Das neue Spiel läuft nicht flüssig? Wir erklären warum und was Ihr dagegen tun könnt – mit oder ohne Geld ;)

Wer kennt es nicht: Das neue Spiel ist endlich da, von Steam, vom Weihnachtsmann, dem eigenen Geldbeutel. Licht aus, Kopfhörer auf, Tür zu, Vorfreude, Gänsehaut, geiles Intro und dann: Es ruckelt, was das Zeugs hält – Fuck! Aber keine Sorge, man kann nachbessern.

Warum ruckelt’s überhaupt?

Im Grunde ist die Antwort wohl jedem klar: Es fehlt an Performance. Ach, nee … Genauer gesagt liegt es meistens hauptsächlich an der Leistung der Grafikkarte. Aber auch Arbeitsspeicher, CPU, Spiel- und Systemeinstellungen wirken sich aus. Das Zauberwort beim Ruckeln ist FPS: Das steht für Frames per Second und sagt, wie viele Bilder Ihr pro Sekunde zu sehen bekommt. Bei Filmen sind die Bilder vorberechnet und die Abstände sind entsprechend immer identisch und so reichen ca. 25 FPS, damit alles flüssig läuft. Bei Spielen müssen Bilder einzeln berechnet werden, allgemein kann man von 30 FPS für ruckelfreies Gameplay rechnen. Bei Ego-Shootern & Co. streben die meisten Gamer mindestens 60 FPS an – damit lässt sich dann aber alles sauber zocken. Es kommt auch auf Euer persönliches Empfinden an, mit 30 FPS sollte man ein Spiel spielen können. Aber je mehr, desto besser.

Insofern ist es schon mal eine gute Idee damit anzufangen, herauszufinden, wie der FPS-Wert beim Ruckeltitel aussieht. Bei Steam könnt Ihr die FPS über Anzeige/Einstellungen/Im Spiel anzeigen lassen, in der Nvidia Experience über Treiber/Einstellungen/Spielinternes Overlay/HUD Layout/FPS Zähler und ganz allgemein könnt Ihr das kostenlose Tool FRAPS dafür nutzen.

spiele ruckeln tuning

FRAPS zeigt die FPS als Overlay in Spielen an.

Und was Ihr dann tun könnt, zeigt Euch die folgende Liste in der ungefähren Reihenfolge des zu erwartenden Nutzens!

1. Hardware tauschen …

Ja, doofer „Tipp“, schon klar. Aber ernsthaft: Wenn Euer Rechner sagen wir mal vier oder mehr Jahre alt ist und damals kein High-End-Gaming-PC war, stehen die Chancen gut, dass Ihr schon für den Preis eines Spiels eine deutlich bessere Grafikkarte bekommt. Günstige Komplettrechner haben zudem oft nur Onboard-Grafik oder irgendwelche Billiglösungen abseits der großen Nvidia-GTX- und AMD-RX-Serien – da ist fast jede 50-Euro-Karte ein enormer Gewinn. Die Dinger kann man auch getrost gebraucht vom Händler kaufen. Wie Ihr herausfindet, welche Karte Ihr habt, lest Ihr hier. Gerade bei Amazon gefunden: Eine GTX 960 für 55 Euro und eine GTX 1050 für 53 Euro – mit leichten Zweifeln bezüglich des Anbieters ;) Also ernsthaft: Nicht kaufen! GTX-1050er kosten normalerweise ab 130 Euro und dieses Mengonee-Ding hat einen VGA-Anschluss, das ist eher nicht koscher.

Das Aufrüsten von CPU oder RAM lohnt sich meist nicht sonderlich, zumal man dann schnell bei neuem Mainboard, neuer CPU und neuem Speicher landet … Allerdings können schwache CPUs neue, schnellere Grafikkarten ausbremsen! Mehr zum Identifizieren des Flaschenhalses findet Ihr hier.

2. Spieleinstellungen optimieren

Die meisten Spiele lassen sich ganz massiv „hässlicher“ machen, sprich weniger Details, weniger Lichteffekte, weniger Kantenglättung, kleinere Auflösung, weniger Farbtiefe und so weiter. Nvidia-Nutzer können dafür auch die Nvidia Experience nutzen, die Spiele automatisch für Euer System optimiert. Ansonsten müsst Ihr ausprobieren und einfach an allen Einstellungen ein wenig herumschrauben. Wenn es sehr ruckelt, setzt am besten alles ganz runter und geht dann wieder schrittweise nach oben. Das Blöde: Manche Einstellungen hängen vor allem an der Grafikkarte, andere ebenso an der CPU – da hilft im Einzelfall nur die gezielte Suche nach einer bestimmten Einstellung eines bestimmten Spiels.

