Windows 11: Gold und Mist in den Einstellungen

Ein ganz persönlicher Trip durch etwas furchtbar Langweiliges: Windows-Einstellungen

Windows ist mir kürzlich gleich drei mal auf den Senkel gegangen. Und Edge anderthalb mal. Zeit, mal wieder ein wenig zu lästern ;) Heute geht es nicht um den Heilsbringer der 11. Inkarnation, die runden Ecken. Sondern um die Einstellungen, durch die ich mich nach Ewigkeiten wieder geklickt habe. Und siehe da, es gibt auch was zu loben.

Windows 11 hat so viele tolle Neuerungen mit sich gebracht, vor allem die Kleinigkeiten wissen zu überzeugen. Zum Beispiel beim Umbenennen von Dateien im Explorer: Kaum umbenannt, verliert die Datei den Fokus. Oh mon dieu, welch Katastrophe … Nun, das Blöde ist, dass ich oft viele Dateien umbenenne und meine Finger die Standardposition auf der Tastatur dafür eigentlich nicht verlassen müssen. F2 zum Umbenennen, Namen eintippen, bestätigen, mit Makro-Belegung zur nächsten Datei wechseln und wieder von vorn.

Wenn aber nun die elende Detail-Leiste im Explorer aktiv ist, landet der Fokus nach dem Umbenennen dort – vermutlich, weil der Teil natürlich auch aktualisiert werden muss. Folglich muss ich ständig zur Maus wechseln. Oder ein Dutzend mal auf TAB drücken. Es mag unter Kleinkram fallen. Aber mein Gott, das Ding ist 28 Jahre alt, eigentlich zu alt für Kinderkrankheiten.

Aber egal, epischer wird’s nicht – wie gesagt, nur meine ganz persönlichen, pingeligen Anekdötchen ;) Und damit es etwas Spannung vorgetäuscht wird, fange ich mit dem Bonus an, meinem Freund Edge.

Bonus: Edge nervt

Folgende Situation: Ich kopiere eine URL aus der Adressleiste in Edge und füge sie in einem LibreOffice-Dokument ein. Erwartungshaltung: URL. Ergebnis: Ein Hyperlink. WTF?! Also eingefügt in Notepad++ – Ergebnis: URL. Kurz nachgeguckt, das ist tatsächlich ein tolles neues Feature. Juhu. Ich freue mich so sehr, wenn Windows versucht für mich zu denken. So einen Mist kann man von mir aus Opt-in machen, aber nicht als Opt-out. Wenn ich reinen Text kopiere, will ich, das reiner Text eingefügt wird. Nennt sich Erwartungskonformität. Und oh Wunder, das Netz ist voll von Fragen, was das soll und wie das weg geht.

edge-einstellungen.
Nettes Feature als Opt-in, Anmaßung als Opt-out

1. Zu wenig Information

In dem erwähnten runde-Ecken-Artikel hatte ich mal grafisch verdeutlich, wie viel mehr Informationen im klassischen Startmenü Platz gefunden haben. Heute scheint es wichtiger möglichst viel Whitespace zu haben, lieber schlank als nützlich. Langsam aber sicher ersetzen die Einstellungen die Systemsteuerung. Manches gibt es nur da oder da, Anderes gibt es doppelt. Zum Beispiel die Installierten Apps: Hier im Bild sieht man ganz wunderbar den Unterschied in den Design-Philosophien. Hier eine nüchterne Liste mit 36 sichtbaren Einträgen, dort eine modernere Liste mit nur 13 Einträgen. Dieselbe Liste in den Einstellungen hat also fast zwei Drittel weniger Apps – und die sind auch noch Käse. Die ersten beiden Einträge sind zum Beispiel ganz sicher Updates – über 200 Gigabyte Neuinstallation wären mir aufgefallen ;) Auch in der Systemsteuerung tauchen Updates auf, allerdings von Programmen, bei denen Update tatsächlich Neuinstallation bedeutet.

systemsteuerung vs einstellungen.
Ich will damit arbeiten, nicht mich an der Ästhetik erfreuen

2. Dynamische Beleuchtung, really?

Wusstet Ihr, dass Windows sich mittlerweile selbst um die RGB-Beleuchtung von Peripherie kümmern will? Toll. Man kann das hier nun also ein- und ausschalten, die Helligkeit ändern aus Standardeffekten wie „Atmung“ wählen. Kompatibilität? Eine Microsoft-Maus und eine Handvoll Razer-Geräte. Razer? Moment, war da nicht mal was? Doch, da hatten wir was zu – weil Razer unfassbar viele Möglichkeiten angeboten hat, die Beleuchtung zu nutzen. Es war bei mir eine Hassliebe, aber ausgerechnet Razer-Geräte soll ich mit Windows steuern? Und künftig auch Logitech-Hardware? Trotz der beiden Schwergewichte befürchte ich hier eine Totgeburt. Achso, das besonders Nervige: Alles aktiv, obwohl es hier keine kompatible Hardware gibt. Behämmerte Voreinstellung.

