Meinung

Data Becker, 00er, PC Pr@xis: 33 Vollversionen im Wert von 1.234 Euro

5,90 Euro für Heft - und dafür ein Gegenwert von 1.234 Euro? Schnäppchen!

Ja, diesen Software-im-Gegenwert-von-Bullshit habe ich mehr als einmal machen müssen. Und ja, es gab echten Gegenwert - aber das, was auf den Covern stand, war dann doch ein wenig schöngerechnet ...

Zur Kolumne "Data Becker, 00er, PC Pr@xis".

In der letzten Episode habe ich erzählt, wie wir die Vollversionen (im Sinne von Kauf-Software) für die Heft-DVD besorgt haben. Schlimm genug. Aber dann sollte mit dem Gegenwert oft auch noch auf dem Cover geworben werden - der nächste Kampf.

So ein Gegenwert wurde unterschiedlich großzügig berechnet ;) Bei einer aktuellen echten Vollversion kein Problem, einfach der UVP. Bei einer älteren Version, die nicht mehr im Handel ist? Auch da musste der alte UVP herhalten - was schon nicht mehr ganz so journalistisch-korrekt ist.

Oder ganz krude: Damals wurden Linux-Distris auch noch regelmäßig verkauft - auf DVDs und mit Installationsanleitung, völlig legitim in Modem-Zeiten. Und auch solche Preise konnte man dann einfach mal mit einrechnen, wenn man ein Linux-Image auf die Heft-DVD gepackt hat. Das ist schon eher fantasiereich. Mindestens.

Und dann gibt es noch die vielen Spezialversionen, Uralt-Software, die früher mal Kaufsoftware war, oder auch zum Beispiel abgespeckte Pakete mit Druckvorlagen, deren Preis dann anteilsmäßig eingerechnet wurde ...

Ich habe unserem Chefredakteur im Zweifel zwei Rechnungen präsentiert: Eine maximal asoziale Zahl und eine, die ich mit gutem Gewissen verantworten konnte - was dann auf dem Cover landete lag nicht in meinen Händen.

Einmal ist das Thema tatsächlich eskaliert. Es sollte mal wieder eine Summe aufs Cover - eigentlich egal was und wie, hauptsächlich ein riesiger Betrag. Dutzende Mails und Telefonate später hatte ich eine ansehnliche Sammlung zusammen. And die genauen Zahlen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber es waren tendenziell ein paar Hundert Euro an Software - ehrlich gerechnet.

Klar: Es sollte mehr sein. Also habe ich nochmal gerechnet und drei Summen produziert. Meine ehrliche Meinung, einen marketingtechnisch und rechtlich vertretbaren Wert sowie eine Summe explizit für Monsieur Chefredakteur, aka Herr des Covers, - da war ich in der Größenordnung 10.000 Euro plus. Im Grunde reine Satire. Das hat er sich aber doch nicht getraut aufs Cover zu drucken ;) Letztlich wurde es dann der noch ein wenig nach unten gerechnet Mittelwert. Journalistisch grenzwertig, aber Cover werden gerne mal eher als Werbemittel angesehen. Überall. Jedenfalls wurde ich danach nie mehr genötigt, bekloppte Fantasie-Werte zu produzieren.

Und nur ganz kurz zu Ehrenrettung: Der Inhalt von PC Praxis, Linux Intern, WebSelling und allen anderen Data-Heften war reiner Journalismus, da wurde sauber zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten getrennt. Und das dürfte auch für die Konkurrenz gegolten haben. Und Zeitschriften generell gelten. Cover hingegen haben durchaus Werbe-Charakter. Hand hoch, wer noch persönliche Beziehungen zu den ipsigen Urzeitkrebsen aus der Kindheit hat ;)

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Stand: 15. Oktober 2026 18:43 - Details
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Letztendlich haben Dinge für andere Menschen oft andere Werte, das habe ich in einer Folge der Saturn-Kolumne mal erzählt: Wert für den Kunden vielleicht 100 D-Mark, Wert für mich 2 D-Mark und für Saturn minus 500 D-Mark.

In der nächsten Folge geht es ab in die Karibik, irgendwie ...

P.S.: Beim Korrekturlesen sehe ich gerade das Cover unten links im Einstiegsbild: "Damit sparen Sie über 5.000 Euro" - das war natürlich auch ein super Kniff! OpenOffice? Klar, Alternative für ein 300-Euro-Microsoft-Office. Gimp? Yep, Alternative für ein 3.000-Euro-Photoshop. Und schon 3.300 Euro gespart 🤣

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help und VoltAmpereWatt.de. Neu: Mastodon

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