Was sich immer lohnt: Auflösung, Anti-Aliasing (Kantenglättung) und alles, was die Tiefenschärfe beeinflusst, sprich, ob auch der Horizont noch scharf ist oder die Ferne weichgezeichnet wird. Bei Licht und Schatten könnt Ihr auch gut herumschrauben, was zwar meist weniger bringt, oft aber auch kaum bemerkbar ist. Aber logo, es gibt Spiele, die leben ganz massiv von eben solchen Effekten, eine allgemeingültige Lösung gibt es leider nicht.

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Nvidia Experience optimiert Spiele automatisch.

3. Übertakten

Grafikkarten arbeiten wie CPUs mit einem gewissen Arbeitstakt, also den Gigahertz, die immer mit angegeben werden. Und diesen Wert könnt Ihr bei den meisten Karten erhöhen: Höhere Taktraten bedeuten auch höhere Temperaturen und folglich sind die Voreinstellungen der Hersteller hier sehr konservativ gewählt. Lustigerweise bieten viele Hersteller ein und dieselbe Karte gleich noch in übertakteter Version an – gegen Aufpreis versteht sich. Manchmal, aber auch nicht immer, kommen dann jedoch auch bessere Kühlkörper zum Einsatz. Denn genau die bestimmen im Wesentlichen, wie viel mehr Takt die Karte verträgt, bevor sie Schaden nimmt.

Das Prozedere ist heutzutage ziemlich simpel: Das Standard-Tool für diese Aufgabe ist der MSI Afterburner, der natürlich auch mit Karten anderer Hersteller funktioniert und kostenlos ist. Ihr findet dort je nach Grafikkarte mehr oder weniger Regler, wichtig sind vor allem Core Clock und Memory Clock, also die Takte von GPU und Speicher. Diese setzt Ihr Stück für Stück hoch, belastet die Grafikkarte und kontrolliert die Temperatur – wenn es zu heiß wird (ab 90 Grad müsst Ihr Euch Sorgen machen), schaltet wieder zwei Schritte zurück. Wenn die 100 Grad überschritten werden, kann es schnell auch mal zu Bildfehlern oder Systemabstürzen kommen. Im Worst Case einfach den Rechner kurz abkühlen lassen, neu starten und die Einstellungen wieder zurückdrehen.

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MSI Afterburner macht Overclocking sehr einfach.

Auch wenn in der Praxis selten etwas passiert: Ihr macht das auf eigenes Risiko, es können natürlich Hardware-Schäden an der Grafikkarte auftreten! Dafür lassen sich je nach Karte und Ausgangslage aber auch allerlei zusätzliche FPS basteln – ganz ohne Kosten.

4. System entlasten

Deutlich schneller, aber mit nur schwierig voraussagbaren Erfolgen, ist das Entlasten des Systems, sprich das Freischaufeln von Arbeitsspeicher und CPU-Ressourcen. Beides erledigt Ihr ganz einfach durch das Beenden von Programmen und Prozessen. Vor allem Browser solltet Ihr dringend schließen! Alle „sichtbaren“ Programme, also Browser, Office, Mail, Messenger und so weiter, zu schließen ist schnell erledigt. Ihr solltet aber auch den Task-Manager von Windows bemühen: Im Reiter Prozesse könnt Ihr alle laufenden Prozesse nach RAM-Verbrauch sortieren lassen und schauen, ob sich da irgendein Speicherfresser zum Beenden anbietet.

Besser: Im Ressourcenmonitor von Windows findet Ihr im Reiter Arbeitsspeicher sehr ausführliche Informationen über verbrauchten, aber auch reservierten Arbeitsspeicher von Programmen. Eigentlich verwaltet Windows Arbeitsspeicher selbst, aber in der Praxis funktioniert das nicht annähernd so wie gewünscht (auch wenn mir ein nicht genannter, aber in diesem Beitrag bereits verlinkter Kollege immer wieder eintrichtern wollte, dass unbelegter Speicher schlechter Speicher sei, woll?!).

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Mehr RAM, mehr gut, allen Unkenrufen zum Trotz – und der unterschätzte Ressourcenmonitor hilft dabei ungemein.

Zusätzlich könnt Ihr Euch noch ein wenig um das übliche Systemtuning kümmern, also Registry säubern, Datenmüll entfernen und Autostart bereinigen – am einfachsten geht das alles mit dem Ccleaner, den wir Euch hier näher bringen.

5. Spiele auf SSD verschieben

Zocken auf dem PC heißt heute bei den meisten Titeln Steam – und Steam erlaubt es, Spiele in andere Ordner zu verschieben. Meist werdet Ihr große moderne Spiele eher auf eine zweite HDD installieren, 60 Gigabyte SSD-Speicherplatz hat sicherlich nicht jeder übrig. Im Notfall kann das aber eine gute Idee sein, denn SSDs sind nunmal wesentlich schneller als HDDs und wenn Spiele viele Daten nachladen müssen, macht sich das durchaus bemerkbar. Wie das geht, seht Ihr hier.