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Babyschritte

3. R.I.P. Datenträgerverwaltung

Immer war sie da, die Datenträgerverwaltung in der Systemsteuerung, die einzige Einstellung, für die ich seit Jahren einen Shortcut angelegt habe. Und nun ist sie weg. Aufgegangen in den Einstellungen, wiedergeboren als Kuhfladen. Na klar, warum sollte im Partitionierungswerkzeug auch alles so darstellen wie alle anderen … Unübersichtlich, unnötig verschachtelt, aber genug Whitespace, um einen verdammten Guernica-Klon da rein zu malen. Die Microsoft-Designer haben zu viel im Apple-Flagship-Store rumgestanden.

Ich habe noch nie verstanden, warum man Windows nie einen richtigen Partitionsmanager verpasst hat. Das ist doch irgendwie wichtig, oder? Vielleicht sogar wichtiger als RGB-Beleuchtung oder Folgendes …

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Es gibt Gründe, warum andere Partitionsmanager anders aussehen!

Geschockt? Keine Angst, war nur unmotivierte Grausamkeit, die Datenträgerverwaltung führt ihr Paralleldasein weiterhin. Mal ernsthaft, ist das hier nicht viel besser?

datenträgerverwaltung.
Schon immer mies, aber ich würde sie vermissen :(

4. Mein Stuhlgang heute …

Die Geräteverwendung verdient nur wenige Worte, selbst zum Bemeckern zu schlecht. Microsoft hätte gerne, dass ich hier sage, wie ich meinen Rechner nutze – damit man mich an möglichst jeder Stelle im System mit Tipps traktieren darf. Oder Werbung. Oder Werbung. Oder Werbung. Was genau da passiert? Natürlich wieder mal keine Infos, online auch nicht viel. Mist, weg damit.

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Stelle 9 von 1700 zum Aktivieren von Tracking und Werbung – alles für die User

5. Spielmodus, buuuhh!

Eigentlich ist ein Spielemodus eine super Sache: Der Rechner wird für den Spielbetrieb optimiert, alles läuft flüssiger. Oder es gibt keine Unterbrechungen mehr. Oder es gibt weniger Lag. Oder Updates werden pausiert. Oder … Wirkliche Informationen, was genau passiert, liefert weder die Einstellung selbst noch die Hilfe. Typisches Friss-oder-Stirb-Angebot von Windows. Microsoft hält seine Kundschaft heute ganz offenbar entweder für Genies, die eh alles wissen oder für strunzdumme Deppen, die eh nichts wissen wollen.

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Ein paar mehr Infos wären nett, Optionen ebenso

6. Tastaturmaus

Hach, etwas Schönes :) Eine Tastaturmaus ist kein peripheres Oxymoron, sondern ein Tool im Bereich Barrierefreiheit. Damit lässt sich der Numblock zur Maus umfunktionieren. Und das ist auch für alle nicht eingeschränkten Couch-Kartoffeln eine super Sache: Per NUM-Taste lassen sich die Numblock-Tasten doppelt nutzen und so wir das Teil schnell zu einer perfekten Couch-Fernbedienung.

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Mit separatem Numblock eine wunderbare Fernbedienung

Und hier mal als Kaufanreiz:

(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm)

7. Komm, wir versauen ALT+TAB

Edge nutze ich nur, wenn ich etwas in einem weiteren Browser testen muss. Aber nun lief er mal wieder. Und meist heißt es dann: Klick Klick in Brower 1, ALT+TAB, Klick Klick in Browser 2, ALT+TAB und so weiter. Und nun: ALT+TAB – Edge. ALT+TAB – Edge. Wieder so ein WTF-Moment. Und siehe da: Kein Bug, ein Feature. Die ganzen elenden Tabs aus Edge landen in der ALT-TAB-Ansicht. Die zugehörige Einstellung findet sich unter System/Multitasking und hört auf den schönen Namen Registerkarten aus Apps beim Andocken oder Drücken von ALT+TAB anzeigen. Warum sie diese Definition von Apps nicht auf Firefox, Chrome oder sonstige mir geläufige Programme erstreckt, ist mir ein Rätsel.

