Parallels Desktop Lite ist weit mehr als eine beschnittene Parallels-Version. Mit einem Trick könnt Ihr hier sogar Windows 10 installieren.

Wir Tutonauten sind ja im Grunde eingeschworene Fans von VirtualBox: Die Virtualisierungssoftware ist gratis für Windows, Mac und Linux erhältlich und reicht in aller Regel aus, um zum Beispiel auf dem Mac mal eben etwas unter Windows oder Linux zu starten. Allerdings gibt es eine Software auf dem Mac, die besser ist: Parallels Desktop, das es jetzt kostenlos als Lite-Version im Mac-App-Store gibt.

Parallels Desktop gratis mit „kleinen“ Einschränkungen

Zunächst einmal ist erstaunlich, was Parallels Desktop Lite leistet, ohne einen Cent zu kosten: Es ist im Grunde bis auf einige kleine Einschränkungen die „normale“ Vollversion von Parallels! Allerdings gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied: Windows ist nicht möglich – solange Ihr nicht bezahlt. 64,99 Euro will Parallels dafür sehen, dass Ihr Windows laufen lassen dürft.

Linux

Linux und MacOS lassen sich problemlos in Parallels Desktop Lite installieren.

Das ist zwar billiger als die 79 Euro für die reguläre, jährlich neu erscheinende Vollversion – aber unter dem Strich doch teuerer, weil Ihr auch alte Parallels-Versionen so lange benutzen könnt, bis sie nicht mehr unter der neuesten MacOS-Version laufen. Im Grunde also kein Schnäppchen – zumal die Windows-Lizenz noch obendrauf kommt, allerdings nur einmal. Aber Stopp… dazu gleich noch mehr 🙂

VMs

Von wegen Gratis ist billig: Parallels Desktop Lite kann alles außer Windows!

Schwer kastriertes Parallels für Nerds? Mitnichten.

Parallels Desktop Lite ist also um seine wichtigste Funktion kastriert, kann aber sonst alles, was Parallels normalerweise kann. Und ist damit ideal für alle User, die KEIN Windows, sondern andere Betriebssysteme virtualisieren wollen. Also im Grunde MacOS und Linux. Und das klappt erstaunlich gut und weitestgehend frei von Einschränkungen mit dem Programm.

Parallels-1

Einige Linux-Versionen lassen sich mit einem Klick installieren.

Voreingestellt sind bereits fünf Linux-Distributionen: Chromium, Ubuntu, Fedora, CentOS und Debian. Andere Linux-Versionen können wie von der regulären Parallels-Version bekannt per ISO-File oder Bootstick installiert werden. Und das klappt auch wunderbar, denn Parallels Desktop Lite sucht auf Wunsch nach ISO-Dateien auf dem Mac. Sogar MacOS kann auf diese Weise installiert werden: Einfach den Installer aus dem App-Store nehmen, anschließend könnt Ihr virtuelle Maschinen mit Linux und MacOS anlegen, wie Euch die Nase gewachsen ist. Das ist top und vor allem deutlich einfacher als mit VirtualBox, womit Parallels Desktop Lite auf dem Mac durchaus eine Existenzberechtigung hat.

Parallels-2

Parallels Lite findet selbstständig Installer auf dem Mac.

Windows unter Parallels Desktop Lite installieren

Wir wären freilich nicht die Tutonauten, wenn wir Euch nicht mit Rat und Tat beiseite stünden. Es besteht nämlich durchaus die Möglichkeit, Windows 10 in Parallels Desktop Lite zu installieren! Möglich wird das aufgrund der technischen Struktur virtueller Maschinen – und über einen Umweg: Ihr müsst zunächst eines der mitgelieferten Linux-Versionen aufsetzen. Anschließend geht Ihr folgendermaßen vor:

  1. Achtung: Nach der Tools-Installation blockiert Parallels Lite den Windows-Neustart nach dem Herunterfahren! Ihr solltet die Windows-VM also nur in den Standby setzen, bevor Ihr Parallels beendet. Software-Installationen mit Neustart – also ohne vollständiges Herunterfahren der VM – funktionieren.
  2. Fahrt die virtuelle Linux-Maschine herunter und öffnet die Einstellungen, indem Ihr rechts in der Liste der virtuellen Maschinen auf das Zahnrad-Symbol klickt.
  3. Vergrößert nun unter „Hardware -> Festplatte 1“ die virtuelle Festplatte auf 32 Gigabyte oder einen anderen Wert, der Euch zusagt.
  4. Schaut in der gleichen Liste nach, ob hier bereits eine „CD/DVD1“ auftaucht. Wenn ja: Super. Wenn nein: Plus-Symbol drücken und hinzufügen. Legt hier Eure Windows-ISO ein.
  5. Wählt jetzt den Eintrag „Boot-Sequenz“: Hier sollten CD/DVD, Netzwerk, Externes Gerät und Festplatte 1 auftauchen. Stellt die CD/DVD (Euer virtuelles DVD-Laufwerk mit der Windows-ISO) nach oben und wählt die Punkte „Netzwerk“ und „Externes Gerät“ ab.
  6. Fertig: Ihr könnt Eure virtuelle Linux-Maschine jetzt neu starten. Sie sollte von der Windows-ISO booten. Wenn das nicht klappt, einfach nochmal versuchen.
  7. Ihr könnt Euch jetzt wie üblich durch die Windows-Installation klicken. Wichtig: Ihr müsst unterwegs bei der Auswahl des Ziel-Laufwerks alle (!) Partitionen löschen, bis nur noch eine große Partition „nicht zugewiesen“ vorhanden ist. Die könnt Ihr dann neu anlegen und formatieren. Anschließend könnt Ihr hier Windows installieren.
  8. Nach dem üblichen Installations- und Einrichtungsvorgang läuft Windows 10 unter Parallels Desktop Lite – und zwar kostenlos! Vergesst nicht, die Installations-ISO aus dem virtuellen Laufwerk zu nehmen.
Windows-CD

Die Boot-Sequenz macht den Unterschied.

Windows-1

Wichtig: Alle Linux-Partitionen plätten und Windows-Partition erstellen.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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Kommentare

  • Super!
    Habe Ubuntu installiert, läuft bestens am Parallels Lite.

    bin aber immer noch im Testmodus
    Wie stabilisiere ich Lite als dauerhafte Version!

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