In Kodi könnt Ihr jedes Wort aus den Zusammenfassungen von Serien und Filmen als Icon in den Media-Ansichten visualisieren. So lassen sich wunderbar Filme und Serien markieren, die sich zum Beispiel um bestimmte Feiertage oder Sportereignisse drehen. Oder wie wäre es mit dem Hinzugefügt-am-Datum direkt in der Titel-Übersicht? Wir zeigen wie es geht, was Ihr draus macht, liegt an Euch!

In Kodis Bibliotheksansichten finden sich in den Titel-Listen normalerweise Titel, Episodennummer, Bewertung sowie Bildchen für HD- oder SD-Auflösung. Das muss aber nicht so bleiben, Ihr könnt dort weitere Infos anzeigen – für unser Beispiel: Das Hinzugefügt-am-Datum sowie Icons für die Themen Football, Weihnachten und Halloween, die erscheinen, wenn ein entsprechendes Schlüsselwort in der Zusammenfassung des Films oder der Episode vorkommt. Ein ganz klein wenig Frickelei muss sein, aber dafür könnt Ihr auch etliche eigene Ideen realisieren – Hardcore-Kodi-Nutzer solltet Ihr aber schon sein, um einen Nutzen zu erkennen 😉

Worum geht es überhaupt genau?

Vielleicht geht es Euch ja auch so: Jedes Jahr im Herbst, wenn Halloween, Thanksgiving und später Weihnachten vor der Tür steht, suche ich mir für die entsprechenden Feiertagsfolgen meiner Lieblingsserien heraus. Das geht mäßig gut mit der Suche und ziemlich gut mit intelligenten Playlisten. Eigentlich würde ich aber gerne in den Episodenlisten auf einen Blick sehen, in welchen Folgen es sich eben um einen Feiertag dreht. Da wäre es doch schön, in der Listenansicht kleine Symbole zu sehen, wie sie auch für SD-/HD-Auflösung angezeigt werden.

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Ein Anfang – mit schickeren und zusätzlichen Icons, könnte sich da etwas wirklich hübsches anbahnen.

Und wenn man schon dabei ist: Bei Filmen wäre es bisweilen ganz nützlich, das Hinzugefügt-am-Datum in der Liste zu sehen – warum auch immer … Dieser Part ist eher dazu gedacht, Euch noch eine weitere Möglichkeit zur Manipulation des Themes zu zeigen, die nach demselben Prinzip funktioniert. Wichtig: Die Anleitung funktioniert mit dem Theme Confluence, das bis zur gerade noch aktuellen Version Kodi 16 der Standard ist. Ab Version 17 gibt es ein anderes Standardoutfit für Kodi, aber natürlich könnt Ihr nach wie vor Confluence aktivieren. Allerdings dürfte sich die Anleitung auch auf andere Themes übertragen lassen – mit allerlei Anpassungen versteht sich.

Der Workflow in der Übersicht

Damit Ihr die Schritt-für-Schritt-Anleitung besser versteht, hier der Ablauf einmal in der Übersicht: Zunächst müsst Ihr die gewünschten Bilder/Icons in das Theme kopieren – und da alle Bilder in der Datei „Textures.xbt“ zusammengefasst werden, müsst Ihr diese (wie ein ZIP) entpacken, Bilder hinzufügen und wieder als XBT packen. Im zweiten Schritt fügt Ihr dann ein paar Zeilen zu einer XML-Datei hinzu.

Wir zeigen Euch, wie Ihr die Ansicht „Big List“ manipuliert. Wollt Ihr andere Ansichten aufmotzen, müsst Ihr den Code lediglich an eine andere Stelle in der XML-Datei kopieren, das ist also auch kein Hexenwerk. Und wer an dieser Stelle „scheiß Nerds“ denkt und aussteigen will – wir haben noch viele weitere, deutlich mainstreamigere (was für ein Wort …)Kodi-Artikel. 😉

1. Texturen-Datenbank auffinden

Zunächst solltet Ihr die Texturen-Datenbank Textures.xbt auffinden und backuppen; unter Windows: NUTZERNAME\AppData\Roaming\Kodi\addons\skin.confluence\media.

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Die textures.kbx beinhaltet alle Icons im Confluence-Theme.

