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Anleitung: Grafikkarte übertakten

Wenn Spiele ruckeln gibt es allerlei Maßnahmen, das Übertakten ist dabei aber oft der Favorit: Es ist kostenlos und ohne Einbußen bei der Grafik. Grafikkarten, genauer gesagt die Grafikprozessoren (GPUs), arbeiten in einem bestimmten Takt, wie es auch CPUs tun. Nur ist der Takt bei CPUs prominenter angegeben, ein Intel i7-9700k arbeitet etwa mit bis zu 4,9 GHz. Und diesen Takt könnt Ihr erhöhen, um ein wenig mehr Leistung abzurufen. Wir zeigen wie es geht und warum die Karten nicht gleich ab Werk schneller sind.

Warum übertakten?

Wenn man Grafikkarten so einfach um beispielsweise 7 Prozent beschleunigen kann, warum sind sie dann ab Werk „gedrosselt“? Naheliegende Frage, simple Antwort: Höherer Takt heißt mehr Wärmeentwicklung und zu viel Wärme zerstört Technik. Dennoch gibt es viele Grafikkarten in Versionen mit Zusätzen wie OC oder Gaming Edition, was meist heißt, dass der Arbeitstakt höher ist – und tendenziell bessere Kühlkörper verbaut worden sind.

Dennoch ist die Einstellung ab Werk recht konservativ und verträgt ein paar Hertz mehr. Wenn Ihr eine Karte per Übertaktung schrottet, ist die Garantie freilich dahin. Aber zum einen dürfte das Thema eh erst bei älteren Karten relevant werden und zum anderen explodieren die Dinger auch nicht gleich. Wenn Ihr wirklich zu hoch taktet, meldet sich die Karte meist erst mit Pixelfehlern und dann mit Abstürzen – beides schadet ihr aber in der Regel nicht sofort.

Tipp: Wenn Ihr die Karte vor dem Übertakten etwas reinigt, funktioniert die Kühlung deutlich besser – Wattestäbchen helfen hier ungemein.

Übertakten und kontrollieren

Zum Übertakten könnt Ihr unabhängig vom Grafikkartenhersteller fast immer auf MSI Afterburner zurückgreifen. Daneben solltet Ihr GPU-Z laufen lassen, um die Temperatur im Auge zu behalten. Außerdem sieht man in GPU-Z, ob die Änderungen auch wirklich wirksam geworden sind, sprich wie die aktuellen Taktraten aussehen.

overclocking
GPU-Z zeigt aktuelle Temperaturen und Taktraten.

Wirklich relevant sind in Afterburner nur zwei Werte: Die Taktfrequenzen von Kern und Speicher, also Core Clock und Memory Clock. Diese beiden Werte erhöht Ihr nun schrittweise in beispielsweise 5-MHz-Schritten. Sobald Fehler auftauchen, etwa Flimmern oder Pixelfehler, geht wieder ein paar Megahertz zurück. Und das war es auch schon mit dem Übertakten – eine Angelegenheit, die vor 15 Jahren nur von waghalsigen und kundigen Computer-Freaks ausgeführt wurde ;)

overclocking
Steht MSI dran, kann aber (so ziemlich?) alle ATI- und Nvidia-Karten bearbeiten.

Messen und belasten

Natürlich solltet Ihr die Grafikkarte auch mal belasten, um zu sehen, ob sie stabil läuft. Tendenziell solltet Ihr das eh schon vorher machen: Wenn Ihr wissen wollt, ob es was gebracht hat, müsst Ihr vorher messen. Entweder Ihr nehmt ein grafisch aufwändiges Spiel und lasst über den Grafikkartentreiber oder die Software Fraps die Frames per Second (FPS) anzeigen. Oder Ihr nutzt ein Benchmark-Tool wie die kostenlose Version von 3DMark – das ist der Quasistandard für die einfache Messung. Wenn die Temperatur dabei in den kritischen Bereich kommt (ca. ab 75 Grad …) könnt Ihr gegebenenfalls die Lüftereinstellung in Afterburner nutzen, um mehr Kühlung zu bekommen – zum Preis von mehr Lärm.

Mal ein Praxisbeispiel: Auf dem hiesigen Rechner lief mal eine GTX 960 mit 1216 MHz Kern- und 1753 MHz Speichertakt, die bei 3DMark 1716 Punkte brachten. Mit jeweils 150 MHz mehr wurden es dann 1841 Punkte – und 7,2 Prozent mehr ist nicht zu verachten. Natürlich könnt Ihr damit nicht aus einer alten Möhre einen aktuellen Gaming-PC zaubern. Aber wenn ein Spiel ein wenig ruckelt, ruckelt es danach vielleicht einfach nicht mehr. Viel mehr ist ohne Geld oder Grafikeinbußen einfach nicht drin.

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3DMark misst zuverlässig die Grafikleistung.

Mehr zum Thema Hardware haben wir hier.

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Du hier mehr über Open Source, Linux, Bastelkram oder auch Windows-Basics lesen und Tutonaut unterstützen möchtest: Spendier mir einen Kaffee via Paypal. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help

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