Was taugt der Clip+-Nachfolger? Wie schlägt er sich bei Hörbüchern? Ordneransicht? Playlisten? Verarbeitung? Und was soll der Quatsch mit der Lautstärke?

Den wohl billigsten MP3-Player (3,59 Euro) haben wir gestern getestet – mit absehbarem Ergebnis. Also der nächste Versuch, und wieder soll es ein kleiner Clip-Player mit langer Akkulaufzeit und erweiterbarem Speicher sein: Der SanDisk Clip Sport ist quasi der Nachfolger der ausgemachten Referenzklasse, dem Sansa Clip+ (mit Rockbox-Firmware), den SanDisk unverständlicherweise nicht mehr anbietet. Der Nachfolger ist deutlich schlechter – was man SanDisk aber nur teilweise anlasten kann, seht selbst:

Aber bleiben wir zunächst mal neutral, die Features: Klein, Clip, alle wichtigen Formate (MP3, WMA, AAC, OGG, WAV, FLAC, Audible), Farbdisplay, leicht, Equalizer, Shuffle über alle Songs, Instant-Playlisten und laut Hersteller bis zu 18 Stunden Laufzeit. Und auch Positives gibt es zu berichten: Der Player ist extrem leicht, der Clip funktioniert gut, der Klang ist völlig akzeptabel und er hat separate Lautstärketasten (das ist tatsächlich nicht selbstverständlich!). Und jetzt das normal Negative: Die Schrift ist ziemlich groß, so dass zwar alles gut lesbar ist, leider aber nur sehr kleine Parts von Titeln angezeigt werden – natürlich scrollen zu lange Texte, aber leider sehr, sehr langsam und zudem werden an einigen Stellen trotzdem nicht die ganzen Titel angezeigt. Der Player gibt ständig Fehler bezüglich der Speicherkarte aus und verweigert den Zugriff über den Karten-Menüpunkt – über den Ordner-Menüpunkt ist es aber kein Problem. Klar dürfte das an dieser einen Karte liegen, aber entweder es geht, oder nicht, so geht man einfach nicht mit Problemen um. Und letztlich: Die Gehäuseverarbeitung ist gar nicht mal schlecht, aber innen schlackert irgendetwas, vermutlich der Akku (nervt aber nicht allzu sehr). Soweit so normal, aber es gibt noch drei Ärgernisse, die herausstechen:

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Kleine Macken, aber tut, was er soll und ist sehr gut für Sport geeignet.

Ärgernis 1: Abspielreihenfolge in Ordner-Ansicht

Man kann die Abspielreihenfolge nicht manuell ändern – das ist OK. Eine alphabetische Reihenfolge genügt selbst für Hörbücher, sofern die Dateien annähernd vernünftig benannt sind, also etwa 01-titel.mp3, 02-titel.mp3, cd01-titel-04.mp3 und so weiter. Die SanDisk-Pfeiffen haben sich aber etwas anderes einfallen lassen: Abgespielt wird nach der Reihenfolge, in der die Dateien auf den Player kopiert werden. Bitte was?! Yep, die Kopierreihenfolge. Sprich: Ihr kopiert einen Ordner mit 50 Hörbuch-Dateien und abgespielt werden sie dann etwa in der Reihenfolge 4, 22, 1, 30. 43 und so weiter – Windows zumindest kopiert nämlich nach Lust und Laune, nicht nach Alphabet. Wirklich tragisch ist das aber nicht: Dieses Problem gibt es nur bei der Ordner-Ansicht – in Musik- und Hörbuch-Ansicht wird jeweils die korrekte Reihenfolge nach Metadaten verwendet.

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Warum zum Geier darf ich nicht den ganzen Titel sehen?

Ärgernis 2: Lautstärke

Als Tinnitus-Geplagter bin ich für Hörschutz durchaus aufgeschlossen, aber SanDisk versagt hier komplett: Zum einen ist die maximale Lautstärke schlicht ziemlich gering – mir persönlich genügt es vermutlich, aber ob ich bei 30+ km/h auf dem Rad noch zufrieden bin, steht noch in den Sternen. Aber egal, das ist nichtmal das große Problem. Nach knapp der halben maximalen Lautstärke fragt der Player, ob Ihr das wirklich wollt und Ihr müsst, mit Verzögerung, bestätigen – JEDES MAL! Sehr lästig. Update: Die maximale Lautstärke ist zu niedrig – in der Bahn musste ich das Gebrabbel meiner Mitfahrer ertragen, der verdammte Player konnte sie nicht übertönen. Ihr könnt über Replay Gain etwas nachjustieren, aber das kann’s ja auch nicht sein.

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Die Play-Ansicht – leider in bunt und mit Cover, olle Stromverschwender.

