Anleitung zum Einrichten virtueller Maschinen in VirtualBox – kein Vorwissen nötig. Was sind virtuelle Maschinen überhaupt? Und was macht man damit?

Die „Virtuelle Maschine“ wird mittlerweile bei jeder Gelegenheit zitiert, dabei dürften viele normale PC-Nutzer, die sich gar nicht für den PC an sich interessieren, sondern nur als Werkzeug brauchen, gar nicht wissen, was das ist. Wir erklären Euch ganz kurz, was eine VM ist, wozu sie gut ist und zeigen dann Schritt-für-Schritt, wie eine VM eingerichtet wird, ganz gleich, ob für/unter Windows oder Linux. Und für nach der Installation, haben wir noch die wichtigsten Tipps für die Optimierung:

Tipp: Guest Additions installieren
Tipp: VM im Netzwerk sichtbar machen
Tipp: Externe USB-Geräte nutzen
Tipp: Dateien mit dem Host-Rechner tauschen

Was ist eine Virtuelle Maschine?

Virtuelle Maschinen sind simulierte (auch wenn der Audruck technisch nicht ganz korrekt ist) Computer-Hardware, auf die Betriebssysteme wie Windows genauso zugreifen können, wie auf echte Hardware – Windows merkt gar nicht, dass es auf einem virtuellen Rechner läuft. Ein Virtualisierungsprogramm wie das kostenlose VirtualBox erstellt also eine solche VM, die an sich nichts weiter ist, als eine kleine Konfigurationsdatei, in der steht, wieviel Speicher die VM hat, was für eine Grafikkarte genutzt wird, was für eine Netzwerkverbindung und welche Speichermedien angeschlossen sind. VirtualBox bootet anhand dieser Konfigurationsdatei und Ihr seht einen schwarzen Bildschirm, wie beim echten Rechner. Als Speichermedium nutzt die VM zum einen eine virtuelle Festplatte, eine leere Container-Datei, die sich wie eine echte Platte verhält. Zum anderen greift die VM auf ISO-Dateien zurück, die genauso „eingelegt“ werden, wie echte CDs/DVDs – nur, dass „Einlegen“ hier „Einbinden“ oder „Mounten“ heißt. Bootet VirtualBox nun mit eingehängtem ISO, etwa von der Windows-Installations-DVD, startet es genauso von der CD wie ein echter Rechner und Ihr könnt Windows 1:1 so auf die virtuelle Festplatte installieren, wie in echt. Am Ende der Prozedur startet VirtualBox die VM und Ihr seht ein Fenster, in dem ein komplettes Windows oder auch Linux läuft.

Mehrere virtuelle Maschinen – Debian, Win XP und Bodhi.

Wozu das ganze?

Ihr könnt Eure gesamte Arbeit in der VM verrichten und extrem einfache Backups anlegen – VirtualBox kann VMs klonen und Snapshots erstellen und außerdem besteht Euer ganzer Rechner nur aus der Konfigurationsdatei (eine reine Textdatei) und der virtuellen Festplatte, die Ihr natürlich nach belieben sichern und auch auf jedem anderen System starten könnt. Spielt Ihr die beiden Dateien und die Portable-Version von VirtualBox auf einen USB-Stick, habt Ihr Euren kompletten Rechner immer in der Tasche – samt Medien, Postfächern, Office und so weiter. Ihr könnt auch gefährliche Software, Viren, Würmer und Trojaner gefahrlos testen, ein System für Gäste anlegen, Linux testen und vieles mehr – und alle Systeme lassen sich jederzeit auf den Ursprungszustand oder einen beliebigen Snapshot zurücksetzen. Mit anderen Worten: Virtuelle Maschinen sind auch für Noobs, DAUs, Einsteiger, Laien und Otto Normalnutzer praktisch – und ganz einfach eingerichtet, hier mit Ubuntu als Gast-System (also in der VM) und Windows 7 als Host (echter Rechner):

1. VirtualBox installieren

Zunächst installiert Ihr VirtualBox und startet über den „Neu“-Button den Assistenten.

