Die bange Frage treibt wohl jeden irgendwann um: Wie werde ich Youtube-Star? Nun: Das ist ganz einfach – Ihr müsst einfach ein paar Regeln beachten.

Oh, liebes Internet… ich bin jetzt seit über 20 Jahren dabei, aber für den folgenden Artikel musste ich wirklich und ehrlich leiden. Aber auch wir wollen das Keyword „Wie werde ich Youtube-Star“ besetzen, so ist das eben im Google-Zeitalter, auch bei uns. Man muss halt seine Schäfchen ins Trockene bringen. Und als alter Internet-Hase muss man da dann eben durch, hunderte Youtube-Videos gucken und einen Ratgeber verfassen. Es tat weh. Also: An dieser Stelle jetzt der ultimative (und nicht ganz ernst gemeinte) Ratgeber, wie Ihr Youtube-Star werden könnt.

1. Seid beneidenswert jung

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Wenn Ihr wie ich über 25 seid, müsst Ihr jetzt ganz hart sein: Ihr werdet keine Youtube-Stars. Nie mehr. Es sei denn, Ihr seid a) ausgesprochen witzig oder b) ausgesprochen talentiert. Youtube-Stars, also die echten, also die, die damit wirklich Geld verdienen, sind immer beides und beides nicht: Sie sind schön und jung, aber niemals ausgesprochen witzig oder ausgesprochen talentiert. Aber das ist auch nicht nötig: Um die Leere in den Herzen präpotenter Halbstarker zu füllen, müsst Ihr einfach nur angesagt sein. Und das ist bei der nach Vorbildern heischenden Zielgruppe wohl das geringste Problem. Klampft auf der Gitarre oder habt die Haare schön, das sollte eigentlich schon reichen.
Merke: Wer noch Windeln trägt, ist perfekt. Wer wieder Windeln tragen muss, sollte lieber weiter bei Welt-Online Artikel kommentieren!

Bei Youtube kann man nie früh genug anfangen (Bild: Pexels.com)

Bei Youtube kann man nie früh genug anfangen (Bild: Pexels.com)

2. Seid weiblich

Das ist ja auch logisch: So eine Dagi Bee macht eben mehr her als ein Horst Lüning. Youtube schreibt es quasi vor: Seid jung, seid weiblich, seid am besten blond, das hilft im großen Masturbationsmedium Internet natürlich auch immer weiter. Ein bisschen gestellte oder echte Doofheit kann auch nicht schaden: Jungs finden Euch dann attraktiv, andere Mädchen machen Euch zum Vorbild. Oder sie finden Euch voll doof, gucken aber genau deshalb Eure Videos, weil sie lästern und „haten“ wollen. Damit habt Ihr Euer Follower-Potential gegenüber den gegenüber den Boys, die immer nur blöde Pranks und Videospiele machen, effektiv verdreifacht. Außerdem kannst Du, wenn Dir nichts einfällt, dann immer Schminktipps machen.
Merke: Barbie ist berühmt. Wer berühmt sein will, muss wie Barbie sein!

Barbie ist aus Gründen erfolgreich. Du kannst das auch! (Bild: Pexels.com)

Barbie ist aus Gründen erfolgreich. Du kannst das auch! (Bild: Pexels.com)

3. Seid absolut, total unkritisch!

Ganz wichtig: Nur Geilfinder werden unermesslich reich! Seid immer positiv, findet alles toll. Vor allem all die ungefragt zugesandten Produkte von Beautyfirmen und Hardwareherstellern, die Ihr wie zufällig ständig vorstellt. Oder die ganz beiläufig im Regal hinter Euch stehen. Wenn Ihr richtig reich werden wollt, solltet Ihr alles – und ich meine wirklich ALLES – absolut endaffengeilgenialtoll finden. Außer diese Sachen, die Eure Zielgruppe doof findet.
Was das ist? Tja, da kann ich Euch auch nicht helfen, aber wenn Ihr in Google News nach „Shitstorm“ googelt, dürftet Ihr immer am Zahn der Zeit sein.
Merke: Geilfinder sind Geldfinder!