2. Texturen-Datenbank entpacken/dekompilieren

Besorgt Euch das kostenlose Kodi Texture Tool und startet es. Hier gebt Ihr im oberen Teil (decompile) Eure Textures.xbt als Input ein, einen beliebigen Ordner als Output und entpackt dann über den Start-Button.

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Das WinZIP des kbx-Formats 😉

3. Inhalt der Textures.xbt angucken

Öffnet Output-Ordner. Hier seht Ihr eine ganze Reihe an Bildchen und ein paar Ordner. Wichtig zum Verständnis: In den XML-Dateien von Kodi-Skins werden Pfadangaben wie zum Beispiel „/flagging/video/3d.png“ genutzt – aus Kodi-Sicht spielt es dabei keine Rolle, dass sich diese Pfade in der XBT-Datei befinden.

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Der Inhalt der textures.kbx

4. Icons hinzufügen

Kopiert nun Icons für alles hinein, was Ihr visualisieren wollt – vermutlich ließen sich hier auch hübschere als unsere Beispiel-Icons finden. Wir nehmen den Ordner „flagging/video“.

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OK, unsere Icons fügen sich nicht wirklich nahtlos ein …

5. Texturen-Datenbank packen/kompilieren

Ruft nun wieder das Kodi Texture Tool auf. Dieses mal nutzt Ihr den unteren Teil (compile), gebt den entpackten Ordner von eben als Input an und die Textures.xbt im Kodi-Profil-Ordner als Ziel. Via Start-Button wird eine neue Textures.xbt samt Eurer Icons geschrieben.

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Und wieder retour – kompilieren/packen.

6. Layout-Datei auffinden

Kehrt wieder zum Kodi-Profil-Ordner zurück und öffnet dieses mal den Ordner 720p. Das Layout der Big-List-Ansicht wird in der Datei ViewsFileMode.xml festgelegt. Öffnet sie in einem Texteditor wie Notepad++.

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Es gibt SEHR viele XML-Zeilen, an denen Ihr herumspielen könnt.

7. Layout-Einstellungen ansteuern

Die Datei ist ziemlich groß und unübersichtlich, Ihr müsst suchen. Wenn Ihr Notepad++ nutzt, klappt am besten erstmal die einzelnen Bereiche zu und lasst lediglich folgenden Punkt offen:

<include name="FullWidthList">

Unterhalb dieses Punkts gibt es nun Einstellungen für alle Einträge in der Video-Übersicht und für den Eintrag, der gerade aktiv ist, wo also der Mauszeiger drauf liegt (focused). Die Einstellungen für alle Einträge findet Ihr unter

<itemlayout height="40" width="1080">

Unterhalb dieser Hierarchiestufe fügt Ihr nun die so genannten Controls ein, die Eure Icons einblenden.

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Wenn Ihr Überflüssiges wegklappt, sieht es schon übersichtlicher aus.

8. Code für Icons einfügen

Die Controls sind im Grunde recht einfach und können wie folgt aussehen:

<control type="image">
    <left>800</left>
    <width>80</width>
    <height>35</height>
    <aspectratio align="center">keep</aspectratio>
    <texture>flagging/video/tuto.png</texture>
    <visible>[substring(ListItem.Plot,football) | substring(ListItem.Plot,superbowl)] </visible>
</control>

Interessant sind hier die beiden Zeilen mit textures und visible. Der texture-Teil gibt an, welche Grafik angezeigt werden soll – hier im Beispiel eben tuto.png im Ordner flagging/video. Und visible bestimmt nun, unter welchen Bedinungen das Icon angezeigt wird: Das Schlagwort (substring) „football“ muss in der Beschreibung (plot) eines Films/einer Serie (ListItems) vorkommen. Oder das Schlagwort „superbowl“. Ihr könnt mit „|“ weitere Oder-Verknüpfungen einfügen.

Die anderen Zeilen sind wohl selbsterklärend, wichtig ist vor allem die Einstellung left, da Ihr damit festlegt, wieviele Pixel ein Icon vom linken Rand entfernt dargestellt wird. Die Icons sind hier 80 Pixel breit. Wollt Ihr mehrere Icons auf diese Weise einfügen, solltet Ihr den left-Wert jeweils um mindestens 80 Pixel erweitern/reduzieren, damit Icons nicht übereinander angezeigt werden, wenn ein Titel mehrere Schlagwörter im Plot hat.

