Der Clip-MP3-Player zum Preis eines großen Biers – kann so ein Gerät, was es soll? Oder ist es Elektroschrott? Wir haben es getestet.

Ein MP3-Player für 3,59 Euro – verlockend, wenn man etwas Simples will: Es sollte ein Gerät mit Clip sein, MicroSD-Karten akzeptieren, klein sein, ein minimales Display haben (zwecks langer Akkulaufzeit), kein Touch, kein Video. Das beste Produkt dafür: Sansa Clip+ – leider nicht mehr verfügbar, gebraucht über 60 Euro teuer (eben weil das Teil dermaßen gut ist), Nachfolger scheinbar Schrott. Das billigste Produkt: Ein No-Name-Ding, dass es bei ebay ab 3,59 Euro gibt. Die Antwort auf die Eingangsfrage: Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin.

Kernschrott in seiner schönsten Form

Gut, es war abzusehen, dass das nichts wird, aber der Schrotthaufen, der hier ankam, war schon ein Knaller – allein so einen Mist mal in der Hand gehabt zu haben, ist die 4 Euro locker wert. Das Aluminiumgehäuse ist mies gefertigt, an den rauhen Kanten kann man sich fast schneiden und das Plastik-Interieur verschiebt sich, sobald man den Kopfhörer ein-/aussteckt. Das Display ist klein, lesbar und dermaßen behämmert beleuchtet, dass das halbe Plastik des Geräts leuchtet. Und erst der Clip: Andersherum als erwartet angebracht, lässt sich der Clip nicht öffnen, ohne zwei Hände zu benutzen oder Tasten zu drücken. Und wenn das Ding dann einmal läuft: Der Musikmodus kann NUR alle Lieder als eine große Liste abspielen (wohlgemerkt abspielen, nicht auflisten – das geht gar nicht) – in meinem Fall also nicht einsehbare Liste mit über 2.000 Liedern. Sehr praktisch.

teilehaufen

So gesehen, scheinen selbst 3,59 Euro noch scheissteuer …

Und die Liednamen: foobar~1.mp3 – also in guter alter 8.3-Namenskonvention. Falls Ihr das nicht kennt: Es werden nur sechs Zeichen plus Nummer plus Dateiendung angezeigt. Mit anderen Worten: Der Player ist schon jetzt komplett unbrauchbar, sofern man nicht einfach alle Lieder am Stück abspielen will (dann braucht man das Display allerdings gar nicht, und es gibt auch Modelle ohne). Aber selbst wenn Euch das genügt: Der Klang ist ein Witz – sofern man überhaupt etwas hört vor lauter Rauschen.

Kurzum: Das Ding ist qualitativ auf Kirmes-Losbuden-Trostpreis-Niveau, völlig inakzeptabel, selbst wenn es nur 50 Pfennig gekostet hätte.

schrott

Ein Haufen Schrott fü 3,59 Euro.

P.S.: Wenn noch jemand einen funktionierenden Sansa Clip+ übrig hat – für 20 Euro kaufe ich ihn sofort, bei tadellosem Zustand auch für 30, meldet Euch!

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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Kommentare

    • Aber sowas von nicht: Meinen letzten Philips-Player, war sogar ein guter, habe ich verschenkt – die können Hardware, aber keine Software, war völlig unbrauchbar, scheiss Navigation und langsam. Mein TV: Auch Philips, auch gute Hardware – und die Software ist wieder ein schlechter Witz. Habe mir jetzt den Sansa Clip Sport gekauft – schlechter als der Clip+, aber fast schon OK. Die Software ist aber auch wieder kacke. Beispiele gefällig? Kein Resume, arg leise, Abspielreihenfolge (scheinbar) nach Kopierdatum. Kopierdatum! Aber dazu kommt noch ein Artikel. Aber Philips? Nie wieder!
      Nachtrag: Der Clip+ war original auch nicht der Weisheit letzter Schluss, was Firmware angeht – dieser Schluss hört auf den Namen Rockbox und lief tadellos. Rockbox ist die mit Abstand beste Firmware, die ich je auf einem mobilen Wiedergabegerät gesehen habe – wenn die Sansa-Leute auch nur einen Hauch Verstand haben, sollten sie die Rockboxer bei einem Port unterstützen.

Test: Clip-MP3-Player für 3,59 Euro – taugt das?

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