VirtualBox Manager

2. System erstellen

Bei der Namensvergabe im nächsten Schritt solltet Ihr den Namen des zu installierenden Betriebssystems verwenden – VirtualBox setzt dann gleich sinnvolle Voreinstellungen, die Ihr aber in den nächsten Schritten auch noch ändern könnt.

Richtiger Name = passende Voreinstellungen

3. RAM bestimmen

Wenn Ihr viel physischen RAM habt, spendiert der Maschine ruhig ein, zwei Gigabyte, sie profitiert davon genauso wie echte Rechner.

RAM-Vergabe

4. Festplatte einbinden

Im nächsten Schritt bestimmt Ihr nun, dass eine neue Festplatte erstellt werden soll. Die Größenangabe könnt Ihr ignorieren.

Neue Platte erstellen

5. Festplattenformat bestimmen

Sofern Ihr die virtuelle Festplatte nicht noch anderweitig als in VirtualBox verwenden wollt, bleibt bei der Format-Wahl einfach beim Standard, VirtualBox Disk Image (VDI).

Format bestimmen

6. Art der Speicherung

Als Speicherart wählt Ihr „dynamisch alloziert“. Das heißt, dass Eure virtuelle Festplatte etwa 40 Gigabyte Platz bietet, die Container-VDI-Datei aber nur so groß ist, wie von diesem Platz tatsächlich genutzt wird. Nach der Installation von Ubuntu wäre die VDI-Datei etwa nur gut 1 GB groß. Bootet Ihr dann die VM und erstellt eine 2-GB-große Datei, würde die VDI um diese 2 GB anwachsen. Würdet Ihr „feste Größe“ wählen, wäre die VDI-Datei entsprechend von Anfang an 40 GB groß.

Dynamischen Datenträger erstellen

7. Festplattengröße festlegen

Und genau deswegen könnt Ihr die Größe ruhig großzügig auslegen – es schadet nicht.

Größe der Platte wählen.

8. Die VM im Manager

Damit ist der virtuelle Rechner fertig und Ihr findet ihn im Hauptmenü – es fehlt noch die „CD“ mit dem Betriebssystem.

Maschine im Manager.

9. Betriebssystem/ISO einhängen

Um nun das Ubuntu-ISO einzulegen, öffnet Ihr die Einstellungen der VM über das Kontextmenü und den Eintrag „ändern“, wechselt zu „Massenspeicher“, klickt dort auf das CD-Symbol bei „Controller: IDE“ und öffnet dann über das kleine Icon rechts im Bild den Eintrag „Datei für virtuelles CD/DVD-Laufwerk wählen“.

IDE-Controller wählen.

10. ISO auswählen

Wählt die heruntergeladene ISO-Datei, hier etwa Ubuntu 12.04.

ISO wählen.

11. Das ISO im Manager

Jetzt seht Ihr, dass der IDE-Controller die Ubuntu-CD als eingelegt erkennt.

Das eingehängte ISO.

12. VM starten

Startet die Maschine nun aus dem Hauptmenü.

Maschine starten.

13. Der Rechner auf dem Desktop

Wenn alles gut ist, bootet die VM nun von der Ubuntu-CD und Ihr könnt testen oder installieren – hier ist auch gut zu sehen, dass eine VM nur ein stinknormales Fenster ist.

Boot-Screen

14. Das laufende System

Einmal gebootet, könnt Ihr Ubuntu exakt so nutzen, wie auf einem echten Rechner. Im Vollbildmodus ist für Unkundige überhaupt nicht zu erkennen, dass sie vor einer virtuellen Maschine sitzen – allerdings dürfte dieser jetzt noch gar nicht funktionieren, der Ubuntu-Desktop ist standardmäßig sehr klein. Es müssen erst noch die so genannten Gasterweiterungen unter Ubuntu installiert werden, die das Betriebssystem für den Betrieb in einer VM anpassen und unter anderem für volle Bildschirmauflösung sorgen. Den Link zur Anleitung findet Ihr oben bei den Tipps.