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Steam kann Spiele in andere Ordner verschieben.

6. Win 10 Game Mode

Windows 10 bietet mittlerweile den Game Mode/Spielmodus an, der allerdings weniger für höhere FPS-Werte sorgt, als für eine konstantere FPS-Rate. Dafür werden beispielsweise Prozessprioritäten, Speicher- und CPU-Zuordnungen angepasst. Wenn Euer Spiel also zwischendurch mal ruckelt oder kurz hängt, kann der Modus durchaus helfen. Ihr findet Ihn unter Einstellungen/Spielen/Spielmodus oder über das Startmenü. Laut Microsoft und diverser Screenshots im Netz müsst Ihr diesen nur einschalten – auf dem hiesigen Testsystem steht zwar „Dieser PC unterstützt den Spielemodus“, aber einen Schalter gibt es leider nicht. Warum auch immer … Ihr könnt aber auch über WIN+G im laufenden Spiel die Gaming-Leiste aufrufen, um den Modus zu starten (was aber wohl nicht bei allen Titel funktioniert, ohne das Vollbild zwischenzeitlich zu verlassen).

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Windows 10 hat einen Spielmodus – einen Versucht ist es wert.

Der Spielemodus ist kein FPS-Wunderwerk, will er aber auch gar nicht sein. Dafür werden zusätzlich noch Updates und Neustarts unterbunden (schön, dass man dafür heute ein extra Feature braucht). Die Nutzung ist etwas merkwürdig geraten, aber vielleicht legt sich das ja noch bei den vielen Gigabytes an Zwangsupdates.

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Die Spieleleiste von Win 10.

7. Energieeinstellungen anpassen

Laptops sind auf Mobilität ausgerichtet und sparen daher gerne Energie – was wiederum am besten geht, wenn die Leistung herunter geschraubt wird. Zum einen findet Ihr unter Windows passende Einstellungen unter Systemsteuerung/Alle Systemsteuerungselemente/Energieoptionen, die wir hier auch noch näher erklären. Zum anderen gibt es hier und da aber auch Laptop-Hersteller, die eigene Features einbauen. Lenovo drosselt beispielsweise die CPU vieler Geräte, sobald der Stromstecker gezogen wird – dagegen lässt sich leider nicht immer etwas unternehmen. Im Zweifelsfall müsst Ihr im UEFI/BIOS nachschauen, ob sich irgendwelche Einstellungen finden.

Bringen tut das Ganze in den meisten Fällen aber herzlich wenig: Energieeinstellungen regeln vor allem das Sparen bei Geräten, die zwischendurch immer wieder mal nichts berechnen müssen – beim Zocken ist aber alles ständig in Action! Herstellerseitige Features, wie die Drosselung bei Lenovo ThinkPads, können hingegen zu dramatischen Einbrüchen führen – und ergo auch ebenso großen Performance-Gewinn bringen, wenn man sie deaktiviert (auch wenn es in diesem Fall nur durch einen Stromanschluss geht).

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Kann helfen, muss aber nicht: Energieeinstellungen auf Laptops.

Lohnt es sich?

Mit den kostenlosen Tuning-Möglichkeiten könnt Ihr ein Spiel im Dia-Modus mit 3 FPS nicht plötzlich mit superflüssigen 60 FPS spielen, und bei diesem Ausgangswert vermtulich einfach gar nicht. Die Spieleinstellungen selbst könnten zwar dafür sorgen, jedoch sind Spiele in der Regel nicht so „dumm“, sich selbst sofort abszuschießen, sondern setzen vernünftige Werte. Dennoch sind allein dort schon mal 10, 20 zusätzliche Frames drin – teils sogar noch mehr, aber irgendwann sieht’s dann auch aus wie ein zehn Jahre altes Spiel. Das müsst Ihr mir Euch selbst ausmachen. Das Overclocking/Übertakten erfordert ein wenig Risikobereitschaft, kann aber weiteren zweistelligen FPS-Zuwachs bringen.

Alles andere fällt noch nicht unter „Schlangenöl“, aber definitiv unter Feintuning – aber wenn es ruckelt, nimmt man auch gerne ein, zwei zusätzliche Bilder pro Sekunde. Dennoch bleibt der beste Tipp bei älteren Rechnern: Vergleicht mal die Leistungswerte Eurer Grafikkarte mit einer, die Euer Geldbeutel verkraften würde – wenn man dann bei 80 Euro landet, ist es allemal einen Versuch wert.

Laptop-Special: Falls Ihr es noch nicht wisst, es gibt auch externe Gehäuse für Grafikkarten, womit Ihr so ziemlich jeden Laptop Gaming-tauglich bekommt – aber das hat natürlich seinen Preis ;)

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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