagen das, was man heute so für alles benutzt. Revolutionär war der Hypertext. Und auch, wenn man damals hochmotiviert und wissenschaftlich an die Sache ging, für Austausch und Weltwissen sorgen wollte. Wohl niemand rechnete damals damit, dass 30 Jahre später Unsinn wie Darknet, Dagi Bee, Pornos und 4Chan in dem Medium den Ton angeben würden. Aber so ist es eben, O tempora, o mores. Wie jede Hightech wurde auch das Internet schnell banalisiert.

WorldWideWeb: Surfen wie vor 30 Jahren.

WorldWideWeb: Surfen wie vor 30 Jahren.

WorldWideWeb für’s World Wide Web: Surfen wie anno Tobak

So oder so wurde das World Wide Web im Februar 2019 30 Jahre alt. Und das feierte man am CERN mit, wie sollte es anders sein, ausgemachter Nerderie:

In February 2019, in celebration of the thirtieth anniversary of the development of WorldWideWeb, a group of developers and designers convened at CERN to rebuild the original browser within a contemporary browser, allowing users around the world to experience the rather humble origins of this transformative technology.

URL-Eingabe damals: Nichts für Weicheier.

URL-Eingabe damals: Nichts für Weicheier.

Kurzum: Man legte den 1990 erschienenen ersten CERN-Webbrowser namens WorldWideWeb neu auf. Inzwischen kann der selbst im Browser laufen und funktioniert sogar: Aktuelle Websites können tatsächlich aufgerufen werden, wenn auch nur in einer Text-Version, ohne all die technischen Spielereien, die es heutzutage so gibt. Unsere Seite ist tatsächlich lesbar, wenn auch die Navigation schwer bis unmöglich ist. Anders sieht es bei Portalen wie Youtube aus: Mangels Bild- und Videounterstützung passiert hier nämlich gar nichts. Es ist ein wunderbares Erlebnis, den alten Browser zu verwenden. Diese Ruhe! Diese Konzentration! Kein Gebimmel und Geflimmer, dafür reine, pure Information.

Diese Ruhe!

Diese Ruhe!

Übrigens: Wer diese Art des Surfens schätzt, kann es natürlich einmal mit dem Textbrowser Lynx versuchen: Der ist textbasiert, aber in Sachen Bedienung durchaus komfortabler. Mac-Anwender können auch zu Lynxlet greifen, einer Art Semi-App-Version des Browsers, der im MacOS-Terminal läuft.

Lynx ist eine moderne Variante des Uralt-Browsers, hier als Mac-Version "Lynxlet".

Lynx ist eine moderne Variante des Uralt-Browsers, hier als Mac-Version „Lynxlet“.

Über den Autor

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs.
Spendier‘ mir einen Kaffee.

Kommentieren:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

1 Kommentar