Ärgernis 3: Resume

Beim Clip+ gibt es einen Button, um genau an der Stelle weiterzuhören, an der man aufgehört hat – perfekt. Beim Clip Sport gibt es Resume ausschließlich für Hörbücher. Und das auch nur, wenn Ihr wieder zum Hörbuch navigiert und einen beliebigen Update: den zuletzt gehörten Track daraus startet – es kommt dann die Frage, ob Ihr neu starten oder weiterhören wollt. Das ist mehr Aufwand als der eine Resume-Knopf, aber dafür habt Ihr die Funktion auch bei mehreren Hörbüchern, was der eine oder andere durchaus als Vorteil verstehen dürfte. Dennoch ist das bei Musik lästig: Größere Ordner mit individueller Musikauswahl könnt Ihr vergessen, da Ihr immer wieder von vorne hören müsstet. Und wenn Ihr den Player im Supermarkt mal kurz ausmacht, müsst Ihr anschließend wieder manuell zu dem zuletzt gehörten Album/Track navigieren – und bei 8 GB internen Speicher plus Speicherkarte kann die Navigation durch Hunderte Einträge schon mal etwas dauern. Zumal die Musik-Ansicht natürlich auch jeden Künstler und jedes Album von Samplern einzeln listet. Und in der Ordneransicht ist ja nun die Abspielreihenfolge für’n Arsch. Also sind auch Sampler nicht gut aufgehoben.

Nochmal, um das Update klar zu machen: Die Resume-Funktion funktioniert nur bei einzelnen Titeln – also dann, wenn das Hörbuch aus einer großen Datei besteht. Hat Euer Hörbuch 40 Dateien, müsst Ihr immer noch den richtiten Track im Kopf haben – oder fast: Wenn Ihr den ersten Titel startet und dann Resume wählt, starten Folge-Tracks beim Skippen an der zuletzt gehörten Position – sofern Ihr also mittem im Track den Player ausgeschaltet habt, könntet Ihr einfach solange skippen, bis ein Track bei 0 anfängt. Der Track davor war vermutlich der zuletzt gehörte … Das ist natürlich ein schlechter Scherz – für normale Hörbücher ist der Player völlig untauglich!

Tipp: Hörbücher, die aus vielen Dateien bestehen könnt Ihr ganz einfach zu einer großen Datei verschmelzen!

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Resume – nur für Hörbücher!

Fazit: Der Clip+ mit Rockbox-Firmware war der Himmel auf Erden – gute Hardware und eine Firmware, die an den Leistungsumfang eines Desktop-Players herankommt. Der Clip Sport ist hier und da ein wenig deutlich schlechter bezüglich der Bedienung und auch die Hardware scheint vergleichsweise lüttig, der eigentliche große Nachteil: Rockbox-Firmware wird es wohl nicht geben, die Entwickler sind dabei in eine Sackgasse geraten, der Player spielt einfach nicht mit. Und Rockbox ist wesentlich besser als die Original-Firmware. Der Clip Sport ist definitiv mit Abstrichen den Kauf wert, denn trotz einiger gewöhnungsbedürftiger Konzepte ist das Gesamtkonzept stimmig – und es gibt wenig ernsthafte Konkurrenz. Vor allem vermeidet er Kardinalsfehler wie die Bindung an bestimmte Software zum Übertragen von Musik, Verzicht auf reine Ordner-Ansichten oder Hörbuch-Untauglichkeit – wie im Update dargelegt, ist dieser Kardinalsfehler eben doch anwesend. Dennoch: Wenn Ihr viel mit Musiksammlungen via Ordner arbeitet, viele Sampler aufspielen wollt oder einfach gerne sehr laut hört, wird Euch der Player hier und da nerven. Ein Wort noch zu Audible: Habe ich nicht getestet, werde ich nicht testen – wer sich mit dem verkackten Audible abgibt, darf nicht davon ausgehen, dass der Quatsch reibungslos läuft. Das ist ein Audible-/DRM-Problem und ist nicht annähernd SanDisk oder sonstwem anzulasten. Bei Amazon beschweren sich einige Nutzer über mangelnde Audible-Unterstützung, aber darauf solltet Ihr nicht allzuviel geben – das heißt unter Umständen nur, dass es nicht per Plug&Play klappt.

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Die Einstellungen – nur das Nötigste, da kann Rockbox mehr.

Wenn Ihr Euch für den Player entscheidet – kauft ihn über diesen Link, dann verdienen wir mit.

Update: Im Artikel zu Erhöhung der Lautstärke hat Leser Dirk darauf verwiesen, dass es sich bei der Begrenzung um eine EU-Richtlinie handelt, die sich entfernen lässt, wenn man als Ländereinstellung „Rest der Welt“ wählt. Die Anleitung gibt es direkt von Sandisk. Was für ein alberner Scheiss …

  • Preis-Leistung
  • Verarbeitung
  • Bedienung
  • Klang
  • Sport-Tauglichkeit
3

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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Kommentare

  • Die Rockbox Firmware ist ja Wahnsinn! Hab nur kurz die Anleitung überflogen, da wird aus meinem alten Clip ja noch eine Spielkonsole :-) Mal sehen, ob ich es installiere, mir reicht nämlich seit Jahren die originale Random-Abspielfunktion völlig aus. Da die Clipbefestigung abgebrochen ist, habe ich kürzlich erst nach einem Ersatzplayer Ausschau gehalten. Der Markt scheint ja tot zu sein. Schade, dass gute Produkte so oft entweder verschwinden oder verschlimmbesssert werden.