Unkritisch sein bringt Bares. (Quelle: Pixabay.com)

Unkritisch sein bringt Bares. (Quelle: Pixabay.com)

4. Seid widerlich massenkompatibel!

Youtube ist zwar auch ein Medium für Freunde des indianischen 12-Ton-Raps oder altrömischer Schlagerpunk-Choräle. Bei Youtube dürfen alte Männer wie wir ihren kuriosen Hobbys nachgehen. Youtube brachte auch „Stars“ wie Poppy hervor. Aber sind wir mal ehrlich: Was Ihr braucht, sind eine Fantastilliarde gutgläubiger und naiver Follower, die Euch supergut finden und jeden Unsinn kaufen, den Ihr empfehlt. Nur so könnt Ihr zum brutal reichen Star zu werden. Da seid Ihr mit so Kunstzeugs auf jeden Fall auf dem falschen Dampfer.

Macht lieber etwas, was alle toll finden: Humorige Top-10-Listen, Smartphone-Auspackvideos und, na klar, irgendeinen Schrott mit Katzen. Aber lehnt Euch nicht mit Milch-Kritik zu weit aus dem Fenster. Außer Mirco und mir dürftet Ihr damit jeden ansprechen – perfekt, um berühmt zu werden!
Merke: Keinen vor den Kopf stoßen. Dann seid Ihr auf der richtigen Seite!

Deine Fans sind hohle Plastikbirnen. Sei wie sie!
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Deine Fans sind hohle Plastikbirnen. Sei wie sie! (Quelle: Pixabay.com)

5. Seid hysterisch!

Unter Hysterie (von altgriechisch ὑστέρα hystéra, deutsch ‚Gebärmutter‘) wird bzw. wurde in der Psychiatrie eine neurotische Störung verstanden, die unter anderem mit oberflächlicher, labiler Affektivität und einem hohen Bedürfnis nach Geltung und Anerkennung einhergeht.
– Wikipedia

Mehr muss ich dazu auch eigentlich nicht sagen. Je lauter, aufgedrehter und stimmungslabiler, desto besser. Schließlich sind die Kids, die Euch zuschauen, mitten in der Pubertät – und die haben nicht nur Kirmes im Kopf, sondern lieben auch Kirmes auf dem Bildschirm.
Merke: Hysterie ist toll!

Hysterisch veranlagt? Klasse! Dann bist Du Germany's next Youtubestar! (Bild: Pixabay.com)

Hysterisch veranlagt? Klasse! Dann bist Du Germany’s next Youtubestar! (Bild: Pixabay.com)

Was uns dann gleich zum sechsten und letzten Punkt bringt:

6. Vergesst alles, was Ihr jemals über gutes Mediendesign wusstest

Zuguterletzt noch ein Tipp für die Designfreunde:
Vergesst gute Teaser-Bilder.
Vergesst gute Schnitttechniken.
Vergesst vernünftige Kameras.
Vergesst, dass Spezialeffekte gut aussehen müssen.
Kurzum: Vergesst! ALLES!
Erstellt stattdessen Teaserbilder mit völlig überzogenen Gesichtsausdrücken, knallt sie mit dicker Schrift voll und pappt auf alles ein „Hashtag“. Seid außerdem bloß nicht sparsam mit:

  • Smileys
  • hyperaktiven Schnitten
  • Einblendungen
  • Werbeeinblendungen
  • Like-Aufforderungen
  • Video-Empfehlungen
  • Produktlinks

und all dem anderen in den Augen schmerzendem Kram, den man so bei Youtube findet. Klatscht einfach alles zu, das passt schon. Eure Zielgruppe wird es Euch danken.
Merke: Bedient die Bedürfnisse Eurer ADS-Hauptzielgruppe!

Papp' alles voll. Dann passt das. (Quelle: Pexels.com)

Papp‘ alles voll. Dann passt das. (Quelle: Pexels.com)

Über den Autor

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und manchmal in der echten Welt unterwegs.
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