Eine eigene Darknet-Website, einen Hidden Service, könnt Ihr in rund 10 Minuten auf Eurem eigenen Rechner aufsetzen – und so geht’s Schritt für Schritt:

Als Besucher ins Darknet zu surfen ist ziemlich simpel. Aber auch das Betreiben einer eigenen Website im Darknet ist überhaupt kein Problem, kostenlos und für jeden binnen 10 Minuten möglich – auf Eurem ganz normalen Rechner! Und für all die Bangemacher: Natürlich ist das völlig legal. Wenn Ihr Anregungen braucht, was es so im Darknet gibt, haben wir hier 10 und hier 15 Beispiele mit Links. Doch Ihr könnt auch einfach eine ganz „reguläre“ Seite mit Katzenbildern, Fußballinfos oder Promibildern betreiben. Das Beste: Im Grunde ist es einfacher, als eine normale Webseite im WWW anzubieten.

Das folgende Prozedere findet hier auf Debian statt, funktioniert aber natürlich genauso unter anderen Distris und auch Windows. Und natürlich läuft alles über Tor.

1. Webseite aufsetzen

Zunächst benötigt Ihr einen lokalen Webserver. Unter Debian, Ubuntu & Co. läuft der Apache-Server standardmäßig – hier müsst Ihr gar nichts tun. Und auch die meisten besseren NAS bieten fertige Server, die Ihr einfach in den Einstellungen aktivieren müsst. Unter Windows installiert Ihr am besten Xampp: Nach der Installation ruft Ihr das Hauptprogramm auf und startet den Webserver Apache.

Die Website-Dateien speichert Ihr nun im so genannten Web-Root: Unter Debian/Ubuntu standardmäßig in /var/www/html/ und unter Windows in C:\xampp\htdocs. Zum Testen genügt eine simple Textdatei index.html mit dem Inhalt Hallo Welt!

xampp

Mit Xampp lassen sich unter Windows super einfach Webseiten aufsetzen.

2. Tor einrichten

Installiert nun zunächst tor: Unter Windows installiert Ihr den üblichen Tor-Browser. Unter Linux tut es ein simples

sudo apt-get install tor

Jetzt konfiguriert Ihr Tor so, dass Eure lokale Website auf dem Apache-Webserver im Tor-Netzwerk zur Verfügung steht. Dafür ändert Ihr die Datei torrc, die Ihr unter Linux im Ordner /etc/tor/ und unter Windows in C:\Users\NUTZERNAME\Desktop\Tor Browser\Browser\TorBrowser\Data\Tor findet. Folgende zwei Zeilen müsst Ihr auskommentieren oder hinzufügen:

HiddenServiceDir /var/lib/tor/hidden_service/
HiddenServicePort 81 127.0.0.1:80

In der ersten Zeile wird der Ort für den Hidden Service, wie Webseiten im Tor-Netzwerk heißen, festgelegt – unter Linux könnt Ihr das so belassen, unter Windows wählt irgendeinen Ordner in Eurem Nutzerverzeichnis. Statt hidden_service könnt Ihr natürlich auch meine_torseite oder sonst etwas nutzen.

Die zweite Zeile legt fest, über welchen Port die Seite aufgerufen wird: Hier ist es zur Verdeutlichung Port 81, den ein Besucher mit angeben muss – nur zur Verdeutlichung. Wenn Ihr hier Port 80 nutzt (Webseitenstandard) muss der Besucher keinen Port angeben. Das 127.0.0.1 steht wie üblich einfach für den lokalen Rechner (localhost).

tor hidden service config

Die Datei torrc – hier unter Linux bereits befüllt.

Anschließend müsst Ihr Tor neu starten, unter Linux per

sudo service restart tor

und unter Windwows durch Beenden und Neustarten des Service. Mit dem Neustart erstellt Tor unter dem oben angegebenen Pfad eine Datei namens hostname – und darin findet Ihr die erzeugte Onion-Adresse, unter der Eure Seite über Tor erreichbar ist.

tor onion adresse

Eure Onion-Adresse bekommt Ihr nach dem Neustart von tor.

3. Hidden Service aufrufen

Startet nun den Tor-Browser und gebt Eure Onion-Adresse in der Form ABCDE12345.onion:81 ein – und schon seht Ihr Eure eigene Darknet-Seite. Im Gegensatz zu normalen Webseiten müsst Ihr Euch hier nicht um irgendwelche Weiterleitungen auf dem Router kümmern, was die Sache sehr einfach macht.

tor browser seite

Eure Tor-Webseite, aka Hidden Service, im Tor-Browser.

Wenn Ihr mehr über das Darknet wissen wollt, schaut mal hier vorbei.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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