  • Ich höre gerne Hörbücher und Podcasts und habe mir dafür den SanDisk Clip Jam. Bin ganz zufrieden mit dem, er hat aber wohl die gleichen Probleme wie der Sport.

    Mich stört, dass man den Play-Button recht schlecht blind finden kann…

    Danke für deinen Artikel, Gruß Artur

  • UNTERIRDISCH.

    Der Artikel wird als „sporttauglich“ beworben. Für Joggen mag das zutrefflich sein, aber wer gern richtigen, echten Sport treibt, der wird hier schnell auf den Allerwertesten fallen.
    Beim Basketball spielen streifte mich ein Mitspieler und das Kabel löste sich aus dem AUX-Ausgang.
    Dies geschah exakt einmal, am ersten Tag an dem ich dieses Gerät hatte. Ohne große Wucht.
    Das reichte aus, damit in der Buchse kein Kontakt mehr zu meinen Kopfhörern besteht. Für diese absolut billigst verarbeitete und dafür noch völlig überteuerte Plastikschachtel, würde ich keinen Cent mehr ausgeben.
    Der ganze Hersteller ist für mich Geschichte.

    Das mit Abstand Schlimmste ist jedoch:

    Daheim angekommen habe ich das Gerät öffnen wollen, da derartige Defekte leicht selbst zu beheben sind. Dies gelang mir nach einiger Zeit, ohne große Schäden anzurichten (man hat jedoch gemerkt, der Hersteller will nicht, das man selbst repariert, am besten soll man neue Ware kaufen.).
    Nachdem ich das Gerät wieder zusammengebaut hatte (billiger Plastikschund), funktioniert jetzt gar nichts mehr.

    Die Soundqualität war von Anfang an schon mies.
    In der heutigen Zeit wird man nur noch mit dem billigsten und kurzlebigsten Schund zugemüllt und die Umwelt muss darunter leiden.
    DO NOT SUPPORT THIS!

    • Yep, sporttauglich geht ander; auch schön: Beim Fahrradfahren führe ich das Kabel durch den Ärmel und clippe den Player an den Ärmel – und bei Regen ist anschließend Feuchtigkeitn, nein – Nässe, im Player … Beim alten Clip+ war das nie ein Problem. „Sport“ heißt in diesem Fall glaube ich nur „blau“.

  • Die Lautstärkebegrenzung ist eine blöde EU Verordnung. Sie sollte die Verbraucher schützen, vermutlich aber im Endeffekt wie immer zukünftige Krankenkassenkosten reduzieren, zum Nachteil der Hörgeräte Anbieter :). Man kann die normale Lautstärke sehr einfach einstellen – unter Settings > System Settings > Restore gehen (falls Daten auf internem Speicher sind > Backup zuest auf Rechner ziehen bzw. falls SD Ext Card drinnen ist, vorher sicherheitshalber rausnehmen), dann unter Region beim Start > Rest of World einstellen, damit man die EU Vorgaben umgeht und dann Settings > System Settings > Volume > High einstellen. Schon hat man die normale Leistung wie beim Vorgänger Sanda Clip. Was mich viel mehr tierisch aufregt ist, dass der Sansa Clip Sport keine Voice Recorder Funktion mehr hat (war super für Hörbucher oder mobile Ideen/Notizen speichern geeignet (für Musiker der Hammer, Idee im Kopf, schnell aufnehmen), die perfekte Wanze auch im Unterricht, um zu Hause nochmal alles zu wiederholen… man konnte locker das kleinste Geräusch aus über 20m Entfernung noch aufnehmen) und der Custom Equalizer nur 5 Bänder hat. Aber immerhin, er bietet noch einen rudimentären EQ an, im Gegensatz zu Smartphones, wo man wieder einmal irgendeine kostenpflichtige App braucht, da die Umsonst-Apps voll mit Werbung sind oder keine Listen unterstützen bzw. keinen EQ haben und die sich sowieso nicht rentieren – nicht die gleiche Klangqualität und Lautstärke wie ein Mini Sansa Clip, der vom Akku paar Tage durchhält, wo das Smartphone nach einem Arbeitstag leer ist und viel zu groß und zu schwer ist, um es beim Sport mit dabei zu haben.

    Fast jedes Update oder jede Modernisierung eines Preis-Leistungsgeräts schmälert die Funktion oder mindert einfach den Nutzwert, so dass man gezwungen wird, wieder separate Geräte zu kaufen, was ich natürlich nicht tue. Besser man kauft sich den Vorgänger billig gebraucht, aber da braucht man Glück, da der Kopfhörer Ausgang komplett ausgeleiert sein wird, da fast jeder jeden Tag Musik hört, der so ein Gerät kauft :).