Endnutzer-Linux und Grundlage für eigene Distributionen. Kann das gutgehen? Zweifel beherrschen die Erwartungshaltung – und ja, irgendwie …

Dieses mal also ein Red-Hat-Derivat. Klangvoller Name, aber meine Erwartungshaltung ist eher gedämpft. Mein erster PC war ein 386er vom Flohmarkt. Dabei: Red-Hat Linux auf CDs. Ich hatte keine Ahnung von Computern, keinen Schimmer was Linux oder Red-Hat ist, kein Handbuch und – natürlich – kein Internet. Was für ein Spaß. Glaubt mal ja nicht, so ein Ding hätte damals einen grafischen oder sonst ordentlich geführten Installer gehabt … Aber gut, das ist über 20 Jahre her. Vielleicht ist CentOS ja viel mehr wie Ubuntu.

Über Linux-Distri-Impressionen

Ausführliche Infos: Quartett-Artikel und Distri-Impressionen-Übersicht. Hier nur ganz kurz zur Einordnung: Die Distri-Impressionen sind für das Quartett quasi „nebenher“ entstanden und sind keine tiefschürfen oder technischen Analysen. Es geht hier um das, was mir bei Installation, Einrichtung und Herumspielerei mit Desktop, Einstellungen und Tools aufgefallen ist. Was mich langweilt, was mich begeistert.

centos

Als Baukasten für Distributionen ist CentOS spannend.

CentOS mit Gnome

Während ich diesen Satz beginne, installiert CentOS immer noch Gnome – ganz toll. Eigentlich sollte der gute, grafische CentOS-Installer am Ende ein normales System mit einem Gnome-Desktop ausspucken. Tut er aber nicht. Stattdessen muss man ihn erst mit yum installieren. Und bevor man das kann, muss man zunächst per dhclient für eine funktionierende Netzwerkverbindung sorgen. Dann muss der Desktop über systemctl aktiviert werden. Und damit das künftig direkt in die GUI startet …

Naja, genau jetzt ist er endlich da, der Desktop. Und eigentlich habe ich schon die Schnauze voll. Da ich die Distris hier alle in einer VirtualBox-VM teste, gibt es noch mehr zu tun. Im Gegensatz zu richtigen Endnutzer-Distris wie Zorin OS braucht CentOS noch die Gast-Erweiterungen, um den Desktop im Vollbild anzeigen zu können. Geht aber auch nicht ohne weiteres. Zunächst müssen ein paar Tools und Kernel-Header installiert werden – wie auch bei einigen anderen Distris. Aber hier: Funktioniert danach immer noch nicht. Und da ich für das Quartett eigentlich nur Screenshot und Boot-Zeit benötige, habe ich keinen Bock mich da rein zu fuchsen. Zumal: Wieso auch? Zeitgemäß geht anders.

centos

Ihr seht’s am Format: Vollbild war in der VM nicht zu bekommen.

Zur Ehrenrettung: CentOS stellt sich selbst als Grundlage für andere Open-Source-Communities dar, die eigene Distributionen aufbauen wollen. CentOS soll zwar auch als Endnutzer-Desktop-Distribution fungieren, aber es ist nicht das Hauptziel. Und der Nicht-Techie-Endverbraucher ist es schon gar nicht. Und davon abgesehen, ist CentOS natürlich extrem spannend.

Der Desktop kommt im Standard-Outfit, es gibt eine Standardgrundausstattung und ein paar Tools für erfahrenere User/Entwickler. Am Ende steht wieder mal: Für normale Anwender gibt es keinen guten Grund, sich länger als 10 Minuten mit CentOS zu beschäftigen. Vielleicht ist der nächste Red-Hat-Vertreter erfreulicher: Mageia.

P.S.: Nächster Boot-Vorgang: Abbruch vor dem Login. Nächste Boot-Vorgänge: Bootet in einen schwarzen Desktop. Man könnte vielleicht argumentieren, dass es an der VM liegt, aber fast alle anderen Distris laufen problemlos, darunter alle großen, bekannten Linuxe. Es ist einfach lästig.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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