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Pro! Pro! Pro! (Quelle: Screenshot Apple.de)
Pro! Pro! Pro! (Quelle: Screenshot Apple.de)

Kaufberatung iPhone 11 (Pro): Lohnt sich das?

Mit dem iPhone 11 und iPhone 11 Pro hat Apple solide Geräte geliefert. Aber lohnt es sich, von älteren Gerätegenerationen umzusteigen?

Die Apple-Keynote ist seit über einer Woche vorbei und ich habe jetzt mit dem Bloggen zum iPhone 11 und iPhone 11 Pro einfach mal ein bisschen gewartet, um die hysterischen Meldungen der Apple-Fanboy-Presse abzuwarten, zu sichten und einzuordnen. Zunächst einmal lügt Apple ja nicht: Von den technischen Daten her ist das iPhone 11 (Pro) – wieder einmal – das beste iPhone aller Zeiten. Die viel wichtigere Frage ist aber: Lohnt sich der Umstieg? Und wenn ja: Auf welches iPhone 11 und ab welcher Generation?

Drei Kameras = Vierfach-Zoom

Das wohl augenscheinlichste neue Feature des iPhone 11 ist das neue Kamera-Set: Das Basismodell iPhone 11 besitzt jetzt zwei Kameras, das iPhone 11 Pro drei. Das Kamera-Set scheint zunächst identisch, bis auf die dritte Kamera: Das iPhone 11 Pro besitzt neben dem 13mm-Ultraweitwinkel (nicht stabilisiert) und dem 26mm „Standard-Objektiv“ (stabilisiert) noch ein Tele mit 52mm Brennweite (ebenfalls stabilisiert)– jeweils äquivalent Kleinbild, die tatsächliche Brennweite ist deutlich kleiner.

Das iPhone 11 hat jetzt zwei Kameras. Yay. (Quelle: Apple)
Das iPhone 11 hat jetzt zwei Kameras. Yay. (Quelle: Apple)

Damit ergibt sich beim iPhone 11 effektiv ein 2x-Zoom, das iPhone 11 Pro besitzt durch das Linsen-Dreierset sogar einen 4x-Zoom (4x13mm = 52mm). Interessant sind dabei vor allem die Blendenwerte: f=1.8 beim Standard-Objektiv sind OK, aber keine Neuerung, die f=2.4 beim Ultraweitwinkel sind ein Geht-nur-mit-gutem-Licht-Witz bei dem kleinen Sensor. Das Tele am Pro dürfte mit f=2.0 deutlich besser als am XS und X sein. Schön ist die 100-Prozent-Focus-Pixel-Abdeckung, die den Autofokus flott machen dürfte. Nicht so schön sind die weiterhin nur 12 Megapixel Auflösung.

Erstaunlich gute Bilder

Die ersten Praxis-Tests beim amerikanischen CNET zeigen erstaunlich gute Bilder aller Kameras. Jedenfalls nach den niedrigen Maßstäben von Smartphone-Kameras. Zudem war das bei jeder neuen iPhone-Generation der Fall. Was deutlich erkennbar ist: Apple scheint softwareseitig extrem zu tricksen, um das Maximum aus den kleinen Linsen herauszuholen. Schlecht ist das nicht, aber eine unnötige Beschränkung der „Altmodelle“. Denn von den reinen technischen Werten her ist das Kamera-Set der neuen iPhone eben nicht viel besser als bei den Vorgängermodellen.

Nett. Aber teuer. (Quelle: Apple)
Nett. Aber teuer. (Quelle: Apple)

Ultraweitwinkel eher ein Gimmick

Die zusätzliche Ultraweitwinkel-Funktion ist übrigens nett und mag an einem sonnigen Sommertag ausreichen. In finsteren Innenräumen, bei Dämmerung oder in anderen Situationen, in denen sich ein solches Objektiv anbietet, dürfte der Blendenwert für enttäuschende Rausch-Arien sorgen – Nachtmodus hin oder her. Das Ultraweitwinkel dürfte daher in der Praxis eher selten zum Einsatz kommen und kann in die Kategorie „Gimmick“ einsortiert werden. Ich hätte lieber ein lichtstarkes Tele-Objektiv an allen iPhone-Modellen gesehen, da das vermutlich deutlich häufiger zum Einsatz kommt. Das Weitwinkel in lichtstärkerer Ausführung hätte dann ein wunderbares „Pro“-Feature abgegeben.

