Testlabor

Test: Kensington Orbit – kabelloser, symmetrischer Trackball

Der Trackball für die breite Masse: Bluetooth, Funk, für Links- wie Rechtshänder

Trackballs konnten sich nie wirklich durchsetzen, allenfalls in speziellen Arbeitsbereichen wie Bildbearbeitung und bei Ergonomie-Fans dürften sie zumindest nicht ganz so rar sein. Der Kensington Orbit lohnt aber auch für Hardcore-Maus-Fans einen Blick – weil er so schön vielseitig ist!


Trackball, wirklich?

Zugegeben, wirklich warm bin ich mit den Dingern auch nie geworden. Aber einmal im Einsatz sieht man doch schnell, wofür ein Trackball als zusätzliches Eingabegerät alles gut ist: Zum einen kann man es wunderbar auf der Couch nutzen oder sonstwo, wo keine vernünftige Oberfläche für die Maus existiert. Und im Falle des Orbit-Modells K70992WW lässt sich per Bluetooth auch ein Android-Gerät bedienen – perfekt für Android-TV-Geräte!

Zum anderen ist ein Trackball am Schreibtisch eine gute Gelgenheit, ab und an mal etwas für die Gesundheit zu tun und den Mausarm zu entlasten. Hier liegt der Trackball auch gerne mal auf der Stuhllehne, was beim Surfen extrem angenehm ist. Da der Orbit nicht auf eine spezielle Hand ausgelegt und entsprechend völlig symmetrisch ist, kann man auch mal komplett auf Links umsteigen – das ist mit einem Trackball wesentlich einfacher als mit einer Maus!


Im Alltag würde ich persönlich die Maus als fixer und präziser einschätzen, einfach, weil sich die Finger auf die Tasten konzentrieren können, während Arm oder Handgelenk für die Bewegung sorgen. Letztlich ist das aber freilich auch eine Frage der Gewöhnung. Als zusätzliches Gerät als gelegentliche Alternative zur Maus sind Trackballs aber auf jeden Fall ein Gewinn.

Kensington Orbit

Der Orbit ist ein äußerst simpler Trackball mit nur zwei Tasten und Scroll-Ring. Für den Alltag ist er damit schon mal nur bedingt geeignet, zumindest Poweruser (jaja, klingt arg antiquiert …) würden schnell Tasten für Vor und Zurück, Tab-Wechsel und dergleichen vermissen. Aber gerade als symmetrisches und kabelloses Gerät ist das Modell eben auch nicht als Konkurrenz zu 20-Knöpfe-Logitech-Mäusen gedacht.

kensington orbit trackball neben maus.
Mal als Größenvergleich eine Logitech G502

Verbinden lässt sich der Orbit wahlweise via mitgeliefertem USB-Funkempfänger oder USB, wählbar über einen winzigen Schiebeschalter auf der Unterseite. Beide Verbindungsarten klappen im Test einwandfrei, Funk unter Windows, Bluetooth unter Android-TV (Kensington selbst führt übrigens nur Mac und Windows als kompatibel auf). Die Stromversorgung läuft über zwei (auch mitgelieferte) AA-Batterien. Super: Die Kommunikation läuft verschlüsselt.

Hinzu kommt noch ein kleiner Button, ebenfalls auf der Unterseite, mit dem zwischen vier DPI-Einstellungen gewechselt werden kann: 600, 800, 1200 oder 1600 DPI. Das genügt für ein solch simples Gerät voll und ganz. Dennoch wäre es schön, die Auflösung/Geschwindigkeit oben ändern zu können, etwa, um während der Bildbearbeitung mal eben temporär für Feinheiten auf 600 zu wechseln.

kensington orbit trackball mit klappe von unten.
Hier werkeln zwei AA-Batterien

Mit dem Trackball kommt auch eine Handauflage. Die ist durchaus ordentlich geformt, aber haptisch nicht gerade spannend und nur recht lose mit dem Trackball verbunden. Aber sie erfüllt ihren Zweck.

kensington orbit trackball von unten.
Die Auflage wird recht lose eingehakt

Über die Verwaltungssoftware KensingtonWorks lassen sich die Tasten belegen, die Geschwindigkeit des Scroll-Rings ändern, der Mauszeiger anpassen und Profile für einzelne Anwendungen anlegen. Die Software ist super simpel und tut, was sie soll. Nicht schön: Das Programm lässt sich nicht ohne Taskmanager beenden, es landet sonst lediglich im Tray und bietet auch dort keinen Beenden-Button. Das ist nicht die feine Art!

