Hat ein Hackintosh-PC für rund 70 Euro irgendeine Chance gegen ein aktuelles MacBook Pro? Ein YouTube-Video geht dieser Frage auf den Grund.

Apple-Hardware: Edel, zuverlässig, sauschnell… Sauteuer. Auch diese Zeilen entstehen auf einem alles andere als günstigen MacBook Pro, das ich eigentlich nicht mehr hergeben will. Dennoch vergoss ich innerlich ein kleines Finanz-Tränchen, als mir YouTube neulich ein Video vorschlug. In diesem tritt ein so genannter Hackintosh, also eine Installation von macOS auf PC-Hardware, gegen ein aktuelles MacBook Pro 2016 an. Um es mal mit den Worten von Heftig.co zu sagen: Was ich dann sah, hat mich überrascht 😉

Crapintosh schlägt Macbook Pro

Tatsächlich schlägt sich der im Video liebevoll als Crapintosh bezeichnete PC von 2012 erstaunlich gut. Laut Snazzy Labs, den Machern des Videos, ist das System für Mac-Fans durchaus als „Daily Driver“, also Produktivmaschine, geeignet. In einem Benchmark mit Final Cut schneidet der Hackintosh-PC sogar tatsächlich besser ab als das rund 2000 Euro teure Macbook. Wie kann sowas eigentlich sein? Nun, im konkreten Fall liegt es vor allem daran, dass der HP-PC aus dem Jahr 2012 einen Intel Core i5-Prozessor beherbergt. Dieser schlägt sich beim Video-Rendering dank seiner vier Kerne besser, als das zum Vergleich herangezogene MacBook Pro mit seinem Dual-Core-i5. Dennoch finde ich es beeindruckend, dass Snazzy Labs das Video komplett in der Hackintosh-Umgebung bearbeitet hat – inklusive 4K-Qualität. Das Ergebnis seht Ihr hier:

Fairerweise sind die angegebenen 70 Dollar für den Hackintosh dann doch ein wenig geschönt. So stammt der Basis-PC aus dem Ausverkauf eines Krankenhauses und wurde noch um einige Komponenten erweitert. Unter anderem haben die Macher eine gebrauchte GeForce GTX 570 auf Craigslist geschossen. Der eigentliche Schummel-Faktor ist aber die im Video verbaute SSD. Hierbei handelt es sich nämlich um eine Samsung EVO 850 , die eigentlich alleine schon so viel kostet, wie das gesamte System. Der Trick: Im Video wird eine für fünf Dollar als defekt verkaufte SSD verwendet. Über eine Methode, mit der defekte SSDs mit etwas Glück wieder zum Leben erweckt werden können, haben die Macher die Platte schließlich wieder fit bekommen.

Das Ergebnis: Ein PC für deutlich unter 100 Euro mit vollwertiger macOS-Sierra-Installation. Selbst einfache Games wie Counter Strike stellt der Bastel-Mac flüssig dar. Schon nett, selbst, wenn man rund 200 Euro für die Komponenten gezahlt hätte…

Final Cut Benchmark

Beeindruckend: Der Crapintosh rendert Videos in Final Cut schneller als ein High-End-Macbook (Bild: Snazzy Labs)

Hackintosh: Inzwischen wirklich alltagstauglich?

In der Videobeschreibung verlinken die Macher eine Anleitung zur Hackintosh-Installation. Und die klingt nach exakt dem Aufwand, aus dem ich seit Jahren die Hände von Linux lasse. Jede Komponente muss passen, Treiber müssen zum Teil zusammengefrickelt werden, Terminal- und KEXT-Hackerei ist nach wie vor Pflicht und jedes System-Update für macOS kann das ganze Konstrukt zum Einsturz bringen. So sehr ich es mir wünschte: Das Hackintosh-Konzept wird wohl niemals sein Bastler-Image los.

Klar, das liegt in erster Linie an Apple. Und ich weiß auch, warum es in Cupertino keinerlei Interesse daran gibt. Das ist schade, gehöre ich doch zu den Menschen, die gerne einen Mac mit richtig Power, aber ohne für mich völlig überflüssigen Monitor hätte. Quasi einen Mac Mini mit Dampf. Wie es ihn in der PC-Welt beispielsweise in Form des Intel NUC oder des HP Wave in Massen gibt. Aber darauf läuft halt… Windows. Und auch wenn sich Microsoft mit Windows 10 einigermaßen rehabilitiert hat, wischt macOS damit immer noch den Boden auf. Aber wie Kollege Rentrop mir immer vorwirft: Mich gibt es eigentlich gar nicht. Ich bin das Bielefeld der IT-Welt. Denn Apple-Nutzer, die etwas wollen, was Apple nicht anbietet, gibt es einfach nicht. Auch, wenn er exakt genauso ist 😉

Hackintosh

Ein Desktop-Mac ohne iMac-Firlefanz. Es wird wohl weiter ein Traum der Nichtexistenten bleiben 😉 (Bild: Snazzy Labs)

Geld ausgeben oder frickeln?

