NetzkulturTestlaborWeb

Selbstversuch: DuckDuckGo statt Google – geht das?

Kann man auf die Google-Suche verzichten? Die Google-Alternative DuckDuckGo respektiert den Datenschutz. Doch bietet sie alles, was man braucht?

Heute ist Google eine ganze Weile ausgefallen und so manch einer dürfte sich gefragt haben, ob jetzt das Internet weg ist. Ist es nicht: Denn auch, wenn für viele Internet-Nutzer Google „das Internet“ ist: Vor Google gab es – das wissen Web-Dinos wie ich – schon eine Reihe populärer Suchmaschinen: Yahoo, Fireball, Lycos, Metager, Web.de. Sie alle waren am Ende schlechter als Google, was ihren Untergang besiegelt hat. Doch trotz seiner gut und gerne 88 Prozent weltweitem Marktanteil ist Google nicht perfekt und vor allem eine olle Datenkrake. Die Suchmaschine DuckDuckGo soll eine Alternative sein, die den Datenschutz respektiert. Deshalb habe ich auf allen Geräten DuckDuckGo statt Google als Standard-Suchmaschine eingestellt. Hier nun nach über sechs Wochen ein kleines Fazit.

Kann man auf die Google-Suche verzichten?

Die Frage, ob man bei der Suche im Internet grundsätzlich auf Google verzichten kann, möchte ich an dieser Stelle schon einmal beantworten: Ja, man kann! Ich arbeite viel mit Internetsuche und muss sagen, dass ich nur sehr, sehr selten wieder Google bemühen musste. Im Alltag erweist sich DuckDuckGo als eine erstaunlich gute Suchmaschine, zumal sie sich bei der Bedienung an Google orientiert, die Hürde also sehr niedrig ist. Wer DuckDuckGo wie ich im Browser einstellt, kann den Dienst direkt über die Suchfunktion von Safari, Edge, Chrome, Firefox und Co. einsetzen. Der Übergang erfolgt für den User weitestgehend nahtlos: Trefferlisten sind so aufbereitet, dass sich ehemalige Google-Nutzer sofort zurecht finden. Als etwas störend empfinde ich, dass man die Trefferliste in vielen Fällen per Schalter erst einmal auf „Deutschland“ beschränken muss: Gerade, wenn man für einen fremdsprachigen Begriff nur deutsche Treffer braucht, ist das natürlich etwas lästig.

Gut aufbereitet: Die DuckDuckGo-Trefferliste.
Gut aufbereitet: Die DuckDuckGo-Trefferliste.

Verwendet Apple-Karten – überall!

Gut an DuckDuckGo finde ich, dass der Dienst wie Google eine Kartenfunktion hat. Sucht man zum Beispiel einen Ort, wird direkt auch eine Karte eingeblendet. Schön dabei: DuckDuckGo verwendet natürlich nicht Google Maps, sondern die Web-Version von Apple-Maps. Die ist zwar in manchen Teilen nicht so gut wie das Google-Produkt, trotzdem reichen Apple Maps völlig aus, um auf einer Karte etwas nachzuschauen oder sich eine Wegbeschreibung geben zu lassen. Der Vorteil von Apple Maps ist gegenüber Google- oder auch Microsofts Bing-Maps, dass es deutlich zurückhaltender bei der Datensammelei vorgeht als die Mitbewerber. Dabei ist die Qualität aber höher als zum Beispiel bei OpenStreetMap. Natürlich könnte DuckDuckGo konsequenterweise auch letzteres verwenden – allerdings hat Apple im Gegensatz zu OpenStreetMap eine eigene Routenplanung, weshalb das Tool derzeit einfach nützlicher ist – auch wenn DuckDuckGo keine Ortspeilung anbietet, was die Navigation erschwert.

DuckDuckGo verwendet Apple-Maps, aber keine Ortsdaten-Peilung im Browser. Das erschwert die Navigation.
DuckDuckGo verwendet Apple-Maps, aber keine Ortsdaten-Peilung im Browser. Das erschwert die Navigation.

Die Ergebnisse sind gut, aber nicht perfekt

In aller Regel ist DuckDuckGo bei den Treffern auf einem ähnlichen Niveau wie Google und Bing. In der Praxis zeigt sich aber, wo Googles Datensammelwut sich positiv auswirkt: Crawler sind aktiver, neue Ergebnisse brauchen ihre Zeit, bis sie in DuckDuckGo landen. Auch die Bewertung der Ergebnisqualität ist nicht immer optimal. Statt eines Deeplinks wird nicht selten auf Übersichtsseiten oder Homepages verwiesen. Nicht so schön ist die Werbung in den Suchtreffern: Diese ist kaum von einem normalen Treffer zu unterscheiden, was aber bei Google auch nicht anders ist.

Nicht so schön: Werbung ist nicht gut erkennbar.
Nicht so schön: Werbung ist nicht gut erkennbar.

News und Preissuche ersetzen Google

Genau wie Google besitzt DuckDuckGo eine News- und eine Shopping-Funktion, mit der sich Ergebnisse über aktuelles Tagesgeschehen ebensogut finden lassen wie mit dem Suchmaschinen-Riesen. Aktuelle Nachrichten stehen hier schnell zur Verfügung. Die Shopping-Suche der Google-Alternative ist meines Erachtens sogar eine Spur besser als die von Google. Googles eigene Preissuchmaschine ist nämlich eher schlecht aufgestellt, selten aktuell und offensichtlich auch nicht in der Lage, Shops richtig nach Relevanz oder Verlässlichkeit zu sortieren. DuckDuckGo hingegen greift unter anderem auf Preissuchmaschinen wie Idealo zurück, was die Qualität der Treffer der Preissuche deutlich hebt.