Nichts für Angsthasen

Übrigens behaupten einige zehntausend Neurotiker im Netz, das Kamera-Set würde Trypophobie („Die Angst vor Löchtern„) auslösen. Eine Krankheit, die noch nicht einmal einen deutschen Wikipedia-Eintrag hat. Das wird das iPhone 11 Pro vermutlich ändern. Aber wer sich im Alltag an Löchern stört und keinen Spülschwmm anschauen kann, ohne zu einem zittrigen Häufchen Elend zu zerfallen, sollte vielleicht zu einem anderen iPhone greifen. Oder sich vielleicht mal beim Psychologen auf die Couch legen.

Keine Kamera-Wunder erwarten

Zudem gilt grundsätzlich: Smartphone-Kameras bleiben Smartphone-Kameras. Rein physikalisch können sie nicht leisten, was zum Beispiel eine Spiegelreflex oder eine gute Edelkompakte zustande bringt. Zumal Apple nach wie vor keinen offiziellen Blick auf die RAW-Dateien erlaubt, Pro hin oder her. Die von Apple vollmundig angepriesenen Profi-Qualität wird sich aber mit keiner der Kameras erzielen lassen: dafür sind die Sensoren und Linsen schlicht zu klein. Sogar auf der Apple-Website sieht das Foto mit dem tollen „Nachtsicht“-Feature wirklich übel aus.

Unsere Komprimierung legt noch einen Packen drauf, aber mal im Ernst: Mit so einem Bild macht man doch keine Werbung? Naja, wenigstens sind sie ehrlich... (Quelle: Screenshot Apple.de)
Unsere Komprimierung legt noch einen Packen drauf, aber mal im Ernst: Mit so einem Bild macht man doch keine Werbung? Naja, wenigstens sind sie ehrlich… (Quelle: Screenshot Apple.de)

Übrigens ist die Kamera für mich DAS Umstiegsargument für ein iPhone, weshalb ich auch nach wie vor mein iPhone 6S (29mm, f=2.2) benutze: Die Kameras der neueren Generationen waren bisher für mich kein Grund für ein Upgrade – und in der Praxis performt mein „olles“ 6S eben gut genug, um für die allermeisten Smartphone-Situationen gewappnet zu sein.

Den Display-Unterschied sieht man nicht

Genau deshalb will ich an dieser Stelle einen Blick auf die anderen Neuerungen werfen: Die Hardware-Qualität wird wie eh und je ohne Tadel sein, die der Software iOS 13 nach dem zweiten oder dritten Wartungsupdate auch. Dass Apple allerdings ein OLED-Display, was anderer Hersteller inzwischen längst in der Mittelklasse verbauen, nach wie vor als Premium bzw. Pro-Feature vertickt, ist im Grunde frech. Der Laie dürfte ohnehin zwischen Liquid-Retina-LCD und OLED kaum einen Unterschied sehen und ehrlich: Der ist auch schwer zu erkennen, zumal beide Displays P3-Farbraum unterstützen. Allerdings ist OLED technisch bedingt wesentlich kontrastreicher.

Display kein Argument für das iPhone Pro

Auch in Sachen Auflösung gibt es eigentlich kein Argument für das Pro: Zwar ist das iPhone 11 größer bei geringerer Auflösung (1792 x 828 Pixel bei 326 ppi beim 6,1″ 11, 2436 x 1125 Pixel bei 458 ppi beim 5,8″-Pro). Doch dieser Wert ist rein theoretisch: Wie das Marketing-Wort „Retina-Display“ bereits suggeriert, sieht man hier wie da keine Pixel, weil sie bei normalen Betrachtungsabstand kleiner als die Netzhaut-Auflösung sind. Wer häufig Filme auf dem Mäusekino schaut oder gar Videos schneidet (sic!), kann aber in das bessere Display des Pro investieren, für die allermeisten User dürfte das normale 11er-iPhone displayseitig völlig ausreichen.