kensingtoworks-screen.
KensingtonWorks – gut und simpel

Bedienung und Verarbeitung

Die Verarbeitung ist tadellos, die Tasten haben ordentliche Druckpunkte, der Scroll-Ring ist griffig und leichtgängig, das Gerät steht rutschfest und der Ball selbst läuft wunderbar geschmeidig. Das matte Plastik fühlt sich zwar durchaus ganz gut an und macht einen sehr stabilen Eindruck, aber es bleibt Plastik – bei 50-Euro-Mäusen bekommt man da durchaus auch mal etwas Gummi oder Metall (sowie viel mehr Funktionen). Mindestens bei der Handauflage hätte man sich hier etwas mehr Pomp gewünscht.

Der Ball selbst fühlt sich allerdings sehr gut an, das geht als Handschmeichler durch.

Das Wichtigste: Die Bedienung funktioniert reibungslos – und zwar auch mit der falschen Hand. Das liegt an ordentlichen Proportionen und großen Tasten. Wirklich überzeugend ist der Scroll-Ring, der zumindest beim simplen Surfen dem Mausrad ein wenig den Rang abläuft – es ist einfach angenehm entspannt damit zu scrollen.

kensington orbit trackball von oben.
Der Ball ist ziemlich gut, das Scroll-Rad aber das eigentliche Highlight

Fazit

Der Preis ist im Vergleich zu Mäusen verdammt hoch, aber da redet man natürlich über ganz andere Produktionsmengen und eine ganz andere Konkurrenzsituation. Dafür bekommt man einen einwandfrei verarbeiteten Trackball, der vor allem mit der Vielseitigkeit punktet – Dual-Wireless-Modus und symmentrischem Design sei Dank.

Als dauerhaften Haupt-Mausersatz würde ich persönlich den Trackball nicht empfehlen, da würde sich definitiv ein ergonomischer Trackball mit deutlich mehr Tasten anbieten – beziehungsweise eine Trackball-Maus, die kann dann halt beides.

Aber als zusätzliche Alternative für einzelne Aufgaben und Mausarmentlastung, für die Bedienung von Android-Geräten, für den Couch-Modus und für unterwegs ist der Orbit Wireless eine sehr gute Investition.
Am Ende ist es aber wohl die Ergonomie, die mal wieder eine Kaufempfehlung für jeden provoziert, der täglich viele Stunden am PC arbeitet: Einfach mal zusätzlich zur Maus auf der anderen Seite der Tastatur aufstellen – es werden sich Gelegenheiten ergeben und die Bedienung sitzt spätestens nach ein, zwei Stunden. Für den ständig nach vorne geschobenen Mausarm ist das wirklich ein Traum!

Was dem Kensington-Trackball gut stehen würde wäre übrigens ein Kensington-Schloss … ;)

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.helpTestweise bei Mastodon

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3 Kommentare

  1. Mirco, Mirco… wieviele Monate, Jahre hast Du schon mit Trackballmäusen gearbeitet um solch eine Aussage zu treffen. In meinem Betrieb arbeiten alle nur noch mit Trackballmäusen der Marke Logi Ergo 575. Am Anfang haben manche darüber gelächelt. Nachdem man allerdings damit einige Tage gearbeitet hat, wollte sie keiner mehr hergeben. Seitdem gab es auch keinen mehr mit Sehnenscheidentzündung.

    1. Welche Aussage meinst Du? Dass Mäuse schneller und präziser sind? Falls ja: E-Sports/Gaming ist sicherlich der Extremfall was Geschwindigkeit und Präzision angeht – und da scheint man mir nach wie vor auf Mäuse zu setzen. Wenn es um Office, Browser und Büroalltag geht: Logisch, da ist es einfach nur Geschmackssache.

      Aber Trackball-Mäuse sind ja auch nochmal etwas ganz anderes als reine Trackballs, insbesondere, wenn man über so einen minimalen, symmetrischen 2-Tasten-Trackball wie den Orbit spricht.

      Also falls es im Artikel anders rüberkommt: Bessere Trackballs oder Trackball-Mäuse kann ich durchaus als Vollzeit-Maus-Alternative empfehlen – wenn man es denn mag. Ich persönlich bevorzuge die Maus und habe nie Probleme mit Sehnenscheidenentzündung, Karpaltunnelsyndrom oder ähnlichen Office-Leiden gehabt.

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