Wenn die Einstellungen auch beim aktiven Listenelement bleiben sollen, kopiert Eure Controls einfach weiter unten in den Bereich hinter:

<focusedlayout height="40" width="1080">

Focused heißt nichts weiter, als dass der Fokus durch Mauszeiger oder Anwählen per Pfeiltasten auf dem einen Film, der einen Episode liegt.

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Sieht vielleicht abschreckend aus, aber der XML-Code ist ziemlich einfach nachzuvollziehen.

9. Icons in Kodi bewundern

Öffnet nun Kodi und switcht in der Bibliothek zur Ansicht „Big List“ und bewundert Euer Machwerk. Am besten testet Ihr das ganze zunächst mit einem einzelnen Icon und einem Schlagwort, das im Plot einer Serie ganz oben in der Liste vorkommt. Wenn es angezeigt wird, könnt Ihr ergänzen.

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Ein Anfang – mit schickeren und zusätzlichen Icons, könnte sich da etwas wirklich hübsches anbahnen.

Andere Ansichten und Tuning: Es gibt in Kodi/Confluence viele Ansichten und alle dürft Ihr derart modifizieren – um die richtigen Stellen zu finden, müsst Ihr ein wenig suchen und experimentieren. Die Media-Info-Ansichten findet Ihr in der Datei ViewsVideoLibrary.xml. Auch lohnt es sich, mit Größe und Platzierung ein wenig zu spielen, bis Euch die jeweilige Ansicht wirklich gefällt. Übrigens: Damit Änderungen sichtbar werden, startet Kodi neu.

10. Hinzugefügt-am-Datum für Filme hinzufügen

Bislang haben wir auf die Plot-Zusammenfassung von Titel, also ListItems zugegriffen. Das Objekt ListItem hat aber noch viele Dutzend weitere Eigenschaften, etwa Titel, Darsteller, Genre, Album und so weiter – und eben auch das Hinzugefügt-am-Datum, anzusprechen über ListItem.DateAdded. Da das offensichtlich kein Bild, sondern Text ist, ist es dieses mal kein Image-Control, sondern ein Label:

<control type="label">
    <left>600</left>
    <width>130</width>
    <height>35</height>
    <aspectratio align="center">keep</aspectratio>
    <label>$INFO[ListItem.DateAdded]</label>
    <visible>[Container.Content(Movies) | Container.Content(Sets)]</visible>
</control>

Über den label-Tag wird das Datum ausgelesen und über visible wieder die Bedingung fest, hier, dass es sich um eine Ansicht mit Filmen oder mit (Film-) Sets handeln muss.

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Über ListItem lässt sich auf alle Metadaten von Medien zugreifen.

11. Icons und Datum bewundern

In der Film-Ansicht mit beiden Icons und zusätzlichem Hinzugefügt-am-Datum sollte das ganze dann so wie hier im Screen aussehen.

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Ein Datum. Aber schon schön, dass es so einfach geht.

12. Noch mehr Ideen

Mit diesen Werkzeugen an der Hand und der Bereitschaft, sich ein wenig genauer mit der Syntax und den richtigen Stellen auseinanderzusetzen, könnt Ihr nun allerlei andere Projekte realisieren. Wie wäre es mit den Köpfen Eurer Lieblingsschauspieler in der Liste? Oder einem Icon für 3D-Filme, wenn sich im Dateinamen ein Hinweis darauf finden lässt? Einer der interessantesten Ansatzpunkte ist die Liste der InfoLabels, zu denen auch ListItem gehört, sowie all ihrer Attribute. Und natürlich lohnt es sich, sich durch die XML-Dateien im 720p-Ordner zu wühlen. Wenn Ihr das ganze auf die Spitze treibt, könnt Ihr natürlich auch gleich komplett eigene Skins erstellen – aber das ist dann doch etwas mehr Arbeit, als ein wenig Cut&Paste für die Oberfläche 😉

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Auch in anderen Ansichten funktioniert der Spaß.

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Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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