Die fertige virtuelle Maschine – nur ein Fenster.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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Kommentare

    • Die virtuellen Platten landen unter Windows standardmäßig unter „C:\Users\NUTZERNAME\VirtualBox VMs“ – ob eine oder mehrere Partitionen ist übrigens egal, die Dateien stehen immer für die ganze Platte, Partitionierung läuft „intern“, wie bei echten Platten. Die Ordner der einzelnen VMs beinhalten neben der Festplattendatei noch die VM-Konfiguration in einer Textdatei mit der Endung vbox und können natürlich auch problemlos woanders hin kopiert werden.

  • Frage: Bei der Instalation von VM Virtualbox wurde die Internetverbindung abgebrochen und danach nicht wiederhergestellet. Neustart hat auch nicht geholfen. Die Möglichkeiten im Rechner habe ich ausgeschöpft, um die Intenetverbinung wiederherzustellen. Nicht gekappt.
    Zweimal habe ich es versucht, Ergebnis 0. Jedes mal musste ich eine Wiederherstellung machen, damit die Verbindung zum Internet da war. Habe ich aufgegeben. Woran könnte dies Liegen?
    Danke für eine Antwort.

  • Ciao Mirco
    Dein Beitrag ist schon etwas länger her.
    Trotzdem noch eine Frage:
    Ich habe auf einem alten Rechner WinXP (32Bit) und ein Programm (16Bit) das ich nicht mehr installieren kann .
    Nur auf der alten Kiste läuft es prima.

    Ich will von diesem alten Rechner ein Image machen und im Virtual Drive installieren.
    Alle Versuche ein Image mit VM zu laden sind gescheitert. Kann File nicht bearbeiten / laden.

    Gehen auf der VM nur neu Installationen?
    Danke für deine Antwort
    cheers
    Ruedi

  • Lieber Mirco,
    erstmal herzlichen Dank, daß Du hier allen soviel und so ansehnlich erklärst.
    Ich habe gerade Portable Virtual Box installiert mit Ubuntu, allerdings die Installation auf einem anderen PC vorgenommen.. Als ich die Box erneut startete – nämlich zu Hause auf meinem Notebook, bekam ich folgende Fehlermeldung:
    VT-x/AMD-V-Hardwarebeschleuniger ist auf ihrem System nicht verfügbar. Der Gast wird keine 64Bit fähige CPU erkennen und daher nicht booten können.
    Frage: Liegt die Betonung hier eher auf 64-bit, also habe ich mit 32-bit eine Chance?
    Oder muß ich oder kann ich etwas anderes tun (BIOS-Einstellung bzgl. Hardwarebeschleunigung?) Wobei ich es aber sehr scheue, ins BIOS zu gehen -zitter!
    Habe sonst Win 7, Intel Pentium Dual Core, Rechner ist ca. 6 J. alt.
    Danke bestens für einen hilfreichen Hinweis.

    P.S.: Du bist mir übrigens noch gut bekannt aus „PC-Praxis“. Nie werde ich verwinden, daß die eingestellt wurde.

    • Hallo Amelia,
      schön, dass die PCP noch nicht ganz in Vergessenheit geraten ist 😉
      VT-x, Intels Virtualisierungstechnologie, brauchst Du für 64-Bit-Systeme, die 32-Bit-VMs sollten auch ohne laufen. Ich tippe bei Deiner CPU auf irgendwas Richtung Intel Core i3 oder i5 der ersten Generation und die unterstützen VT-x – bei Intel kannst Du auch genau nachschauen. Auf dem Host müsstest Du das in der Tat im BIOS aktivieren. Und guck vielleicht auch mal nach der VT-x-Einstellung in VirtualBox unter Einstellung/System/Beschleunigung; nicht, dass sich dort das Häkchen bei VT-x verabschiedet hat.

      • Lieber Mirco,

        ich habe jetzt mal ausprobiert, mit einem Livesystem zu arbeiten, bin also von CD gebootet. Dabei ist mir aufgefallen, daß die Uhr nicht weitergelaufen ist, so daß ich bei Rückkehr zu Windows eine Uhrzeit minus der Zeit im Livesystem angezeigt bekam . Das irritiert mich etwas, zumal doch selbst bei ausgeschaltetem PC die Zeit weiterläuft.
        Gibt es irgendwo irgendetwas, womit ich das abstellen bzw. korrigieren kann?
        Danke bestens für eine Hilfe
        Amelia