Ebenso die Optionen: Man kann zwischen 3, 5 und 20 der aktuellsten Tabs anzeigen lassen. Wer denkt sich solche Zahlen aus? Warum nicht 1-20? Oder etwas Nachvollziehbares wie 5, 10, 15, 20? Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, konnte aber nichts zu 3, 5, 20 finden. ChatGPT hat auf die Frage nach einer Regel mal wieder klargestellt, wie elendig dumm KI immer wieder ist:

Multiplikation mit aufeinanderfolgenden ungeraden Zahlen:

3 * 1 = 3
5 * 1 = 5
5 * 4 = 20

In diesem Beispiel werden die Zahlen 3 und 5 jeweils mit der aufeinanderfolgenden ungeraden Zahl 1
multipliziert, und dann wird die nächste aufeinanderfolgende ungerade Zahl 4 verwendet,
um 20 zu erhalten.

Naja, immerhin hat Microsoft ausnahmsweise mal eine Änderung in Richtung mehr Informationen vollzogen – super! Aber wie immer: Erstens Mist, wenn es nur mit Edge funktioniert. Zweitens sollte es Opt-out sein – insbesondere wegen Erstens.

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Bei 7, 9 und 175 hätte ich ja nichts gesagt …

8. Nicht jugendfrei …

Beim Multi-Monitor-Setup fällt es mir schwer, sprachlich jugendfrei zu bleiben. Aber ich versuch’s. Fuck Clickbait-Überschrift? ;) Hier laufen drei Monitore am Rechner, einer ist der Fernseher. Nun nutze ich bisweilen ein Skript, das den Mediaplayer Media Player Classic Home Cinema (MPC-HC) auf einem bestimmten Monitor startet. Angesprochen werden die Monitoren über eine ID. Den primären Monitor kann man festsetzen, der hat dann die ID 1. Die anderen IDs kann man nicht manuell bestimmen. Und wenn nicht alle Monitore eingeschaltet sind, springen die IDs im Dreieck und MPC-HC startet auf dem falschen Gerät.

Natürlich gibt es zum Beispiel für Powershell Wege, Monitore gezielt anszusprechen. Vielleicht MPC-HCs Schuld? Nö, denn wenn Windows schon ansprechbare IDs für Monitore anbietet, dann sollten sie auch nutz- und konfigurierbar sein. Wer ähnliche Probleme mit anderen Programmen hat, möge es mich wissen lassen – Danke!

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Monitoransprache mit Zufallsspaß

9. Top: Task beenden

Im Bereich System/Für Entwickler habe ich ein echtes Highlight gefunden: Task beenden lässt sich für das Kontextmenü von Apps in der Taskleiste aktivieren – großartig!

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Danke. Danke. Danke. Hier ist wirklich mal alles einfach nur super ;)

10. Top: Textgröße

Zum Schluss nochmal in den Bereich Barrierefreiheit: Hier lässt sich die Textgröße skalieren – und ich muss sagen, auf einem hochauflösenden Monitor sind 125 Prozent deutlich entspannter. Zu viel Zoom zerhaut schon mal eine Anzeige, aber damit bin ich bislang gut gefahren.

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Größerer Text, entspanntere Augen

Stuss zum Schluss

Naa, das kann ich so nicht stehen lassen, am Ende muss gemeckert werden ;) Oder etwas Hybrides: Windows kann in den Anzeigeeinstellungen endlich, auch im Minutentakt, den Desktop-Hintergrund per Diashow aufhübschen. Toll, Danke, gekauft. Aber warum? Warum nur wird auf jedem Monitor ein anderes Bild gesetzt – ohne Chance auf Erlösung? Das bringt auch das kreative Zahlenverständnis von eben nochmal hervor: Warum wohl bekomme ich auf meinem Hauptmonitor trotz eines eingestellten Intervalls von 1 Minute nur alle 3 Minuten einen neuen Hintergrund?

Wer ordentlich mitgelesen hat, weiß es selbstverständlich, oder? Ist doch klar:

1 Minute x 3 Monitore = 3 Minuten Bildänderungsintervall

Soll heißen: Die Hintergründe werden minütlich gewechselt, aber eben immer nur auf einem Monitor. Das ist doch Trollerei …

hintergrund-einstellungen.
Gutes Feature, merkwürdig und zu sparsam umgesetzt

Mehr zu Windows. Oder jetzt vielleicht doch lieber Linux??

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help und VoltAmpereWatt.de. Neu: Mastodon

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