Drei Kameras machen To... Tr... Trypophobie. Sagen Spinner. (Bild: Apple)
Drei Kameras machen To… Tr… Trypophobie. Sagen Spinner. (Bild: Apple)

Mal wieder schneller. Gähn.

Überhaupt, Videoschnitt… wer erledigt so etwas auf einem iPhone? Hierbei hilft freilich der A13-SoC: Ja, Apple hat mit der neuen Prozessor-Generation wieder Großes geleistet. Beide iPhone-11-Varianten dürften daher im Alltag brachial schnell sein. Und doch frage ich mich schon seit Jahren, wer in aller Welt die ganze Leistung überhaupt auf einem Smartphone abrufen kann – außer vielleicht Anwender, die auf dem Handy Videos schneiden. Sicher: Manche Spiele sehen noch besser aus, manche GUI-Funktion mag noch besser fluppen, aber auch hier gibt es bei mir ein Dilemma: Mein iPhone 6S mag alt sein, reicht aber noch exakt für alles, was ich damit mache. Ein Upgrade auf ein schnelleres Gerät ist für mich (und für viele andere User wohl noch mehr) aus funktionaler Sicht nach wie vor überflüssig. Vermutlich auch ein Grund für die sinkenden iPhone-Verkäufe: Die Teile halten zu lange und sind vor allem viel zu lange gut nutzbar. Für den User ist das gut, für die Verkaufszahlen weniger. Immerhin gibt es laut Apple deutlich bessere Akkulaufzeiten – aber auch das ist relativ, abhängig von den Einstellungen im System und den installierten Apps.

Kaufberatung: Wer guten Gewissens auf das iPhone 11 umsteigen kann – und wer nicht

Ist das iPhone 11 (Pro) also ein gutes Gerät? Das steht außer Frage. Und wer wirklich umsteigen will, wird sowieso demnächst zum Apple-Store rennen, egal, welches iPhone er aktuell besitzt.
Aus persönlicher Erfahrung mit meinem 6S kann ich aber nur Nutzern der Geräte zum Upgrade raten, die kein iOS 13 mehr erhalten, also alle iPhones, die älter als ein 6S sind. 800 Euro für ein Smartphone, was letztlich ein bisschen flotter ist und ein bisschen besser fotografiert und nochmal 350 Euro drauf für ein bisschen bessere Hardware, sind letztlich reiner Luxus – und bei noch neueren Geräten gibt es sicher noch weniger Gründe für den Umstieg.
An dieser Stelle ein Fun Fact: Alle aktuellen iPhone-Modelle sind auch noch schwerer als mein 6S: 143-Gramm-Leichtgewicht stehen hier gegen ein 194-Gramm-Brikett (Pro: 188 Gramm).

Geld und Steuern sparen beim neuen iPhone

Und dann fehlt auch noch die Klinkenbuchse – vielleicht ein guter Grund, noch ein Jahr zu warten. Aber falls ich zuschlage, wird es wohl das Apple iPhone 11 mit 128 GB in schwarz werden: Auch wenn die fehlende Tele-Linse nervt, scheint hier das Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich besser zu sein. Übrigens: Selbstständige können das Ding dann direkt im ersten Jahr abschreiben, bei einem iPhone 11 Pro wären selbst bei der kleinsten Ausstattung drei Jahre Abschreibung nötig. Wer zum kleineren Modell bis 128 GB (Netto 713,44 Euro) greift, liegt noch unter der Abschreibungsgrenze von 800 Euro – und spart nicht nur Geld, sondern auch Steuern.

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Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs.
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2 Kommentare

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