Dennoch gilt für Hackintosh und mich: Nope. Nope nope nope. Da gebe ich lieber alle vier bis fünf Jahre eine Unsumme für Apple-Hardware aus, als mich in meiner knappen Freizeit mit diesem Bastel-Driss zu beschäftigen. So spannend ich die Idee finde, so sehr ich mir vernünftige Desktop-Hardware von Apple wünsche, aber: Nope, kein Hackintosh für mich. Falls jemand von Euch schon Erfahrungen mit solchen Bastel-Macs gesammelt hat, würde ich mich aber über ein paar Berichte darüber freuen 🙂 Und wer sich damit beschäftigen will, kann im deutschen Hackintosh-Forum oder bei TonymacX86 nach Anleitungen suchen und sein Glück versuchen.

Mehr zum Thema Mac und macOS findet Ihr in unserer Apple-Ecke. Weitere witzige Fundstücke zeigen wir Euch bei Tutobizarr.

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Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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Kommentare

  • Hochinteressantes Video, vielen Dank dafür 🙂

    Mir geht es aber ähnlich: Ich liebe Mac OS X seit über 10 Jahren und will davon nicht mehr weg. Trotzdem finde ich das Apple-Angebot im Vergleich zur PC-Auswahl zum brechen… Ich habe beispielsweise einen sehr guten 4K-Monitor und brauche daher keinen riesigen iMac. Trotzdem hätte ich gerne etwas mehr Power, als es mein 2013 MBP liefert. Naja, angeblich kommt ja was zur WWDC 2017. So ein „klassischer“ Tower-Mac (Pro) anstelle des Mülleimers wäre vielleicht was, auch wenn ich nicht dran glaube 😉

  • Von wegen Dich gibt’s nicht. Du verstehst nur nicht die Idee hinter MacOS. Wer frickeln, basteln oder zocken will, geht halt zum PC bzw. zur Konsole. Denn die Dinger sind spezialisiert auf diese Teilbereiche der Nerderie 😉 Ganz einfach.

    BTW.: Ich hab mir jetzt nen Raspi 3 gekauft und muss sagen: Fetzt, da macht Linux richtig Spaß! 🙂

    • Die Aussage ist zwar nicht direkt an mich gerichtet, aber ich streue es trotzdem mal ein, wenn ich darf 🙂

      Ich kann dem Autoren schon beipflichten, wenn er schreibt, dass Apples Hardwareangebot unzufrieden sind.

      Bei uns in der Firma wurde letztes Jahr die Idee diskutiert, wahlweise die bestehende Windows-Infrastruktur aufzurüsten oder auf Mac umzusteigen. Ging um knapp 20 Arbeitsplätze, Schwerpunkt Videobearbeitung und farbechte Photoshop-Arbeiten, für die die entsprechenden Monitore vorhanden waren (ergo keine iMacs). Im Endeffekt bliebs bei Windows, weil Apple – anders als noch vor ein paar Jahren – den Desktop nur unzureichend bedient, sobald der iMac keine Option ist. Fairerweise muss ich zugeben, dass ich diese Ansicht nicht ganz teile 😉

      Was das Thema Spielen am Mac angeht: Privat nutze ich einen iMac, hätte aber lieber wieder einen klassischen Mac-Pro mit Option auf Grafikkarten-Upgrade. Ja, ich zocke gelegentlich, aber Konsolen sind wirklich keine Option für Leute, die lieber Civ 6 als Halo spielen. Wenn Apple angeblich keinen Wert auf die Zielgruppe legt, ist das völlig in Ordnung, aber wenn, dann doch bitte konsequent. Sprich: GAR KEINE Gaming-Karten mehr im iMac an bieten und NCHT jedes Mal irgendwelche Top-Games prominent im App Store bewerben, die auf kaum einem Mac laufen (zuletzt Mafia 3). Die Möglichkeit wäre ja da, bessere Hardware zu verbauen, an OS X liegt das absolut nicht. Apple könnte das dreifache für ein Grafikkarten-Upgrade verlangen wie im PC-Sektor, wir alle wissen doch: Wir würden es bezahlen. Diesen Wischi-Waschi-Kurs kann doch keiner gut finden.

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