Die Preissuchmaschine präsentiert sich aufgeräumt und übersichtlich.
Die Preissuchmaschine präsentiert sich aufgeräumt und übersichtlich.

Bildersuche besser, Videosuche schlechter

Auch bei der Video- und Bildersuche ist DuckDuckGo Google tatsächlich überlegen. Das beginnt damit, dass Bilddateien direkt und ohne Umwege angezeigt werden können – Google setzt seit einiger Zeit eine Art Wrapper um die Bilder, der verhindert, dass man via Google-Suche Bilder direkt aufrufen kann. Stattdessen wird man auf die Website weitergeleitet, wo das Bild oft nicht mehr verfügbar ist. Nicht so bei DuckDuckGo: Was hier angezeigt wird, ist verfügbar. Für Website-Betreiber wäre allerdings schön, wenn die Website, die das Bild hostet, prominenter eingeblendet würde.

Bei der Videosuche zeigt sich übrigens ein kurioses Bild: Während man bei Google auch viele Treffer von Dritt-Websites erhält, obwohl man erwarten würde, dass hier vor allem Youtube promoted wird, gibt sich DuckDuckGo als Fan von Googles Videoplattform: Was per DuckDuckGo gefunden werden muss, sollte also auf diesem Dienst hochgeladen werden. Möglich, dass hier ein noch nicht ganz ausgereifter Algorithmus dahinter steckt, denn Youtube und seine Nutzer geben relativ viele Metadaten bei den Videos an. Eine inhaltliche Suche ist bei beiden Suchmaschinen kritisch, allerdings scheint Google besser zu „verstehen“, was das Video zeigen soll.

Praktisch: Ist der Darkmode am Rechner an, ist auch DuckDuckGo dunkel.
Praktisch: Ist der Darkmode am Rechner an, ist auch DuckDuckGo dunkel.

Fazit: Brauche ich Google noch? Jein!

Grundsätzlich fiel mir der Umstieg auf DuckDuckGo erstaunlich leicht. Alle häufig von mir verwendeten Funktionen sind bei der Google-Alternative an Bord, zudem enthalten die Trefferlisten wie bei Google in den allermeisten Fällen in den ersten Positionen das, was man sucht. Allerdings hat DuckDuckGo eine gewisse Schwäche bei mehreren Ergebnissen einer Website: Während Google hier kleingedruckt alternative Ergebnisse der gleichen Website anzeigt, listet DuckDuckGo stur eine Website nach der anderen. Gerade wer Bastel- oder Reparaturinfos in Foren sucht, wird also vermutlich doch hin und wieder zu Google ausweichen müssen.

Für alles andere hat sich die alternative Suchmaschine DuckDuckGo bei mir aber bewährt – ich werde deshalb dabei bleiben und Google ein ganz klein wenig seiner Datensammelei erschweren. Wie gesagt: Google muss nicht jeden Driss wissen, den ich im Internet suche. Ganz auf Google verzichten geht aber leider nicht: Wenn man wie ich ein GMail-Konto beim Suchmaschinen-Riesen hat oder einen der zahllosen anderen Dienste (inklusive Android oder den Chrome-Browser) nutzt, ist es natürlich schwer, komplett auf den Suchriesen aus Mountain View, Kalifornien, zu verzichten.

Anzeige Wir empfehlen NordVPN.

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs. Neuerdings Tochtervater. Spendier‘ mir einen Kaffee.

Verwandte Beiträge

4 Kommentare

  1. Danke für den tollen Artikel.
    Ich würde auch komplett zu DDG wechseln, aber vieles ist an Google gebunden, bei der Arbeit und traditionell. Aber einige Punkte sind in Duck noch bequemer. Also ist es toll.

  2. Artikel gelesen und mit dem DDG Browser dabei direkt 6 Tracker blockiert. Was des Einen Segen ist das ist evtl. des Anderen Fluch…. 🙂.
    Da der Artikel aber gut und fair ist spendiere ich statt meine Daten zu spreaden lieber einen Kaffee 😉
    Ich bin von DDG übrigens ganz angetan und bewerte den Ansatz von DDG höher als den zusätzlichen Komfort von Google und co.

  3. Niemand BRAUCHT Google wirklich, weder als Suchmaschine noch auf Android, es gibt genügend Alternativen wenn man seine eigene Trägheit überwinden kann, sein Konsumentendasein mal in Frage stellt und ausgetretene Wegen verlassen will. Es geht u.a. auch ohne Microsoft und Apple, aber das muss man natürlich WOLLEN… Vielleich mal ein bisschen out-of-the-box oder besser out-of-the-bubble denken ist ja heute schon (zu) viel verlangt.

  4. Danke für den sachlichen, nützlichen Artikel.
    Einen Hieweis möchte ich ergänzen:
    Statt im Notfall Google direkt zu verwenden, nutze ich Startpage! Die Betreiber holen sich von Google, was ich suche, geben es an mich weiter, aber Google erfährt nicht, wer da etwas angefordert hat. Finde ich ziemlich genial.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
Tutonaut.de